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Thema: MTVIVA

  1. #1
    Regisseur Moderator Avatar von Anne
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    MTVIVA

    Die Zukunft des deutschen Musikfernsehens sieht düster aus...

    "Über die neue inhaltliche Gestaltung der deutschen Musiksender kann vor allem eins gesagt werden: Sie ist werbekundenkompatibel. "Die Programmierung und die Musikfarbe der Sender werden komplementär ausgerichtet und jede Marke wird ein klareres, individuelleres Senderprofil erhalten", marketingschwafelt die Pressemitteilung der Sender. Übersetzt heißt das so viel wie: Jede interessante Gruppe, die die Werbenden ansprechen möchten, wird mit einem der Programme bedient. Für den anspruchsvollen Musikfernseh-Schauer bedeutet das wohl leider: Griff in die Kloschüssel.
    Im Einzelnen soll das Programm ab dem nächsten Jahr wie folgt aussehen: MTV setzt mit Krawall-Shows à la Jackass oder Viva la Bam auf eine "eher männliche Zielgruppe von 10- bis 34-Jährigen". Der Sender nennt das "innovativ und progressiv" und braucht dafür "Mut und Coolness". Musik soll nur noch am Rande auftauchen (hat sich da mal jemand überlegt, wofür die Abkürzung MTV eigentlich steht?). VIVA geht "zurück zu seinen erfolgreichen Wurzeln" als "nationaler Jugendsender mit chartorientierter Musik." Im Blickfeld vor allem: Mädchen von 10 bis 29.

    VIVA Plus mutiert weiter zum 9Live für Jugendliche: "Hot Music, Games und Fun", nennt MTVIVA das. Der aufregendste Bestandteil des neuen Programms sind "SMS-Angebote". Was sich dahinter wohl Spannendes verbirgt? Bei MTV 2 Pop werden die Programmmacher etwas deutlicher: dort sorgt "Musik rund um die Uhr" für "Entspannung und Unterhaltung". Weichspül-Gedudel, das die Familie vor dem Fernseher zusammen bringt ... oder so.

    Es wird also zwei Jungs- (MTV, VIVA+), einen Mädchen- (VIVA) und einen Familiensender (MTV 2 Pop) geben. Fragt sich nur, wie lange die "Musiksender" überhaupt noch Musik ausstrahlen. Aber so lange sich die Werbekunden freuen, ist wohl alles erlaubt. Was mit den bestehenden Musik-Sendungen wie etwa dem letzten Qualitäts-Feigenblatt "Fast Forward" geschieht, bleibt im Ungewissen. VIVA wollte auf Nachfrage von LAUT keine Bestandsgarantie geben. Man könne dazu noch nichts sagen, die Teams arbeiteten "mit Hochdruck" daran. Rückendeckung für Charlotte klingt anders."


    Quelle: Laut.de

  2. #2
    Statist
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    Re: MTVIVA

    boah.. irgwann hab ich mal gehört, dass viva+ zu nickelodeon werden sollte..!?
    weiß dazu jemand was?
    <Horrific, deplorable violence is okay, as long as people don’t say any naughty words!>
    Sheila Brovslowsky

  3. #3
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    Re: MTVIVA

    Also ein paar Sendungen die momentan MTVIVA sendet, sind ja ganz witzig. (Pimp my Ride, Room Raiders, Brainiac).
    Was mich aber momentan an den ganzen Musik Sendern nervt ist die schreckliche Werbung "Hol dir jetzt den durchgeknallten Frosch auf dein Handy" oder diese 5 Milliarden Klingeltöne/Logos/Spiele Clips in jeder Werbepause.
    Ich glaube manchmal sieht man nur Jamba Werbeclips.

    Von mir aus sollen die ruhig so eine Einteilung machen, notfalls schmeiß ich halt VIVA aus meiner Programmliste und installier mir einfach mal wieder Winamp und nutze Internet Radio. 8)

  4. #4
    Admin Avatar von Matt
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    Re: MTVIVA

    Zitat Zitat von Blu2
    Was mich aber momentan an den ganzen Musik Sendern nervt ist die schreckliche Werbung "Hol dir jetzt den durchgeknallten Frosch auf dein Handy" oder diese 5 Milliarden Klingeltöne/Logos/Spiele Clips in jeder Werbepause.
    Ich glaube manchmal sieht man nur Jamba Werbeclips.
    Diese nervtötenden Klingeltöne sind für die Musikbranche derzeit allerdings die einzige wirkliche Einnahmequelle, daher wird man wenn man auf solche Sender schaltet auch noch lange nicht davor verschont bleiben.
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

  5. #5
    Regisseur Avatar von PennyLane
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    Re: MTVIVA

    Die einzige wirkliche Einnahmequelle? Das finde ich lustig!
    "I'm dark and mysterious and I'm PISSED OFF!"

