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Thema: Pablo's Honigtopf

  1. #1
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    Pablo's Honigtopf

    KING KONG

    (Peter Jackson)





    SPOILER included!!!

    Hier ist er also, Peter Jacksons Traumfilm. Dass es immer sein absoluter Wunschtraum war, diesen Film zu machen, merkt man in jeder Einstellung, zu jeder Sekunde. Aber: Sein Opus Magnum ist es nicht. Das war vielleicht schon LOTR, vielleicht kommt es auch noch. King Kong ist nicht perfekt, Schwachstellen gibt es einige. Mancher Dialog ist ein bisschen holprig, einzelne Szenen riechen zu stark nach Computer, manchmal übertreibt es Jackson in zu gewollter Bildgewalt. Das lässt sich aber alles verschmerzen, als kleine Fussnoten in einem ansonsten weiteren Highlight seiner Filmographie.

    Im Grunde ist King Kong ein Dreiteiler und jedem Akt wird ziemlich genau eine Stunde Platz eingeräumt: New York/Schifffahrt, Skull Island, New York again. Fliessende Übergänge gibt es nicht, die einzelnen Teile sind klar abgegrenzt, ist aber nicht störend.

    Akt I kommt völlig ohne Action aus, stattdessen wird ein detailfrohes Bild von New York in der Depression gezeichnet, Schlangen vor der Suppenküche, Vaudeville-Theater am Rande des Ruins, obdachlose Parkbankschläfer usw. Manch einem wird das inkl. Reise zur Insel langwierig vorkommen, ich fand's wunderbar und hey: Das Original lässt sich ja ebenfalls viel Zeit, um zu Potte zu kommen.

    Skull Island ist das zwiespältigste Kapitel. Nach einer sehr gelungenen Ankunft und der Opferung Anns greift PJ zu lang und zu oft in die Trickkiste. Das war zu erwarten, ein sensibles Händchen fürs richtige Maß war nie Jacksons Stärke. Das macht normalerweise nichts, das hat bei Bad Taste, bei Braindead, bei LOTR zu den schönsten Momenten seiner Trivialkunst geführt, bei King Kong war es doch störend. Auf der andern Seite zeigt er dann seine Begabung für mitreissendes Action-Kino, der Kampf gegen die T-Rexes gehört zum Feinsten, was je auf Zelluloid gebannt wurde (sorry an KeyzerSoye, wenn ich hier einfach mal bei Dir geklaut habe). Das alles ist aber nur Beiwerk zur Hauptattraktion: King Kong selbst ist ein grandios animiertes Kunststück geworden und hat in Naomi Watts eine tolle Mitspielerin gefunden. Mit viel Gefühl wird der Anfang der Mensch-Affe-Beziehung initiiert, indem Ann King Kong ein paar ihrer Theaterkunststücke vorführt. Das gefällt dem Gorilla, viel witziger findet er es aber, sein Spielzeug mit dem Finger umzustubsen. Herrliche Szene! Das Ende der Skull Island-Episode markiert dann logischerweise die verhängnisvolle Jagd Anns, an deren Ende die Gefangennahme steht. Schnitt, Vorhang auf für

    Akt III, zurück in New York findet sich King Kong angekettet auf einer Bühne wieder, Schauobjekt der High Society. King Kong befreit sich und macht sich auf die Suche nach Ann (was einige Blondinen auf der Strasse zu spüren bekommen). Die letzte halbe Stunde kommt völlig ohne Dialog aus, ein einziges Grande Finale mit überwältigendem Schauwert, ohne dass das Herz zu kurz kommt. Hier gibt sich Jackson vollkommen dem Gefühlskino hin, das wird manche abstossen, ich hab's genossen. Der Höhepunkt der Geschichte findet natürlich auf dem ESB statt und dort auch meine Lieblingsszene. Als King Kong das erste Flugzeug erwischt, markiert er noch wie immer den Starken, voller Triumpfgefühl röhrt er über New York. Doch langsam scheint er zu realisieren, dass er tief in der Patsche steckt. Und als er dem zweiten Flugzeug den Garaus gemacht hat, wendet er sich nur mit verzweifeltem Blick ab, mit dem Wissen, "hier komm ich nicht mehr heil runter". Das ist so herzzerreissend, tut mir leid, da geht der Pathos Honey mit mir durch.

