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Thema: Onkel Wolfe sitzt vor seinem Viereck auf dem Hollywood-Karussell und ist glücklich

  1. #1
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    Onkel Wolfe sitzt vor seinem Viereck auf dem Hollywood-Karussell und ist glücklich

    Salemaleikum, Freunde!
    Ihr reibt Euch verwundert die Augen!? Wolfe, der schreibt wieder Filmtagebuch????

    Nunja, Recht habts..ob ich es dieses Mal durchhalte, bleibt abzuwarten. Hab ja in
    meinem Leben nie "normales" Tagebuch geführt und ob ich diesmal die Geduld, den langen Atem und
    die Muse aufbringe den inneren Schweinehund dauerhaft zu überwinden, bleibt abzuwarten.

    Aber hey, neues Jahr, neue Chance, neues Glück.

    Als (h)ausgemachter Bequemling - man könnte auch sagen "Fauler Hund" - hab ich jetzt auf meinem
    Hollywoodkarussell (90 % meines Beuteschemas ist nunmal hollywoodianisch, der Rest splittet sich
    auf einzelne Filme aus Deutschland, Großbritannien, Skandinavien und Kanada) gleich mein "Viereck"
    montiert, um mich ja nicht groß wegbewegen zu müssen

    Mein Viereck? Jaja, schon "Frauchen" sagt spaßhalber zu mir entweder "Hauptsache, Buchstaben" (weil ich an kaum einem Prospekt, Zeitschrift, Zeitung ("Hauptsache Buchstaben"), das sich mir in den Weg legt, vorbeikomme
    oder sie meint spaßeshalber "Hauptsache Du hast ein Viereck vor der Nase", weil ich eben 90% meiner "Nichtbettzeit" vor einem Viereck verbringe, sei es die Kinoleinwand oder der Fernseher (Fernsehen, DVD, Konsolenspiele) oder der Computerbildschirm.

    Von daher dachte ich, das wäre ein ganz passender Titel für meinen Filmtagebuch-Relaunch, denn im Grunde beschreibt "Wolfe sitzt vor seinem Viereck und ist glücklich" es mich ganz treffend. Bin ja auch als Fernsehkind großgeworden, denn der Fernseher war schon zu meiner Kindheit immer nicht nur Mittelpunkt des Wohnzimmers, sondern auch Familienmittelpunkt, im Grunde wichtigstes "Familenmitglied" für die ganze Familie. Ich kenns gar nicht anders seit Kinderbeinen an, als daß man eben spätestens abends (da wäre auch wieder die ominöse, von mir schon oft als "Hemmschwelle" erwähnte 20.15 Uhr "Schranke" nach der Tagesschau für Filme) vor dem Fernseher saß, egal was kam. Und Unbill und Langeweile angesagt war, wenn die "Kiste" mal kaputt war und die Family sich nicht miteinander zu beschäftigen wußte.


    Hier also nun berichtet der rasende Reporter Wolfe fortan von dem, was Onkel Wolfe auf seinem Viereck zu sehen bekommt und besprechen möchte.

    Idealer Weise - ich les zwar nur sehr gelegentlich in anderen Filmtagebüchern - ist ein Filmtagebuch bebildert. Nach reiflicher Überlegung meinerseits und Genehmigung durch MovieMaze-Cheffe Markus Ostertag, verlinke ich also mittels IMG-Tag bei solchen Filmen, zu denen in der Moviemaze-Datenbank Plakatmotive oder Fotos vorhanden sind, indem ich diese mit IMG vorangestellt und nachgestellt via eckigen Klammern als Grafikadreße verlinkt dazwischen einsetze.

    Sollte es jedoch zu einem von mir gesehen und zu besprechenden Film in der Moviemaze.de Datenbank keinerlei Plakatmotive oder Fotos geben, so werde ich allerdings diese Beiträge dann nicht bebildern aus urheberrechtlichen Bedenken bzgl. Fremdmaterial, sondern dann nur den Filmtitel textlich fettmarkiert und unterstrichen meinem Text voranstellen, ganz nackt, ohne Bilder/Links. .



    Sodele, jetzt kann die Fahrt auf meinem Hollywoodkarussell losgehen. Wer schwindelfrei ist und aufspringen will, bitteschön, aber Betreten auf eigene (Spoiler-)Gefahr. Ich werde mich zwar bemühen, besonders bei neuen Werken, was ich als expliziten Spoiler erkenne entsprechend zu kennzeichnen, letztlich aber übernehme ich hierfür keine Gewähr, denn ich schreibe so, wie ich spreche und denke, so wie es eben aus der Tastatur sprudelt nach meinem Gedankengang.

    Rechtschreibe- und sonstige Fehler dürfen gerne behalten werden. Ich lese zwar immer noch wieder drüber, nachdem ich schon Stunden über einem Beitrag gesessen habe, trotzdem aber entgeht mir immer noch das Ein oder Andere, was Anderen, oder mir selbst später beim erneuten Lesen später einmal wie Schuppen aus den Haaren sticht.


    .................................................. ...

    8/10
    MISSION IMPOSSIBLE 4
    Bin ja bekanntlich kein wirklich Freund des Scientology-Tom, aber inkonsequent wie der Mensch, so auch der Mensch Wolfe nunmal ist, entscheide ich von Fall zu Fall, welchen Film ich sehe, bei der Mr.Cruise notgedrungen dabei ist.

    Von der MISSION IMPOSSIBLE-Reihe habe ich Teil 1 und Teil 3 gesehen, nun also folgt, aufgrund des interessanten Trailers, Teil 4.

