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Thema: Der Stellenwert von Filmkritiken

  1. #1
    Regisseur
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    Der Stellenwert von Filmkritiken

    Ich komme gerade aus dem Kino. Children of Men stand auf dem Programm. Zu Hause schmeiss ich meinen Laptop an und surfe ein wenig durchs Netz, lese einiges nach über den Film, schaue natürlich wie gewohnt auch in das entsprechende Moviemaze Topic. Dort entdecke ich einige Posts, die mich zum Nachdenken anregen. Ein paar von Euch sind ganz offensichtlich starke Skeptiker gegenüber Filmkritiken, das lesen solcher vor dem Filmbesuch wird angeprangert, die Entscheidung einen Film aufgrund von zuvor gelesenen guten Kritiken zu sehen wird gar belächelt. Des weiteren lese ich bei einigen die Angst heraus, sich durch Filmkritiken die eigene Meinung beeinflussen, wenn nicht gar vorwegnehmen zu lassen. All dies bereitet mir ein wenig Kopfzerbrechen. Daher dieses Topic.

    Warum schaut Ihr Euch einen bestimmten Film an?

    Nun, zunächst gibt es da ein paar, nennen wir sie mal "objektive" Kriterien, die einen ins Kino bewegen. Vielleicht ist es der Regisseur des Films, dessen frühere Arbeiten man bewundert. Oder es spielt der ein oder andere Schauspieler mit, den man ganz großartig findet. Viele schauen sich einen Film an, weil sie das Genre besonders mögen. Oftmals finden wir einen Film wegen seiner Geschichte interessant und das wenige (manchmal auch mehr als wenige) was wir über den Inhalt des Films im Vorfeld wissen, macht uns neugierig, weckt unser Interesse an einem Film. All diese Dinge überschneiden sich jedoch schon ein bisschen mit einem ganz entscheidenden Grund, der uns ins Kino zieht: Die Werbung. Die Vermarktung. Das fängt schon mit den simpelsten Dingen an. Ein gutes Filmposter spricht uns an. Elementarer Teil der Werbung, ganz klar: Ein überzeugender und interessanter Trailer. Wie viele Filme sehen wir uns alljährlich an, weil wir im Kino, im Fernsehen oder im Internet eine Vorschau zu einem Film gesehen haben, die unser Interesse geweckt hat? Darüber hinaus gibts dann noch den ganzen weiteren Rummel, der um neue Filme gemacht wird und der bei Großproduktionen wie Harry Potter oder Herr der Ringe fast schon ins Absurde getrieben wird. Aber auch die kleinen Filme, die deutschen Eigenproduktionen, die kunstvollen Arthouse Filmchen, die asiatischen Leckerbissen, die auf irgendwelchen Festivals gezeigt werden, auch um sie wird, wenn auch nicht in einem solch gigantischen Ausmaß, ein gewisses Brimborium veranstaltet, das im Endeffekt nur dazu dient, einen Film auf unserem ganz persönlichen Radar erscheinen zu lassen und uns ins Kino zu locken. Macht Euch bitte mal bewusst, wie stark uns diese Maschinerie bei jedem Kinobesuch bewusst oder unbewusst beeinflusst. Und jetzt kommt ein ganz entscheidender Punkt: Die Entscheidung, ob wir das Produkt, das wir da angeboten bekommen interessant oder uninteressant finden wird nicht vollständig von uns allein getroffen. Produktionsstudios und Filmverleiher zeigen uns doch ganz gezielt vor allem die Seiten eines Films, die uns am wahrscheinlichsten gefallen werden. Sie ziehen alle Register um uns ihr Produkt schmackhaft zu machen. Sie wollen schließlich an uns verdienen.

