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Thema: Onkel Wolfe sitzt vor seinem Viereck auf dem Hollywood-Karussell und ist glücklich

  1. #11
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    AW: Onkel Wolfe sitzt vor seinem Viereck auf dem Hollywood-Karussell und ist glücklic

    14. Januar 2012

    COWBOYS & ALIENS

    Die lange erwartete DBD/BlueRay, endlich! Normalerweise sind mir Art der DVD-Hüllen/Covergestaltungen eigentlich vollkommen egal, würde ne DVD auch kaufen, wenn sie im Papiersleeve ohne Cover und ohne Motiv daheräme, weil der Inhalt entscheidet, aber das DVD-Cover-Motiv von COWBOYS & ALIENS ist wahnsinngstoll und um einiges schöner als das Kinoplakatmotiv.
    Die BlueRay bieteteine um 16 Minuten verlängerte Extended Edition, die den ohnehin schon tollen Kinofilm noch um einiges runder macht. Das 40-minütige Making-of auf der Blue-Ray tun ihr übriges.
    Nachwievor ein rassiger Ausnahme-Western mit Extras ! Einfach Weltklasse! 10/10
    Geändert von Wolfe (24.02.2014 um 18:29 Uhr)

  2. #12
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    AW: Onkel Wolfe sitzt vor seinem Viereck auf dem Hollywood-Karussell und ist glücklic

    26.01.2012 , zwei Kinolose Wochen sind vorbei!

    Meine neunte Kinosichtung 2012 (der die nächsten Tage mit "Drive", "The Descendants", "Ein Riskanter Plan", "Dame König Ass Spion" und "Zettl" noch mindestens fünf weitere Kinosichtungen folgen werden).


    THE ARTIST

    George Valentin ist ein gefeierter Stummfilm-Star, der sich im Glanz der Sonne des Erfolges sonnt - der eitle Pfau, dem selbstverliebt selbst das eigene Spiegelbild anhimmelt. Doch mit dem Erscheinen des Tonfilms überziehen dunkle Wolken seine Sonne und von einem Tag auf den anderen ist George Valentin Geschichte. Niemand will ihn mehr sehen, Alle stehen auf "Talkies". Valentin selbst belächelt diese Tonfilme, weil er ja richtige Filme mache. Mit eigenem Geld dreht er noch einen großen Stummfilm, doch gegen die Tonfilme und gegen die Wirtschaftskrise hat er keine Chance. Valentin ist pleite und auch sonst ruiniert. Ausgerechnet ein hübsches Mädel, Peppy, das sich im Glanze seines größten Erfolges bei einer Premiere an seine Seite gestellt und in die Klatschpresse gelangt ist, ist nun ein gefeierter Tonfilmstar. Ihr liegt die Welt zu Füßen, nach Valentin kräht kein Hahn mehr. Nur Peppy und sein treuer Chauffeur halten noch zu ihm, doch macht es ihnen der desillusionierte Dickkopf nicht leicht.

    THE ARTIST ist gaaaanz großes Kino. Kann mir Niemanden vorstellen, der diesen Film nicht liebt. Selbst bin ich zwar kein großer Freund (mehr) vom Schwarzweiß-Kino und Stummfilmen, aber THE ARTIST führt auf eindrucksvolle Weise vor, daß so ein Film selbst heute noch funktionieren kann. Zwar bedient sich THE ARTIST auch moderner Mittel, ist aber trotzdem hoffnungslos (oder sollte man besser sagen "hoffnungsvoll"?) romantisch und Huldigung des großen Kinos. Dabei versteht es der Film selbstironisch, ironisch und ernsthaft realistisch in einem zu sein. Film funktioniert auch ohne Worte. Was steckt nicht in einem Gesicht, in der Mimik, aber auch der Gestik für Kraft und erst recht in der Musik!?

    Hauptdarsteller Jean Dujardin ist zunächst mit derselben aufgesetzten Grinse zu sehen, die mich anfangs an ihm in OSS 117 DER SPION DER SICH LIEBTE gestört hatte, hier jedoch, auf den Stummfilmstar a lá Douglas Fairbanks passt sie wie die Faust aufs Auge. Doch kann Dujardin weit mehr als das, grade seiner famosen Schauspielleistung sieht man jedwede Stimmungslage und Regung an und grade seine Mimik, seine Blicke sprechen Bände. Nicht minder eindrucksvoll und ausdrucksstark präsentiert sich sein weiblicher Co-Star Berenice Bejo, die als Peppy eine wundervolle Performance abliefert. John Goodman passt grandios als "studio heavy" im wahrsten Wortsinne und James Cromwell ist als treuer Chauffeur vom Stummfilmstar ideal besetzt.

