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Thema: Frank Beyer

  1. #1
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    Frank Beyer



    Von "epd Film". Aktuelle Ausgabe:

    Bescheiden und Unbeugsam: Zum Tod von Frank Beyer

    Zwei Tage vor dem Tag der Deutschen Einheit starb der wohl renommierteste DDR-Filmemacher Frank Beyer im Alter von 74 Jahren. Sein widersprüchliches Verhältnis zum Sozialismus spiegelte sich oftmals in seinem Werk wieder, das aus zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen besteht, aber auch viele Theaterproduktionen umfaßt. Fast dreißig Jahre lang war Beyer Mitglied der SED und trotz der teilweise massiven Zensur seitens der Partei an seinem kreativen Werk und der Ausbürgerung von Freunden und Verbündeten wie Wolf Biermann, blieb Beyer Parteigenosse und äußerte sich selbst nach dem Fall der Mauer als Befürworter einer reformierten DDR.

    Der Konflikt zwischen naivem Idealismus und unterwürfigem Konformismus beschäftigte Beyer auch in seinen Filmen, wie zum Beispiel in dem Fernseh-Zweiteiler „Nikolaikirche“ (1995) oder der Verfilmung von Manfred Krugs Autobiographie „Abgehauen“ (1998). Grundsätzlich stechen zwei Themengebiete in Beyers Werk hervor: „sichere“, weil parteikonforme Kriegs- und Nachkriegsgeschichten, die ihm in seinen Anfängen als DDR-Regisseur große Anerkennung einbrachten (z.B. „Nackt unter Wölfen“ (1962), und andererseits kritische Gegenwartsgeschichten, wie „Spur der Steine“ (1966), sein vielleicht berühmtester Film, der von der Partei verboten wurde. Der Grund für diesen Eklat war die Darstellung eines Parteisekretärs, die als nicht positiv genug empfunden und somit als schädlich für die Ziele des DDR-Staats eingestuft wurde. Bei einer Vorführung des Films protestierten von der Partei geschickte Randalierer lautstark gegen den Film und bewirkten so, dass der Film bis zum Fall der Mauer in der DDR nicht mehr gezeigt werden durfte.

    Nach dem 8-jährigem Drehverbot und diversen Theaterproduktionen bekam Frank Beyer in den 70er Jahren schließlich auch internationale Anerkennung: Die Verfilmung von Jurek Beckers Roman „Jakob der Lügner“ (1974) führte zu einer Oskar-Nominierung und wurde auch auf der Berlinale 1975 mit dem Silbernen Bären belohnt. Doch auch nach diesen Erfolgen blieb das Verhältnis zwischen Beyer und der SED angespannt. Zwei weitere Filme, die Beyer Ende der 70er Jahre drehte, verstaubten im Filmarchiv, weil sich deren Hauptdarsteller kurz vor Veröffentlichung der Filme in den Westen abgesetzt hatten. Das waren zum einen Manfred Krug in dem Ehedrama „Das Versteck“ (1976) und Armin Mueller-Stahl, der die Hauptrolle in „Geschlossene Gesellschaft“ (1978) spielte. Erst Jahre später fanden diese Filme ihren Weg zu einem größeren Publikum und erhielten damit ihre Anerkennung. Über die Qualität seiner Filme in der DDR-Zeit sagte er, dass sie alle einen künstlerischen Anspruch haben, aber dass „Kassenknüller“ von ihm nicht zu erwarten seien.

    Beyer gehört zu den wenigen DEFA-Regisseuren, die auch nach der Wende Aufträge erhielten, vor allem für Fernsehproduktionen. Der wohl bekannteste Fernsehfilm ist neben „Nikolaikirche“ sicherlich „Der Hauptmann von Köpenick“ (1997), mit Harald Juhnke in der Hauptrolle.

    Mit Frank Beyer geht ein großes Stück ost-west-deutsche Filmgeschichte zu Ende.