    So und dann läuft der Film irgendwann an und kurz vor und vor allem nach dem Starttermin erscheinen zahlreiche Kritiken. Menschen, die den Film gesehen haben und sich eine Meinung über ihn gebildet haben, schreiben darüber und veröffentlichen dies. Manche Filme werden in den Himmel gelobt. Andere verrissen. Einige Filme rufen gespaltene Meinungen hervor. Im Vergleich zur "Werbung", und damit mein ich jetzt mal ganz pauschal alle von den Filmverleihern der Öffentlichkeit zugänglich gemachten Informationen über einen anstehenden Film, haben die Leute, die diese Kritiken schreiben, keinerlei Interesse daran, etwas zu beschönigen, etwas anzupreisen, etwas zu verkaufen. Ihre Meinung ist in gewisser Hinsicht objektiv. Natürlich ist die Kritik eines einzelnen ganz subjektiv, aber gerade in der Summe bildet die Filmkritik doch ein sehr aussagekräftiges Qualitätsurteil über einen Film. Vor allem da heutzutage nicht nur Instanzen wie Rosenbaum oder Ebert, die Sueddeutsche oder die FAZ, der Spiegel oder der Stern ein Monopol auf Meinungsäußerung haben. Gerade durch das Internet kann ein jeder seine eigene Meinung Kund tun. Auch hier steht natürlich jeder einzelne wieder für sich, aber die Summe ist meines Erachtens sehr aussagekräftig. Gerade Internet-Seiten wie Rottentomatoes oder die IMDB sind doch vorzügliche Quellen, um sich schnell einen Überblick über einen gewissen Grundtenor, sowohl von Seiten der anerkannten Filmkritiker, wie auch der ganz "normalen" Zuschauer, der zu einem bestimmten Film herrscht, zu machen. Davon darf man sich nun nicht beeinflussen lassen?

    Ich frage mich jetzt ganz ehrlich: Was ist klüger? Seine Entscheidung, einen Film zu sehen oder nicht zusehen von der Werbung oder von Filmkritiken abhängig zu machen? Ich kann diese Frage gleich mal für mich beantworten. Ich selbst stehe unter dem Einfluss beider Dinge. Ich lese mir keineswegs vor jedem geplanten Kinobesuch die zahlreichen Kritiken durch und würde mich auch garantiert nicht allein davon lenken lassen, aber es gibt immer wieder Fälle, in denen mich gute Filmkritiken davon überzeugen, einem Film, der mich bisher nicht so angesprochen hat, doch anzusehen, oder in denen mich Verrisse von einem Film eher abschrecken, obwohl ich ihn ursprünglich interessant fand. Und ich sehe darin überhaupt nichts Verwerfliches.

    Unter Filmkritik verstehe ich auch nicht nur das, was eine große Tageszeitung schreibt. Auch das, was wir hier im Forum machen, läuft für mich unter Filmkritik. Wir diskutieren hier doch tagtäglich über Filme, schreiben was uns gefällt, was uns nicht gefällt, sprechen Empfehlungen aus, warnen vor miesen Filmen. Na, also wenn diese ganzen persönlichen Kritiken alle keinen Wert haben und keine Entscheidungsgrundlage für andere sein sollen, einen Film zu sehen, dann ist zumindest die Hälfte von dem was wir hier schreiben doch eigentlich vollkommene Zeitverschwendung. Ähnlich sehe ich es auch mit den Meinungen von Bekannten. Wie oft haben wir uns schon einen Film angesehen, weil er uns von einem Freund empfohlen wurde, haben Filme gemieden, weil alle in unserem Umfeld von ihm enttäuscht waren? Sind das keine Kritiken? Oder zählt das nicht offiziell als Filmkritik, weil sie nicht von Harry Knowles oder einem Journalisten der New York Times stammt?

    Kommen wir zum zweiten Punkt, die Angst davor, seine eigene Meinung nicht selbst zu finden, sondern sich dabei von anderen Filmkritiken beeinflussen zu lassen. Das mit der eigenen Meinung ist wirklich eine ganz haarige Sache. Wer von Euch glaubt ernsthaft, seine Meinung wäre ganz allein von ihm selbst und ohne äußerliche Einflüsse gebildet worden? Es steht doch wohl völlig außer Frage, dass wir bei allem, was wir gut oder schlecht finden, von zahlreichen auf uns einwirkenden Dingen beeinflusst werden. Das fängt mit moralischen und gesellschaftlichen Konventionen an und hört mit den von mir oben so ausschweifend behandelten Punkten Werbung und Kritiken auf. Davon ist niemand ausgeschlossen. Interessant ist eben, wie wir mit all diesen Einflüssen umgehen, in welchem Ausmaß wir uns dieser Beeinflussungen bewusst sind. Das Lesen von Filmkritiken vor dem eigenen Kinobesuch ist nur einer von vielen Faktoren, der sich bei der eigenen Meinungsbildung einschleicht und ganz ehrlich: Im Vergleich zu den ganzen anderen Einflüssen sehe ich bei diesem die geringste Gefahr.