    Boy, war das nicht zu Anfang der Sawjer aus der Serie LOST ?
    War mir da nicht so sicher, könnte aber hinkommen, jaja, nach fünf Staffeln LOST sind mit die Namen der Hauptdarsteller immer noch nicht geläufig..hihi.

    Jedenfalls, der Anfang von MISSION IMPOSSIBLE 4 in Moskau ging gleich mal gut los. Sowohl die Rückblenden als auch die fortlaufende Handlung. Ich liebe solche Thriller mit wechselnden Locations und bekannten Gesichtern, deren Namen man nicht immer weiß oder zuordnen kann. So geht es auch gut ab in MISSION IMPOSSIBLE 4. Die Handlung ist spannend, die Technik-Gimmicks und deren Fehlfunktionen nett anzuschauen, ebenso das Team Cruise. Der Bösewicht ist ein Feiner, jedenfalls deutlich besser als die letzten Bösewichte, die James Bond gegenüber standen, denn im Gegensatz zu deren Carlyle oder Mikkelsen hat Nyquist hier Ausstrahlung und Präsenz.

    Der Hochhaus-Stunt (damit meine ich nicht den einen Stunt, sondern die ganze Hochhausnummer, auch was sich davor und danach abspielt) ist beispielhaft und sucht seinesgleichen, ebenso der vermaledeite und gigantische Sandsturm, durch den es eine irre nie dagewesene Verfolgungsjagd gibt. MannMannMann, schätze mal alle Beteiligten mußten sich hinterher Mund und Nase und Augen nach jedem Take ordentlich auswaschen.

    Durchweg ein kurzweiliger und spannender Action-Thriller.



    8/10
    SHERLOCK HOLMES 2
    War schon der erste Downey-Jr. Holmes amüsant anzuschauen, vor allem durch die Verbildlichmachung des schnellen Kombinationsgeistes von Holmes, so steht der Nachfolgefilm dem in nicht viel nach. Schönes victorianisches Setting, diesmal mit weniger Dreck drumrum, wechselnde Locations, Situationswitz und herrlich geschliffene, komische Dialoge. Zwei gute Bösewichter, ne erneut nett anzuschauende Rachel McAdams und ein erneut glänzend aufgelegter Robert Downey Jr.
    Auch Jude Law, den mag ich ja an sich nicht, weiß sich hier wieder überaus spaßig und sympathisch zu präsentieren.

    Das Einzige was hier in diesem Sequel IMHO etwas leidet, ist daß die Chemistry zwischen Holmes und Watson, die geschliffenen Dialoge hin oder her zwischen den Beiden, etwas zu kurz kommen. Naja, Jammern auf hohem Niveau.


    9/10
    THE IDES OF MARCH
    Filme von und mit George Clooney sind für mich ebenso Pflicht, wie Filme in und um das Weiße Haus bzw. den U.S.-President, wie auch Filme mit Verschwörungen und politischen Ränkespielen. Nun, in diesem Film hier wird dies Alles geboten - auf höchstem Niveau.

    Idealistischer demokratischer Präsidentschaftskandidat hat idealistischen demokratischen Wahlkampf-Medienstrategen. Ihre Chancen die demokratische Präsidentschaftskandidatur zu ergattern und letztlich ins Weiße Haus einzuziehen sind überaus gut, denn die republikanischen Herausforderer deklassieren sich selbst (Ähnlichkeiten mit aktuellen republikanischen Herausfordererkandidaten sind natürlich gaaaanz rein zufällig ) und es gilt im Grunde nur noch eine Vorwahl gegen einen demokratischen Mitbewerber zu gewinnen und/oder die Stimmen, die ein vermeintlich wohlgesonnener Senator hinter sich schart, hinter sich zu bringen...

    Was schön an diesem Film herausgearbeitet ist, ist daß trotz aller Ränkespiele und Kniffe und Griff in die Trickkiste letztlich nur Verlierer übrig bleiben. Der idealistische Stratege ist einen Schritt zu weit gegangen, hat ein No-Go gebrochen und lügt sich nun selber was vor, da er nun vollkommen hart auf der Realitätsebene gelandet ist und hoffnungslos herzlos und desillusioniert zurückbleibt, nach außen hin fest im Sattel. Der Kandidat ist einen Schritt zu weit gegangen, hat ein No-Go gebrochen und steht nicht minder angeschlagen und doch zugleich nach außen strahlend da.
    Das "Etwas" zwischen ihnen wird immer, im Erfolg wie im Mißerfolg, zwischen ihnen stehen und es würde mich nicht wundern, wenn nicht im Worst Case zur Unzeit bzw. dann wenn man nicht mehr gebraucht wird, nicht Jemand mal irgendwann vielleicht einen tragischen "Unfall" erleiden könnte - jetzt mal über das Ende des Films hinausgedacht.

    Famos gespielt bis in die Nebenrollen von allen Beteiligten, famos fotografiert und inszeniert.