  6. #6
    Regisseur
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    Re: MTVIVA

    Öhm.. ganz davon ab, dass mich mit meinem Musikgeschmack eh nur 1% des Gezeigten überhaupt interessiert empfand ich die ewig gleichen absolut ätzenden Handyklinkeltonwerbespots so nervtötend, dass ich schon gar keine Lust mehr hatte so ein Programm einzuschalten. Dennoch wär solch eine noch extremere Kundenorientierung sehr schade, beschneidet sie doch noch mehr den Horizont der ohnehin Scheuklappenoptik bevorzugenden Zuschauerschaft.

    Mir persönlich isses aber recht egal, ich bin zwar grosser Fan schöner Musikvideos, Gutes sieht man da ja aber eh fast nie auf den Musiksendern.. und das Programm kucke ich nichtmehr wirklich seit Ray Cokes Zeiten auf dem englischen MTV von vor der Verschlüsselung vorbei sind..

  7. #7
    Statist
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    Re: MTVIVA

    Aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, 21.11.04:
    Eject
    Sterben für die Tagesdurchschnittsquote: Charlotte Roche über die Einstellung ihrer Viva-Sendung "Fast Forward"

    Zum Ende des Jahres stellt der Musiksender Viva seine beiden letzten musikjournalistischen Sendungen ein. "Mixery Raw Deluxe" war die einzige redaktionell betreute Hip-Hop-Sendung im deutschen Fernsehen, "Fast Forward" eine einzigartige Plattform für Musik, die sonst nirgends läuft, weil sie nicht kommerziell genug ist. "Fast Forward", ein Überbleibsel des vor drei Jahren eingestellten ambitionierten Senders Viva 2, wurde von wenigen gesehen, aber von vielen geliebt. Charlotte Roche, die die Sendung seit fünf Jahren machte und moderierte, wurde durch sie zu einer Art Schutzheiligen der Independent-Szene. "Queen of German Pop Television" nannte Harald Schmidt die 26jährige, die in diesem Jahr den Grimme-Preis erhielt.

    Wie haben Sie vom Ende von "Fast Forward" erfahren?

    Letzte Woche wurde im Haus das Programmschema für alle Musiksender Deutschlands vorgestellt. Einmal, once in a lifetime, haben sie aus Freundlichkeit den Mitarbeitern etwas über die Zukunft gesagt, bevor sie an die Presse gegangen sind. Ich war nicht im Haus. Mir haben sie nach der Veröffentlichung gesagt: Charlotte, nur daß du das weißt, "Fast Forward" ist ab Ende Dezember nicht mehr vorgesehen.

    Gab es vorher keine Gespräche mit Ihnen: Wie sollen wir weitermachen?

    Nein, gar nicht. Aber das ist für mich kein großer Schock. Ich führe seit letztem Jahr diesen Kampf mit den Viva-Chefs und anderen, die dahingesetzt wurden. Solange es noch den Kampf zwischen MTV und Viva gab, ging es ständig um diesen bekloppten Tagesquotendurchschnitt. MTV war jeden Tag Sieger. Die Verantwortlichen bei Viva haben mir dann immer erzählt, wie die eine Stunde "Fast Forward" jeden Tag die Durchschnittsquote in den Keller haut. Anfang des Jahres kamen Mitarbeiter von mir plötzlich mit der Nachricht an: Bald gibt es "Fast Forward" nur noch eine Viertelstunde lang! Ich war ständig bei den Viva-Chefs, immer am Kämpfen, habe immer gedroht, zu kündigen: Das ist ja wohl der Witz des Jahrhunderts, man kann doch keine Stundensendung auf eine Viertelstunde kürzen! Jetzt ist es vorbei.

    Eine Stunde lang war "Fast Forward" in diesem Jahr nur selten.

    Ja, das wurde immer heimlich gegen meinen und aller Willen gekürzt, einfach so. Ich hab' schon "Fast Forward"-Sendungen mitgestoppt, die achtzehn Minuten lang waren, und die Verantwortlichen behaupteten immer noch, es sei eine Stunde gewesen.

    Nicht im Ernst.

    Das ist wirklich wahr. Es geht um jede Minute für ihre bescheuerte Durchschnittsquote für den Tag.

    [...]

    Gibt es bei den Verantwortlichen nicht das Gefühl, daß es für einen Sender wie Viva wichtig sein könnte, sich ein Programm wie "Fast Forward" zu leisten?

    Die Viacoms dieser Welt verstehen nicht, warum man eine kulturelle Sendung haben soll oder irgendwas, das kommerziell scheinbar unerfolgreich ist. Es wird immer schwerer, Leuten das zu erklären. Wenn man diesen ganzen Chefs gegenübersitzt, guckt man in blanke Gesichter. Man muß ihnen erklären, warum das Sinn hat, wenigstens in einer von vierundzwanzig Stunden etwas Spezielles zu zeigen, etwas Unbekanntes, auch wenn man damit nicht die Massen erreicht. Die sitzen dann da und sagen: Ja, aber da könnten wir doch Geld verdienen in der Zeit. Gegen solche Argumente ist man machtlos.

    [...]

    Wie geht es für Sie weiter?