    Die Frage, ob der neue mit dem alten Kong mithalten kann, müssen Andere beantworten. Ich mag den Cooper-Film sehr, aber ich liebe ihn nicht abgöttisch, wie es manch Anderer tut. Eins ist klar: Peter Jackson ist ständig nah am Original. Irgendeine Zeitung hat geschrieben, der Film ist ein Museum für den 33er-Movie. Stimmt nur teilweise, denn Jackson hat den Stoff so augearbeitet, dass King Kong 2005 mehr ist als nur eine technisch aktualisierte Wiederverwertung.

    Darstellerisch hab ich im Grunde garnichts zu bemängeln, Jack Black macht seine Sache gut, Brody ist souverän, Watts klasse, wenn auch nicht oscarwürdig, wie viele meinen. Und Kretschmann zeigt seine beste Hollywood-Leistung.

    Noch eins, die PJ-typischen kleinen Filmzitate und Querverweise. Auch King Kong ist voll davon. Mal sehr offensichtlich "Herz der Finsternis", das gelesen, diskutiert und rezitiert wird (und mich hoffentlich endlich mal dazu bringen wird, das Buch zu lesen), versteckt der Original-Kong in Bild und Ton (z.B. die Max Steiner-Musik) oder Howard Shore als Dirigent. Und auf dem Schiff gibt's bei den Tierkäfigen auch einen für den Rattenaffen.


    9/10

  2. #2
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    Re: Pablo's Honigtopf

    Kurz-Statements zu meinen Filmen der letzten Woche (so mancher hat mehr als ein paar Zeilen verdient, zu mehr kann ich mich aber leider nicht aufraffen)


    MADAGASCAR

    Ordentlich. Manchmal nervig. Ein Animationsfilm kommt ohne die obligatorische Hyperventiliernervensäge nicht aus. Ist auch ok so. Madagascar ist aber voll davon, das geht an die Substanz. Ansonsten ganz nett.

    5/10


    THE BIG LEBOWSKI

    Mal wieder. Mal wieder viel Spass gehabt.

    9/10


    LA DOLCE VITA

    ...und mein Fernseher ist zu klein. Alle schreit nach grosser Leinwand. Naja, nichts zu machen. Gross, in jeder Hinsicht. Ich hab diesen Film noch kein Stück bewältigt, La Dolce Vita ist mir einfach über den Kopf gewachsen, wie das bisher nur bei 2001, Apocalypse Now und teilweise bei Fitzcarraldo der Fall war. Aufgeteilt in sechs oder sieben Episoden, ohne richtigen Handlungsfaden, wird ein so detailreiches Via Veneto-Panorama entworfen, dass man nicht mehr weiss, wo einem der Kopf steht. Die neuaugestiegene High Society Roms feiert sich pausenlos selbst, alles wühlt in Dekadenz, giert und geifert und bekommt nicht genug davon. Kritik? Weiss nicht, es ist eher eine Dokumentation, die Schlüsse zieht der Zuschauer selbst. Erst gegen Ende zeigt das Monstrum Via Veneto sein wahres Gesicht, wenn Katastrophen nicht davon abhalten, weiter Orgien zu feiern. War da noch was? Hü Hott!

