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Thema: all things are good when taken to excess - laertes' filmtagebuch

  1. #1
    laertes
    Gast

    all things are good when taken to excess - laertes' filmtagebuch

    mir war so, als hätte ich anno dazumal schon ein ftb geführt, aber sei's drum: eröffne ich eben ein neues, dieses. in erster linie, um mich für eine OMFE-mitgliedschaft zu empfehlen und für das private OMFE zwischen mir und wolfe.

  2. #2
    laertes
    Gast

    AW: all things are good when taken to excess - laertes' filmtagebuch

    Aus der Reihe "The Wolfe-Laertes-Parallel-Universe-OMFE-Speed-Run":

    Geronimo: An American Legend
    1993, Regie: Walter Hill



    Den Begriff der 'Emergenz' kann man definitorisch ganz gut auf den Punkt bringen, indem man ihn mit dem berühmten Wort erklärt, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. In der Kunst muss dies im besonderen für den Film gelten, der sich im Extremfall aus Elementen aller anderen Künste zusammensetzt, als Gesamtprodukt hingegen gleichwohl etwas vollkommen Eigenständiges darstellt.

    Interessant wird dieser Aspekt bei Filmen wie dem von mir nunmehr - auf wiederholte Anregung Wolfes - gesehenen Geronimo: An American Legend.

    Denn das Kuriose ist, dass alle seine Teile für sich gesehen zu überzeugen vermögen: von der interessanten und weiterführenden Story über die schauspielerische Güte (allen voran natürlich Geronimo-Darsteller Wes Studi) und die außergewöhnliche Musik bis hin zur authentisch wirkenden und im Hinblick auf die abgebildeten Landschaften durchaus opulenten Optik.

    Dennoch hat der Film als Ganzes mich überhaupt nicht angesprochen, wobei ich nur schwer fassen kann, woran das gelegen hat. Um es mit einem seinerseits veralteten Wort zu versuchen: Geronimo wirkte auf mich 'altbacken' und an keiner Stelle mitreissend. Aber weshalb? Liegt es am Genre? Müssen Western so verstaubt aussehen? Ich bin wahrlich kein Western-Connaisseur wie Wolfe, aber ich bin bereit, gute Western zu sehen. Indes fallen mir da eher Filme wie Spiel mir das Lied vom Tod, Erbarmungslos oder zuletzt True Grit ein - nicht jedoch Geronimo.

    Möglicherweise fehlte mir schlicht das genuin 'Filmische' eines Films, das aus meiner Sicht mehr erfordert, als lediglich Szene um Szene hintereinanderzuschneiden, während die Stimme des jungen Matt Damon aus dem Off die Geschehnisse beschreibt und die Figuren analysiert.

    Das Positivste, das ich dem Film abgewinnen konnte, war, dass er mich für die Geschichte der indigenen nordamerikanischen Bevölkerung und ihre Verdrängung in Reservate, namentlich natürlich vor dem Hintergrund des Wirkens Geronimos, zu interessieren vermochte. Und dass die Darstellung der beteiligten Konfliktparteien sehr objektiv und ausgewogen ist.

    Für eine nochmalige Sichtung reichen diese Gesichtspunkte aber nicht.

    Meine Bewertung: 2/10

  3. #3
    laertes
    Gast

    AW: all things are good when taken to excess - laertes' filmtagebuch

    Aus der Reihe "The Wolfe-Laertes-Parallel-Universe-OMFE-Speed-Run":

    Tombstone
    1993, Regie: George P. Cosmatos und Kevin Jarre



    Schon mal einen feministischen Western gesehen? Ich auch nicht. Bis mir Wolfe Tombstone aufs Auge drückte.