    Ich möchte hier auch festhalten, dass diese Beeinflussungen meines Erachtens nicht per se negativ zu bewerten sind. Ist es Euch nicht auch schon mal passiert, dass ihr einen Film gesehen habt, der Euch zunächst nicht gefallen hat, den ihr eher mau bewertet hättet und dann irgendwelche Rezensionen gelesen habt, die Eure Meinung geändert hat und zwar deswegen, weil sie Informationen enthielten, die Euch als Grundlage fehlten und unter deren Betrachtung der Film ganz anders erscheint? Das können sozialkritische, geschichtliche oder auch filmhistorische Dinge sein, ganz gleich. Das gleiche Spielchen gibts auch umgekehrt: Man sieht einen Film, der einem ganz gut gefällt. Später erfährt man dann, dass die geschichtlichen Tatsachen oder die politischen Aspekte, die der Film liefert, vollkommen inakkurat sind, was man beim Kinobesuch nicht wusste, weil man sich in der Materie nun mal nicht so auskannte. Oder man bewundert einen Film aufgrund seines genialen und originellen Twists und liest dann in einer Kritik, dass der Kniff in den letzten 100 Jahren Filmgeschichte bereits dutzendfach verwendet wurde und alles andere als originell ist. Gerade renommierte Kritiker haben oftmals einen ganz entschiedenen filmhistorischen und fachlichen Vorsprung gegenüber dem Otto-Normal-Zuschauer. Das ist es ja auch, was sie für den Beruf prädestiniert. Ich hab manchmal den Eindruck, das dies vielen Leuten nicht so klar ist. Die Meinung eines Vollblut-Kritikers wie beispielsweise Roger Ebert ist für die Leser nicht deswegen interessanter als die von Peter Hansen aus Bielefeld, weil der Mann "zufällig" für die Chicago Sun Times schreibt, sondern weil er seit Jahrzehnten beruflich Filme sieht und darüber schreibt und ein ganz anderes Hintergrundwissen besitzt, als die meisten anderen Zuschauer. Er hat quasi eine "Ausbildung" zur Meinungsbildung über Filme. Man muss dessen Meinungen deswegen nicht blind übernehmen, aber zumindest ich sehe sie eher als Bereicherung, denn als Störfaktor.

    Zu guter Letzt ein aktuelles Beispiel: Borat. Die Werbetrommel wird kräftig gerührt. Die Filmkritiken überschlagen sich. Die Moviemaze User sind überwiegend begeistert. Ich sehe den Film und finde ihn beschissen. Ist nicht viel mit Beeinflussungen. Was mache ich? Ich lese weiter fleißig Rezensionen, verfolge Diskussionen über den Film, liefere mir selbst angeregte Gespräche mit Bekannten. Führt das dazu, dass ich meine Meinung vollkommen ändere und mich den Lobeshymnen anschließe? Nein. Aber ich entdecke das ein oder andere, was mir bis dato so nicht klar war. Ich differenziere meine Meinung weiter. Ich sammle Informationen und erweitere mein persönliches Spektrum. Der Film gefällt mir anschließend auch nicht oder nur marginal besser, aber irgendwie habe ich das Gefühl, etwas dazu gewonnen zu haben. Und wären die vielen beeinflussenden Faktoren, wie die Werbung und die überragenden Kritiken nicht gewesen, ich hätte mir diesen Film nie und nimmer angesehen und damit das ein oder andere Gespräch über ein kühles Bierchen, das ich im Nachhinein nicht missen wollen würde, nie gehabt.

  2. #2
    Statist
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    Re: Der Stellenwert von Filmkritiken

    Also ich schau eigentlich überhaupt nicht auf Filmkritiken, weil da kommt es immer auf den Kritiker an, schließlich hat jeder seine eigenen Vorlieben.

    Godzilla z. B. wurde total zerissen bei den Kritikern, aber ich find ihn ganz nett. Also einige Mankos hat er natürlich, die sind auch nicht zu übersehen, aber bestimmte Dinge machen den Film für mich trotzdem sehenswert.

    Wenn ich einen Film sehe oder besser gesagt, sehe, dass einer kommt, den ich nicht kenne, les ich mir durch worum es geht und entscheide für mich ob er mich interessiert oder nicht. Dann schau ich mir den Film an und bild mir selbst meine Meinung.
    Filmkritiken sind ja eigentlich nur bei der Frage interessant ob man ins Kino geht und das Geld ausgeben will oder nicht.
    Wenn ein Film im Fernsehen kommt, ists ja eigentlich egal, da wirft man ja kein Geld zum Fenster raus und wenn einem der Film nicht passt, kann man umschalten *g*

    Zu Borat sag ich jetzt lieber nichts *g*

    LG
    Alex
    (\_/)
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    -------