    10/10
    THE HELP
    Vom Winde verweht..hat es mich heute morgen unvermittelt ins Kino in THE HELP verschlagen...aber ein Wind wars nicht, eher ein monumentales Naturereignis ist da über mich hereingebrochen von der Kinoleiwand herunter, welches mich mit einer emotionalen Wucht getroffen hat, wie es etwa L.A. CRASH oder BROADCAST NEWS-NACHRICHTENFIEBER einst taten oder mit geringen Abstrichen (nicht qualitativer, aber emotionaler Art) auch DRIVING MISS DAISY oder Lasse Hallströms ONCE AROUND und GOTTES WERK UND TEUFELS BEITRAG taten.
    Das ist bei mir deshalb so bemerkenswert, weil ich an sich, abgesehen von Lachen/Schmunzeln aufgrund dargebotenen offenen oder hintersinnigen Humors, ansonsten eher insgesamt eher ein "kalter Fisch" bin was emotionale Antzipationsfähigkeit bzw. Empathiefähigkeit angeht. Nicht, daß ich das wollte, ich hätte gerne das ein oder andere Mal weinen können (sei es beim Tod meiner Eltern oder auch bei anderen Anläßen realer wie filmischer Natur) aber kann/konnte es nunmal nicht, obschon ich tieftraurig war in entsprechender Situation.
    Nun, THE HELP brachte mich weder ansatzweise zum Weinen, noch hätte ich auch nur den Anflug eines feuchten Auges bekommen...aaaaber: THE HELP packte mich, ergriff mich, berührte mich, brandete auf mich ein, wie die Wellen des Pazifik auf die kalifornische Küste. Machte mich lachen, machte mich schmunzeln, machte mich traurig, machte mich wütend. Machte mich nach dem Film noch lange lange in dem Film gedanklich zurückbleibend.

    THE HELP ist so witzig und traurig, dramatisch und tragisch, ernüchternd und inspirierend, ermutigend und abstoßend.

    Gott, was hab ich diese affektierten, neureichen überkandidelten, dummen, rassistischen Weiber gehasst, allen voran "Miss Hilly" mit ihrer Art und ihrer Denke. Was für ein kranker, verachtenswerter Scheiß und Hirnrissigkeit ohnegleichen einerseits den farbigen Bediensteten (im Grunde immer noch Versklavten) ne eigene Toilette
    aufzuzwingen und den direkten Körperkontakt mit Farbigen zu vermeiden, weil man von deren Farbigen-Keimen krank würde, andererseits - so die Doppelmoral und Heuchelei, aber von eben den ebenselben Farbigen das eigene Essen zuzubereiten und anlangen zu lassen und obendrein die eigenen Kinder von eben jenen Farbigen großziehen und die Windeln wechseln zu lassen und den Hintern putzen zu lassen - weil ja da dann kein Körperkontakt mit dem "farbigen Element" entstehen würde beim Berühren des Essens oder der Körper der Kinder durch die farbigen Bediensteten - boy, was eine kranke Scheiße, was eine heuchlerische Doppelmoral, was hab ich da für einen Haß bekommen auf diese Herren..pardon Frauenmenschen-Scheißmoral. Ganz zu schweigen davon, daß sich diese verwöhnten Weiber nicht um die eigenen Kinderlein scheren, sie lieber 10 Stunden in der eigenen Scheiße in der Windel im Bettchen liegen lassen, die farbige Bedienstete kann ja anderen Morgens die KInderlein wieder saubermachen, während man selbst stattdessen sich lieber der Trinkerei und gesellschaftlichen Affektiertheit hingibt, Boy, was hab ich diese Weiber gehasst in dem Film und Boy, was haben die gut haßenswert geschauspielert. Und was bin ich froh nicht zu jener Zeit in jenem Umfeld gelebt zu haben, ich hätt nur kotzen müssen.

    Herrlich rausgearbeitet von dem Film auch die Ausgegrenztheit auf mindestens drei
    Ebenen.

    Denn nicht nur Abilaine und Minnie und die anderen farbigen Bediensteten sind ausgegrenzt, nein gleichfalls auch die leider für ihr Umfeld zu hübsche und direkt ehrliche weiße Celia, die sich zur falschen Zeit den falschen Mann geangelt hat und deswegen von der "Oberkommandierenden" des Frauenmenschen-Geschwaders, eben "Miss Hilly" und ihrem Clan verachtet und ausgegrenzt wird. Und auch Skeeter, die Journalistin, ist vom selben Clan im Grunde geringeschätzt, weil sie als nicht hübsch genug für nen Kerl und nicht vorzeigbar genug für den
    Freundinnen-Clan und letztlich auch noch zu politisch und zu intellektuell ist für diese Zicken ist und deswegen ebenfalls von ihnen ausgegrenzt wird. So werden also nicht nur Farbige von der weißen Welt ausgegrenzt, nein es gibt auch innerhalb der "weißen Leute-Welt", wie innerhalb der Farbigen-Gesellschaft mitunter Ausgrenzung.

    Ironischerweise ist es dann grade die weiße einsame Celia die Einzige, die gut zur Farbigen Minnie ist und ihr als Einzige Arbeit gibt, ja sich mit ihr abgibt, sich mit ihr an einem Tisch zum Essen setzt und mitißt usw. usf.

    Und Skeeter die Einzige, die gesellschaftspolitisch und zivilcouragiert das Unrecht erkennt und dagegen anschreibt.

    Was bin ich froh nicht zu jener Zeit in jener Gesellschaft gelebt haben zu müssen, ich hätt laufend kotzen müssen.


    Schauspielerisch von allen Beteiligten, insbesondere den Darstellerinnen der Abilaine, der Minnie, der Constantine, der Miss Hilly, der Celia, wie auch Skeeter's wunderbar glaubwürdig gespielt. Und von Regie, Kamera und Musik unaufdringlich aber doch eindringlich präsentiert. Stolze 147 Minuten, die wie im Flug vergehen.

    .................................................. ......................

    Sodele, das wars für den Anfang, der Sichtungen der letzten Tage. Der Januar wird was Neuerscheinungen angeht, eher mau für mich, denn eigentlich kommt erst in der zweiten Jänner-Hälfte Interessantes für mich in Gestalt des neuen Films mit George Clooney namens THE DESCENDANTS, sowie diesem vom Trailer her vielversprechenden Heist-Thrillers EIN RISKANTER PLAN mit Sam Worthington.