    Darin spielen die üblichen Verdächtigen des von mir so genannten 'Promi-Western' - Wyatt Earp und Brüder, Doc Holliday - nur vordergründig die Hauptrolle. Der eigentliche Konflikt wird indes nicht im Saloon oder auf der verstaubten Hauptstraße oder im notorischen O.K-Corral ausgetragen - dem „Symbol für den ständigen Kampf zwischen Recht und Gesetz auf der einen sowie offenem Banditentum auf der anderen Seite in den Grenzstädten des Wilden Westens, wo die Spannungen des Sezessionskrieges nachwirkten und Strafverfolgung oftmals nur spärlich stattfand“ (Wikipedia). Sondern in den Dialogen, Disputen, Blicken, Gesten, kurz: den Schlachtfeldern von Mann und Frau.

    Da begehren Frauen auf und verlangen, als eigenständige Subjekte behandelt zu werden. Oder es fährt ein Planwagen durchs Bild, auf dem Frauen stehen und mit Schildern für gleiche Rechte am Arbeitsplatz werben. Ein High-Noon der Emanzipation, ausgetragen zwischen dem Manne untergeordneten Frauenfiguren der alten Zeit und freiheitlich denkenden Feministinnen der neuen Zeit, personifiziert vor allem durch Wyatts opiumabhängige Ehefrau einerseits und seine abwechslungssüchtige Geliebte andererseits - zwei Frauen, die in ihrer Art zu leben und sich zu geben unterschiedlicher nicht sein könnten. Und die nicht zuletzt auch Wyatts eigenen inneren Disput symbolisieren, seine schwere Wahl zwischen der vermeintlich angestrebten - vielleicht aus Not zur Tugend gemachten? - Rolle als niedergelassener Ehemann und Familienvater auf der einen und der – seinem Herzen entsprechenden? - Rolle als lonesome in den Sonnenuntergang ziehendem Peacemaker auf der anderen Seite.

    Im übrigen ist Tombstone ein von der Bildsprache her gesehen 'klassischer' Hollywood-Western, der insbesondere durch allenthalben herausragende Darstellerleistungen zu überzeugen vermag. Allen voran Michael Biehn, der seinen Johnny Ringo mit einer solchen Intensität und zurückgenommenen Wucht als Soziopathen verkörpert, dass man gar nicht daran denkt, die mangelnde historische Authentizität dieser Charakterisierung anzuzweifeln, so sehr vermag Biehns Spiel zu fesseln. Und auch Val Kilmer als Doc Holliday hat mich über alle Maßen beeindruckt – und überrascht, war ich mir bislang keineswegs im klaren darüber, was für ein wunderbarer Schauspieler Kilmer ist (oder jedenfalls sein kann, wenn er will und die richtige Rolle – diese hier – bekommt). Die übrigen Darsteller will ich nicht im einzelnen aufzählen, alle haben mir aber – und ich wiederhole mich gern – überdurchschnittlich gut gefallen.

    Da auch der von knackigsten Dialogen getragene Plot stimmig ist und die Kulisse authentisch wirkt, die Musik so klingt, wie sie eben klingen soll in einem Western und auch im übrigen alles passt, konnte ich über die etwas einseitige Figurenzeichnung hinwegsehen. Denn nach aktueller Auffassung waren Wyatt, Holliday und Co. nicht die reinen Guten, und die bösen, bösen 'Cowboys' waren in Tombstone besser gelitten, als es der Film suggeriert, aber geschenkt! Der mündige Kucker (mit K!) weiß das, Spaß haben kann er trotzdem.

    Und den hatte ich.

    Abstriche gibt’s in erster Linie für die etwas müde und unecht - altbacken! - wirkenden Schießereien und Schlägereien. Ansonsten aber ein trotz allen Vergnügens ernstzunehmender Spaß-Western, den ich gern wieder einmal ansehen werde – und nicht nur wegen des großartigen 'Trinkbecher-Duells'!

    Meine Bewertung: 7/10

  4. #4
    laertes
    Gast

    AW: all things are good when taken to excess - laertes' filmtagebuch

    Aus der Reihe "The Wolfe-Laertes-Parallel-Universe-East-Western-Divan-Speed-Run":

    Silverado
    1985, Regie: Lawrence Kasdan



    Wolfe 'zwingt' mir einen Western nach dem anderen auf. So langsam krieg' ich Staublunge. Und heute morgen konnte ich mich nur mit Mühe davon abhalten, meinem Fahrrad die Sporen zu geben und es mit einem kräftigen "Yeehaa!" zum Losfahren zu bewegen. Naja, solange es nur das Fahrrad ist und nicht die Freundin, ist ja noch Licht am Ende des Tunnels bzw. Luft nach oben.

