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Thema: Andrei Tarkovsky

  1. #1
    Regisseur Avatar von Thomas S.
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    Andrei Tarkovsky

    Hab mir vor fast einem Monat vorgenommen Tarkovskys Filmographie abzuarbeiten, hab mich dann jedoch nur kurzfristig der Zweitsichtung von Zerkalo gewidmet. Aufgrund eines unerwarteten Überschuss an Freizeit hab ich mir heute Stalker angesehen und bin schlicht und einfach begeistert. Der Wechsel zwischen schwarzweiß, dem bräunlichen Sepia-Effekt und dem Farbfilm ... jede einzige Kameraeinstellung ... fantastisch. Da wir hier scheinbar noch kein Thema über den Mann haben, dachte ich mir, es wäre mal Zeit...



    Andrei Tarkovsky

    Andrei Tarkovsky (oft auch Andrej Tarovskij geschrieben) war ein sowjetischer Regisseur und Drehbuchautor, der am 4. April 1932 zur Welt kam und am 29. Dezember 1986 an einem Krebsleiden starb. Von den 60ern bis in die Mitte der 80er prägte er das Europäische Kino durch seine poetischen, bildgewaltigen Werke, die oft autobiografische Einflüsse beinhalteten. Eine wichtige Rolle in seinen Filmen spielt häufig die unberührte Natur im Kontrast zum Einfluss, den der Mensch auf sie hat.

    Filmographie: (nur Spielfilme gelistet)
    • 1962 - Iwanowo detstwo (Iwans Kindheit)
      1969 - Andrei Rubljow (Andrei Rubljow)
      1972 - Soljaris (Solaris)
      1975 - Zerkalo (Der Spiegel)
      1979 - Stalker (Stalker)
      1983 - Nostalghia (Nostalghia)
      1985 - Offret (Opfer)


    Ich selbst habe wie gesagt erst zwei Tarkovsky'sche Filme (Zerkalo und Stalker) gesehen, fand sie jedoch beide sehr sehenswert, und werde mich in den nächsten Tagen bestimmt noch weiter in sein Schaffen einarbeiten. Ein wenig erinnert er mich an eine europäische Version von Terrence Malick, denn in Sachen Naturaufnahmen und vor allem Poesie finden sich Gemeinsamkeiten bei den beiden, wobei Tarkovskys Filme bestimmt etwas experimenteller sind als Malicks. Auch der Einfluss anderer Kunst-Sparten auf Tarkovsky fällt in seinen Filmen auf: Von den aussagekräftigen Bildern abgesehen, sind auch Gedichte ein wiederkehrendes Motiv, häufig sogar von Andreis Vater - Arseni - verfasst. Auch musikalisch lassen sich klangliche Ähnlichkeiten in seinen Filmen erkennen. Die Akustik seiner Filme is generell bedeutungsvoller, als man auf erstem Blick/Hinhören vielleicht annimmt. Ein schönes Beispiel bilden die Hintergrundgeräusche am Anfang von Stalker, die stets die Existenz eines Zuges andeuten, ihn jedoch nur akustisch präsentieren - optisch bleibt er dem Zuseher zu Beginn vorbehalten. Bei Sichtungen weiterer Tarkovskys, werde ich es hier erwähnen. Achja, und die bildgewaltigen Kameraeinstellungen sprechen sowieso für sich:











    "Get busy livin' or get busy dyin'..."

  2. #2
    Regisseur Avatar von Pitt
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    Re: Andrei Tarkovsky

    Thomas, lass mich dich umarmen!

    Freut mich, dass du den Zugang zu Tarkovsky gefunden hast.

    Ich kenne bisher seine ersten 5 Filme und halte sie - wohl gleich nach Tarr - zum anspruchsvollsten, was ich bisher an Filmen gesehen habe. Seine Werke loten definitiv die Grenzen meines Verstandes und meiner Vorstellungskraft aus, und sprengen sie teilweise sogar. Aber darin liegt wohl auch ein grosser Reiz seiner Filme. Zerkalo habe ich auch bereits 2 mal gesehen und kann bis heute nicht sagen, wovon der Film eigentlich handelt. Trotzdem lasse ich mich immer wieder gerne von dessen Bilderwelt gefangen nehmen.

    Möchte an dieser Stelle nochmal dieses wirklich wunder- wunder- wunderbare YouTube-Video verlinken, wo jemand einige der schönsten Szene aus Zerkalo (daher SPOILER) mit Arvo Pärts Musik unterlegt hat:

    Tarkovsky's Mirror Set to Arvo Pärt's Mirror in the Mirro


    Einfach pure Poesie!

  3. #3
    Regisseur Avatar von Thomas S.
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    Re: Andrei Tarkovsky

    Zitat Zitat von Pitt
    Zerkalo habe ich auch bereits 2 mal gesehen und kann bis heute nicht sagen, wovon der Film eigentlich handelt. Trotzdem lasse ich mich immer wieder gerne von dessen Bilderwelt gefangen nehmen.
    Geht mir ganz gleich. Trotzdem - oder vielleicht genau deshalb - hat der was ganz Faszinierendes. Muss man mal gesehen haben.

