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Thema: Hilferuf

  1. #1
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    Hilferuf

    Ich habe mich in der Schule für einen Seminarkurs gemeldet. Das Thema "20er Jahre". Da wir unser Themengebiet aus dieser Zeit selbst wählen durften, habe ich natürlich das Massenmedium 'Film' genommen, das natürlich gerade zu dieser Zeit sehr populär geworden ist. Um meine ABI Themenbereiche abzudecken, muss ich alles auf gesellschaftlicher Basis aufbauen, d.h. z.B. 'Warum "boomt" der Film gerade zu dieser Zeit?' 'Wie sahen die Filme vor den 20er Jahren aus? Was hat sich verändert? Was wollten die Leute für Filme sehen? Welche filme waren am populärsten?' 'Wer ging ins Kino? Und in welchen Städten?' 'Wieso gab man trotz Geldknappheit Geld für eine kinovorstellung aus? Was reizte die Leute an Filmen?'
    und so weiter... Für weitere Vorschläge und Anregungen wäre ich sehr dankbar und natürlich wäre ich auch froh wenn mir jemand Literatur, etc. nennen kann.
    Wenn ihr nix wisst kann mir wohl niemand mehr helfen :wink:
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  2. #2
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    Hilferuf

    Also zunächst einmal sind die von Dir gestellten Fragen wirklich nicht leicht zu beantworten. Wenn das Deine Aufgabe ist, hasst Du Dir wirklich einiges aufgehalst.
    Abgesehen davon, dass IMO die Leute trotz bzw. gerade wegen der schlechten Wirtschaftslage nach Unterhaltung wie Film, Kabarett und Nachtleben aller Art dürsteten, benötigs Du eigentlich eine Analyse des 'Konsumer-Verhaltens' des Kinogängers der 20er Jahre.
    Wo so etwas herzunehmen ist weis ich leider auch nicht. Ich hoffe mein etwas substanzloser Beitrag entmutigt Dich nicht, vielleicht wissen andere ja mehr.

  3. #3
    Regisseur
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    Hilferuf

    Der "Run" auf das Kino in den 20ern ist üblicherweise sicherlich auf mehreren Wegen zu verstehen.
    Ein wichtiger, gesellschaftlicher Punkt ist eben gerade die besagte Mittelknappheit in der Weimarer Republik und daraus resultierend auch eine Realitätsflucht. Die wurde in cineastischer Hinsicht mit den frühen Zwanzigerjahren auch formal besser möglich. Bis weit in das vorherige Jahrzehnt hinein war das Kino eine Jahrmarktattraktion. Diesen Zustand löste eigentlich erst der Amerikaner D.W. Griffith völlig auf, als er 1915 mit "Birth Of A Nation" den ersten großen (190 Minuten) und seinerzeit formal revolutionären (zum Beispiel über 2000 Schnitte, wohingegen ein "normaler" Film zu dieser Zeit nur etwa knapp 500 hatte, außerdem Einsatz des Kreuzschnitts und der extremen Großaufnahmen) Film schuf. Lange Zeit war er die alleinig beherrschende Macht im Kino der Welt. Seine Filme waren epische Melodramen wie besagter "The Birth Of A Nation" und "Intolerance" (1916), die eine völlig neue Bildsprache und Erzähltechnik entwarfen, und tragische Liebesdramen wie "Broken Blossoms" (1919) und "Way Down East" (1920), die zum Teil bereits sehr früh die Themen Rassismus (auf nicht immer unstrittige Weise) und bedingungslose Liebe aufgriffen.
    Mit Beginn der 20er-Jahre verlor Griffith seine fraglos immense Vormachtstellung im Kino. Das Kino wurde dank rasant fortschreitender Technik zu einer weltweiten Aktion und vor allen Dingen wurden die Filme auch noch ein ganzes Stück zugänglicher, wenngleich bereits "The Birth Of A Nation" ein außerordentlich erfolgreicher Film war.
    Das Angebot, das das Kino nun offerierte wurde breiter und vielschichtiger. Die "Silent-Serials" (Kinoserien, von denen in den 10ern lediglich Feuillades berühmte Reihe "Les Vampires" wirklich eminent wichtig war) wurden immer populärer, die legendären Komödianten wie Keaton und Chaplin konnten mehr und mehr Fuß fassen, die Filme wurden komplexer und entfernten sich zuweilen (vor allem in Osteuropa) stark von Griffiths Melodramentwürfen.
    In Deutschland entwickelten sich zahlreiche hochinteressante Strömungen, die Deutschland zum damals vielleicht künstlerisch herausragendsten Filmland der Welt machten. Von der kühlen Gestaltung einer Volkssage in Langs "Die Nibelungen" (1924) bis hin zum von Lotte Eisner geprägten Begriff der "dämonischen Leinwand", deren Produkte (unter ihren wichtigsten Vertretern wie Murnau, Lang und Pabst) in den späten 20ern den Verfall der Weimarer Republik dokumentierten und das drohende Unheil durch die NAZIS förmlich schon heraufbeschworen, gab es in Deutschland in dieser Zeit eine große Zahl an künstlerisch hochinteressanten Stummfilmproduktionen, während man sich in der UdSSR und den USA mit Vertov und Flaherty bereits einem ganz neuen Terrain, dem der frühen Dokumentation, zuwandte, und in Spanien der Surrealismus aufkam.
    Der Erfolg des Kinos in den Zwanzigern basiert also vornehmlich auf dem Prinzip des Staunens ob der neuen Technik, der Flucht aus der Realität und dem Drang dazu, immer Neues zu sehen - gleich, ob "schön" wie "Orphans Of The Storm" oder "angsteinflößend" wie "Nosferatu".