    Aber ich vergesse mich! Kurz und knapp zur Sache: Silverado enthält alles, was für mich zu einem klassischen, 'echten' Hollywood-Western gehört: Weite Landschaften aller Art (von Wüste über Fels, Steppe und Grasland bis hin zu verschneiten Feldern), Pferde, wohin man sieht, Siedlertrecks, gute und böse Cowboys, Marshalls, Sheriffs und sonstige Ordnungshüter, markige Sprüche, Schießereien innerhalb und außerhalb von Saloons und nicht zuletzt lecker Bohnen. (Ich empfehle übrigens pürierte Pinto-Bohnen! Da geht nix über!)

    Darüber hinaus packt der Film ein heißes (Vieh-)Eisen an und setzt sich mit dem Rassismus seiner Zeit auseinander, was ich äußerst bemerkenswert für einen Western finde: einer seiner Helden ist ein afro-amerikanischer Scharfschütze, der allüberall diskriminiert wird.

    Nicht verschweigen darf man die Besetzung. Ich will's mal so formulieren: Gäbe es ein All-Star-Team von Hollywood-Schauspielern der 80er Jahre, mit dem Cast von Silverado wäre es fast vollständig (eigentlich fehlt nur Woody Allen, aber der ist ja ohnehin ein All-Star für sich, Gott des Kinos, deswegen fehlt er eigentlich nicht, und außerdem erwähne ich ihn nur, um Bob zu ärgern).

    Alles in allem ein durchaus rundes Western-Erlebnis, auch wenn sich der Film hie und da in der einen oder anderen Seitenlinie verfranst. Wegen mancher Flapsigkeit im Dialog und kleineren Unglaubhaftigkeiten im Plot gebe ich ihm aber immerhin noch satte

    7,5/10.

  5. #5
    laertes
    Gast

    AW: all things are good when taken to excess - laertes' filmtagebuch

    Aus der Reihe "The Wolfe-Laertes-Parallel-Universe-OMFE-Speed-Run":

    One Night At McCool's
    2001, Regie: Harald Zwart



    Ist es eine Komödie? Ist es eine Tragödie? Man könnte meinen, Thomas Bernhard habe diesen Titel für eine seiner Erzählungen gewählt, nachdem er Harald Zwarts One Night At McCool's gesehen hatte. Dem steht nur entgegen, dass Bernhard 1989 gestorben ist, während besagte Nacht aus dem Jahr 2001 stammt – auch wenn sie aussieht wie ein 90erjahre-Film, der auf 80er gemacht ist.

    Aber die Frage stellt sich!

    Bevor ich darauf eingehe, erlaube man mir jedoch zunächst einen kleinen Exkurs. Dass die BILD ihre Leser täglich aufs Neue massivst verarscht, ist ein offenes Geheimnis. Aber als ich mir bei Amazon-Marketplace die gebrauchte DVD, die damals offenbar im Rahmen einer BILD-Aktion verkauft worden ist, bestellte, rechnete ich in keiner Sekunde damit, dass sich darauf nur eine einzige Tonspur befinden würde: die deutsche! Wieso nur? Das ist doch völlig haarsträubend! Ist es billiger, DVDs mit amerikanischen, englischsprachigen Filmen nur mit deutscher Tonspur zu vertreiben? Schwer vorstellbar! Aber warum sonst ist nur die Synchro drauf? Welchen sachlich-vernünftigen Grund könnte das in Allerherrgottsnamen haben? Oder anders gefragt: Sind die völlig bekloppt? Ich habe mir den Film an anderer hier ungenannt bleibender Stelle im Ursprungston ansehen können. Original statt Fälschung! In your faces, assholes!

