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Thema: Leni Riefenstahl

  1. #1
    laertes
    Gast

    Leni Riefenstahl

    da besagte dame in letzter zeit durch viele foren und topics spukt, ist es an der zeit, ihr - obwohl sie es IMO nicht verdient hat - ein eigenes topic zu eröffnen.

    ich beginne dementsprechend gleich mit TOP 1: der französische hitlergruß im 'olympia' von 1936. zur erläuterung: der olympische gruß wird zur seite gestreckt. der hitlergruß nach vorn. der theater- und filmwissenschaftler jürgen trimborn hat das gesamte - auch das nicht verwendete - material aus 'olypmpia' gesichtet. demnach hat riefenstahl den einzug der französischen olympioniken mit dem olympischen gruß folgendermaßen verfremdet:

    a) einmarsch der französischen mannschaft,
    b) [schnitt] bild eines den nazi-gruß vollführenden hitlers (aus einer eigentlich völlig anderen szene),
    c) [schnitt] die franzosen, den arm seitwärts streckend.

    eindeutige propagandistische tatsachenverfälschung zur demonstration eines scheinbar hitlertreuen französischen staats.

    im übrigen war riefenstahl sehr begeistert, als die deutschen in frankreich einmarschierten (wie sie auch an der polnischen front ihre filmaufnahmen für ein geplantes, patriotisches werk über die stärke der deutschen wehrmacht zusammenstellte; aber die arbeit an tiefland[verfilmung der lieblingsoper hitlers] hatte letztlich doch vorrang).

    btw: lester, ich empfehle Dir dringendst, einen blick in jürgen trimborns biographie 'leni riefenstahl - eine deutsche karriere' zu werfen. der mann hat sich 10 jahre lang mit riefenstahls person und werk und allen sonstigen details beschäftigt. es ist erschreckend zu lesen (und zwar im gegensatz zu fast der gesamten presse, die sie - nicht ohne ihre einflussnahme versteht sich - verherrlicht), wie diese alte dame mit einer unterlassungsverpflichtungsklage nach der anderen um sich schmeisst und reportern extremste maulsperren auferlegt, nur um zu verhindern, dass irgend jemand sie auf ihre vergangenheit, ihre begeisterung für das nationalsozialistische regime oder ihren antisemitismus anspricht. denn dies alles ist tatsache. trimborn belegt es mit geheimdokumenten, ausschnitten aus goebbels tagebuch ('frau riefenstahl war begeistert über den vorschlag, einen propagandafilm für hitler zu machen'), zeitungsartikeln etc. pp. ein unglaubliches buch. und dabei ist er nicht als gegner an das 'faszinosum riefenstahl' herangegangen, sondern als interessierter. hat dann aber schnell herausgefunden, wie sehr es riefenstahl liebt, tatsachen zu verdrehen oder zu verleugnen und ihre sicht der dinge in den vordergrund zu stellen. eine sicht, die trimborn gekonnt, detailliert und umfangreich widerlegt.

    ich glaube dieser frau gar nichts. @lester: denk doch nur einmal an ihre aussage, sie hätte hitler nur einmal telefonisch gesprochen! PAH! sie fast war seine DUZFREUNDIN - und ihre lächerliche aussage, sie hätte hitler zur rede gestellt mit den worten: 'wenn ich jüdin wäre, hätte ich diese chance nicht.' ist einfach FALSCH! sie war antisemitin (ließ sich aber bis anfang 33 über 10 jahre von einem reichen juden aushalten). und mit streicher, dem herausgeber des stürmer war sie sogar innigst freundschaftlich verbunden. und sprach davon, ihn nur wenige male gesehen zu haben!

    revidiere Dein bild, lester. sie war eine anhängerin dieses großdeutschen teufelskultes, keine opportunistin...

    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: laertesdd am 2002-09-05 22:04 ]</font>

  2. #2
    Admin Avatar von Matt
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    Leni Riefenstahl

    da stimme ich vollkommen zu!