    -/10


    OLDBOY


    Ich kannte Park Chan-Wook vorher nicht, deshalb ist mir der Vengeance-Quasivorgänger (noch) unbekannt. Wenn ich mir die Meinungen Anderer im Forum so durchlese, hab ich anscheinend alles richtig gemacht. Fantastisch! Das ist so ziemlich der erste asiatische Film, der mich nicht nur aufgrund von Bildgewalt packt, sondern auch emotional mitreisst. Bilder, Story, Musik, Schauspieler, es passt einfach! Viel Tarantino soll drin sein, hab ich nicht gefunden. Das Rache-Thema, okay, aber sonst? Die Gewalt? So viel ist das garnicht, und wenn, dann in Bildern, die man nicht vergisst, nie zum Selbstzweck, nie hat man das Gefühl, hier fungiert die Geschichte als Alibi für Grausamkeiten.

    9,5/10


    GOOD FELLAS

    Ich weiss nicht. Im Grunde gibt's nichts zu mäkeln. Schauspielerisch top, klasse Kamera, Der Regisseur ist eh einer von den Guten, blitzeblank also. Nur gefesselt war ich nicht. Wo sind die neuen Impulse? Alles schon mal da gewesen, das typische Bild eines Mafiazirkels im Laufe der Jahrzehnte. Das ist jetzt natürlich Geschwätz, weil ich dazu sagen muss, in meinem Leben keine drei Filme dieser Sorte gesehen zu haben, was aber bleibt, ist die stereotypisch dargestellte Lebensform dieser Spezies, der ich einfach nicht sonderlich viel abgewinnen kann. Ich bin ein Ignorant.

    6/10


    MANHATTAN

    Kaum zu glauben, mein erster Woody Allen. Hier im Forum hochgepriesen, deshalb war ich gespannt wie Flitzebogen. Und Woody ist wunderbar! Das Wort Tragikomik passt hier wie die Faust aufs Auge. Und alleine diese Unterhaltung über den Club der überschätzten Künstler, das intellektuelle Gegenstück zu Nick Hornbys proletarischer Nerdigkeit (ja, ich weiss, wer zuerst war). Das ist oft ein bisschen satirisch, aber vor allem zärtlich.

    Ich bin ein bisschen verliebt.

    8-10/10


    PANZERKREUZER POTEMKIN

    Fünf Akte, jeder gleich lang, eine Filmrolle. Das kann man alles sofort vergessen, wenn man eine um 10 min gekürzte Version besitzt. Was Besseres hab ich nicht gefunden. Egal...
    Das könnte jetzt so einer der alten klassiker sein, die man nur anschaut, weil's eben ein Klassiker ist. Oder garnicht anschaut, sondern einfach so bei Imdb 10 Punkte vergibt. Ist aber garnicht so, der Film funktioniert weiterhin auch ohne seinen Legendenstatus. Kraftvoll in Bild und Ton, harte Schnitte, zackig wird die Geschichte erzählt. Die stimmt zwar nicht wirklich, das unrühmliche Ende wird ausgespart, aber ein differenziertes Geschichtsbild darf man von Eisenstein-Filmen auch nicht erwarten.

    -/10

  3. #3
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    Re: Pablo's Honigtopf

    THE ROYAL TENENBAUMS

    (Wes Anderson)





    Jau, das ist so ziemlich das, was ich mir unter dem Begriff "gute Komödie" vorstelle. Schenkelklopfer gut und schön, es geht aber auch ohne, ein Film, der ohne grosses Auf und Ab zielsicher auf einer geraden "Dauergrins-Linie" bleibt, angenehm höhepunktlos immer ein bisschen neben der Kappe. Vor allem schafft es Anderson, die Emotion über den Wahnwitz zu stellen und umgeht damit das Dilemma des seelenlosen Kuriositätenkabinetts, das keine Nähe schafft. So balanciert der Film gekonnt zwischen Tragik und Humor, ohne albern zu wirken oder im Befindlichkeitskitsch zu versinken. Dazu kommt ein Bataillon guter bis fantastischer Schauspieler, angeführt von einem glänzenden Gene Hackman und ein starker Soundtrack. Da wird's dann ein bisschen gruselig, wenn


    Luke Wilson bei Elliott Smiths "Needle in the Hay" zu den Rasierklingen greift und damit ziemlich genau den Tod des Singer/Songwriters vorwegnimmt. Brrr...