    Zurück zum Stück...

    ...und zur eingangs aufgeworfenen Frage: Komödie? Tragödie? Ganz ehrlich: Man weiß es nicht, weder vorher noch währenddessen noch hinterher. Hinterher am allerwenigsten. Zugegeben, Einordnungen sind eigentlich völlig Boogey, solange nur der Film selbst weiß, wohin er will. Leider Fehlanzeige. Eine ganz, ganz merkwürdige Art, eine Story zu erzählen. Irgendwie Komödie mit veraltet anmutendem 90erjahre-Witz, irgendwie Film Noir, irgendwie irgendwas. Ganz, ganz merkwürdig. Jedenfalls alles andere als interessant oder spannend oder lustig.

    Nichts von alldem!

    Natürlich liegt das große Vorbild Rashomon auf der Hand: mehrere Beteiligte berichten ein identisches Geschehen aus ihrer jeweiligen Perspektive und damit völlig unterschiedlich. Soweit, so nett. Überzeugend ist es nicht, zumal die Figuren mir mit Ausnahme des wie immer süßen Matt Dillon völlig hintenrum vorbeigegangen sind, so überzeichnet und gleichzeitig flach sind sie.

    Und dabei habe ich noch nichts gesagt zur unglaublich nervigen Liv Tyler, die mir mit ihrem gespielten Gelispele schon nach zehn Sekunden dermaßen auf den Zeiger ging, dass ich weder ihr die Femme Fatale noch den Kerlen die Begeisterung für sie abgekauft habe. Auch habe ich noch nichts gesagt zum – auch für eine vielleicht (?) schräg gemeinte Komödie - extrem unglaubhaften Verhalten der Figuren.

    Nun, was soll ich sagen? Mit Komödien ist es wie mit Parfum oder Schmuck – nur schenken, wenn man hundertprozentig weiß, dass der andere genau auf dieses konkrete Objekt steht, ansonsten: Finger weg! Mein Humorgebiet wird im wesentlichen abgesteckt von den Eckpfeilern Woody Allen, Simpsons und Helge Schneider. Da passt einiges, aber nicht alles rein. Dass Wolfe mir A Night At McCool's 'aufgezwungen' hat, deckt sich nicht mit meinem Geschmack, aber doch zumindest mit meiner Beobachtung, dass sein und mein Humor auf unterschiedlichen Planeten angesiedelt sind. Insofern sollten wir vielleicht zukünftig von Komödien Abstand nehmen, wobei: eine habe ich ja nach dem Ding noch gut! Wolfe, Jazzclub kucken (mit k!)! Sofort! Zwei Meter zwei Mark!

    Nein, keine Sorge, ich mach' nur Spaß (und was für einen)...

    Aber ein bisschen ist auch mea culpa angesagt, habe ich doch vor ein paar Tagen einen ersten Office-U.S.-Rerun eingeläutet, da können ohnehin nur wenige amerikanische Komödien mithalten was Pointiertheit, Prägnanz und Geistreichtum betrifft. Und A Night At McCools muss im direkten Vergleich einfach derbe abkacken.

    Deshalb gibt’s mit viel Wohlwollen

    1/10 Punkten,

    aber nur für Michael Douglas' Frisur (siehe oben).

  6. #6
    laertes
    Gast

    AW: all things are good when taken to excess - laertes' filmtagebuch

    Aus der Reihe "OMFE und Robin":

    Breaking Away
    1979, Regie: Peter Yates



    Es wäre massiv verkürzt, zu sagen, Breaking Away sei ein Radsportfilm. Zwar bildet der sportliche Wettkampf das Fundament der Erzählung. Aber im Kern des Films geht es um viel bedeutendere Fragen: Coming of age, Generationenkonflikte, erstes großes Verliebtsein, das Suchen und Finden der eigenen Identität - all das sind die Themen, denen sich Breaking Away widmet. Und nicht zuletzt behandelt er die sozialen Gegensätze zwischen Reich und Arm, Akademikern und Arbeitern, Privilegierten und Benachteiligten.