    Zwar sieht man in THE ARTIST auch das Stummfilmen so typische theatralische Over-Acting der Schauspieler mit überzogener Mimik und Gestik und ..wie "sagt" es eine Texttafel im Film so schön?.."Herumgefuchtel", gleichzeitig aber überzeugen die Schauspieler..vor allem Dujardin und Bejo..auch durch nuanciertes Schauspiel.

    Der Regisseur hat wirklich die alten Stummfilme haargenau studiert und seinem Filme einverleibt ohne jedoch die eigene Note vermissen zu lassen. Mehrmals im Film zeigt er auch moderne Mittel, etwa als Dujardin in einer Bar kleine Geister im Alkoholrausch erscheinen oder wie er den Alptraum von Dujardin so wundervoll plastisch hörbar macht. Auch an symbolträchtigen Momenten wie eben letzterem fehlt es nicht, wie etwa auch die Hand aus dem Treibsand rausragend oder der sintflutartige Regen und eben besagter Alptraum von Dujardin.

    Ehrlich gesagt - und hier sitzt kein Dujardin-Fan - kann ich mir keinen anderen Oscarsieger als diesen Dujardin und seinen Film vorstellen. George Clooney kann gar nicht soo gut spielen in THE DESCENDANTS als daß er Dujardin aussticht. Auch Berenice Bejo hätte die Trophäe mehr als verdient, trifft sie aber dummerweise auf Octavia Spencer und Jessica Chastain aus THE HELP und entsprechend harte Konkurenz.

    Ich glaube man braucht kein Prophet sein um voraussagen zu können, daß THE ARTIST zumindest die Oscars für Dujardin als Bester Hauptdarsteller, sowie für Bester Film und Beste Musik nahezu sicher hat. Die Academy liebt Filme übers Kino und über Filmhistorie!

    Auch die Regie, das Drehbuch, die Bauten, der Schnitt und eben Bejo's Nebenrolle hätten ihn verdient IMHO. Bin zwar ein ausgesprochen großer John Williams Fan und drücke ihm für TIM UND STRUPPI fest die Daumen, aber Ludovic Bource leistet bei THE ARTIST ja nochmal mehr als normalerweise als Filmkomponist, denn durch das Fehlen der Dialoge und wenig eingeblendeten Dialogtafeln obliegt es neben Mimik und Gestik der Schauspieler vor allem der Musik in THE ARTIST narrativ zu agieren und Stimmungslagen und dergleichen spürbar zu machen - und dies leistet Bource mit Bravour. Auch versteht er es famos sich den Stilmitteln der damaligen Zeit zu bedienen.

    10/10
    Geändert von Wolfe (24.02.2014 um 18:29 Uhr)

  3. #13
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    26.01.2012, zehnte Kinosichtung 2012


    DRIVE

    Hammer! Ich glaube das ist das einzige Wort, was den Film gut trifft. Und noch dazu im Filmkontext .
    Hammerhart der Film, hammerhart mein Eindruck.
    Sowas von kunstvoll stylish durchkomponierter Bild/Sound-Chemie daß der Film einen nahezu hypnotischen Sog entwickelt, in das man als Zuschauer unweigerlich hineingezogen wird. Ob der Soundtrack hypnotisch wabert oder die Bilder einen hypnotisch in ihren Sog ziehen - absolut Hammer! Dabei schert sich der Film einen Scheißdreck um filmische Konventionen, um übliche handlungsspezifischen Dinge, selbst ein "Showdown" wird beinahe mal so nebenbei dahingelatzt im selben hypnotisch wabernden Bild/Sound-Stil, daß selbst eine krasse Szene zu einer (handlungstechnisch umgesetzten) Beiläufigkeit gerät. Und es gibt so einigen krassen Scheiß, der abgeht, ich sage nur: Aufzug. Ich sage nur: Ninos Pizzeria. Ich sage nur: Garderobe. Ich sage nur: Motel! Harte Gewalt, ja härteste Gewaltausbrüche. Und doch irgendwo in diesen Film und zu dieser coolen Socke Driver passend. Und fürwahr, der Driver ist wirklich eine coole Sau, rennt den halben Film in blutverschmierter Jacke rum ohne auch nur eine Miene zu verziehen.
    Albert Brooks dabei in einer ganz und gar ungewohnten, gar nicht zimperlichen Rolle. Gosling maßgeschneidert im Driverkostüm, das Love-Interest süß. Cranston und Perlman wie zu erwarten.

