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Thema: Götz George (*1938)

  1. #1
    laertes
    Gast

    Götz George (*1938)

    zum auftakt dieses topics ein sehr schönes interview mit einem sympathischen götz george, gefunden bei spiegel-online:

    ---

    "Den absoluten Untergang werd' ich nicht mehr erleben"
    Er gilt als Grantler und Diva, als Einzelgänger und Eremit und ist einer der besten Schauspieler Deutschlands. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE prügelt Götz George auf die Showbranche ein - und verrät, wie er zu seinem ungewöhnlichen Spitznamen kam.

    Interview von Julia Jüttner


    SPIEGEL ONLINE: Herr George, wie soll es mit Ihnen bloß weitergehen? Erreicht haben Sie schließlich alles. In der Publikumsgunst stehen Sie ganz oben, die Branche zollt Ihnen Anerkennung und Respekt - zuletzt mit dem Deutschen Fernsehpreis für Ihr Lebenswerk ...

    George: ... da stand ich inmitten vieler anderer Preisträger, die ich gar nicht kenne. Das reduziert den Preis ein bisschen. Früher bekam ich einen Preis, da standen neben mir zwölf Leute.

    SPIEGEL ONLINE: Sie haben den Fernsehpreis ein wenig despektierlich "Rentnerpreis" genannt.

    George: Ist er auch. Ich hätte mich mehr gefreut, wenn ich ihn für eine spezielle Leistung bekommen hätte.

    SPIEGEL ONLINE: Womit begann denn Ihrer Meinung nach der Anfang vom Ende deutscher Fernsehkultur?

    George: Das kam schleichend: Erst kamen die Privaten, konnten kaum stehen, pfiffen auf das Niveau. Sie machten den Öffentlichen Angst und Druck, bis diese fast quotengeiler wurden als die Privaten. Gemeinsam haben sie den Geschmack des Publikums mit Trashsendungen so versaut, dass man heute keinen Unterschied mehr merkt. Zum Glück bin ich alt: Den absoluten Untergang werd' ich nicht mehr erleben.

    SPIEGEL ONLINE: Witzig und sehr ungewöhnlich war der erste Satz Ihrer "Fernsehpreis"-Dankesrede: "Ich habe so wahnsinnig Durst und Hunger, wir müssen zum Ende kommen" - kam der spontan oder hatten Sie den so einstudiert?

    George: Nein, das war eine Flucht nach vorne. Ich war sehr berührt von dem, was Nico Hofmann, den ich sehr verehre, in der Laudatio über mich sagte. Aber als ich da oben stand, war ich so aufgeregt, dass ich die Hälfte von dem, was ich sagen wollte, und die Namen derer, denen ich danken wollte, vergessen habe. Das ärgert mich. Nach vier Stunden war ich wirklich sitzmüde, hatte Rückenschmerzen und Hunger und Durst.

    SPIEGEL ONLINE: So schlimm?

    George: Schlimmer! Die Zuschauer im Saal durchleben einen Leidensprozess, vor allem diejenigen, die keinen Preis abkriegen - und das alles nur für ein warmes Abendessen!

    SPIEGEL ONLINE: Aber die Standing Ovations entschädigen doch?

    George: Noch immer kenne ich den wahren Grund dafür nicht. Es bleibt die Frage: Gönnen es einem die Kollegen doch, oder war es lediglich die Erlösung, endlich aufstehen zu können?

    SPIEGEL ONLINE: Was tippen Sie?

    George: Ehrlich gesagt glaube ich, dass die alle genauso großen Hunger hatten wie ich.

    SPIEGEL ONLINE: Sie gelten bei der Arbeit als sehr diszipliniert, als einer, der alles gibt und viel fordert. Sind Sie als Mensch auch so?

