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Thema: Sterbehilfe oder die Autonomie des Todgeweihten

  1. #1
    Regisseur
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    Sterbehilfe oder die Autonomie des Todgeweihten

    Ich bin aufgewühlt. Etwa 100 Meter Luftlinie von mir entfernt gab es am Samstag einen spektakulären Fall von Sterbehilfe - und damit geschätzte 50 Meter von dem Seminarraum entfernt, in dem wir in gut einer Stunde wieder über Menschenwürde/Würde und Sterben diskutieren werden. Sterbehilfe ist ja, besonders in einem solch katholischen Bundesland wie Bayern, eine höchst umstrittene Sache und kein Thema, über das man mal so im Vorbeigehen diskutiert. Trotzdem würde mich eure Meinung dazu interessieren.

    Hier noch kurz die entsprechenden Berichte zum aktuellen Fall:
    Die Spiegel-Variante
    Die ZEIT-Variante
    Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.

  2. #2
    Regisseur
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    Re: Sterbehilfe oder die Autonomie des Todgeweihten

    Hab grad den Spiegelartikel gelesen und sag für den Moment mal nur so viel: der Herr Dr. Roger Kusch war mir schon zu Zeiten als Hamburger Innensenator das ein oder andere Mal "aufgefallen" und war und ist mir irgendwo ..suspekt.
    Und speziell jetzt in diesem Falle auch ob seiner Umtriebigkeit und Beweggründe.

    Die Sache "Sterbehilfe" an sich möchte ich jetzt im Moment nicht näher bewerten.

  3. #3
    Regisseur Avatar von Julia
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    Re: Sterbehilfe oder die Autonomie des Todgeweihten

    Das ist ein heikles Thema. Ich habe mich schon mal für ein Referat damit befasst. Ich selber halte nicht so viel davon. Im Falle dieser Frau ist es sogar noch schwieriger, da sie nicht sterbenskrank war. Sie wollte nur nicht vereinsamen so weit ich das verstanden habe. Bei sterbenskranken würde ich persönlich ein Hospiz oder ambulante Hospizdienste vorziehen, weil es damit doch noch zu einiger Zeit ohne Schmerzen kommen kann.
    Aber anders herum ist es kein Leben mehr, wenn man nur noch im Bett liegt und wegen Krankheit nicht mehr sprechen und sich bewegen kann. Da ist es auch nicht besonders hilfreich, wenn man keine Schmerzen hat, weil es einfach, meines Erachtens, kein würdiges Leben mehr ist.

  4. #4
    Tet
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    Re: Sterbehilfe oder die Autonomie des Todgeweihten

    Ich mag das Thema nicht. Bin auch immer recht unentschlossen, denn auch wenn ich voll und ganz einsehe, dass Sterbehilfe oft nicht die beste Lösung ist (wenn auch naheliegend), so sollte einem Individuum doch erlaubt sein das eigene Ende selbst zu bestimmen. Nichtmal über den Fitzel "Leben" darf man selbst entscheiden?


    Wobei ich das Vorgehen von Herrn Kusch nicht unterstützen würde. Da wurde sich schon auf intelligentere Art mit dem Thema beschäftigt.

    KNOCK KNOCK KNOCK - Mugon no kuukan o daite
    Kabe o tataite wa mogaku yo - Daiji na serifu nani mo ienai mama

  5. #5
    laertes
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    Re: Sterbehilfe oder die Autonomie des Todgeweihten

    die frage der zulässigkeit der (aktiven direkten) sterbehilfe ist aus juristischer sicht höchst kompliziert und schwer zu beantworten. menschlich betrachtet ist sie unlösbar. meine bescheidene meinung ist: theoretisch bin ich für die sterbehilfe, praktisch dagegen. das missbrauchsrisiko ist mir zu hoch.

    p.s.:
    @tetshuno, dein gegen-die-wand-zitat "Wenn Sie Ihr Leben beenden wollen, dann beenden Sie doch Ihr Leben, aber dafür müssen Sie doch nicht sterben." passt ja hervorragend zum topic . deiner bemerkung, man dürfe nicht einmal über den "fitzel" leben entscheiden, entgegne ich genau gegenteilig in der wortwahl, aber gleichlaufend im sinn - man darf nicht einmal über das größte, grundlegendste, das einzige, was man wirklich "hat" entscheiden... das eigene leben, das gesegnete, das verfluchte.

  6. #6
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    Re: Sterbehilfe oder die Autonomie des Todgeweihten

    Mich würden mal eure Meinungen dazu interessieren warum man keine Sterbehilfe leisten sollte. Für mich ist es klar das ein Mensch das Recht dazu hat sich sein Leben zu nehmen. Wenn er dazu nicht mehr in der Lage ist sollte man ihm dabei helfen ein würdiges ende zu finden. Mir fallen keine wirklich guten Argumente gegen die Sterbehilfe ein.
    Es gibt keinen Teufel, nur Gott wenn er getrunken hat.