    8,5/10

  4. #4
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    Re: Pablo's Honigtopf

    SIN CITY

    (Robert Rodriguez & Frank Miller)





    Klappe, die Zweite! Im Grunde hat sich bei mir beim erneuten Sehen nichts geändert. Die Stärken und die Schwächen bleiben dieselben. Tolle Optik, aber da erzähl ich nichts Neues. Ansonsten ein sehr poetischer Anfang, erinnert mich irgendwie an so manche Twin Peaks-Szene (sic!) in ihrer Mischung aus fettig-triefender Amiserien-Sülze und dem ironischen Unterton. Auch Bruce Willis gefällt, bevor Marv seine atemberaubende Rachetour startet. Abgefuckt, zynisch, brutal ist der hässliche Brocken quasi die Quintessenz von Sin City, torpediert jedes gesunde Moralempfinden. Der Rest des Films kann dieses Tempo nicht mitgehen und gerade der Mittelteil wirkt uninspiriert und blass. Das liegt auch an der Story, die einen 120 min-Streifen einfach nicht tragen kann. Nach einer Stunde hat man alles gesehen, man ist gesättigt und verlangt nach Abwechslung. Nur sind die Charaktere viel zu eindimensional, im Grunde nicht mehr als immer ein und derselbe Typus in unterschiedlichen Variationen. Schönes Kino, aber "Classics" definieren sich anders.

    7/10




    SYMPATHY FOR MR. VENGEANCE

    (Park Chan-Wook)





    Jesses! Ganz fieser Brocken! Zäh wälzt sich dieses Ungetüm von Film über den Zuschauer hinweg, anfangs regelrecht unscheinbar wirkend im Vergleich zu seinem jüngeren Bruder Oldboy. Der ist netter, sieht besser aus, ist abwechslungsreicher. Sympathy... ist vor allem eines: Effizient! Geradlinig, wo Oldboy immer mal wieder hektisch in fremden Gärten wildert, stumm, wo Oldboy brachial in die Vollen geht. Und auf einmal wird man eingesogen in eindringliche Bilder, intensiv wie Hölle, schmerzhaft beim Zuschauen. Keine wohltönende Klassik, nur hin und wieder wird die Stille von heftigem Free-Jazz auseinandergefegt. Und kein Mitleid für den Rächer, wenn er sich in den Strudel von Aktion und Reaktion begibt, Park Chan-Wook verwischt jede Grenze von Gut und Böse. Dagegen wirkt Oldboy wie die notwendige Versöhnung mit dem Rachethema, weil Sympathy... zu heftig und zu hoffnungslos scheint, um das Ende sein zu können. Mal sehen, was die Lady uns noch bringt...

    10/10

  5. #5
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    Re: Pablo's Honigtopf

    DAWN OF THE DEAD (Euro Cut)

    (George A. Romero/Dario Argento)

    I will
    lay me down
    In a bunker
    Underground.






    Dawn... knüpft direkt an seinen Vorgänger "Night of the living Dead" an.
    Weiterhin gibt es keine Erklärung für die Katastrophe, krude Mutmassungen der Wissenschaftler, das ist alles. Romeros Erstling zog seine Faszination aus der nervösen Handkamera und der klaustrophobischen S/W-Atmo in dem einsamen Landhaus. Sein Nachfolger weitet den Blick deutlich aus, per Hubschrauber hat man die Sicht von oben auf das ganze Ausmaß der Katastrophe. Die Zombies haben die Welt zu grossen Teilen überrannt und sind allgegenwärtig. Städte wurden ausgelöscht und die Armee versucht verzweifelt, die Lage in den Griff zu bekommen. Eine kleine Gruppe Menschen flüchtet und landet in einem Vorstadt-Einkaufstempel, den sie zur Festung ausbauen.