    Ich habe letztens einen sehr guten, langen und ausführlichen Artikel über Riefenstahl im Süddeutschen Zeitung Magazin (erscheint jede Woche einmal) gelesen - Stoiber lässt sich ja auch gerne zusammen mit ihr in der Öffentlichkeit, wie soviele andere Persönlichkeiten auch. Das Frau Riefenstahl alles was damals zwischen ihr Hitler, Goebbels usw. vorgefallen war heute bestreitet ist sowas von abstrus... denn dafür gibt es etliche Beweise und Belege. Es soll jetzt sogar ihr Leben verfilmt werden von- und mit bekannten Hollywood Größen!

    Leni Riefenstahl - alle feiern! - WIR (ich) nicht!

    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: Matt. am 2002-09-05 18:15 ]</font>
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

  3. #3
    Regisseur
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    Leni Riefenstahl

    Immer langsam...

    Goebbels schreibt in seinem Tagebuch, er und Hitler hätten eine sehr innige Beziehung zu Riefenstahl gehabt. Leni Riefenstahl bestreitet dies.
    Jetzt ist die Frage, wem will man da glauben? Etwa dem Geschreibsel des Propagandaministers des Dritten Reiches, wie du es scheinbar tust, laertes?! Da hätte ich meine Bedenken...

    Fakt ist in jedem Fall, daß Leni Riefenstahl für Hitler gearbeitet hat. Daran möchte ich nicht zweifeln. Fakt ist auch, daß ihre Filme eine politische Färbung haben. Ebenso ist es klar, daß Leni Riefenstahl zumindest bei einigen Anläßen mit Hitler und Goebbels zusammen war, was jedoch zu einer "Arbeitsbeziehung" wohl dazugehört. Natürlich hat Leni Riefenstahl Filme für die Nazis gedreht; aber man sollte dabei vielleicht auch einmal bedenken, daß zu dieser Zeit ein extrem großer Teil der Bevölkerung auch absolut ideologisch auf Seiten der Nazis stand.
    Wenn ihr mal nachfragt (sofern möglich), ist es ziemlich wahrscheinlich, daß auch in euren Familien Menschen waren, die in der Zeit von 1933 - 1945 zumindest mit den Nazis sympathisiert haben.
    So unbegreiflich das für unsere heutige Generation sein mag, so war es damals völlig normal und nicht nur das Resultat eines Zwangs, für die Nationalsozialisten zu sein. Ich möchte damit niemanden, der wirklich an Verbrechen beteiligt war, von einer Schuld lossprechen, bloß deswegen, weil eben "alle mitmachten". Keinesfalls...

    Aber ich finde es dennoch äußerst dreist, heute auf Künstler zuzugehen und ihnen vorzuwerfen "Ihr habt mit den Nazis gemeinsame Sache gemacht!", wo man sich doch gleichzeitig nie völlig sicher sein kann, ob nicht auch der freundliche alte Mann von nebenan damals am Straßenrand stand, Hakenkreuz-Fahnen geschwenkt hat und damit beinahe genau den gleichen Anteil zur Nazi-Propaganda geleistet hat, wie etwa Emil Jannings oder Leni Riefenstahl.
    Wobei bei letzterer die wahre Intention hinter ihrem Tun nie geklärt werden wird. Das weiß nur sie; kein Wissenschaftler und kein Biograph. Und entweder lügt sie, oder sie sagt die Wahrheit; wir wissen es nicht und sie wird es mit ins Grab nehmen.

    Und ja, ich verehre Leni Riefenstahl als eine Künstlerin, die Atemberaubendes für die Filmkunst und die Filmtechnik geleistet hat; deren Filme formal visionär und ihrer Zeit weit voraus waren.
    Wie selbstverständlich wird heute auch Sergei Eisenstein verehrt, dabei ist (nicht nur) sein "Panzerkreuzer Potemkin" auch ein reines Propaganda-Werk für das barbarische Kommunisten-Regime gewesen. Er wird rein als Künstler völlig zurecht verehrt. Wie man ihn als Menschen oder hinsichtlich seines politischen Engagements sieht, ist eine andere Frage. Und darüber sollte man sich auch bei Leni Riefenstahl klar sein...