    Eventuell kommt dieser Tage noch eine kleine Nachschau über das Filmjahr 2011.
    Geändert von Wolfe (24.02.2014 um 18:39 Uhr)

  2. #2
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    AW: Onkel Wolfe sitzt vor seinem Viereck auf dem Hollywood-Karussell und ist glücklic

    JOSCHKA UND HERR FISCHER
    Hab schon immer ein Faible für den sympathisch-charismatischen Joschka Fischer gehabt, der sich so glaubwürdig vom Saulus (radikaler Steinewerfer) zum Staatsmann von Format (Außenminister) gemausert hat. Von daher war dieser anschaulische Film von Pepe Dankwart Pflicht für mich. Dank der eingesprenkselten Filmausschnitte ist das überlange Werk keine Minute langweilig und bietet doch Einiges an Hintergrundstoff über die Vita Fischers, wie er erst vom Kleinkind einer Vertriebenenfamilie an zu dem geworden ist, der er nunmal ist. Schön auch die Ironie und Selbstkritik bei ihm sowie die Anekdoten.
    Geändert von Wolfe (24.02.2014 um 18:40 Uhr)

  3. #3
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    AW: Onkel Wolfe sitzt vor seinem Viereck auf dem Hollywood-Karussell und ist glücklic

    THE HELP
    Dritte und letzte (Kino-)Sichtung, an drei aufeinanderfolgenden Morgen. Leider war dies die letzte Vorstellung bei uns heut morgen. Bin nach wie vor hellauf begeistert und tief bewegt von Film, Inhalt, Dialogen, Musik, Schauspiel. Besonders das traurig-desillusionierte Gesicht (super gespielt) der Bediensteten Abilaine zeugt eindrucksvoll von einem völlig harten, desillusionierten Leben und insbesondere Arbeitsleben als Farbige in Jackson, Mississippi. Ausgesprochen genugtuend war am Ende der zumindest kleine Sieg über die Oberrassistin Miss Hilly, der es am Ende auch nicht mehr so wirklich gut geht, die ihre Streßpustel an der Oberlippe gar nicht mehr wegbekommt und auch ansonsten ein paar Rückschläge kassiert durch Abilaine, wie auch durch Skeeter und Skeeters Mutter - herrlich genüßlich anzusehen, wie Miss Hilly ihr Fett wegbekommt und etwas von dem zu spüren bekommt, was sie selbst an Bösartigkeit und heuchlerischer Freundlichkeit all die Zeit austeilt.
    Hoffe mal auf eine baldige DVD-Veröffentlichung und darauf, daß der Film bei den Globes und Oscars auch Beachtung findet. Beachtlich allein welch qualitativ großen Wurf aus dem Stand der Regieneuling da hingelegt hat, Respekt!
    Gleich mal Anfang 2012 der erste Favorit für meine 2012er Top-Hitliste mit seiner 10/10
    Geändert von Wolfe (24.02.2014 um 18:40 Uhr)

  4. #4
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    5.Januar 2012, mein vierter Kinobesuch dieses Jahr


    ZIEMLICH BESTE FREUNDE

    Ziemlich guter Film. Gelegenheit macht Liebe, kann ich nur sagen, hab noch nie von dem Film oder irgendeinem Beteiligten vor und hinter der Kamera gehört, aber dann die letzten drei Tage jeweils den vielversprechenden Trailer von ZIEMLICH BESTE FREUNDE vor THE HELP gesehen, den ich die letzten drei Tage besuchte. Da immer noch dank Winterferien jeden Morgen um 11 Uhr gewisse Filme laufen und dann noch zum halben Preis, sagte sich Onkel Wolfe: "na dann schaust halt mal einen französischen Film an". Ansonsten beschränkt sich der französische Film bei mir auf die Klamotten von und mit Louis de Funes wie die "Gendarm von St. Tropez"-Filme oder "Fantomas"-Filme bzw. auf die Klamotten mit Pierre Richard und Gerard Depardieu wie "Ein Tolpatsch kommt selten allein" oder "Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh". Nun also heute: ZIEMLICH BESTE FREUNDE

    Driss, ein junger Franzose senegalesischer Herkunft, kommt aus einem Problemviertel aus der Vorstadt und grade frisch aus dem Knast. Um seine Job-Ablehnungsstempel fürs Arbeitslosengeld zu bekommen, stellt er sich auch bei dem Reichen Philippe vor, der vom Hals abwärts gelähmt und gefühllos ist und einen Rundumbetreuer sucht. Driss ist "not amused", als Philipp dem vorlauten, flegelhaften Driss tatsächlich die Stelle probeweise gibt, einhergend mit luxuriösem eigenen Wohnbereich und Bad, was freilich wiederum Driss imponiert. Anfänglich ist das natürlich der sprichwörtliche Crash of Cultures in jedweder Beziehung und Driss benimmt sich in der ungewohnt gehobenen Umgebung und dem schwierigen neuen Job naturgemäß wie der Elefant im Porzellanladen, Philipp wiederum ist grade davon, also von Driss' respektloser und ungehobelter Art angetan, denn alles was Philipp will ist "kein Mitleid". Natürlich raufen sich die extrem unterschiedlichen Schicksale zusammen und werden tatsächlich ZIEMLICH BESTE FREUNDE, nicht ohne aber die ein oder andere Klippe meistern zu müssen.