    Anita Wohlmann
    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
    und hinter tausend Stäben keine Welt.
    Rainer Maria Rilke

  2. #2
    Admin Avatar von Matt
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    Re: Frank Beyer verstorben

    und, wie ist deine eigene Meinung?
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

  3. #3
    Regisseur
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    Re: Frank Beyer verstorben

    Verzeih! Die habe ich im Eifer des Gefechts ganz vergessen Kund zu tun. Ich kann es nicht genau sagen, weil ich mich noch nicht eingehend mit dem DEFA-Film befasst habe. Ich habe lediglich "Jakob, der Lügner" gesehen und den fand ich herausragend (einzige Oscar-Nominierung für einen DDR-Film). Aber zum Anlass seines Verscheidens fand ich wichtig seinen Tot zu thematisieren um mich und andere dazu anzuregen sich mit diesem wichtigen Teil des Deutschen Films zu befassen und da halte ichFrank Beyer für einen ganz akzeptabelen Einstieg. Entnehme ich doch den Aussagen zeitgenössischer Kritik, dass sein Oppurtinismus mit der DDR nicht allzu groß, aber auch nicht gänzlich verschlossen war.
    Wie sieht's denn bei dir/euch so aus? Kennst du/ihr irgendwelche DEFA-Filme, die gut oder schlecht sind?
    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
    und hinter tausend Stäben keine Welt.
    Rainer Maria Rilke

  4. #4
    Regisseur
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    Re: Frank Beyer verstorben

    Nein, kein Interesse. Warum sollte man sich als Wessie irgendwelche (zumeist eh regime-tolerierten) Filme oder Fernsehserien eines längst obsoleten Regimes wie der DDR antun?

  5. #5
    Regisseur Moderator
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    Re: Frank Beyer verstorben

    Ich habe da so eine Vorahnung:

    Wenn ihr über DEFA Filme generell diskutieren wollt, dann bitte im Movies Bereich.

    Danke und Gruss,

    Argo
    -"Shoot him again"
    -"What for?"
    -"His soul is still dancing"

  6. #6
    Regisseur
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    Re: Frank Beyer verstorben

    Weil man ihnen mit einer kritischen Betrachtungsweise wichtige Aspekte der DDR entnehmen kann. Was ist denn das für eine Frage?!
    Sollte man jetzt auch nicht mehr die Gobbels-Tagebücher lesen nur weil man anderer Meinung ist? Das versteht sich doch ohnehin von selbst, oder? Riefenstahls "Triumph des Willens" hat wahrscheinlich mehr Einfluss auf den zeitgenössischen Film als irgendein anderer Film aus der Vergangenheit. Sollte man sich davor verstecken, nur weil man die politische Botschaft hinter "Triumph des Willens" ablehnt? Dann könnte man ja auch gleich die Konzentrationslager und Gulags abreißen und sagen: "Ich bin kein Nazi, ich bin kein Kommunist, deswegen will ich dass sie abgerissen werden!"
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    Rainer Maria Rilke

  7. #7
    Regisseur
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    Re: Frank Beyer verstorben

    Zitat Zitat von Argonaut
    Ich habe da so eine Vorahnung:

    Wenn ihr über DEFA Filme generell diskutieren wollt, dann bitte im Movies Bereich.

    Danke und Gruss,

    Argo
    Tut mir leid, aber dieses ständige: "Verschieben wir doch die Diskussion lieber dahin oder dahin..." empfinde ich irgendwie unsinnig. In manchen Fällen ist vielleicht angebracht, aber wir befinden uns doch in einer Diskussion und in der kann und soll auch gar nicht immer alles in eine stringente Richtung verlaufen, oder?
    Zudem eröffnen sich durch ähnliche Zusammenhänge auch wiederum Aspekte, die (fast) immer mit dem ursprünglichen Thema zu tun haben. Wenn man über Frank Beyer und seine Wirkung diskutiert, warum dann nicht auch über den "DEFA-Film", der unwiederbringlich mit ihm zusammenhängt?
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    Rainer Maria Rilke