    George: Es überträgt sich stark auf das Private, erst recht, wenn man wie ich mit elf Jahren in diesem Beruf angefangen hat. Als Schauspieler kann man nicht Fünfe grad sein lassen. Die Präzision halte ich für das A und O in unserem Beruf, weil wir in möglichst kurzer Zeit, mit wenig Geld allerbeste Kunst abliefern sollen.

    SPIEGEL ONLINE: In dem Film "Der Novembermann", den die ARD heute Abend zeigt, spielen Sie einen Blinden. Mit dunkel getönten Kontaktlinsen haben Sie sich beim Dreh das Sehen extrem erschwert. Ist es typisch George, immer den mühsameren Weg zu wählen?

    George: Es macht mir Spaß. Deswegen liebe ich meinen Beruf - nicht, weil ich bei der Lufthansa einen besseren Platz bekomme. Mit den Kontaktlinsen konnte ich ähnlich starr gucken wie es Blinde tun und konnte daher fühlen wie sie.

    SPIEGEL ONLINE: Zahlt sich dieses Engagement immer aus?

    George: Nein, dieser Beruf ist auch ungerecht: Ich habe mir schon oft den Arsch aufgerissen und viele Kollegen um mich herum auch - und trotzdem ist nichts Gutes dabei herausgekommen. Es ist wichtig, dass man mit seiner Leistung zufrieden ist - auch wenn es kein Quotenknüller wird.

    SPIEGEL ONLINE: Den Großteil des Jahres leben Sie als Eremit auf Sardinien - ohne Telefon, ohne Fernseher, ohne Zeitung.

    George: Ja, ich tanke dort Lebenskraft. Die Natur ist dort, wo ich lebe, so gewaltig und so vereinnahmend, da würden mich Telefon oder Fernseher nur stören - ohne diese Nervosität, die ich empfinde, wenn ich in Deutschland bin.

    SPIEGEL ONLINE: Es drängt sich der Eindruck auf, dass Sie ein Misanthrop sind. Oder ist das ein verzerrtes Bild?

    George: Meiner Meinung nach ja, ich bin umgeben von verzerrten Bildern. Immer wieder werde ich gefragt: "Warum gelten Sie als schwierig?" Fragen Sie doch mal meine Kollegen, die Regisseure und Kameraleute, ob ich schwierig bin.

    SPIEGEL ONLINE: Na gut, kein Misanthrop. Ein Einzelgänger?

    George: Es gibt Leute, die wollen in Berlin-Mitte leben, weil sie Kneipen und Menschen um sich herum brauchen. Und es gibt Leute, die Bäume und Luft zum Leben brauchen und sich selbst genügen. Ich gehöre zu letzteren.

    SPIEGEL ONLINE: Stimmt es, dass Sie immer ein Bild von Ihrem Vater in Ihrem Rollenbuch bei sich haben?

    George: Ja, diese Sentimentalität erlaube ich mir. Es ist ein schöner Zeitungsartikel über ihn, den mir mal ein Kollege schenkte. Der begleitet mich überall hin.

    SPIEGEL ONLINE: Stammt von Ihrem Vater Ihr Kosename "Putzi"?

    George: Nein, wir haben uns innerhalb der Familie Phantasienamen gegeben. Und weil meine Eltern beide sehr phantasievoll waren, entstanden lustige Namen: Mein Bruder hieß Hümpe, meine Mutter Tusch, mein Vater Pamsso und ich Putzi.

    SPIEGEL ONLINE: Nennt Sie heute noch jemand so?

    George: Natürlich. Alle, die mich von Kindesbeinen an kennen. Ich empfinde das als sehr wohltuend, weil es mich an eine wunderbare Zeit meines Lebens erinnert.

    SPIEGEL ONLINE: Ähnlich wie Ihr Vater Heinrich George haben Sie sich nie in Hollywood ausprobiert. Warum nicht?

