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Thema: Der Qualitätsanstieg der Fernsehserien

  1. #1
    Regisseur
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    Der Qualitätsanstieg der Fernsehserien

    Sagt mal, geht es nur mir so oder habt Ihr auch das Gefühl, dass TV-Serien in den letzten Jahren qualitätsmäßig echt stark angezogen haben? Wenn man mal überlegt welche Serien in den 70er, 80er und auch 90er Jahren beliebt waren, dann sieht man doch echt einen unglaublichen Sprung bei aktuellen Serien.

    TV-Produktionen wie Six Feet Under, Lost, Desperate Houswifes, 24, Alias, The Sopranos und so weiter sind alle von so einer unglaublichen filmerischen und inhaltlichen Qualität. So etwa sgab es vor zehn Jahren schlicht und ergreifend nicht. Ob das was damit zu tun hat dass mit dem DVD-Verkauf von Serien eine Marktlücke entdeckt wurde? Oder kam irgendwer mal auf den Trichter, man könne einfach nicht zusehen wie das Fernsehen dem Untergang in niveaulosen, billgen Schmonsens geweiht ist?

    Natürlich ist ein wesentlicher Faktor das Interesse von talentierten Autoren, Regisseuren und Schauspielern, die heutzutage Fernsehserien nicht mehr als 2. Liga im Vergleich zum Kino sehen, aber irgendetwas muss diese Leute ja auch in seinen Bann gezogen haben.

  2. #2
    Regisseur Avatar von Markus
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    Re: Der Qualitätsanstieg der Fernsehserien

    Ich denke, dass es für viele Schauspieler, Regisseure usw. einfach als Sprungbrett angesehen wird.
    Serien wie Friends, 24 usw. zeigen deutlich, dass man mit Talent und eben einer Serien-Rolle sofort zum Hollywood-Superstar avanciert. Das wiederum, sorgt wohl für eine größere Bereitschaft bei den Produktionsgesellschaften etwas mehr Geld reinzustecken, wo wir bei dem von Dir schon angesprochenen Punkt sind: Die DVD-Einnahmen sind wohl ein nicht unerheblicher Teil in der heutigen Kalkulation einer erfolgreichen Serie!

    Gruß Markus

  3. #3
    Regisseur
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    Re: Der Qualitätsanstieg der Fernsehserien

    Ganz klar, die größeren Budgets für Fernsehserien sind ein ganz wichtiger Punkt. Ich hab letztens irgendwo gelesen was der Lost-Pilot gekostet hat,, weiss allerdings nicht mehr wie viel genau das war. Jedenfalls konnte man mit dem Geld schon ordentlich auf den Putz hauen.

    Was das Kariere-Sprungbrett angeht. Gerade bei Friends hat das ja leider nicht so gut geklappt. Die einzige die wirklich lukrative Angebote bekommt ist Jennifer Aniston und ich glaube dass ihre Ehe zu Brad Pitt und die damit verbundene Präsenz in der Klatschpresse da weitaus förderlicher war

  4. #4
    Admin Avatar von Matt
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    Re: Der Qualitätsanstieg der Fernsehserien

    Insbesondere in den Staaten gibt es mitlerweile ziemlich gute Serien, wobei es früher auch einige richtig großartige Konzepte gegeben hat (nicht nur aus Amerika, sondern vor allem aus England).

    Darüber kann man sich doch nur freuen!
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

  5. #5
    ste
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    Re: Der Qualitätsanstieg der Fernsehserien

    weiteres beispiel :
    george clooney hat emergency room als karrieresprungbrett genutzt-dadurch ist er zum weltstar geworden.
    Die meiste Zeit meines Tages verbringe ich damit die Abscheu vor meinen Vorgesetzten zu verbergen...(American Beauty)

  6. #6
    Regisseur
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    Re: Der Qualitätsanstieg der Fernsehserien

    Wobei das mit dem Karrieresprungbrett vielleicht auch eher eine Folge denn ein Grund der höheren "Serienqualität" sein könnte.

  7. #7
    Regisseur
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    Re: Der Qualitätsanstieg der Fernsehserien

    Liegt wohl daran, dass es sich mit Kino immer schwieriger Geld verdienen lässt und die Verantwortlichen nun die Serie wieder als Geldquelle entdeckt haben.
    Folglich wird mehr ins Fernsehen investiert, sodass sogar ein bisschen Qualtität drin ist.

  8. #8
    Admin Avatar von Matt
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    Re: Der Qualitätsanstieg der Fernsehserien

    Paradebeispiel HBO, wo ich doch gleich mal einen schönen Artikel posten möchte (welchen ich damals im SZ-Magazin gelesen habe):

    DIE ERFOLGSSERIE

    Kaum zu glauben: Gutes Fernsehen ist möglich. Der Sender HBO in Kalifornien zeigt, wie. Wir sind hingefahren.


    von Lars Jensen

    In Santa Monica, Kalifornien, befindet sich die Zentrale eines Senders, von dem die deutschen Anstalten eine Menge lernen können: Home Box Office, kurz HBO, zu Deutsch etwa heimische Kinokasse. Denn HBO fährt üppige Gewinne ein. Und das mit kostspieligem Qualitätsfernsehen. Chris Albrecht, 52, ist der Chef. Von seinem dreieckigen Büro aus blickt er über das sonnenhelle Los Angeles und sagt: »Wir wollen weder trendy sein noch aufregend, sondern einfach nur der beliebteste Fernsehsender.«

    Bei anderen TV-Managern würden sich diese Sätze wie PR-Gewäsch anhören. Nicht so bei Albrecht: Bevor er 2002 Chef des Bezahlsenders wurde, hat er dort in der Abteilung »Original Programming« 18 Jahre Serien entwickelt. Darunter The Sopranos, Sex in the City, Six Feet Under, Band Of Brothers – vier von einem guten Dutzend HBO-Serien, die gerade deswegen zu Hits wurden, weil sie sich nicht dem Massengeschmack anbiederten. Oder wer konnte schon ahnen, dass Tony Soprano, der brutale Vorortgangster aus New Jersey, zur Ikone der amerikanischen Popkultur werden würde?

