Ich wage mich jetzt mal auf sehr dünnes Eis und gebe ein Review zu dem Film “Sumuru – Planet der Frauen” ab, der gestern 23:35Uhr auf dem Privatsender RTLII für Unterhaltung sorgen sollte. Man muss noch erwähnen, dass der Sender den Streifen schon am 13. und 14. Januar zeigte und ihn, um die Quoten auf ein halbwegs erträgliches Maß addieren zu können, auch am Mittwoch um 02:55Uhr nochmals ausstrahlt.

Obwohl ich schon die ersten Teile der Reihe, also die mit den Affen, nicht sonderlich mochte, versuchte ich mich weitestgehend unvoreingenommen ins Fernsehvergnügen zu stürzen. Sicherheitshalber fesselte ich mich mit einem Fußbad vor den Bildschirm und warf die Fernbedienung außer Reichweite (was ich später mit einem nassen Fußboden bezahlen sollte).

Dann ging es also los: Man beobachtet die beiden Astronauten Adam Wade und Jake Carpenter, die eigentlich die Erde retten sollen (Virus gefährdet Menschheit usw. usf…) bei einer Bruchlandung auf einem total heruntergewirtschafteten Planeten (Anspielung? erste Ahnung?). Da dem Navigator bei diesem Vorgang ein riesiges Metallstück in die Brust geraten ist und dieser es nun erstmal ruhig angehen lassen muss, macht sich Adam allein auf, um das Gebiet zu erkunden. Einige Minuten später wird er von Frauen gefangen genommen, die alle in aufreizende, unbequeme Aufmachungen gepresst wurden, über die man sich noch nicht wundert (denn man denkt ja noch: ok, da haben die männlichen Bewohner des Planeten halt was zu gucken)

Nun wird dem Zuschauer verdeutlicht, dass es hier zwei Fronten gibt. Einmal die Königin des Planeten, Sumuru. Und auf der anderen Seite ihre Widersacherin Priesterin Taxan, die, um uns die Sympathiezuordnung zu erleichtern, in schwarzer Lederkriegsrüstung herumschlawenzelt. Ein handfester Zickenkriegsdialog dieser beiden Damen ließ mich meine vorausgegangenen Spekulationen über eine Beteiligung von Alice Schwarzer an Drehbuch oder Produktion komplett verwerfen. Auch die unterbewusste Hoffnung auf einen handlungsschwangeren Erotikthriller wurde jäh enttäuscht (und zwar in beiden Punkten – Handlung und Erotik).

Zumindest befriedigte sich mein immer größer werdendes Verlangen nach der Antwort auf die Frage, wie eine menschliche Rasse 900 Jahre ohne Männer überleben kann, was in keiner Weise chauvinistische Züge offenbaren soll, sondern lediglich aus regem, biologischem Interesse folgt. Die männlichen Zeitgenossen werden von den Frauen zur Sklavenarbeit und Ölförderung angehalten, weil Sie für eine Atomkatastrophe verantwortlich waren und dürfen ab und an mal zur Reproduktion antreten. Das ist also Gesellschaftskritik à la RTLII.

So wäre es auch unserem Adam beschieden, wenn er nicht die Neugier der Planetenkönigin geweckt hätte. Während diese nämlich noch mit Armbrüsten (Anspielung??) unterwegs ist, kann er schon eine Laserpistole vorweisen, deren Auswirkung allerdings auch keine großen Lücken ins Budget der Special-Effects-Verantwortlichen gerissen haben dürfte. Nochmal etwas deutlicher: die Frauen prügeln sich grad durch ihr planetares Mittelalter, während die beiden Männer die Hand des Fortschritts und die Stimme der Moral darstellen (Anspielung???). Wie Männer nunmal so sind, wollen Sie die Frauen von den Vorzügen der Nächstenliebe überzeugen und den Planeten retten, der kurz vorm Zerplatzen steht. Dies kündigt sich durch Erdbeben an, deren Umsetzung der Produzent selbst folgendermaßen beschreibt: “Erdbeben hieß: tüchtig mit der Kamera wackeln!”

Langeweile zwang mich, weitere Sachverhalte zu hinterfragen: Warum gibt es auf diesem Planeten nur Frauen, die mit Idealmaßen aufwarten können? Wieso wird das Thema “Schlange” so oft (Religion, Mordwerkzeug…) thematisiert? Was passiert mit dem ganzen Öl, das die Männer ununterbrochen fördern? Was macht RTLII mit den vielen Einnahmen aus den dauernden Werbepausen, wenn sie schon nicht für sehenswerte Filme ausgegeben werden?

Naja, die Antwort auf die zweite Frage beantwortete folgende Szene: Sumuru verarztet Adam nach einem Schlangenbiss mit einem Antidot, dass sie in ihrer Haarnadel aufbewahrt, begleitet von dem Satz: “Meine Welt ist voll von Schlangen!” (Anspielung!!!) Dieser Fausthieb ins Gesicht des Feminismus war auch mir zuviel und ich zerbrach die Fernbedienung, die ich mir für die Werbeunterbrechung wieder in Reichweite gelegt hatte. Danach sprang ich auf, trat in den Fernseher, packte ihn und warf ihn aus dem geschlossenen Fenster wobei er auf Höhe der zweiten Etage noch effektvoll ex- oder implodierte (ich konnte es nichtmehr genau erkennen). Beim Aufprall erschlug er, völlig zurecht den Produzenten und den Intendanten des Senders, was die wartende Traube von aufgebrachten Frauen mit tosendem Beifall belohnte.

Es kann aber auch sein, dass ich einfach umschaltete, weil mittlerweile “Antikörper” im ZDF lief, der mir zu gut war, um ihn mit einer Filmkritik zu bedenken. Ich kann mich nichtmehr genau erinnern. So oder so, ich verpasste das Ende des Planeten der Frauen. Wenn es bewundernswerterweise jemanden gibt, der den Film bis zum Ende geschaut hat, wäre ich Informationen zu folgenden Punkten nicht abgeneigt (jedoch auch nicht eben zugeneigt). Ist der Planet tatsächlich geplatzt? Wurde auch das mit “tüchtigem Kamerawackeln” dargestellt? Sind die Frauen noch zur Vernunft gekommen? Hat Adam sie mit zur Erde genommen? Sind sie geschlossen zum Islam konvertiert? Gibt es eine Fortsetzung? (Vorschläge: 2013 – Planet der Blamierten; Lafontaine – der rote Planet; Pluto – kein Planet mehr)

Fazit: RTLII hätte es beinahe geschafft, mir eine meiner schönsten Fantasien zu verhageln. Glücklicherweise traten zu viele Ungereimtheiten auf, die jeglichen Realismus im Keim erstickten und mir doch noch den Glauben an einen lebenswerten Planeten der Frauen erhielten.