  3. #3
    Bob
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    Regisseur Avatar von Bob
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    Re: Der Stellenwert von Filmkritiken

    Ich persönlich kann nicht viel mit Kritiken anfangen. Ich will nur wissen: Daumen hoch oder Daumen runter. Ob es jetzt eine Zeitschrift ist, von deren Kritiken ich mir im Laufe der Zeit ein Bild machen konnte, oder (eigentlich am besten ein Kumpel, dessen Filmgeschmack ich kenne.
    Im Allgemeinen lese ich auch Kritiken erst nach dem Film, ansonsten verdirbt es mir zu sehr den Spass "beim ersten Mal".
    Wegen dem angesprochenen Faktor des Marketing:
    Filme, für die groß die Werbetrommel getrommelt wird, sind meistens nicht lohnenswert, deshalb beeinflusst mich die ganze Maschinerie eher negativ. Je mehr Werbung, desto weniger Lust habe ich auf den Kinobesuch.
    But from that moment on, Hermione Granger became their friend.

  4. #4
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    Re: Der Stellenwert von Filmkritiken

    Ich versuche für gewöhnlich vor einem Kinobesuch eines in meinen Augen wirklich interessanten Filmes jegliche Form von Vorausbeeinflussung zu vermeiden. Ich lese kaum Kritiken, ich schaue kaum Trailer - kaum, weil es sich ganz nicht vermeiden lässt und ein Film ja auch durch gewisse Faktoren erst wirklich interessant werden muss. Das Prinzip aber bleibt: Ich will möglichst unvoreingenommen in den Film gehen und seinen Inhalt jungfräulich auf mich wirken lassen. Ich will mir zuerst meine eigenen Gedanken machen, bevor ich vergleiche. Hinterher schaue ich dann auch gerne Trailer. Sie dienen mir als Erinnerung, lassen mich zurückträumen, in den Film oder in die (Lebens-)Situation, in der ich ihn gesehen habe.

    Was mich zu einem zweiten Punkt bringt: Es gibt einige Filme, die von den Kritiken nicht gerade mit Lob überschüttet wurden, mir persönlich aber viel bedeuten. Und das geht ja mit Sicherheit jedem so. Diese Filme haben mich in gewisser Weise geprägt (ein entsprechendes Topic existiert hier ja). Lady in the water gehört hier zwar nicht direkt dazu, aber dennoch war der Gang ins Kino an jenem eher bedrückenden Tag eine weise Entscheidung. Weil mich der Film verzaubert hat, der von den professionellen Kritikern gemeinschaftlich zerrissen wurde. Rebellion lohnt sich gelegentlich.
    Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.

  5. #5
    Regisseur Avatar von ric-dee
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    Re: Der Stellenwert von Filmkritiken

    Ach Thomas! Wer soll sich das denn durchlesen? :wink:

    Habs aber größtenteils trotzdem gemacht. Und muss dazu sagen, dass ich es größtenteils ähnlich praktizieren und auch sehe wie du.
    Wobei ich sicherlich noch mehr Kritiken im Vorfeld eines Kinobesuches lese....

    Aber mich interessiert nun mal alles zum neusten interessanten Streifen, den ich mir vorgenommen habe anzusehen. Ich stehe auch dazu, mir bereits vor dem Film möglichst viele Meinungen/Kritiken durchgelesen zu haben. Die Neugier ist einfach zu groß. Allerdings frage ich mich auch oft, inwieweit dieser oder jener Film auf mich gewirkt hätte, wenn ich vorab nichts oder kaum etwas darüber gewusst hätte bzw. mir vorher nicht die eine oder andere Kritik durchgelesen hätte? Wie würde ich dann aus dem Saal gehen? Ebenso begeistert oder ernüchtert?

    Das ist die Frage die mich ab und zu quält.


    Alber ich muss dir Recht geben: Ein Film der mir im Kino gut gefällt, wird nur durch das Lesen einer Rezension (im Nachhinein) keineswegs zu einem schlechten Film bzw. deutlich abgewertet oder auch umgekehrt.
    Sicher man stößt dadurch evtl. auf gewisse unbekannte Nuancen eines Streifens und endteckt auch neue Facetten oder entlarvt vielleicht auch kleinere Schwächen, aber völlig umkrempeln kann eine andere Meinung meine Haltung zu einem Film nachträglich nicht.
    Man würde sich dann ja nur selbst belügen! :wink:

  6. #6
    Admin Avatar von Matt
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    Re: Der Stellenwert von Filmkritiken

    @Thomas
    großartiger Beitrag!