    Dieser Streifen ist eine wahre Pracht und in der Tat amüsant, nachdenkenswert und bewegend. Der junge Farbige Omar Sy spielt wie ein Vulkan, ein richtiges authentisches Naturtalent voller Impulsivität - ein einziger Genuß ihm zuzuschauen in der Wandlung seines Film-Charakters. François Cluzet wiederum bringt das Kunststück fertig den vom Hals abwärts Gelähmten vollkommen glaubwürdig zu schauspielern, insbesondere auch dann, wenn ihn Omar Sy als Pfleger durch die Gegend hievt aus dem Bett heraus in den Rollstuhl usw. - da wirkt François Cluzet's Körper absolut wie eine Stoffpuppe, die man durch die Gegend schaukelt, ganz ohne auch nur den Anschein eines Körperwiderstands zu zeigen und ohne eine einzige Bewegung - famos. François Cluzet bringt also abgesehen von dieser Meisterleistung an sich nun das Kunststück fertig gänzlich nur mit seinem Kopf, seiner Mimik und seiner Sprache zu arbeiten und tut das ähnlich eindrucksvoll, wie es Richard Dreyfuss in ähnlich gelagerter Filmfigur in John Badham's IST DAS NICHT MEIN LEBEN? anno 1981 tat.

    Die beiden Regisseure Eric Toledano und Olivier Nakache erzählen die ungewöhnliche Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht mit erfrischender Unaufdringlichkeit und ohne unnötigen Schmalz, dafür aber mit einigen recht ungewöhnlichen und erfrischenden Einfällen und Dialogen. Kurz: es geht einem das Herz auf beim Betrachten dieses mit feinem Humor durchgezogenen Werks.

    9/10
    Geändert von Wolfe (24.02.2014 um 18:40 Uhr)

  5. #5
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    6. Januar 2012 Heilige Drei Könige

    Passend zum heutigen Weihnachtsfeiertag der Heiligen Drei Könige erfolgte meine fünfte
    (und letzte Kino-)Sichtung von

    Meinen melancholisch traurigen (Kino-) Abschied von ARTHUR WEIHNACHTSMANN beging ich heute früh um 11 Uhr in unserem Filmpalast. Den DVD-Release sehne ich schon jetzt herbei.

    Es war wie schon bei der ersten Sichtung ein einziges festliches Vergnügen für Jung und Alt. Die Geschichte an sich ist schon so süß und liebevoll bis ins kleinste Detail erdacht und umgesetzt bis in die Bildhintergründe und -seiten links und recht. Die Charaktere sind so voller Charme und Witz und Esprit, daß es eine pure Freude ist. Dabei begeht ARTHUR WEIHNACHTSMANN den Spagat sowohl hinterfotzig bösen Witz und temporeiches Mickeymousing in Bild und Musik, als auch festlich-liebevolle Huldigung der Figur des Weihnachtsmannes rüberzubringen.

    Die titelgebende Figur ARTHUR WEIHNACHTSMANN ist absolut liebevoll gemacht und sein kongenialer Synchronsprecher Sebastian Schulz gibt dieser Figur genau die kindliche Freude und Begeisterung für den Weihnachtsmann in der Stimme.

    Arthur ist ein kleiner Tolpatsch, der am Nordpol nicht wohlgelitten ist, auch weil er sich um jedes einzelne Kind und dessen Wünsche kümmern möchte, dabei aber dem militärisch straff durchorganisierten Elfen-Heer unter der Leitung von Arthurs großem Bruder Steve, der Alles technisiert und modernisiert hat, ständig im Weg ist. Doch es kommt wie aus Arthurs schlimmstem Alptraum - ein Kind wird vergessen. Ein Kind, von welchem Arthur einen liebenswürdigen Brief an den Weihnachtsmann bekommen und beantwortet hat. Arthur kämpft gegen Windmühlen, denn weder sein Vater, der amtierende Weihnachtsmann, noch Arthurs Bruder Steve sind gewillt wegen einem einzigen Kind nochmals loszuziehen und das futuristische Weihnachtsmann-Raumschiff S1 zu starten (welche den alten Weihnachtsmann-Rentierschlitten dereinst abgelöst hat.
    Da kommt Arthur sein Großvater, Opa Weihnachtsmann der vormalige Weihnachtsmann, zu Hilfe, dem ohnehin das technisierte Weihnachten von seinem Sohn und seinem Enkel Steve ein Dorn im Auge sind und er, Opa Weihnachtsmann will es Allen nochmal richtig zeigen, daß er es noch draufhat!

    Die Figur des Opa Weihnachtsmann stiehlt allen Anderen im Film die Schau, ist er doch der durchgeknallte Alte mit Narrenfreiheit und jeder Menge verquerer Ansichten und Ideen. So wird also der uralte, schon ausrangierte Weihnachtsmannschlitten aus der Scheune gezerrt und 8 unerfahrene Rentiere
    davorgeschnallt.

    Natürlich wird das eine einzige Katastrophe, man verfliegt sich heftigst und mehrfach, löst internationale Krisen aus, landet fälschlich im Serengeti National Park umringt von Löwen und in Mexiko umringt von der Polizei und letztlich mitten auf dem Atlantik in einen Ruderboot umringt von Wellen so weit das Auge reicht wo es doch eigentlich nach England gehen müßte zu dem vergessenen Kind.

    Dies ist auch der turbulente Block des Films, wo nicht nur der durchgeknallte Opa Weihnachtsmann zu begeistern weiß, sondern die diversen eingeblendeten Statusmeldungen wie "7,5 Rentiere", "3,5 Rentiere", Schlitten: 0", "4482 Kilometer in die falsche Richtung" usw. usf. zu Lachern und Schmunzlern en masse führen.

    Letztlich findet sich noch das Ziel und auch die Familie Weihnachtsmann zusammen und das vergessene Kind wird beschert und Weihnachten gerettet.

