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Thema: Oliver Stone

  1. #1
    Regisseur
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    Oliver Stone



    Mit intelligenten Drehbüchern machte Oliver Stone zu Beginn der 80er von sich Reden: Er schrieb die Vorlagen zu Parkers "Midnight Express" zu DePalmas "Scarface" und zu Millius' "Conan". Nachdem sein Regiedebüt "Die Hand" (mit Michael Caine) zum kommerziellen Desaster geriet, dachte Stone in neue Richtungen. Statt thrilligem Mainstream wollte er seine Vietnam-Erfahrungen zu einem Film verarbeiten. "Salvador", die intelligente Kritik am amerikanischen Imperialismus geriert noch zur Parabel auf Vietnam. "Platoon" schließlich sollte der erste Vietnam-Film sein, der schonungslos die Qualen, aber auch die Täterschaft der amerikanischen Soldaten im Vietnam-Krieg offenbarte. Es folgten Oscars und Ehre. Stone war der gefeierte Rebell. Was folgte waren bitterböse Abgesänge auf die USA: "Wall Street" wurde mit Hilfe der Figur Gordon Gekko zur filmischen Ikonografie der raffgierigen 80er Jahre. "Talk Radio" (sein subtilster Film) intelligente Medienkritik. "Geboren am 8.Juli" schließlich befasste sich (diesmal etwas pathetischer) mit den Spätfolgen von Vietnam. Die Heimkehrer kehren aus dem Dschungel in ihr inzwischen verlogenes Vorstadt-Leben zurück.
    "The Doors" setzte Jim Morrisson sein lang verdientes Denkmal. In rauschhaft suggestiven Bildern, die beinahe direkt aus Stones ständiger Drogenerfahrung herrühren, setzte er das Leben und Leiden des vielleicht größten Rockstars des 20. Jahrhunderts in Szene.
    "JFK" schließlich wurde zum ersten Stone'schen Verschwörungsthriller um die Machenschaften um das Attentat auf John F. Kennedy. Viele meinen, er habe damit einen großartigen Film abgeliefert, er verlor jedoch auch an Glaubwürdigkeit indem er erstmals Mutmaßungen zu Wahrheiten erklärte.
    Einer seiner beinahe vergessenen und besten Filme "Zwischen Himmel und Hölle" ist der letzte Teil seiner "Vietnam-Trilogie": Waren es in "Platoon" das Schicksal der Soldaten, in "Geboren" das Leiden der Heimkehrer, wagte sich Stone in seinem dritten Filman die Geschichte der sexuell und menschlich ausgebeuteten Opfer eines gnadenlosen Krieges.
    "Natural Born Killers" wurde für Stone zum künstlerischen Befreiungsschlag. In einer an Wahnsinn grenzenden Montage setzte er sich beinahe bösartig-zynisch mit der gegenwärtigen Gewaltdarstellung in den Medien auseinander. "NBK" ist ein böser Zwitter: Zum einen, ein Film der sich offensichtlich in seiner zur Schau gestellten Brutalität suhlt, sie aber gerade dadurch in ihrer medialen Wirkung nachvollziehbar macht.
    "Nixon" schließlich, sein zweiter Film über einen amerikanischen Präsidenten drehte Stone als operettenhafte Shakespeare-Tragödie.
    Mit "U-Turn", im "wilden" Gestus seines "Natural Born Killers", gelang Stone das Meisterstück eines modernen "Film Noir". Mit Sean Penn, Nick Nolte und Joaquin Phoenix besetzt persifliert er darin humorvoll die Rückständigkeit des amerikanischen Mid-West.
    Seine Football-Tragödie "An jedem verdammten Sonntag" wurde weitgehend ignoriert. Seine Parallelisierung von Football mit den römischen Gladiatoren nimmt sich denn auch tatsächlich einiges zu viel raus.
    Nach zwei eher kritisch vernommenen Dokumentarfilmen über Fidel Catro und Jassir Arafat, die ihm endgültig den Vorwurf einbrachten ein linksradikaler Manipulateur zu sein, widmete sich Stone einem langjährigen Traumprojekt: "Alexander". Sein letzter Film bevor er gestern Abend plötzlich verstarb, wurde in Kritikerkreisen verrissen und erntete nur mäßgen Erfolg an den Kinokassen.

    Ich trauere um einen mutigen Regisseur einiger bemerkenswerter Klassiker. Stones Filme kranken zwar nicht selten an einer etwas eindimensionalen Haltung und an einer eher eigenwilligen, denn kritisch-distanzierten Ansicht von Inszenierung und Wahrheit, sind aber gerade aus ihrer unerschütterlichen Dynamik und kraftvollen Überzeugung heraus, beeindruckende Potraits moderner "amerikanischer Verletzlichkeit".
    Nach dem 11.September plante Stone einen Film im Stile von "Die Schlacht um Algiers", der sich sowohl der Sicht der Täter, als auch der Opfer des 11.Septembers widmen sollte.
    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
    und hinter tausend Stäben keine Welt.
    Rainer Maria Rilke

  2. #2
    Regisseur
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    Re: Oliver Stone verstorben

    Wie jetzt??? Da traure ich doch glatt ernsthaft mit. Mochte viele seiner filme...

    Aber woher die info? Lese noch nirgends was bisher...
    ~Man muss das Absurde akzeptieren, um es bekämpfen zu können!~

    http://myspace.com/killtank

  3. #3
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    Re: Oliver Stone für Morten verstorben

    Nanana Morten....
    Topictitel geändert.
    Ich lasse das hier mal offen, für weitere Diskussionen über O. Stone.
    -"Shoot him again"
    -"What for?"
    -"His soul is still dancing"

  4. #4
    Regisseur Moderator Avatar von Anne
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    Re: Oliver Stone, für Morten ,verstorben



    Um das mal klarzustellen:

    Oliver Stone ist nicht tot.