    Man verzeihe mir die Verwendung dieses allzu oft für seichtere Filme stehenden Begriffes, aber: Breaking Away ist ein Feel-Good-Movie, das diese Bezeichnung verdient. Regisseur Peter Yates und ein mit viel Freude aufspielender Cast, allen voran Dennis Christopher als Protagonist David, schaffen ein so beschwingte und strahlende Atmosphäre, dass man sich beim Zuschauen eines Lächelns oft nicht erwehren kann. Die äußerst gelungene Musikauswahl - so etwa Mendelssohns 'Italienische' Symphonie und die Ouvertüre zu Rossinis Barbier von Sevilla - fügt sich in dieses Stimmunghoch perfekt ein.

    Dabei nimmt der Film seine Figuren trotz aller Leichtigkeit und Komik ernst und bietet, ohne dadurch unglaubhaft zu werden, immer wieder Raum für ernsthafte Momente, so vor allem im herrlich amüsanten Konflikt zwischen Vater (wunderbar gespielt von Paul Dooley) und Sohn und natürlich in den Diskussionen der vier Freunde, die nur langsam realisieren, dass sie eine Zukunft haben, über die sie sich Gedanken machen müssen.

    Was lehrt der Film? Dass es gut ist, Hoffnung zu haben, und dass es gut ist, Illusionen aufzugeben. Dass es sich lohnt, für Ziele zu kämpfen und an sich zu glauben. Natürlich ist das angesichts der kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsverhältnisse, die sich seit den Achtzigerjahren, in denen die Geschichte spielt, noch um einiges verschärft haben, kein immer mögliches Unterfangen. Auch werden sportliche Leistungen von Underdogs zwar allgemein bewundert und auch von der herrschenden Klasse goutiert, aber doch eher als Brot und Spiele für den Pöbel, um soziale Aufstände und Revolutionen zu verhindern. Nicht anders ist auch das Lächeln des Zweitplatzierten am Ende des Films zu verstehen.

    Nach dem Ansehen von Breaking Away glaubt man als Zuschauer aber zumindest für einen klitzekleinen Augenblick daran, dass vielleicht möglicherweise am Ende eines langen Konjunktivs eine andere Gesellschaft möglich sein könnte, in der die Anerkennung von Leistungen und trotz aller Widrigkeiten ("Everybody cheats!") ein gerechter Umgang miteinander möglich sind und jeder seinen Platz finden kann und darf. Und dass diese Moral so ganz und gar nicht moralisch rüberkommt, sondern durch und durch authentisch, ist die größte Stärke des Films.

    8/10

  7. #7
    laertes
    Gast

    AW: all things are good when taken to excess - laertes' filmtagebuch

    Aus der Reihe 'The Wolfe-Laertes-Parallel-Universe-OMFE-Speed-Run':

    I Love You To Death
    1990, Regie: Lawrence Kasdan



    Kaum zu glauben, wie schwer es sein kann, einen Menschen umzubringen - das kann schon was Absurd-Komisches haben, wie I Love You To Death beweist! In der auf einer – unglaublich, aber – wahren Begebenheit beruhenden schwarzen Komödie versucht die betrogene Frau, unterstützt von ihrer Mutter und einer Vielzahl weiterer skurriler Personen, die sich in ihrem Dilettantismus gegenseitig überbieten, ihren fremdgängerischen Ehemann mit einer gazen Batterie an lebensgefährdenden Mitteln zu töten:

    Vom gedungenen Mörder über manipulierte Autobremsen und vergiftetes Essen bis hin zu Schüssen ins Herz. Plan gut, Ausführung mangelhaft, muss man da leider sagen, denn um zum Erfolg zu kommen, muss man nicht nur handeln – man muss auch wissen, wie man es tut (Stichwort: Wo sitzt den eigentlich das Herz? Links oder rechts? Moment, lass mal die Nationalhymne singen...). Und von diesem grandiosen Scheitern erzählt der Film.