    Zu Beginn ist Vieles etwas gewöhnungsbedürftig. Die Zombies bläulich angemalt, die Musik von Goblin mit ihrem zeitwilligen US-Actionserientouch lässt befürchten, dass richtige Spannung nicht wirklich aufkommen könnte. Zum Glück hält die Skepsis nicht lange an, Argento's Filmversion hat eine wunderbare Pace, konzentriert sich stets auf das Wesentliche (ein Vergleich mit Romeros deutlich längerer Version ist mir aufgrund von Noch-nicht-gesehen-haben nicht möglich).
    Mittlerweile ist man auch schon auf die Romero-typische Gesellschaftskritik gestossen, die man so ziemlich in jede Richtung interpretieren kann. Konsumverhalten, das Verständnis der westlichen Zivilisation von Globalisierung als Daumenschraube der dritten Welt,..., viel, was ein bisschen angerissen wird, jede Menge Denkanstösse und auch Zeitgenössisches kann man hineinlesen, nur konkret oder gar substanziell ist hier nichts. Was auf jeden Fall bleibt, ist der düstere Blick auf eine Menschheit, die vor lauter Gier und Eigennutz selbst ihr Untergang ist, nicht der Zombie, der in Dawn of the Dead als bedauernswertes Geschöpf erscheint.

    Dawn of the Dead hat definitiv den Test der Zeit bestanden, inhaltlich und filmisch. Gore/Splattertechnisch ist DOtD eh vom Feinsten, hier hat Tom Savini ganze Arbeit geleistet. Herausragend!

    9/10

  6. #6
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    Re: Pablo's Honigtopf

    100 JAHRE ADOLF HITLER

    (Christoph Schlingensief)





    "Der Untergang" ist ein Film, auf den ich absolut keine Lust habe. Als er im TV lief, hab ich mal 'ne Viertelstunde reingeschaut und dann weitergezappt. Eine realistische Nachzeichnung der letzten Tage im Führerbunker muss ich nicht haben, ein Hitler, der zusehen muss, wie seine Allmachtsphantasien den Bach runter gehen, interessiert mich nicht die Bohne.

    Hitler beim Scheissen zuschauen geht schon. Wir sind bei Schlingensief und seiner Nachstellung der letzten Stunde im Führerbunker. Wie Untote geistern die Übriggeliebenen durch das graue Mauerwerk, lallen und tanzen, gehen sich an die Gurgel und ein Herr Federlein(?) schreit zwischendurch immer wieder "Ficken". Um Sex geht es auch, z. B. bei Goebbels, der, wenn Martha nicht kann, sich die Tochter zur Brust nimmt. Ja, im Grunde ist Schlingensiefs Hitlerversion der letzte Scheissdreck. Ein Amateurfilm ohne handwerkliches Geschick, Trash im negativsten Sinn, ein Machwerk. Alles wirkt nicht im Geringsten durchdacht, "Klappe runter und jetzt benehmt Euch mal möglichst schwachsinnig". Und durch diesen Schwachsinn schafft der Film das, was kein möglichst geschichtsnaher Film je erreicht hat: Hitler und seiner Sippe wird die Verklärung genommen und es bleibt nichts übrig als ein kranker Kackhaufen. Natürlich ist so etwas auch wieder gefährlich, einen bescheuerten Hitler zu zeigen, ohne Implikation der unter seiner Fahne begangenen Greueltaten, aber insgesamt trotzdem Danke an Christoph Schlingensief für einen Adolf, der einfach mal zu garnichts nütze ist!

    Das Problem ist, den Hitler hat man nicht abgenutzt, man hat ihn nicht zum Gebrauch hingeworfen. Nutzt es ab, benutzt es, dann wird es sich schon zerschleudern und zerfleddern und keiner wird mehr Interesse haben, diese kaputte Jacke anzuziehen. Das passiert nicht, weil immer diese Hochadelskultur einsetzt und sagt "Nein, um Gottes Willen, Käseglocke drüber und Tempelanlage bauen."
    Christoph Schlingensief

    -/10

  7. #7
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    Re: Pablo's Honigtopf

    THE MAN WHO WASN'T THERE

    (Joel & Ethan Coen)




    Zwischen den beiden recht mainstreamigen, aber saukomischen "Lebowski"/ "O Brother" und den nicht sonderlich gut aufgenommenen Neuwerken sitzt recht unscheinbar "The Man who wasn't there" auf dem Coen-Sofa. Wieder ganz was Neues, die beiden Chamäleons zeigen auch hier ganz neue Facetten ihres eigenen kleinen Filmmikrokosmos.