    Er ist bloß für Morten im übertragenen Sinne "gestorben", weil Morten seinen neuen Film "World Trade Center" ganz ganz ganz ganz fürchterlich findet.

    Zitat Zitat von Morten
    Ich hab während des Films eigentlich fast nur lachen müssen. [...] Für mich ist Oliver Stone an diesem Abend gestorben.
    Ausführlich nachzulesen hier.

    Oh, und Morten?
    Zitat Zitat von Morten
    "Geboren am 8.Juli" schließlich befasste sich (diesmal etwas pathetischer) mit den Spätfolgen von Vietnam.
    Der Film heißt "geboren am 4. Juli". Weißt schon, Unabhängigkeitstag und so...

  5. #5
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    Re: Oliver Stone, für Morten ,verstorben

    Uuuuh, was für ein unangenehmer Anblick. Der Champion taumelt von einem harten Uppercut der Herausforderin getroffen in die Ringecke. Nur der Gong kann ihn noch retten.
    Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.

  6. #6
    Regisseur
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    Re: Oliver Stone, für Morten ,verstorben

    Zitat Zitat von Anne
    Oh, und Morten?
    Zitat Zitat von Morten
    "Geboren am 8.Juli" schließlich befasste sich (diesmal etwas pathetischer) mit den Spätfolgen von Vietnam.
    Der Film heißt "geboren am 4. Juli". Weißt schon, Unabhängigkeitstag und so...
    Ach Scheiße! An dem Tag hat meine Schwester Geburtstag deswegen denke ich bei Juli immer an den "8. Juli".

    Na ja...deinem Unterton entnehme ich nicht eine gewisse Gehässigkeit, die ich einfach mal kommentarlos stehen lassen will.
    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
    und hinter tausend Stäben keine Welt.
    Rainer Maria Rilke

  7. #7
    laertes
    Gast

    Re: Oliver Stone, für Morten ,verstorben

    mit den (falsch gesetzten) kommata sieht der topictitel shice aus. ich wünsche mir, man möge ihn in richtige und ästhetische formen bringen, zB:

    oliver stone - für morten! - verstorben

    oder

    oliver stone (für morten!) verstorben

    oder

    oliver stone verstorben - für morten!

    das wäre ausserdem auch aussagekräftiger. danke für die erfüllung meines wunsches.

    immer im dienste der guten deutschen sprache:

    laertesdd

  8. #8
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    Re: Oliver Stone - für Morten - verstorben

    Ich kann es nicht verstehen, das du dich abwendest. Ich bin glühender Fan von Robert de Niro und mir ist kla, das er seit Jahren keinen guten Film mehr gemacht hat. Jedoch bin ich nicht böse. Klar, ich bin enttäuscht, aber ich habe Dinge wie "Taxi Driver" oder "Raging Bull". Oliver Stone ist einer meiner Lieblingsregisseure, er gab uns "JFK", "Platoon" und "Any Given Sunday". Selbst, wenn "World Trade Center" so scheiße ist...nach dem Film ist vor dem Film. Jeder macht mal Fehler. So lange mein Held nichts gutes zu Stande bringt, denke ich mit Freuden an das zurück, was er mir gegeben hat.
    You can't be wise and in love at the same time - Bob Dylan

    http://www.humanspotlight.de.vu/

  9. #9
    Bob
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    Re: Oliver Stone - für Morten - verstorben

    Zitat Zitat von Morten
    Sein letzter Film bevor er gestern Abend plötzlich verstarb
    Oh Mann, Morten! Mir ist das Herz in die Hose gerutscht, als ich den Satz gelesen habe.
    Shame on you!!!
    In der Hölle wirst du dafür schmoren! :wink:
    But from that moment on, Hermione Granger became their friend.

  10. #10
    Regisseur
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    Re: Oliver Stone - für Morten - verstorben

    Zitat Zitat von Danwalker
    Ich kann es nicht verstehen, das du dich abwendest. Ich bin glühender Fan von Robert de Niro und mir ist kla, das er seit Jahren keinen guten Film mehr gemacht hat.
    Ja. Bei allen Anderen finde ich solche Vergehen ja auch verzeihlich. Aber dass ausgerechnet Stone einen solchen Film gedreht hat...das kann ich einfach nicht hinnehmen.
    Ich meine...im Grunde komprimiert "World Trade Center" all das was "Natural Born Killers" noch bis auf's Schärfste kritisiert hat. In "Platoon" sehen wir Soldaten für "Nichts" kämpfen, in "World Trade Center" sagt ein Marine zu dem Verschütteten, den er retten will: "Ich bin Marine und Sie sind meine Mission."
    Auch wenn Stone sagt, sein Film sei nicht politisch (was absoluter Nonsens ist, da nichts so sehr "politisch" ist wie der 11. September) hätte er als gestandener Linker nie im Leben eine solche Szene drehen dürfen. Selbst wenn sie sich so ereignet hat (und das hat sie garantiert nicht), müsste er dem einfach noch eine kritische Note hinzufügen.

    Nein, nein. Oliver Stone hat seine Ideale verraten. Nicht ein bisschen (so wie es sehr Vielen passiert) sondern mit ganzer Leib und Seele.
    Ich weiß nicht woran es liegt: Vielleicht hatte Stone die Flops einfach satt, vielleicht sehnte er sich danach sich neu zu erfinden und tat es dann ähnlich radikal wie damals bei "Platoon". Nur eben in die entgegen gesetzte Richtung.
    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
    und hinter tausend Stäben keine Welt.
    Rainer Maria Rilke

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