    Lawrence Kasdans I Love You To Death ist eine sehenswerte kleine Komödie, die von einem namhaften Cast getragen wird. Um den von einem wunderbar agierenden Kevin Kline verkörperten Joey Boca zu töten, kommen unter anderem zum Einsatz: Tracy Ullmann, Joan Plowright, River Phoenix, William Hurt und Keanu Reeves. Der Cast ist neben der jedenfalls eingangs geschaffenen Atmosphäre und der beschwingten Musik James Horners die größte Stärke des Films, auch wenn der eine oder andere Darsteller beizeiten zum Overacting neigt und die Grenze zum Klamauk manchmal bedrohlich nahe rückt. Die Story selbst ist naturgemäß relativ simpel, und auch an die Figurenzeichnung darf man nicht zu große Ansprüche stellen. Insbesondere ist Klines Figur geradezu das Abziehbild eines Italieners.

    Aber wenn man diese Kritikpunkte beiseite legt, hat man immer noch ein zutiefst schwarzhumoriges Werk, das den geneigten Zuschauer allein wegen der tollen Schauspieler gut unterhalten kann.

    6,5/10
    (vorbehaltlos sehenswerter Film)

  8. #8
    laertes
    Gast

    AW: all things are good when taken to excess - laertes' filmtagebuch

    Aus der Reihe 'The Wolfe-Laertes-Parallel-Universe-OMFE-Speed-Run':

    Dirty Rotten Scoundrels
    1988, Regie: Frank Oz



    Zwei gewissenlose con artists, ein dandyhaft-eleganter Brite und ein jungenhaft-charmanter Amerikaner, die sich auf das professionelle Ausbeuten reicher Ladies spezialisiert haben, treffen in einem noblen französischen Kurort aufeinander. Zunächst machen sie sich eine Zeit lang gegenseitig das Leben schwer, bis sie realisieren, dass der Platz nur für einen reicht. Deshalb schließen die Dirty Rotten Scoundrels eine Wette: Wer von den beiden es zuerst schafft, 50.000 Dollar von einer gerade frisch eingetroffenen, gleichermaßen attraktiven wie naiven Amerikanerin zu erbeuten, darf bleiben, der andere muss gehen. Die Schlacht beginnt – und sie wird geführt mit allen Mitteln der Verstellung, Täuschung und Irreführung.

    Michael Caine und Steve Martin glänzen in dieser erfrischend leichten und verspielten Komödie von Frank Oz, die, in einer maritimen sommerlichen Kulisse angelegt, von einer äußerst stimmigen Filmmusik getragen wird. Es ist eine große Freude, den beiden dabei zuzusehen, wie sie mit immer neuen Ideen und Finessen versuchen, dem anderen den Rang abzulaufen und den Spieß umzudrehen. Dabei ergibt sich ein schöner Kontrast schon allein daraus, dass die beiden Darsteller die Herkunft ihrer Figuren, die ja ihrer auch eigenen entspricht, fast schon archetypisch verkörpern: auf der einen Seite der feine, gesittete Michael Caine, auf der anderen der jungenhafte, prahlerische Steve Martin. So geht es hin und her, tun sich Falltüren auf, Fallstricke werden überall verteilt, und hinter beinahe jeder Ecke wartet eine Überraschung.

    Dass das Ganze dabei immer wieder arg konstruiert wirkt und viele geplante Zufälle die Story vorantreiben, tut allenfalls der Logik oder jedenfalls der Glaubhaftigkeit Abbruch. Auch ist die Figurenzeichnung größtenteils sehr klischeehaft und oberflächlich. Hie und da ist manche Wendung auch vorhersehbar. Dies mindert aber nicht das Vergnügen, dem Katz- und Maus- und Hase- und Igel-Spiel unserer beiden Betrüger zuzusehen – die übrigens trotz aller Boshaftigkeit durchweg charmant und liebenswert sind und trotz ihrer durch keine Moral begrenzten egoistischen Verhaltensweisen sympathisch wirken.