    "The Man..." ist ein fieser Bastard. Anfänglich präsentiert er sich als nettes Filmchen, sein immer leicht humoriger Einschlag wird dezent und unauffällig in Szene gesetzt. Lakonisch erzählt Billy Bob Thorntons Stimme aus dem Off von seinem Leben, dass da nicht viel passiert, ist eine Tatsache, trotzdem nicht weiter tragisch. Dann geschehen aber Dinge, die einen Menschen ein bisschen aus dem Gleichgewicht bringen, eine unheimliche Verkettung von skurrilen Momenten. Glück, Unglück, Zufall oder Schicksal? Man weiss es nicht und manchmal fühlt man sich an Dostojewskis Karamasow-Brüder erinnert, nur ohne das Geschwätz. Das bleibt unterhaltsam und so merkt man garnicht, wie der Film unablässig in düsterere Gewässer fährt, wenn die Geschichte Thorntons Charakter Ed Crane ihre eigenen Gerechtigkeitsvorstellungen spüren lässt. Und so bleibt der Zuschauer genauso ratlos wie Crane selbst zu Ende, weil er nicht weiss, wie er zum Endpunkt gelangt ist. Von A nach B scheint nicht zu stimmen.

    8,5/10




    EVIL DEAD

    (Sam Raimi)






    Der erste Langfilm von Raimi und der Auftakt der Evil Dead-Trilogie. Hier steckt der Spider Man-Maestro noch in den Kinderschuhen. Storytechnisch alles andere als originell, eine Clique fährt zu einer einsamen Waldhütte, um dort den Spass ihres Lebens zu haben. Was Evil Dead besonders macht, steckt in der Umsetzung. Selbstverliebt rast die Kamera über den Waldboden auf die Hütte zu, umkreist ihre Bewohner und kommt nie zum Stillstand. Musikalisch ist das ein bisschen zuviel wildes Potpurri, bleibt aber meistens effektiv und über den Sound gibt's garnichts zu meckern. Die recht derben Splatter-Elemente werden nicht immer realistisch, aber fantasievoll eingesetzt. Klarer Fall von "mit wenig Mitteln viel erreicht". Macht Laune.

    8/10

  8. #8
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    Re: Pablo's Honigtopf

    GUERREROS

    (Daniel Carlparsoro)






    Guerreros ist kein gross angelegtes Kriegsepos, nach 85 Minuten ist Schluss. Der Gegner sitzt nicht in Vietnam oder Somalia, sondern im Süden Europas, die beschriebene Szenerie ist gerade mal fünf Jahre alt. Und es ist nicht der Irakkrieg, der in Deutschland bei der Mehrzahl der Bevölkerung auf Ablehnung stiess, es ist eine Friedensmission, die akzeptiert wurde, "weil es ja jemand machen muss".

    Die Fronten verwischen sehr schnell. Ein Misthaufen trifft auf den anderen. Und mitten drin die KFOR. Die hat keine Ahnung, was zu tun ist, die jungen Männer und Frauen heillos überfordert. Und Kameradschaftslieder will auch keiner singen. Nach einem Hinterhalt beginnt für eine kleine Gruppe Übriggebliebener ein Spießrutenlauf durch die feindlichen Linien. Wo die sind, weiss niemand, weil sich die gegnerischen Parteien an kein verdammtes Kriegsrecht halten. Guerreros ist dreckig und brutal, aus hoffnungsfrohen Idealisten werden Wracks. Das kennt man aus anderen Filmen, aber wenn es derart intensiv und unmittelbar gezeigt wird, darf man gerne auf Stereotypen zurückgreifen, zumal sie noch so richtig sind.