    George: Mein Vater war drei Monate in Hollywood, hat einen hinreißenden Film gemacht, aber er schickte Briefe nach Hause, in denen er schrieb, dass er es in "diesem fürchterlichen Land" nicht aushalte, obwohl er gefeiert und hofiert wurde. Er war todunglücklich, wenn er in seinem klimatisierten Wohnwagen saß und sich langweilte, weil er die deutsche Sprache so vermisste. Als das erste Angebot aus Hollywood kam, war meine Reaktion die meines Vaters.

    SPIEGEL ONLINE: Im nächsten Jahr werden Sie 70. Eine häufig gestellte Frage dürfte dann sein, wie Sie es schaffen, so jung auszusehen. Was werden Sie antworten?

    George: Das hängt mit Vielerlei zusammen: Mein Leben verlief ziemlich glatt, meine Begabung wurde schnell erkannt und ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu Menschen. Ich habe mich nie in Tiefs gestürzt oder mir die Birne vollgeknallt und mir das Leben schöngesoffen. Und der Spieltrieb hält jung: Ich war nie seriös oder kompliziert, sondern habe immer meine Freiheit genossen.

    SPIEGEL ONLINE: Also gibt es kein Rezept, das Sie empfehlen könnten?

    George: Meine Mutter hat immer gesagt, man muss alles aus sich rauslassen: "Damit es keinen Stau gibt!" Denn letztendlich hängt alles mit der Lebensqualität zusammen, und die bestimmst du selbst.

    Zur Person
    Götz George, geboren 1938 in Berlin. Bereits mit elf Jahren stand George, Sohn des Schauspieler- Ehepaares Heinrich George und Berta Drews, auf der Bühne. Ausgebildet wurde er in den Jahren von 1955 bis 1958 am Ufa- Nachwuchsstudio bei Else Bongers. Er brillierte in Filmen wie "Der Totmacher", "Schtonk", "Der Sandmann" und "Nichts als die Wahrheit" und wurde mit Preisen überschüttet. Die Rolle seines Lebens ist und bleibt nach eigenen Angaben die des raubeinigen Ruhrpottkommissars "Schimanski", der ihn in den 80er Jahren populär machte. George war von 1966 bis 1976 mit der Schauspielerin Loni von Friedl verheiratet. Sie ist die Mutter seiner Tochter Tanja- Nicole, die als Regisseurin arbeitet. George wohnt mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Marika Ullrich in Berlin, Hamburg und auf Sardinien.


    (Quelle: spiegel online)

  2. #2
    Regisseur
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    Re: Götz George (*1938)

    Gott sei Dank. Ich dachte schon, er liege im Sterben...
    Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.

  3. #3
    Bob
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    Re: Götz George (*1938)

    Ich auch.

    Immer verdächtig im Walk of Fame, wenn ein neuer Thread auftaucht. :wink:

    Götz ist cool, hat mir im Totmacher gut gefallen...erschreckend gut.
    But from that moment on, Hermione Granger became their friend.

  4. #4
    Statist
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    121

    Re: Götz George (*1938)

    Götz George zählt zu den deutschen besseren Schauspielergrößen unserer Zeit. Vielleicht hat er mit der Tatortserie Kommisar Schimansky einen Fehler gemacht, wiel er sein Gesicht damit fürs Kino abgetötet und am Bildschirm abgenutzt hat. Sehen wir ihn und denken wir nicht, hallo was macht Schimansky denn in diesem Film? Auch ein Schauspieler der für Kinoproduktionen und aufwändigere Dialogrollen zu wenig gefordert wurde.
    Wer sind die Schauspieler die uns verzaubern, die uns unterhalten; sind sie Licht und Schatten, sind sie Wahrheit, sind sie Fiktion? Ein Bild von uns allen sind sie, und sind und wissen es nicht, in uns allen.

  5. #5
    Statist
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    74

    Re: Götz George (*1938)

    Ja Götz ist einfach Genial,hoffe er bleibt uns noch lang erhalten.Zählt echt zu den besten dt.Schauspielern :wink:
    Im Film DER Todmacher einfach
    [/b]

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