    Alles in allem lautet daher mein Fazit: hat Spaß gemacht!

    7/10
    (großartiger Film mit leichten Mängeln)

  9. #9
    laertes
    Gast

    AW: all things are good when taken to excess - laertes' filmtagebuch

    Aus der Reihe 'OMFE und Robin':

    Import/Export
    2007, Regie: Ulrich Seidl



    Es geschieht nicht oft, dass mich ein Film so tief berührt wie dieser. Import/Export erzählt die Geschichte zweier Menschen – des Österreichers Paul und der Ukrainerin Olga –, die sich nach erfolglosen Versuchen, ein Leben aufzubauen oder zumindest etwas zu erhalten, was man als Leben bezeichnen darf, in das Land des jeweils anderen begeben, um ihre Körper und ihre Seelen dort als billige Arbeitskraft, als Ware zu verkaufen. Während Paul, der in seiner Heimat außer Schulden und einer allumfassenden Perspektivlosigkeit nichts hat und der mit seinem Stiefvater als Automatenaufsteller unterwegs ist, immer tiefer in das finstere Herz des Ostens vordringt und mit den dort vorherrschenden unerträglichen Lebensumständen konfrontiert wird, arbeitet die Krankenschwester Olga, die ihren Sohn und ihre Mutter in der Ukraine zurücklässt, zunächst als Putzfrau in verschiedenen Haushalten, bevor sie nach einigen zutiefst demütigenden Erlebnissen in der geriatrischen Station eines Krankenhauses zu putzen beginnt - und dort mit den herzzerreissenden Schicksalen der dahinsterbenden Alten zu tun bekommt.

    Wer allein diese kurze Zusammenfassung schon für harten Tobak hält, sollte sich zweimal überlegen, ob er sich Ulrich Seidls halbdokumentarischen Film ansehen will. Denn Seidl spart nichts aus, verschont den Zuschauer nicht. Nacktheit, Elend, Erniedrigung, Gewalt, Krankheit, Tod – all das zeigt Import/Export mit unbarmherzigem Blick. Da wird nichts geschönt, verstellt, verschwiegen. Die Abgründe unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung tun sich auf in einer Unerbittlichkeit, die ich nur als harten Realismus bezeichnen kann.

    Und dabei ist der Film nicht ohne Trost, nicht ohne Hoffnung. Denn die Protagonisten kämpfen um ihre Würde, ihre Menschlichkeit, schaffen sich – und sei es auch bloß vorübergehend, nur für einen kurzen Moment – trotz aller Widrigkeiten Räume, in denen sie einatmen können, winzige Inseln des Lichts in all der Trostlosigkeit und Bedrückung, die sie von allen Seiten bedrängt.

    Ehrlicher und authentischer kann man unserer Gesellschaft und unserer Politik, für deren Gier nach Konsum die Ausbeutung das Fundament ist, den Spiegel nicht vorhalten als es Seidl hier tut. Und damit meine ich nicht nur die Müllberge in der Ukraine oder die minderjährige Prostituierte, die von Pauls Stiefvater wie ein Hund bellend im Hotelzimmer herumgeführt wird. Damit meine ich auch den Blick in Olgas Augen, ihre Entschlossenheit, weiterzumachen. Dennoch.

    Und dieses Dennoch verhüllt ein Unendliches.

    9/10
    (Meisterwerk)


  10. #10
    laertes
    Gast

    AW: all things are good when taken to excess - laertes' filmtagebuch

    Aus der Reihe 'The Wolfe-Laertes-Parallel-Universe-OMFE-Speed-Run':

    What About Bob
    1991, Regie: Frank Oz



    Nachdem es mir Frank Oz' Dirty Rotten Scoundrels angetan hatten, freute ich mich nun darauf, nicht nur Intruderhorror der anderen Art sehen zu dürfen, sondern nichts weniger als den Urvater der Psychiater-Patient-Komödien. Wunderbar witzige Werke wie Analyze This, Analyze That oder Anger Management nehmen so offensichtlich auf dieses Vorbild Bezug, dass meine Spannung groß war, diesen Film, von dem ich schon viel gelesen hatte, endlich auch zu erleben.