    Die Bedingung für "Fast Forward" war, daß ich da machen kann, was ich will. Offensichtlich können sich die Chefs von Viva und MTV damit nicht mehr arrangieren. Die lassen das lieber wegfallen, als mich da weiter Faxen machen zu lassen. Ich will nicht um jeden Preis irgendeinen Job machen. Nachdem man "Fast Forward" gemacht hat, geht das nicht. Aber so ist das gerade bei Viva: Fast jede Redaktion ist panisch und hat Zukunftsangst. Und wenn die Leute im Büro anrufen, um mit ihren Chefs Termine zu kriegen, bekommen sie zu hören, wartet mal, ich weiß selber nicht, ob ich noch einen Job habe. Alle warten. Deshalb kann ich jetzt keine Pläne schmieden. Ich warte erst mal. Wenn mich jemand will, soll mich jemand fragen.

    Die gab es also noch nicht, die Anrufe von anderen Sendern?

    Nein.

    Sie klingen trotzdem ganz gefaßt.

    Ach, panisch war ich schon vor Monaten. Man kann diese Panik nicht aufrechterhalten. Ich habe es, ehrlich gesagt, auch noch gar nicht richtig kapiert, daß es diese Sendung bald nicht mehr gibt. Das ist schon heftig, aber ich hab's noch nicht richtig kapiert.

    Interview: Stefan Niggemeier
    Und dazu dieser Kommentar:
    Die Bankrotterklärung des Musikfernsehens

    Zu den Mythen des kapitalistischen Mediensystems gehört der Glaube, daß Monopole paradoxerweise Vielfalt ermöglichen. Solange es mit MTV und Viva zwei erbitterte Konkurrenten um die Marktführerschaft im Musikfernsehen gab, kämpften beide mit den gleichen Mitteln um die gleichen Zuschauer: Beide scheuten jedes Risiko, hemmungsloser Mainstream galt als Königsweg. Nun hat die MTV-Mutter Viacom den Rivalen Viva gekauft. Jetzt, so der Mythos, könnte MTViva das absurde Wettrennen um die Gunst der Massenn aufgeben und seine vier (!) Kanäle komplementär ausrichten. Nicht nur die immergleichen Charts, Trash-Serien, Billig-Importe wegsenden, sondern auch Mut zur Nische beweisen, Sendungen pflegen, die sich nicht nur der Quote verpflichtet fühlen, sondern imagebildend sind, ernstzunehmend, glaubwürdig, mit wenigen, aber um so treueren Anhängern.

    Wie gesagt: ein Mythos. Denn das Schöne am Dasein eines Monopolisten ist, daß er sich die Vielfalt zwar mangels Konkurrenz erlauben kann, aber eben nicht muß. Er kann sich (zumindest kurzfristig) mit schönem, stumpfem Kohleverdienen begnügen.

    Wer am Freitag bei der Pressestelle von MTV anrief, um zu erfahren, was hinter der Entscheidung steckt, "Fast Forward" abzusetzen, bekam keine Antwort: Leider seien alle noch bei den "Europe Music Awards" in Rom, hieß es, nein, auch per Mobiltelefon sei da nichts zu machen, man werde ohnehin keine Frage beantworten, da man noch "nichts zu kommunizieren" habe. Monopolist müßte man sein.

    Im Internet trauern derweil die Fans. Einer schrieb, die Absetzung von "Fast Forward" sei nur konsequent: "Warum soll es Inseln in einem Meer aus Scheiße geben?" Gute Frage.
    nig
    Bei solchen Sachen fallen mir immer die Zeilen von Funny van Dannen ein:
    "Ich will den Kapitalismus lieben, weil soviel für ihn spricht /
    ich will den Kapitalismus lieben, aber ich schaff es einfach nicht"

  8. #8
    Regisseur
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    Re: MTVIVA

    Funny van Dannen ist klasse!
    “Don‘t part with your illusions. When they are gone you may still exist, but you have ceased to live.”
    (Mark Twain)

  9. #9
    Statist
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    Re: MTVIVA

    Das war's dann wohl:
    Fast Forward: eingestellt
    Sarah Kuttner: eingestellt
    Markus Kavkas Spin: eingestellt
    (und auch sonst noch so einiges)
    Die Zukunft: Big Brother bei Viva. US-Shows auf MTV. Ja super.
    (ich spar mir jetzt die Links, das steht heute auf allen Websites und morgen in allen Zeitungen)
    Das fiese daran ist, dass es nicht einmal mehr überrascht, man hat sowas ja schon erwartet. Wieder ein paar Gründe mehr, die Glotze dauerhaft abzuschalten. Oder gleich abzuschaffen? Im Ernst, wenn 2005 nicht Schmidt zurückkehren würde, zöge ich es in Erwägung.

  10. #10
    Regisseur
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    Re: MTVIVA

    Schmidt is doch auch nur noch ein Schatten seiner Selbst..
    Don't let me falter, don't let me hide,
    Don't let someone else decide
    Who or what I will become

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