    Ein wunderschöner, toll gemachter Weihnachtsmann, wunderbar animiert bis in kleinste Detail, herrlichen Dialogwitz (auch hier wieder trumpft Opa Weihnachtsmann bzw. Hans-Jürgen Dittberner ) groß auf.

    10/10 (mittlerweile)
    Geändert von Wolfe (24.02.2014 um 18:41 Uhr)

  6. #6
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    8. Januar 2012

    Einen hab ich noch..einen hab ich noch...

    Und so begab es sich, daß heute doch noch eine allerletzte Kinovorstellung von
    ARTHUR WEIHNACHTSMANN bei uns im Cinestar heute früh angesetzt wurde.
    Da mußte der Weihnachts-Wolfe natürlich nochmal hin um in seinem sechsten Kinobesuch des Jahres 2012 und seiner sechsten Sichtung von ARTHUR WEIHNACHTSMANN dem lieben Arthur, dem ins Herz geschlossenen Opa Weihnachtsmann, dem rasant-kapriolenhaften Film an sich und auch dem bislang unerwähnten putzigen Ersatz-Rentier mit Halskrause, welches Opa Weihnachtsmann eher den Haushund mit wedelndem Flausch-Bürzel gab endgültig..was das Kino..und nur das Kino angeht, "Adieu" zu sagen Freue mich auf die Bande auf DVD.
    Geändert von Wolfe (24.02.2014 um 18:42 Uhr)

  7. #7
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    9. Januar 2012, SWR Fernsehen

    DIE STADT DER BLINDEN

    Erstmals gesehen, weils grad lief und ich aus unerfindlichen Gründen drangeblieben bin. Schockierender, traurig-tragischer apokalyptischer Alptraumthriller.. Was wenn man plötzlich blind würde? Was wenn plötzlich Alle blind würden!?

    Ein Cop bringt einen plötzlich erblindeten jungen Mann zu dessen Frau nach Hause und diese in prompt zum nächsten Augenarzt, welcher so etwas noch nie erlebt hat und keinerlei Ursache finden kann. Am nächsten Morgen sind auch der Augenarzt, seine Sprechstundenhilfe, die Leute im Wartezimmer, der Cop und die Frau des zuerst Erblindeten ebenfalls plötzlich blind. Wie eine Epidemie breitet sich die anscheinend ansteckende plötzliche Blindheit aus und so werden die Betroffenen isoliert und interniert - unter katastrophalen hygienischen und sozialen Bedienungen und unter Schußwaffengewalt des Militärs. Im Internierungslager herrscht Anarchie mit Mord und Totschlag und Vergewaltigung sowie heftigen Verteilungskämpfen der letzten Nahrung und Güter.
    Über kurz oder lang sind Alle erblindet und die Städte wie in einem Nachkriegszustand, das System und die Versorgung sind zusammengebrochen, Blinde tasten sich in einem einzigen chaotischen Durcheinander aus Dreck, Fäkalien, Verletzten, Toten, Müll taumelnd voran auf der Suche nach Nahrung, Wasser, Unterschlupf, Sicherheit.
    Nur eine einzige Frau, die Gattin des Augenarztes ist nicht erblindet und leidet trotzdem doppelt, denn sie sieht all das Elend auch noch und fühlt sich für ihren Gatten und ein kleines Grüppchen Erblindeter verantwortlich.

    Ich kam mir vor als sähe ich einen Zombiefilm ohne Zombies, denn im Grunde genommen sehen die umhertorkelnden Blinden, die nach dem letzten Bissen Nahrung suchend übereinander klettern und sich gegenseitig dafür an die Gurgel gehen aus der Totalen genauso aus, wie Zombies auf der Suche nach Nahrung. Und genauso fremdängstilch war ich um die einzig Sehende, wenn sie etwa im Supermarkt mit den ergatterten Gütern einen Spießrutenlauf und Slalom um herumliegende, herumstehende und herumtorkelnde Zombies..äh.. Blinde meistern muß, ständig in der Angst, daß Sie von einem dieser Blinden wahrgenommen wird, daß eine ausgestreckte Hand die Plastiktüten mit den Nahrungsmitteln ertastet und ihr entreißen könnte, daß Jemand sie gar verletzen oder töten könnte. Eine nervenzerrende Spannung liegt in solchen Filmszenen in der Luft.
    Der Film macht es einem auch sonst nicht leicht, st im wahrsten Sinne befremdlich und sperrig, was auch an der surrealen und unorthodoxen Bildsprache und der ebensolchen Regie liegt. Die Kamera läßt den Zuschauer oft nur durch milchig-helles oder grelles-gleißendes Lichtschlieren blicken, wo Umrisse nur schemenhaft verschwommen - wenn überhaupt - erkennbar werden. Hierdurch ist der Film extrem gewöhnungsbedürftig in der Sichtung, außerdem insgesamt bedrückend und erschütternd. Man mag sich gar nicht ausmalen plötzlich zu erblinden, man mag sich gar nicht den plötzlichen Zusammenbruch der Versorgung und der allgemeinen Ordnung und Sicherheit vorstellen. Die Blindheit ist hier natürlich nur ein Platzhalter, da kann man jede größere Epidemie oder Pandemie einer Seuche einsetzen, für die es keine Heilung gibt, ebenso wie soziale Unruhen, Krieg, Atomattentat, you name it you got.
    Möglicherweise will der Film auch gedeutet werden, daß wir Alle im Grunde oft blind sind gegenüber unserem Nächsten, gegenüber Kummer und Leid in unserer unmittelbaren Umgebung und uns gewahr machen, daß Ordnung und Sicherheit ein zartes Pflänzchen ist, daß wir als allzu selbstverständlich hinnehmen solange es da ist, ohne es freilich zu gießen.