    Und noch etwas: Es gibt keinen französischen Hitlergruß / Olympiagruß im "Triumph Des Willens". Definitiv nicht!
    Das kann schon rein logisch nicht sein: "Triumph Des Willens" ist von 1934 (und handelt vom Nürnberger Parteitag!); die Olympischen Spiele fanden aber 1936 statt!





    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: LesterBurnham am 2002-09-05 19:49 ]</font>

  4. #4
    laertes
    Gast

    Leni Riefenstahl

    ich bin entsetzt - welch' fehler auf meiner seite! ich habe ihn schon korrigiert. natürlich sprach und spreche ich (das weisst Du auch, lester) von OLYMPIA von 1936, einem film der das in sieg des glaubens anfängerhafte und in triumph des willens schon meisterhafte filmkünstlerische schaffen der riefenstahl auf einen nahezu dämonisch-perfektionierten höhepunkt trieb. und ihre wahre natur nur allzu gut zeigt...

    aber wie geschrieben: ich empfehle Dir dringendst, die angesprochene biographie über sie zu lesen!



    wunderbarer lesestoff...

    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: laertesdd am 2002-09-05 22:11 ]</font>

  5. #5
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    Leni Riefenstahl

    @LesterBurnham
    Zu Deinem Einwand: Welchen Grund hätte aber Goebbels, sein eigenes Tagebuch zu belügen? Leni Riefenstahl hätte jedoch (in der Nachkriegszeit) durchaus Gründe, ihre Beziehungen zu Hilter u.a. Nazigrössen herunterzuspielen.
    Wie auch immer, ich denke das eigentliche Problem mit Frau Riefenstahl liegt nicht im künstlerischen sondern im politischen Bereich und zwar einfach daran, dass sie sich nie so richtig vom Naziregime distanziert hat. Meiner Meinung nach hat sich sogar Albert Speer, der sich sicherlich viel mehr Schuld aufgelastet hat, in dieser Beziehung besser verhalten. Bei Leni Riefenstahl werde ich manchmal an die Haltung der Japanischen Regierung erinnert, die sich bis auf den heutigen Tag sehr schwer tut sich ihrer historischen Verantwortung zu stellen und sich gegebenenfalls zu entschuldigen.
    Statt dessen fällt sie leider immer mal wieder durch ungeschickte Äusserungen auf, wie kürzlich die, über die an ihrem Film mitwirkenden Roma, die sie später alle wiedergesehen haben will.
    Ein paar Worte des Bedauerns über die Jahre würden sie sicherlich vor einigen Anfeindungen bewahren.
    Auf der anderen Seite bin ich der Meinung, dass sie - Propagandafilm hin oder her - keine direkte Mitschuld an den Verbrechen des Dritten Reichs trägt sondern bestenfalls eine Mitläuferin ist. Auch andere Filmschaffende wie Heinz Rühmann haben sich mit dem Regime arrangiert, um arbeiten zu können. Und hier zwischen Guten und Bösen zu trennen, traue ich mir nicht zu. Zumindest der weitere Lebensweg und ihre weiteren Arbeiten (wie z.B. die Fotoserie über die Nuba) legen nahe, dass sie nicht NS-Ideologien anhängt und somit als einer der letzten Alt-Nazis zu gelten hat.

  6. #6
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    Leni Riefenstahl

    Gerry schrieb am 2002-09-06 08:20 :
    Bei Leni Riefenstahl werde ich manchmal an die Haltung der Japanischen Regierung erinnert, die sich bis auf den heutigen Tag sehr schwer tut sich ihrer historischen Verantwortung zu stellen und sich gegebenenfalls zu entschuldigen.
    Wegen Pearl Harbor? Das ist waer doch laecherlich. Japan hat ein militaerischen Stuetzpunkt angegriffen - auch wenn unerwartet (worueber man sich streitet). Wenn es jemanden gibt, der sich entschuldigen sollte, dann ist es Amerika, die simples Aufgeben seitens nicht Japans akzeptierten und lieber die Muskel spielen liessen um endlich ihre Atombombe einsetzen zu koennen. Aber die beiden kriechen sich ja eh seit geraumer Zeit gegenseitig in der Arsch...