    Zitat Zitat von Pitt
    Möchte an dieser Stelle nochmal dieses wirklich wunder- wunder- wunderbare YouTube-Video verlinken, wo jemand einige der schönsten Szene aus Zerkalo (daher SPOILER) mit Arvo Pärts Musik unterlegt hat:

    Tarkovsky's Mirror Set to Arvo Pärt's Mirror in the Mirro

    Einfach pure Poesie!
    Wow.

    Vorhin hab ich gelesen, dass Tarkovskys Lungenkrebs wahrscheinlich durch die Dreharbeiten zu Stalker verursacht wurde. Ursprünglich wollte man den Film in Tadschikistan drehen, doch durch ein Erdbeben war man gezwungen, kurzfristig einen anderen Drehort zu finden. Man stieg auf ein verlassenes Wasserkraftwerk nahe Tallinn, Estland um. Der Sounddesigner Vladimir Sharun, einer der wenigen noch lebenden Mitarbeiter am Film, hat Jahre später erzählt:
    We were shooting near Tallinn in the area around the small river Pirita with a half-functioning hydroelectric station. Up the river was a chemical plant and it poured out poisonous liquids downstream. There is even this shot in Stalker: snow falling in the summer and white foam floating down the river. In fact it was some horrible poison. Many women in our crew got allergic reactions on their faces. Tarkovsky died from cancer of the right bronchial tube. And Tolya Solonitsyn too. That it was all connected to the location shooting for Stalker became clear to me when Larisa Tarkovskaya died from the same illness in Paris.
    "Get busy livin' or get busy dyin'..."

  4. #4
    Regisseur Avatar von Thomas S.
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    AW: Andrei Tarkovsky

    "Get busy livin' or get busy dyin'..."

  5. #5
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    AW: Andrei Tarkovsky

    wie der ganze Film

  6. #6
    Regisseur Avatar von Thomas S.
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    AW: Andrei Tarkovsky

    Zitat Zitat von KeyzerSoze Beitrag anzeigen
    wie der ganze Film
    Ja, kann ich nur unterschreiben, aber das sind scheinbar alle Filme von Tarkovsky Wie ist denn Soderberghs Neufassung von Solaris? Muss man die gesehen haben, oder ist es der erwartete Hollywood-Kitsch?
    "Get busy livin' or get busy dyin'..."

  7. #7
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    AW: Andrei Tarkovsky

    Nö, die ist überraschenderweise auch ziemlich gelungen und hält sich recht nah an der Vorlage...

  8. #8
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    AW: Andrei Tarkovsky

    Danke für dieses Topic, Leute! Tarkovsky gehört schon lange zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren! Ich habe allerdings auch erst drei seiner Filme gesehen - die allerdings glücklicherweise alle in einem Kino - was bei diesen fragilen und wunderbaren Bildern wirklich mehr als von Vorteil war. Gesehen habe ich Stalker, Zerkalo und Iwans Kindheit. Auch der letzte Film ist sehr zu empfehlen. Einer von Tarkovskys früheren Werken und auch noch in S/W. Dennoch: auch hier schon mehr als ansatzweise seine typisch-poetische Bildsprache und Symbolik.

    Ich muss unbedingt Solaris sehen, habe ich immer noch nicht.... Das er an diesem Gift gestorben ist wusste ich auch nocht nicht, eben nur das mit dem Krebs... Das ist wahrlich beschissen, und nicht sehr fair. Ich glaube Zerkalo sollte ich mir auch noch mehrmals ansehen, denn dieser Film bietet mehrere Schichten und so viele Deutungsweisen. Ich glaube den Film wird man nie verstehen (was sehr schön ist!).

    Ganz besonders will ich aber auch noch Nostalghia und seinen letzten Film Das Opfer sehen. Natürlich aber auch Andrei Rublev, der allgemein als der beste Tarkovsky Film gilt und von dem es auch eine wunderbarere Criterion-DVD gibt! (Die ich mir aber eh nich leisten kann!) :

    Andrei Rublev (1969) - The Criterion Collection
    - I can take you anywhere you want. Where do you want to go?
    - Home.

    (My Own Private Idaho)

  9. #9
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    AW: Andrei Tarkovsky

    Nostalghia läuft glaub ich während meines Aufenthaltes in Berlin im Arsenal ... vielleicht gibt sich ja die Zeit den zu gucken

  10. #10
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    AW: Andrei Tarkovsky

    Hab Iwans Kindheit gerade vor ein paar Tagen gesehen, und bin jetzt noch ziemlich baff. Alleine die Bootsfahrt durch den Sumpf... Die Stille, die Dunkelheit lediglich gebrochen durch das gelegentliche Aufblitzen der Leuchtgeschosse in weiter Ferne... Traumhaft gefilmt. Mit Abstand der kürzeste Spielfilm Tarkovskys und dennoch kommt - wie JoAnn schon sagt - sein Stil voll zur Geltung. Muss den unbedingt nochmal sehen...
    Geändert von Thomas S. (11.08.2010 um 17:54 Uhr)
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