    Hier eine kurze Liste an Filmen aus den 10ern und 20ern, die für dich interessant sein sollten:

    1910er:

    Les Vampires (1915; Feuillade)
    The Birth Of A Nation (1915; Griffith)
    Intolerance (1916; Griffith)
    Das Kabinett Des Doktor Caligari (1919 ; Wiene)
    Broken Blossoms (1919; Griffith)

    1920er:

    Way Down East (1920; Griffith)
    El Dorado (1920; L’Herbier)
    Orphans Of The Storm (1921; Griffith)
    Nosferatu, Eine Symphonie Des Grauens (1922; Murnau)
    Nanook Of The North (1922; Flaherty)
    Häxan (1922; Christensen)
    Foolish Wives (1922; von Stroheim)
    Der Letzte Mann (1924; Murnau)
    Mikaël (1924; Dreyer)
    Greed (1925; von Stroheim)
    Bronenosets Potyomkin (1925; Eisenstein)
    Die Freudlose Gasse (1925; Pabst)
    The Gold Rush (1925; Chaplin)
    Faust (1926; Murnau)
    Mat (1926; Pudovkin)
    Metropolis (1927; Lang)
    The General (1927; Keaton)
    Oktyabr (1927; Eisenstein)
    Sunrise (1927; Murnau)
    Napoléon (1927; Gance)
    Konets Sankt-Peterburga (1927; Pudovkin)
    Steamboat Bill Jr. (1928; Keaton)
    La Passion De Jeanne D’Arc (1928; Dreyer)
    The Cameraman (1928 ; Keaton)
    The Wind (1928 ; Sjöström)
    The Crowd (1928; Vidor)
    Die Büchse Der Pandora (1929; Pabst)
    Das Tagebuch Einer Verlorenen (1929; Pabst)
    Un Chien Andalou (1929; Bunuel)
    Chelovek S Kinoapparatom (1929; Vertov)


    Und hier ein paar interessante Bücher:

    "Silent Players: A Biographical and Autobiographical Study of 100 Silent Film Actors and Actresses"
    by Anthony Slide (http://www.amazon.com/exec/obidos/tg/de ... 5?v=glance)