  7. #7
    Bob
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    Re: Sterbehilfe oder die Autonomie des Todgeweihten

    Zitat Zitat von Tetsuo82
    Mich würden mal eure Meinungen dazu interessieren warum man keine Sterbehilfe leisten sollte.
    ist doch nicht so einfach. du hast bestimmt einen definitiven fall im kopf, bei dem die leidminderung bezogen auf einen sicheren und qualvollen tod überwiegt. aber wenn man das gesetzlich erlauben würde, müsste man diese fälle klar eingrenzen.
    gibt bestimmt viele fälle, in denen sich menschen den tod wünschen, und am nächsten tag sieht's doch anders aus. wäre irgendwie asozial aufgrund eines emotionalen tiefs wegen körperlichem leiden vorschnell den schlusstrich (ohne triple s) zu ziehen.

    soll jetzt weder ein argument dafür oder dagegen sein, sondern nur zeigen, dass der sterbewunsch doch sehr individuell ist, und man da nicht mit pauschalen geschützen auffahren sollte.
    But from that moment on, Hermione Granger became their friend.

  8. #8
    Regisseur Avatar von Kalervo
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    Re: Sterbehilfe oder die Autonomie des Todgeweihten

    Zitat Zitat von Tetsuo82
    Mich würden mal eure Meinungen dazu interessieren warum man keine Sterbehilfe leisten sollte.
    Ist jetzt nicht meine Meinung im Sinne 'finde ich richtig so' sondern eben ein Gedanke: Es hat vllt. auch damit zu tun, dass es für die Spezies Mensch einfach undenkbar ist, dass einer ihrer Artgenossen stirbt, eine innere, ethische Blockade quasi, so etwas grundsätzlich gutzuheißen oder zuzulassen. Denn einer der genetischen Präambeln quasi ist das eigene Überleben und das der eigenen Spezies, das gilt für jegliche Lebensformen. Okay, der Gedanke wird wohl durch die ganzen Morde, Kriege und sonstige gewollten Unheile ad absurdum geführt, aber von der Sicht der Gemeinschaft aus, der großen gesamten Gruppe, behält er dennoch Gültigkeit. Wie Einzelne oder kleine Gruppen damit umgehen ist wieder eine andere Frage.

    Meine Meinung ist, grundsätzlich zu dem Thema, dass theoretisch jeder Mensch ein Grundsatzrecht hat über sich selbst zu entscheiden, bezüglich seinem kompletten Leben, und das schließt nun mal den Tod mit ein. Sollte jemand aufgrund einer Krankheit nicht mehr in der Lage sein, dies selbst in die Tat umzusetzen, so sollte seinem Wunsch entsprochen werden können. Der große Haken daran ist jetzt nur, wie stellt man fest, ob derjenige auch bei vollem Bewusstsein ist und wirklich zweifelsfrei darüber befinden kann. Oder es nicht, wie Bob anführt, eine vorübergehende Meinung ist. Daher kann dies selbstverständlich nicht verallgemeinert werden, jeder Einzelfall müsste geprüft und entschieden werden. Dies wiederum wird aber wohl dermaßen viel Zeit und Bürokratie verursachen, dass es kaum mehr im Verhältnis steht und eben ob der Zeit auch dem Betroffenen nicht viel bringen. Aber eine Lebensverlängerung um jeden Preis, wie sie aktuell ja betrieben wird, sofern es keine anderen vorherigen Patientenweisungen gibt, ist nicht der Weisheit letzter Schluss.

    Seltsam, dass das "Einschläfern" bei Tieren so Gang und Gebe ist, so selbstverständlich eigentlich und alltäglich, beim Menschen jedoch steht diese Entwicklung noch nicht mal in den Kinderschuhen sondern kriecht noch daher. Okay, mir ist schon klar, menschliches Individuum undsoweiter... brauchen jetzt gar nicht weiters über diesen Teilaspekt grundsatzdiskutieren, wollte es nur mal erwähnt haben.
    The bad news is, we did an X-ray, and your body is full of a spooky skeleton man.

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  9. #9
    Regisseur Moderator Avatar von KeyzerSoze
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    Re: Sterbehilfe oder die Autonomie des Todgeweihten

    Zitat Zitat von laertesdd
    die frage der zulässigkeit der (aktiven direkten) sterbehilfe ist aus juristischer sicht höchst kompliziert und schwer zu beantworten. menschlich betrachtet ist sie unlösbar. meine bescheidene meinung ist: theoretisch bin ich für die sterbehilfe, praktisch dagegen. das missbrauchsrisiko ist mir zu hoch.

  10. #10
    Regisseur
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    Re: Sterbehilfe oder die Autonomie des Todgeweihten

    Kusch ist ein Arschloch. Einer von König Oles Lichtgestalten, wie ich sie gerne nenne.

    Aber die Debatte müsste mal geführt werden, nur dafür sind die Leute definitiv zu unseriös, die sie führen. Habe mir aber selber noch keine endgültige Meinung gebildet.

    Ich halte es nur, wie bei der Todesstrafe, auch für eine Sache von Missbrauchsgefahr und bin da eher dagegen.
    -Where are you going? - To the river! -Why? -To make a hole in it.

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