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Thema: Elem Klimow

  1. #1
    laertes
    Gast

    Elem Klimow

    Verwegene Hoffnung
    Zum Tode von Elem Klimow

    von Peter W Jansen


    Er war einer der ersten Filmemacher der Perestroika, damals, als der von ihm geleitete sowjetische Filmverband - noch vor dem Verband der Schriftsteller - Gorbatschow nicht nur folgte, sondern ihn auch bestätigte und antrieb. Abschied von Matjora, Agonie, Komm und sieh - nur drei Filme sind es, die Elem Klimow hinterlässt. Aber es sind drei große, unvergleichliche Filme. Sowohl der Film über die Vernichtung einer Insel und eines Dorfs durch die Anlage eines Stausees als auch der Film über den Niedergang des Zarenreichs im Zeichen des unheilvollen Wunderheilers Rasputin. Und schließlich der schier unfassliche, kaum zu ertragende Film über die Auslöschung eines Dorfes in Weißrussland durch deutsche Truppen. Alle drei sind Dokumente der Trauer angesichts der Unbarmherzigkeit der Geschichte, der Uneinsichtigkeit des Menschen und seiner blinden Zerstörungswut.
    Unvergesslich sind die bis ins kleinste Detail genauen, oft durch nahezu opernhafte Ausstattung schier überbordenden Tableaus, die mit großer Gelassenheit ausgebreiteten Landschaftspanoramen. Und immer wieder die Gesichter von Darstellern wie Laien, die sich, sorgsam ausgeleuchtet, in die Erinnerung graben. Die alten Frauen des sterbenden Dorfs Matjora oder der Junge, der Zeuge von Vergewaltigung und Massenmord wird, oder selbst der letzte Romanow-Zar, der tatenlos dem Untergang Russlands wie seinem eigenen zusieht - sie leben in ihren großen traurigen Augen, denen das Licht eine unergründliche Tiefe gibt. Es sind Augen, die alles gesehen haben, oder die schon wissen, dass sie noch alles sehen werden, Augen, die sich schließen möchten, aber es so wenig vermögen, wie sich die Sterne vom Himmel holen lassen. Das gibt den durchweg zwei oder zweiundeinhalb Stunden langen Werken des Filmepikers Klimow eine geradezu verwegene Hoffnung mit, weil sie von einer Schönheit zeugen, die sich nicht vergewaltigen lässt.
    Im damaligen Stalingrad geboren, hatte Elem Klimow in Moskau am Luftfahrtinstitut studiert und auch kurze Zeit als Ingenieur gearbeitet, ehe er zuerst als Auslandskorrespondent für Fernsehen und Radio tätig war, bevor er die Filmhochschule WGIK besuchte. Da war Michail Romm sein Lehrer, von dem Klimow nicht zuletzt die epische Kraft der Verbindung des Dokumentarischen mit dem Fiktiven lernte, die zumal in seinem Rasputin-Film Agonie überzeugte. Dennoch blieb der Meisterschüler über lange Jahre unbekannt, weil seine kritische Intelligenz in der Breschnew-Ära unerwünscht war. Aus dieser Zeit stammen satirische Kurzfilme über den sowjetischen Alltag, Filme, die jenseits der ehemaligen Sowjetunion unbekannt geblieben sind. Klimows Zeit sollte erst mit Gorbatschow kommen.
    1968 zum Ersten Sekretär des allsowjetischen Filmverbands gewählt, leitete er zusammen mit dem Ausschussvorsitzenden Andrej Plachow die Freigabe bisher unterdrückter Filme ein. 1968 sah man ihn auch auf internationalem Parkett. Bei den Filmfestspielen in Berlin trat er mit Jack Valenti, dem mächtigen Boss der amerikanischen Filmindustrie, gemeinsam auf, als Vertreter der neben den USA zweitgrößten Filmnation der Welt. Doch aller Ruhm kam nicht an gegen die Krankheit der Selbstzerstörung, die ihn wohl spätestens befallen hatte, als seine Frau Larissa Schepitko bei einem Autounfall starb. Er hat ihr ein filmisches Denkmal gesetzt, mit einem Dokumentarfilm, aber vor allem mit dem Abschied von Matjora, den sie noch zu drehen angefangen hatte. Elem Klimow starb am Sonntag im Alter von 70 Jahren in Moskau.

    (Quelle: frankfurter rundschau vom 30. 10. 2003)

  2. #2
    Admin Avatar von Matt
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    21.679

    Re: Elem Klimow verstorben

    Habe leider noch nie etwas von ihm gesehen, durchaus aber jede Menge über ihn gelesen/gehört.

    "Иди и смотри"
    "Come and See"

    Where would we be without the Nazis? They're such obliging moral targets, so beyond the pale of ordinary human consideration, that we can batter them around with impunity and still feel good about ourselves. No muss, no fuss, the perfect tomato-can adversary. Director Elem Klimov, onetime head of the Soviet Filmmakers Union, gets a lot of mileage out of this coarse imbalance, and the result is a film that's longer on satisfied outrage than on complex understanding. This 1985 story of a Belorussian youth whose village is destroyed by a band of Nazi savages (even Erich von Stroheim's commandant in Lewis Milestone's The North Star, a 1943 paean to Russian anti-Nazi resistance, seems more recognizably human than his bestial counterpart here) was commissioned by the Soviet government to commemorate the 40th anniversary of the Allies' victory over Hitler. Some commemoration. I suppose that never forgetting has its place, but not when it insists on such narrowly righteous fantasies of revenge. (Pat Graham - Chicago Reader)
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

  3. #3
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    Re: Elem Klimow verstorben

    Von seinen drei wichtigsten Arbeiten, "Agonie", "Abschied Von Matjora" und "Komm Und Sieh", habe ich die beiden ersten gesehen.

    Klimov war breit, bildgewaltig und sehr russisch. Ein bißchen wie Tarkovsky manchmal...

  4. #4
    laertes
    Gast

    Re: Elem Klimow verstorben

    im kino casablanca in dresden läuft vom 11 XII 03 bis 16 XII 03 eine elem-klimow-retrospektive.

  5. #5
    Admin Avatar von Matt
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    21.679

    Re: Elem Klimow verstorben

    Und da wir alle so nahegelegen zu Dresden wohnen ist das wirklich klasse
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

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