    "An Evening's Entertainment: The Age of the Silent Feature Picture 1915-1928 (History of the American Cinema, Vol 3)"
    by Richard, Man Koszarski
    (http://www.amazon.com/exec/obidos/tg/de ... 5?v=glance)

    "Soviet Cinema in the Silent Era, 1918-1935 (Texas Film Studies Series)"
    by Denise J. Youngblood
    (http://www.amazon.com/exec/obidos/tg/de ... 5?v=glance)

    "Film Form" by Sergei Eisenstein
    (http://www.amazon.com/exec/obidos/ASIN/ ... 94-5345455)

    "Die Dämonische Leinwand." -- Lotte H. Eisner
    (http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3 ... 26-2485604)

    "Friedrich Wilhelm Murnau." von Fred Gehler, Ulrich Kasten
    (http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3 ... 26-2485604)



    Mehr kann ich noch auflisten, wenn ich etwas mehr Zeit habe.

  4. #4
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    Hilferuf

    Warum die Leute Geld fürs Kino ausgaben, trotz dem die Lage schlecht war, kann man sich eigentlich recht leicht selbst beantworten. Zu jeder Zeit, in der das Leben durch die äusseren Umstände schwierig ist, flüchten sich die Menschen gern in Geschichten. Geschichten, in denen alles einfacher ist, oder Geschichten in denen ihre Probleme behandelt werden. Dafür ist der Film ja auch denkbar gut geeignet. Hinzu kommt die Faszination an diesem visuellen Medium, in dem man alles quasi hautnah miterleben kann (die kannten halt noch kein THX :wink.

    Welche Filme sie dann bevorzugt geschaut haben, kann ich dir natürlich nicht sagen..

    So sieht also eine "kurze Liste" an Filmen aus...:razz:...also Cherubic...fang schonmal an zu schauen...

    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: vom Wyatt Earp der Bruder am 2002-10-14 17:00 ]</font>

  5. #5
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    Hilferuf

    Das ist doch alles schonmal ein Anfang
    Habe natürlich auch schon mal im Web gesucht und schon einiges gefunden...
    Das die Fragen nicht einfach zu beantworten sind ist logisch, da die Seminararbeit eigentlich so eine Art Forschungsarbeit darstellen soll, d.h. ich muss mir selbstständig Materialien zusammensuchen und alles in einen zusammenhang bringen.Viel Arbeit, aber seeeehr interessant find ich
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  6. #6
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    Hilferuf

    Ich melde mich, wenn du mal nen Seminarvortrag für mich schreiben darfst :wink:

  7. #7
    Regisseur Avatar von Markus
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    Hilferuf

    Hi,

    also an Deiner Stelle Cherubic würde ich jetzt einfach Lester ein Angebot machen: Er soll zu Dir runter fahren und Dir persönlich bei dem Vortrag helfen und Du zahlst ihm dafür seine nächsten 50 DVDs... so sicher hattest Du noch nie eine perfekte Arbeit :wink:

    Gruß Markus

  8. #8
    Admin Avatar von Matt
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    Hilferuf

    das wären dann aber so an die 1500€ die Cherubic an Lester zahlen müsste und da Lester dann wahrscheinlich die teuersten auswählen würde ich erinnere an die SALO Criterion DVD OOP Ultra RARE SEALED für 750$ könnte das für Cherubic ganz schön teuer werden :wink:
    If it can be written, or thought, it can be filmed. (Stanley Kubrick)

  9. #9
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    Hilferuf

    *lach*
    Ja, ich würde in meiner Gier wahrscheinlich erst einmal rigoros die "Criterion Collection" abgrasen...

  10. #10
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    Hilferuf

    Ich glaube das würde meiner Deutschlehrerin auffallen, wenn ich plötzlich einen perfekten Schreibstil hätte... :wink:
    Aber meine Eltern sponsern mir auch eine Reise nach Berlin um mal in den Archiven des Filmmuseums zu stöbern
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