    Ich selbst habe früher bestimmt weitaus mehr Kritiken gelesen als heutzutage, sowohl vor, aber viel mehr nachdem ich einen Film gesehen hatte. Jeden Tag lese ich entspechende Internetseiten und schaue mir sehr regelmäßig auch Filmtrailer an! Rezensionen und Filmlisten benutze ich kaum noch als Maßstab, sondern eher dafür, auf unbekanntere Werke zu stoßen. Filme die schon älter und daher nicht mehr so bekannt, oder auch neuere Werke, die schnell untergegangen sind, sehe und entdecke ich gerne!
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

  7. #7
    Regisseur Avatar von Markus
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    Re: Der Stellenwert von Filmkritiken

    Hi,

    sehr interessantes Thema mit dem man sich als "Kritiker" (ich sehe mich selbst nicht wirklich als solcher) nur allzu häufig beschäftigen muss.
    Denn uns wird ja nachgesagt, dass wir meinungsbildend seien und deswegen eine besondere Verantwortung tragen. Dennoch fahren wir bei MovieMaze eher die Schiene, dass jeder schreibt was er denkt und nicht was man denken sollte. Gerade das unterscheidet uns oftmals von vielen anderen Kritikern im und außerhalb des Internet. Deswegen kommt es bei uns wohl auch häufiger zu "skandalösen" Wertungen, bei denen dann hier im Forum über den Autor hergezogen wird

    Im Hinblick auf die Beeinflußung haben wir aber natürlich eine besondere Position, denn meist gibt es noch kein Marketing, manchmal sogar keine Kritiken zu Filmen, wenn wir sie sehen. D.h. wir sind komplett ohne diese Umwelteinflüße. Dennoch sind natürlich auch die Kritikerkollegen und das Gespräch nach der Vorstellung wichtig und kann (zumindest bei mir) eine Meinung wirklich nochmals komplett umwerfen. Man erkennt im Gespräch danach nochmal neue Sichten, die man selbst nicht in Betracht zog oder bemerkt, dass die komplette Geschichte eigentlich nicht funktioniert. Dies alles ist letztlich die Reflexion, die man nach jedem Film macht und machen sollte und es passiert zwar nicht regelmäßig, aber ab und an habe ich dadurch einen Film doch noch gut oder schlecht bewertet obwohl ich vorher anderer Meinung war (so geschehen z.B. bei Wicker Man).

    Gruß Markus

  8. #8
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    Re: Der Stellenwert von Filmkritiken

    Für mich haben Filmkritiken überhaupt keinen Stellenwert. Ich lese auch gar keine Kritiken mehr. Früher hab ich das noch gemacht nach dem Failsafe-Prinzip ist die Kritik schlecht kann man den Film gut anschauen weil der Film gut ist und umgekehrt. Oft hats so rum gepasst.
    Hatte sogar selber auch ein paar Jahre 30-zeilige Kritiken für die hiesige Lokalzeitung geschrieben, bis mich die Lust verlassen hat.

    Letztlich ist doch nur entscheidend, wie dem Einzelnen ein Film gefällt oder nicht.
    Wenn mir ein Film gefällt, dann gefällt er mir und der Film ist für mich gut, ganz egal ob zehn Millionen Leute was anderes sagen. Und Kritiker interessieren sowieso nicht, die sind eh überbewertet und sehen sich selbst auch oft als Instanz an.


    Warum schaut Ihr Euch einen bestimmten Film an?
    Ich mache das in erster Linie davon abhängig wer mitspielt oder von wem der Film stammt. Dann ob mich der Film als solches, was ich vom Plakat oder vom Trailer her weiß überhaupt interessiert.

  9. #9
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    Re: Der Stellenwert von Filmkritiken

    interessantes thema.
    ich lese, denke ich, sehr viele filmkritiken. letztenendes gehe ich allerdings davon aus, dass ein film immer anders ist, als alles erwartete.
    irgendwie liegt es in der ironie der sache, dass man als filmfan, der darauf scharf ist das machen eines films durch allen möglichen internet hokuspokus "mitzuerleben" sich zugleich die möglichkeit verwehrt ein vollkommen jungfräuliches erlebnis zu haben. aber mal ehrlich: jungfräuliches kinoerlebnis, so etwas gibt es nicht. schon allein vom hören des titels lassen sich genug komische assoziationen bilden, die letztenendes doch vollkommen fehlgeleitet sind.