  7. #7
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    Leni Riefenstahl

    @AndrejG
    Nein, nicht wegen Pearl Harbor. Ich meinte die Kriegsverbrechen, Zwangsprostitution und bestialischen Experimente an Menschen, welche von dem japanischen Militär begangen wurden, meist in China und der Mandschurei.
    Das man den Gegner nicht mittels Kriegserklärung warnt, wenn man einen Überraschungsangriff (auf Pearl Harbor) vor hat, kann ich verstehen, auch wenn es faktisch gegen Völkerrecht verstösst.

    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: Gerry am 2002-09-06 10:10 ]</font>

  8. #8
    laertes
    Gast

    Leni Riefenstahl

    Gerry schrob:
    Auf der anderen Seite bin ich der Meinung, dass sie - Propagandafilm hin oder her - keine direkte Mitschuld an den Verbrechen des Dritten Reichs trägt sondern bestenfalls eine Mitläuferin ist. Auch andere Filmschaffende wie Heinz Rühmann haben sich mit dem Regime arrangiert, um arbeiten zu können. Und hier zwischen Guten und Bösen zu trennen, traue ich mir nicht zu. Zumindest der weitere Lebensweg und ihre weiteren Arbeiten (wie z.B. die Fotoserie über die Nuba) legen nahe, dass sie nicht NS-Ideologien anhängt und somit als einer der letzten Alt-Nazis zu gelten hat.
    nein, eine mitschuld an dem, was geschehen ist, trägt sie sicherlich nicht. schließlich war sie an planungen etc. nicht beteiligt. aber schuldig ist sie allemal - in einem anderen sinn. und als alt-nazi würde ich sie schon bezeichnen (gremliza nannte sie 1993 sogar - ich zitiere! - eine 'alte nazi-fotze'). schließlich war sie mit leib und seele dem führerkult verfallen, antisemitin und wie geschrieben begeistert über den einmarsch deutschlands in polen und frankreich!
    deswegen: unbedingt diese biographie lesen. die ist wirklich auf hohem niveau...

    AndrejG schrubte:
    Wegen Pearl Harbor? Das ist waer doch laecherlich.
    da muss ich @gerry allerdings zustimmen: nicht pearl harbor, sondern wohl vor allem die kriegsverbrechen nach dem zweiten weltkrieg in asien (man denke beispielsweise nur an die koreanischen 'comfort-women') sind zeugnisse von unmenschlichkeit und barbarei.
    und das einzige, was die japaner heute dazu zu sagen haben, ist, minimalste entschädigungszahlungen zu leisten. ein hohn für die ausgebeuteten frauen! aber kein wort der reue (vgl. auch die GEO vom august 2002).

    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: laertesdd am 2002-09-06 17:47 ]</font>

  9. #9
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    Leni Riefenstahl

    ich habe ihre biographie gelesen und bin zu dem schluss gekommen, das sie einfach nur eine ganz dämliche mitläuferin war. was in dem buch (die biographie aus dem taschen verlag) ganz besonders auffällt, ist das sie sich an WIRKLICH JEDEN rangeworfen hat der auch nur ein bischen einfluss und/oder macht hatte. ich denke das ihre ideologie nicht politischer natur, sondern rein egoistischer natur war, nach dem motto "alles mitnehmen und an jeden dranhängen der einen weiterbringen kann". wenn es nicht die nazis gewesen wären, hätte sie sich an jeden x-beliebigen anderen drangehangen, der "oben" gewesen ist.
    das alles macht die sache natürlich keinen deut besser, aber trotz allem finde ich ihr filmisches schaffen aus ästhetischer sicht mehr als beachtlich. es werden wohl mehr als nur ein paar regiseure sein, die ihre stil elemente übernommen haben.
    on every street there´s a nobody who dreams of being somebody.
    he´s a lonely forgotten man desperate to prove that he´s alive.

  10. #10
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    Ganz meine Rede.

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