    8,5/10




    NOCTURNE

    (Lars von Trier)






    Achtminütiges Erstlingswerk von Lars von Trier. Technisch ganz interessant, dunkle Beleuchtung, viel Arbeit mit Zeitlupe, spartanische Gesten und Bewegungen. Was der Film allerdings an Inhalt rüberbringen soll, kann ich nicht sagen. Ein Telephongespräch, ein toter Papagai und eine Frau, die wegfährt. Ach ja, schön das.

    -/10

  9. #9
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    Re: Pablo's Honigtopf

    THE NEW WORLD

    (Terrence Malick)





    Malick ist endgültig weg vom Erzählkino, er verliert sich in Transzendenz und Mystik, Voice-Over ist das einzige Narrator-Element, dass zugelassen wird, ansonsten werden den Akteuren nur widerwillig Worte in den Mund gelegt und dann wirken Gespräche auch fast deplaziert als Stilmittel, das Malick nicht mehr mag und er sich doch nicht aufraffen konnte, komplett darauf zu verzichten.

    The New World wird dem Ruf eines begnadeten Regisseurs nur schaden, er wird auch dem Ruf von The Thin Red Line schaden, weil dieser nun zum Brückenschlag zum heutigen Malick-Film wird und viele, die zu The New World keinen Zugang finden, nun auch bei seinem 98er-Film einen schalen Nachgeschmack im Mund haben werden. Weil die beiden Filme nicht zu trennen sind. Nur unterwarfen sich die sehr direkt gehaltene Philosophie und das Naturelle in TTRL noch der Geschichte, in The New World sind sie allumfassend. Postkartenkitsch könnte man sagen, verbunden mit Ekelesoterik, 1. Semester. Weil Malick einfach bleibt und Heidegger weglässt, stattdessen einfache Fragen stellt und einfache Antworten gibt. Das kann bei mancher Filmzeile Bauchschmerzen geben. Mir ist das egal, weil The New World trotzdem und deswegen wunderschön ist. Malicks Metaphern sind klar und direkt, "du siehst was du siehst". Die eigentlich abgenudelte Geschichte von Pocahontas und allgemein eines Aufeinandertreffens von Eingeborenen und westlichen Pionieren hat mir nie so viel gegeben wie hier. Zwar rennt mir der Film manchmal davon, wenn ich etwas gerne weiterverfolgt gesehen hätte und ich mich manchmal gefragt habe, warum jetzt gerade auf diese Szenen so viel Wert gelegt wurde, in vielen Momenten bleibt The New World aber einfach ein Rausch der Sinne, einfach zu erfahren und zu verstehen. Wenn man will.

    9/10

  10. #10
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    Re: Pablo's Honigtopf

    SAW 2

    (Darren Lynn Bousman)






    Doofe Sache. Mir war vorher klar, dass die Erfolgsschiene des ersten Teils nicht verlassen werden würde, aber die einhellige Meinung war ja auch, dass es trotzdem funktioniert. Mir ging Saw 2 allerdings auf den Senkel. Zum Schluss hab ich nur noch auf den finalen Geniestreich gewartet, welches total unerwartete Ende sich die Macher nun diesmal ausgedacht haben. War auch ok. Eigentlich der ganze Film. Netter Spannungsbogen, nette Schauspieler usw. Dass mir dieser Film etwas gegen den Strich ging, wird vor allem daran gelegen haben, dass mir mal wieder ein absolutes NoGo-Publikum den Film vermiest hat. Die Reihe vor mir: Kreischtussen. Dafür saß hinter mir die ganz harte Gruppe, die nach eigenen Aussagen "schon ganz andere Filme gesehen hat". Das gab dann 'nen schönen Battle zwischen hohen Quitsch-Tonlagen und Dauer-Rumgenöle. Ich mittendrin. Und kein Spass.

    4/10

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