    Fürwahr kein likeable movie, aber ein beeindruckender und bestürzend-verstörend-machender Film, dessen Wahrwerdung man sich nicht wünscht und dessen Zweitsichtung eigentlich auch nicht.

    7/10
    Geändert von Wolfe (24.02.2014 um 18:43 Uhr)

  8. #8
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    AW: Onkel Wolfe sitzt vor seinem Viereck auf dem Hollywood-Karussell und ist glücklic

    10.Januar 2012, Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF)

    Spuren des Bösen - ZDF.de

    Wien. Ein Polizeipsychologe und Verhörspezialist mit eigenem Trauma (Heino Ferch) wird angesetzt auf einen Mordfall, indem es um Wirtschaftskorruption zu gehen scheint. Hauptverdächtiger ist ein Vorstandsvorsitzender (Stefan Kurt), der mit dem Polizeipsychologen eine angedeutete, anscheinend für den Psychologen unangenehme Vergangenheit der Schulzeit hat. Die Hauptbelastungszeugin, die den Mörder gesehen hat, kommt von der Polizei gebracht und überwacht in ein "Safe House", aber spätestens seit der ersten Staffel von "24" wissen wir, daß es in einem "Safe House" dann oft nicht allzu "safe" zugeht und so auch hier in "SPUREN DES BÖSEN", denn plötzlich hagelt es gleich mit einem Schlag ein paar Opfer mehr, unter anderem Polizisten. Ein Maulwurf also?
    Was an SPUREN DES BÖSEN auffällt ist vor allem die eisige, unterkühlte Stimmung Inszenierung von Andreas Prochaska (nach dem Buch von Martin Ambrosch) und die ebensolche eisig-unterkühlte beinah in Slowmotion dahergehende Bildsprache des Kameramannes David Slama. Alles läuft, trotz aller Tragik und Brisanz sehr bedächtig, die Spannung entsteht mehr durch die in der Luft liegende Eisigkeit der Charaktere und Handlung. Heino Ferch und vor allem Stefan Kurt spielen bravourös. Wiener Schmäh und gewisse Granteligkeit wird auch hie und da in Spitzen gezeigt, insgesamt überwiegt aber wie gesagt die eisig-unterkühlte Form der Inszenierung.

    6,5/10

  9. #9
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    AW: Onkel Wolfe sitzt vor seinem Viereck auf dem Hollywood-Karussell und ist glücklic

    12.01.2012, meine siebte und achte Kinosichtung 2012.

    Erst sah ich:

    VERBLENDUNG

    Bislang hatte ich noch keinerlei Berührung mit Stieg Larrson, seinen Büchern oder der Ursprungsfilmtriogie Verblendung-Verdammnis-Vergeltung, von daher bin ich vollkommen unbeleckt in Finchers Version heute ins Kino.

    Mir schleierhaft wohin die 158 Filmminuten verschwunden sind, denn im Grunde verging die Zeit wie im Fluge. Angesichts dessen, daß allerdings nicht wirklich sehr viel passiert in dem Film fragt man sich aber ob sich der Regisseur nicht auch hätte kürzer fassen können (Fincher scheint ja zur Überlänge zu neigen) bzw. womit er nur 158 Filmminuten hat füllen können?
    Anschaulicher jedenfalls als die meisten Finchers (mit Ausnahme des herausragenden THE GAME) ist VERBLENDUNG ein spannendes Werk und ein spannendes Rätsel. Was geschah mit Harriet? Wer ist der Frauenmörder?
    Nun bin ich ja nicht grade der Schnellmerker was die Suche nach dem Täter oder des Rätsels Lösung ist und bin für gewöhnlich bei jedem TATORT oder anderem Krimi stets am Ende überrascht über des Rätsels Lösung bzw. die Identität des Mörders. Hier jedoch kam mir sowohl des Rätsels Lösung recht schnell
     
    denn ich hab mich gleich am Anfang gefragt "was wenn Harriet noch lebt?".."warum nimmt eigentlich Niemand an, daß wenn es keine Leiche gibt, sie vielleicht noch lebt?"
    als auch nachdem alle Beteiligten sortiert waren, wer der Frauenmörder sein könnte
     
    denn wenn in so einem Film ein Stellan Skarsgard oder Gary Oldman oder Sean Bean in prominenter Nebenrolle mitspielen, dann sind die oftmals der Täter
    in den Sinn.

    Schauspielerisch schöpft der Film mit Daniel Craig, Christopher Plummer, Stellan Skarsgard, Robin Wright und Steven Berkoff aus dem Vollen. Die auf extrem unsympathisch und unappetlich getrimmte Rooney Mara spielt ihre Rolle eben so, wie sie erscheint - kotzbrockig, abstoßend, hart, aber auch verletztlich. Extrem intensiv geraten die Vergewaltigung, aber auch noch mehr die "Revanche"-Vergewaltigung, da wird den Schauspielern und dem Publikum Alles abverlangt.

    Die Düsternis der schwedischen Location tut ihr Übriges zu einem stimmigen, harten, oft abstoßenden Film mit einiger Gewalt.
    Für einen Fincher ganz ordentlich, wobei der gestylte Anfangs-Credits-Vorspann vom Bild wie der "Musik" ne echte Zumutung war und mich fast zum Verlassen des Kinos veranlaßte.