  8. #8
    Regisseur Moderator
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    Re: Frank Beyer verstorben

    Der Grund ist recht einfach:

    Wenn in 9 Monaten User X dieses Forum betritt und über DEFA Filme reden möchte, wird er über die Suche nur dieses Topic finden, in dem es um den Tod von Herrn Beyer (bzw. um den "Walk of Fame") geht und nicht primär um DEFA Filme.
    Das sind für mich schon 2 verschiedene Bereiche.
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  9. #9
    Regisseur
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    Re: Frank Beyer verstorben

    Zitat Zitat von Argonaut
    Der Grund ist recht einfach:

    Wenn in 9 Monaten User X dieses Forum betritt und über DEFA Filme reden möchte, wird er über die Suche nur dieses Topic finden, in dem es um den Tod von Herrn Beyer (bzw. um den "Walk of Fame") geht und nicht primär um DEFA Filme.
    Das sind für mich schon 2 verschiedene Bereiche.
    Diesen Einwand kann ich verstehen, aber dennoch halte ich es für fragwürdig jeden Beitrag im Hinblick auf User X zu schreiben. Dann hat man am Ende nämlich noch weniger: User X wird sich aufgrund der zielgerichteten Diskussionen zu Tode langweilen und obendrein hat man auch noch eine leblose Aneinanderreihung von Informationen. Willst du das?
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    Rainer Maria Rilke

  10. #10
    Regisseur
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    Re: Frank Beyer verstorben

    Zitat Zitat von Morten
    Weil man ihnen mit einer kritischen Betrachtungsweise wichtige Aspekte der DDR entnehmen kann. Was ist denn das für eine Frage?!
    Sollte man jetzt auch nicht mehr die Gobbels-Tagebücher lesen nur weil man anderer Meinung ist? Das versteht sich doch ohnehin von selbst, oder? Riefenstahls "Triumph des Willens" hat wahrscheinlich mehr Einfluss auf den zeitgenössischen Film als irgendein anderer Film aus der Vergangenheit. Sollte man sich davor verstecken, nur weil man die politische Botschaft hinter "Triumph des Willens" ablehnt? Dann könnte man ja auch gleich die Konzentrationslager und Gulags abreißen und sagen: "Ich bin kein Nazi, ich bin kein Kommunist, deswegen will ich dass sie abgerissen werden!"
    Die DDR ist mausetot und alle ehem. DDR-Bürger sollten eigentlich gottfroh sein, daß dieses Unrechts-Regime geschlossen wurde und deren Bürger befreit und so schnell zum 1:1-Kurs in die Bundesrepublik aufgenommen wurden. Ich freu mich auch für diese Menschen. Aber das ist deren "Geschichte" und nicht die meine als Westdeutscher. Ossies und Wessies, so sehr wir jetzt vereint sind, haben ihre jeweils eigene Historie und keine gemeinsame.
    Für ehemalige DDR-Bürger mag es von Belang sein aber als Westdeutscher, dessen Geschichte die DDR nie war, sehe ich keinen Sinn darin DDR-Filme oder Filmemacher zu sehen. Das Meiste wird eh Regime-gefärbt gewesen sein.
    Genauso wenig seh ich einen Sinn darin Bücher oder Filme von Goebbels, Hitler, Riefenstrahl und dem anderen Nazi-Gesocks zu lesen oder anzusehen, weil man denen dann damit auch noch eine Plattform bietet bzw. diese Unwerke auch noch einen Empfänger (=Leser, Zuschauer) finden anstatt sie mit der gebotenen Ignoranz abzustrafen.
    Und alte Nazi-Propaganda oder DDR-Propaganda muß man sicher auch nicht mehr aufwärmen.

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