    Das Konzept von What About Bob? ist so einfach wie vorhersehbar: Der arrogante, im Erfolg erkaltete Psychiater wird von seinem durchgedrehten, aber liebenswerten und warmherzigen Patienten so lange und so intensiv gestalkt, bis sich die Verhältnisse umkehren und der Patient zum Therapeuten wird - und vice versa. Bill Murray ist die Rolle des Durchgeknallten auf den Leib geschrieben, ach, was sag ich: auf die Stirn tätowiert! Und Richard Dreyfuss – übrigens ein atemberaubend attraktiver Mann mit einer außergewöhnlich vielseitigen Mimik, was mir hier das erstemal bewusst geworden ist – spielt den Psychiater mit einer Herablassung und einem Hochmut, dass es zunächst eine Freude ist, den ersten mit Sturmleitern und Geschützen auf die Trutzburg des zweiten losmarschieren zu sehen.

    Leider liegt darin aber schon ein Grundproblem des Films: Dreyfuss' Figur entwickelt sich nämlich nicht wirklich, sondern wird zu einem zunehmend bösen Charakter, der in mehr und mehr abstrusen, gegen Ende des Films im wahrsten Wortsinn comic-haften Aktionen versucht, sich des Eindringlings zu erwehren, konkret so lange, bis irgendwann nur noch Dynamit hilft – ein Schuss, der natürlich mit großem Bumms nach hinten losgehen muss, Wile E. Coyote und Road Runner lassen grüßen!

    Der Psychiater stellt sich damit indes gegen seine Familie – die er ohnehin ausnehmend schlecht behandelt. So versucht er, seinem Sohn die Angst vor dem Sprung ins Wasser dadurch zu nehmen, dass er ihn über einen Steg hängen lässt, und mit seiner Tochter kommuniziert er mittels Handpuppen. Am meisten verletzt er die Menschen in seiner Umgebung aber, als er sich des freundlichen und allgemein für Erheiterung und Entspannung sorgenden Bob gegen ihren Willen zu entledigen sucht.

    Soweit, so sehr meinetwegen die berechtigte Kritik an psychiatrischen Methoden. Durch die extreme Überzeichnung der Figur des Psychiaters verliert dieser indes seine Kontur und wird zu einem völlig klischeehaften Stereotyp seines Berufsstandes. Und zu einem so unsympathischen, dass ich schon früh nicht mehr wirklich an seinem Wohlergehen interessiert war, sondern von seiner Art eher genervt. Dies steht in krassem Gegensatz zu den eingangs genannten vergleichbaren Filmen des Genres, in denen immer auch gewisse Anknüpfungspunkte zwischen Zuschauer und Psychiater gegeben sind. Die übrigen Figuren des Films sind sind demgegenüber sehr flach und eindimensional gestrickt. Der einzige Charakter mit Charakter (!) und Kontur ist Bob. Er allein vermag diese aus meiner Sicht erheblichen Defizite indes nicht aufzuwiegen.

    Auf der anderen Seite hat der Film im Grunde keine Längen, sondern wirkt durchaus kurzweilig und pointiert. Auch gibt es viele sehr komische Momente, über die ich lauthals lachen konnte! Allen voran das Fernsehinterview und natürlich die Szene, als der Psychiater eine Reifenpanne hat und völlig durchnässt und verdreckt die Haustür aufstößt („I'm hooo-ome!“) oder die leider seltenen, aber sehr schönen Szenen, in denen Bob und der Sohn des Psychiaters sich anfreunden. Was Lacher betrifft, erfüllt der Film also seinen Zweck - wenn nicht die oftmals skeptisch hochgezogenen Augenbrauen wären.

    Letztlich eine Komödie, mit der man trotz der genannten Kritikpunkte Spaß haben kann. Insgesamt aber eher nett als gut.

    5,5/10
    (unter Vorbehalt sehenswerter Film)

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