    zum einen begleiten mich filmkritiken auf meinem weg durch das englischsprachige internet, wenn ich herausfinden will, auf welche filme ich mich freuen kann.
    zum anderen lese ich filmkritiken einfach um ihrer selbst willen, wenn der film hier herauskommt in tageszeitungen und magazinen.

    ich halte das genre filmkritik an sich für sehr interessant, sowohl stilistisch als auch, wenn man die wirkung der texte betrachtet. für mich sind filmkritiken insofern wichtig, als dass sie der öffentlichen diskussion um filme und filmkultur wichtige impulse setzen.

    der hauptgrund für mich, filmkritiken zu lesen ist, wie gesagt die entdeckung von schätzen, die ich sonst übersehen würde. da geht es mir nicht darum jede einzelne argumentation des kritikers zu übernehmen. es geht nicht darum jedes einzelne wort eines kritikers als wahrheit zu betrachten.

    aus diesem grund hasse ich es auch, wenn sich der kritiker/die kritikerin selbst vollkommen unreflektiert als letzte wahrheitsinstanz darstellt. wie kann das angehen, dass man einen film aburteilt obwohl einem der zugang zum gesamten genre fehlt? außerdem werden viel zu oft, vor allem natürlich bei verrissen, inhalte den pointen geopfert.

    ich erinnere mich da an ne fas kritik, in der peter körte in ner herr der ringe kritik über die namen legolas und gimli herzog und diese, als anspielung auf das merchandising, mit den namen von schokoriegeln verglich. seit wann wird ein film aufgrund seiner einnahmen oder des merchandisings bewertet?

    aus diesem grund "vertraue" ich eher den ehrlichen kritiken von chud, aicn, joblo und wie sie nicht alle heißen. mir ist ein bisschen selbstdarstellung des kritikers viel viel lieber als die selbstverhüllung und verlogenheit, die einem oft in der angeblich so anspruchsvollen legitimen presse begegnet.

  10. #10
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    Re: Der Stellenwert von Filmkritiken

    Wie ich bereits mal geschrieben habe, halte ich Filmkritiken für wichtig, da sie einen reflektierten Diskurs ermöglichen und einen provisorischen Kanon/ Rahmen schaffen innerhalb dessen sich streiten lässt.
    Wenn mich etwas an Kritiken stört, dann ist es einzig die Tendenz das Werk als solches nicht mehr aus einer gesunden Distanz heraus zu betrachten. Kritiker nehmen keinen Abstand mehr zu dem Objekt, dass sie rezensieren, sie parallelisieren, analysieren, aber letztlich vergessen sie das Interesse daran das ureigentlich beabsichtigte Gefühl des Künstlers hinter dem Projekt Respekt zu zollen, verstehen zu wollen.
    Dennoch sind Filmkritiken meiner Meinung nach für einen wahrhaft filminteressierte Menschen eine zwingend notwendige Voraussetzung, da man Filme ansonsten immer nur aus der höchst subjektiven Wahrnehmung konsumiert statt rezipiert. Nichtsdestotrotz gibt es für einen Menschen der kritisch genug an die Sache heran tritt immer die Option darauf, das Werk aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Obwohl jene vielleicht erst durch einen vorangeganenen filmwissenschaftlichen Diskurs möglich sind, erhöhen sie das Auseinander-Divergieren, die Möglichkeit einen Film aus verschiednenen Perspektiven zu sehen.

    Nehmen wir mal "2001". Ein Film, den ich für ein Meilenstein halte. Dieser Film lässt sich aus den verschiedensten Perspektiven wahrnehmen. Als philosophische Auseinandersetzung...also beschäftigt man sich mit Philosophie. Als filmische Spielerei mit dem Science-Fiction-Genre. Als imposante Weltraum-Oper und so weiter, und so weiter. Ich glaube es ist weniger möglich all diese Ebenen überhaupt zu erkennen, wenn man nicht zuvor die Kompetenz dazu erworben hat.
    Würde ich in eine Oper gehen, könnte man mir etwas Schlechtes vorspielen oder etwas bahnbrechend Gutes. Ich würde den Unterschied vermutlich nicht mal erkennen, sondern nur aus meinem puren Gefühl heraus antworten, was ich denn nun besser fand. Der Blick, das Auseinander-Divergieren der Ebenen muss erlernt werden...und dafür sind Filmkritiken, Filmanalysen und Kommentare unersetzlich!
    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
    und hinter tausend Stäben keine Welt.
    Rainer Maria Rilke

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