    7/10


    Danach anschließend bin ich dann in folgenden Film rein

    REALITY XL

    Faszinierendes 4-Personenkammerspiel, welches mir den Mund hat offenstehen lassen.
    Genf, CERN, LHC Teilchenbeschleuniger: 24 Wissenschaftler gehen in den Kontrollraum und treten gemeinsam die Nachtschicht an, Niemand geht mehr hinein, Niemand kommt mehr heraus, bis am Ende der Nachtschicht am anderen Morgen nur ein Wissenschaftler den Kontrollraum verläßt, die anderen 23 aber spurlos verschwunden bleiben.
    Nun befindet sich besagter Professor (Heiner Lauterbach) an einem befremdlichen und ungewöhnlichen Ort zu einer Befragung durch zwei Staatsanwälte (Max Tidof und Annika Blendl) sowie deren seltsamen Assistenten (Godehard Giese), die von ihm wissen wollen, wohin die 23 verschollenen Wissenschaftler hin verschwunden sind. Es entwickelt sich ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem Professor und seinen drei Befragern - mit interessanten Überraschungen und Wendungen, pointierten Dialogen und einer schönen Schluß-Pointe.
    Schauspielerisch vom Feinsten (vor allem durch Lauterbach und Tidof) und handwerklich trotz des kleinen Kammerspiel-Rahmens außerordentlich, allein das Sounddesign wie auch der Schnitt verdienen hier großes Lob, von der Regie ganz zu schweigen.

    Verantwortlich zeichnet Tom Bohn, der sowohl das Drehbuch schrieb, als auch produzierte und inszenierte. Er zeichnete schon für die Regie vieler TATORTe veranwortlich, wurde mehrfach Grimme-Preis-nominiert. Inszenatorisch setzt er in diesem eng gesteckten Kammerspiel einige Ausrufezeichen und interessante Gimmicks. So kehrt beispielsweise der Film mehrfach die Perspektive um, was sich auch im Vor- und Nachgang darstellt. Sieht man anfangs (hervorragende SFX) undefinierbare "Figuren" und Teilchen, die immer weiter vom Kleinsten ins Größere hochgezoomt werden und sich letztlich als der Daumen von Heiner Lauterbach herausstellen, so sieht man ganz am Ende wie Bohn von Menschen in einem Haus auf die Totale auf das Haus, dann die Straße, die Stadt, das Land, der Kontinent, die Erde, unser Universum und viele Universen gaaanz langsam vom Großen ins ganz Große herauszoomt.

    Anfangs erscheint das Werk wissenschaftlich-physikalisch-verschwurbelt und als Nichtakademiker weiß ich nicht, ob das dort Besprochene totaler Nonsens oder tatsächlich wissenschaftlich fundiert ist. Anschließend jedoch schafft es der Film auf faszinierende Weise das Ganze anschaulich und philosophisch nachdenkenswert zu gestalten mit Querverweisen, die dem Betrachter "Matrix" und "Inception" in den Sinn kommen lassen.
     
    Ist das was wir grade sehen, hören, riechen, schmecken Realität oder befinden wir uns in irgendeiner Traumebene, aus der wir irgendwann vielleicht mal erwachen? Träumen wir oder sind wir wach? Diese und andere Fragen stellt IMHO dieses faszninierende Werk..


    REALITY XL ist anscheinend selbst finanziert von Tom Bohn und startet ohne Verleih mit 21 Kopien. Ein Besuch lohnt sich für dieses ungewöhnliche Filmexperiment.

    9/10
    Geändert von Wolfe (24.02.2014 um 18:43 Uhr)

  10. #10
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    AW: Onkel Wolfe sitzt vor seinem Viereck auf dem Hollywood-Karussell und ist glücklic

    13.Januar 2012, ZDFneo

    NACHTSCHICHT - REISE IN DEN TOD

    In der Film-Reihe NACHTSCHICHT wird jeweils eine einzige Nachtschicht des Kriminaldauerdienstes abgehandelt, in der sie Verbrechen aufnehmen, lösen, aber auch Privates dazwischenfunkt. So ist beispielsweise Kommissar Erichsen, stets herausragend gespielt von Armin Rohde, eine schillernde und halbseidene Person mit zwielichtiger Vergangenheit. ZUm weiteren Team gehören Barbara Auer als seine Vorgesetzte und Minh-Khai Phan-Thi als seine Kollegin. Alle Filme dieser Reihe sind bislang von Lars Becker nach eigenem Drehbuch inszeniert worden.

    Im nunmehr zehnten Film, geht es um Menschenhandel, worin Schwarzafrikaner durch Schleuser eingeschmuggelt werden nach Hamburg und dort als Illegale weitervermittelt werden als billige Tellerwäscher oder Kindermädchen.

    Ein alternder Schleuser (Götz George) bekommt mit seiner "Fuhre" Schwierigkeiten und wird deshalb Polizei-auffällig. Zeitgleich ermitteln die Beamten des KDD in Hamburg den Fall einer Schwarzafrikanerin, die illegal in einem Zahnarzthaushalt als Kindermädchen arbeitet und vom Zahnarzt geschlagen und sexuell mißbraucht wurden. Beide Handlungsstränge führen zueinander und bieten weitere Hochkaräter deutschen Schauspiels wie Christian Redl oder Jan-Gregor Kemp.

    Ein spannender Fall mit interessanten Facetten zwischen den Zeilen, wie eigentlich immer bei den Beckerschen Filmen der NACHTSCHICHT-Reihe, bei denen es häufig auch hoch her geht. Hier überwiegt mehr das Schauspielerische und die Tragik der Geschichte und der geschilderten Schicksale.

    Wiederholung am Montag, 16.Januar im ZDF um 20.15 Uhr

    7/10
    Geändert von Wolfe (14.01.2012 um 10:39 Uhr)

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