    28 Millionen Zuschauer haben HBO abonniert und Albrecht muss dafür sorgen, dass jährlich 500000 hinzukommen. Bislang ist ihm das gelungen: 2004 erzielte HBO bei 3,5 Milliarden Dollar Umsatz eine Milliarde Gewinn. Die meisten der 2500 Angestellten arbeiten verteilt in allen großen Städten der USA. »Es gibt überall Autoren mit guten Ideen und sie sollen uns schnell erreichen können«, erklärt Carolyn Strauss, Leiterin von Original Programming.

    1975 startete HBO mit der Idee, Spielfilme und Sport gegen Bezahlung zu zeigen. Da der Sender wichtige Boxer wie Tyson und die Klitschkos unter Vertrag nahm, findet kein großer Kampf ohne ihn statt. Doch Faustkämpfe und Filme genügten auf Dauer nicht, um die Abonnenten bei Laune zu halten. Chris Albrecht, der 1985 zu HBO kam und zuvor als Agent Whoopi Goldberg und Jim Carrey betreut hatte, machte deshalb folgenden Vorschlag: HBO müsse Serien produzieren, so wie Hollywood in den siebziger Jahren Filme drehte. Also Stoffe entwickeln, die anecken, und sie dann mit dem Aufwand eines Kinofilms produzieren. Das bedeute auch, den Regisseuren wieder mehr Einfluss auf ihre Werke zu verschaffen. »Ich hatte mein Leben lang mit Künstlern zu tun«, sagt Albrecht, »ich habe gelernt: Wenn du ein erstklassiges Produkt willst, musst du die Künstler respektieren.«

    Heute heißt der Werbeslogan des Senders »It’s not TV. It’s HBO.« Filmemacher wie Steven Spielberg oder Mike Nichols reißen sich darum, dort eine Serie drehen zu dürfen. Alan Ball, einer der Produzenten der Bestatter-Serie Six Feet Under, erzählt: »Ich zeigte Chris die erste Folge. Er sagte: ›Das fühlt sich zu sauber an. Wir wollen das düsterer und makabrer haben.‹ So was hatte ich noch nie von einem Senderchef gehört.« Und David Chase, ein Regisseur von The Sopranos, sagt über HBO: »Alle anderen Sender, denen ich die Idee vorschlug, wollten in L. A. drehen. Bei HBO begriffen sie, dass die Story nur im grauen New Jersey funktioniert oder gar nicht.« Wenn HBO sich erst mal für ein Projekt entscheidet, spart der Sender weder an Zeit noch an Geld. Derzeit produziert HBO in Rom die 100-Millionen-Dollar-Serie Julius Ceasar. Als Albrecht und Strauss die ersten Ausschnitte nicht gefielen, ließen sie die Produktion stoppen und das Skript überarbeiten. In den vergangenen zehn Jahren gewann HBO mehr Emmys – das sind die TV-Oscars – als alle anderen Sender zusammen. Und zwar nicht nur mit Serien, sondern auch mit politischen Talkshows wie Real Time with Bill Maher und Dokumentarfilmen. Zwölf der letzten 15 Dokumentationen, die für einen Oscar nominiert waren, liefen zuerst bei HBO.

    Richtig stolz ist Albrecht jedoch auf die Low-Budget-Serie Curb Your Enthusiasm (Spar dir deinen Enthusiasmus). Larry David, der Erfinder von Seinfeld, einer der populärsten Sitcoms der Neunziger, spielt sich selbst: einen Produzenten in Hollywood. Weil er die Verlogenheit seiner Kollegen nicht erträgt, legt er sich mit ihnen an. Er zankt nicht mit Schauspielern, sondern mit realen Personen – Ben Stiller, Martin Scorsese, Jerry Bruckheimer hatten Gastauftritte. Die DVDs von Curb Your Enthusiasm führten monatelang die Charts an. Bislang musste der HBO-Chef nur einmal eingestehen, dass er in seinem Ehrgeiz nach unkonventionellen Stoffen manchmal auch zu weit geht. Während CBS das Drehbuch zu Desperate Housewives mit dem Kommentar »zu dunkel« ablehnte, meinte Albrecht: »zu zahm«. Bei ABC wurde die Serie zum Erfolg.
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

  9. #9
    Regisseur
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    Re: Der Qualitätsanstieg der Fernsehserien

    "Respektiere den Künstler." Tja, es gibt tatsächlich solche Produzenten? :wink:

    Finde ich aber gut, das zeigt anscheinend, dass Qualität und Innovation doch was reißen können. Hätte ich wirklich nicht gedacht.
    Daran sollten sich auch die Filmemacher halten, vielleicht käme es wieder zu einem Aufschwung in Hollywood. Wer weiß?

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