    DRIVE macht seinem Namen alle Ehre, viele Szenen sieht man als Beifahrer mit schräger Perspektive auf den Driver, wie er so im Verkehr dahinfließt. Genauso wie auch das Leben dahinfließt.

    Aber auch der Film selbst hat einen Drive, der kaum zu beschreiben ist. Wunderschön gestylte Nachtaufnahmen und -flüge über Los Angeles als Sahnehäubchen obendrauf. Das Ende hat mich ein wenig an THELMA AND LOUISE erinnert, glaube so kann man das Alles mit frischem Eindurck direkt aus dem Kino am besten beschreiben.

    10/10
    Geändert von Wolfe (24.02.2014 um 18:29 Uhr)

  4. #14
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    27. Januar 2012. Kinosichtungen Numero 11 und 12 des Jahres 2012

    Und erneut zwei überragende Filme gesehen


    THE DESCENDANTS

    Bewegender, wunderschöner, tieftrauriger und doch auch humorvoller Film mit einem überragenden George Clooney, der spielt als sei dies seine letzte Rolle, sein Schauspielvermächtnis.

    Herrliches Hawaii-Lokalkolorit mit traumhaft schönen Motiven und Landschaften, unterlegt von hawaiianischer Musik. Dazu noch ein Buch und Film wie mitten aus dem Leben normaler Menschen mit normalen Menschen. Beeindruckend auch die Schauspielerin, die Clooneys älteste Tochter portraitiert hat, auch die jüngere Tochter und der Boyfriend der älteren Tochter. Ergreifend was Clooney alles aus sich rausholt, allein bei der Verabschiedung von seiner Frau, da hätts mich selbst fast erwischt.

    Großes Oscar-Kino ! (das dummerweise gegen THE ARTIST unterliegen wird schätzungsweise, schade für Clooney, schade für Payne)

    10/10




    EIN RISKANTER PLAN

    Rassiger Großstadt-Thriller mit eindrucksvoller Kulisse und raffiniert verwinkeltem Plot, in dem so manche Überraschung und Wendung lauert. Zwar gibt es Punktabzug für zwei nicht ganz so überzeugende sich streitende Komplizen, die bei der "Arbeit" die notwendige Ernsthaftigkeit und Konzentration für soo eine diffizile Sache vermissen lassen und deswegen zwar erheitern, aber eben nicht ganz glaubwürdig inmitten des ernsten Plots rauskommen. Herausragend aber die Top-Besetzung, die mit Sam Worthington, Ed Harris, Titus Welliver, Edward Burns, William Sadler und Elisabeth Banks zu begeistern versteht. Den ganzen Film durchzieht eine beinah nicht auszuhaltende Spannung angesichts der bedrohlichen Lage in der der Protagonist steckt, von den Parallelhandlungen ganz zu schweigen, Meisterleistung von Regie, Schnitt und Kamera! Ertappte mich dabei die Finger in die Sitzlehnen zu krallen, so angespannt und mitfiebernd und miträtselnd (ob der Auflösung) war ich in diesem Streifen. Leider wurden Titus Welliver und Edward Burns nicht mit ihren Stammsynchronstimmen besetzt, ansonsten war die Synchro aber in Ordnung.

    9/10
    Geändert von Wolfe (24.02.2014 um 18:30 Uhr)

  5. #15
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    AW: Onkel Wolfe sitzt vor seinem Viereck auf dem Hollywood-Karussell und ist glücklic

    Cooming soon...

    Hier die Vorausschau all meiner sicheren Pflicht-Sichtungen, die ich im Februar 2012 im Kino haben werde:

    <--DAME KÖNIG ASS SPION
    (weil..:Colin Firth mitspielt / ich solche Spionage und Kalter-Krieg-Filme liebe und wegen der allgemeinen Besetzung)

    <-- ZETTL
    (weil..: die Besetzung mit Bully Herbig, Ulrich Tukur, Senta Berger, Harald Schmidt allein für sich spricht, außerdem
    liebe ich Kabarett, Satire, Komödie, auch wenn Dietl-Filme selbst mich nicht soooo ansprechen)


    <-- HUGO CABRET
    (weil..: mich allein schon das deutsche Plakatmotiv mit dem an der Uhr magisch hängenden Jungen anspricht und überhaupt Trailer und Filmplakat große Kinomagie versprechen und natürlich auch weil Ben Kingsley mitspielt)

    <-- WAR HORSE (GEFÄHRTEN)
    (weil..: selbst wenn der Film ein Rührstück für "Ponyhof"-Freunde sein sollte, er immer noch ein Spielberg ist mit tollen Schauwerten einem John Williams Score und hier sicher auch sensationellen Pferdedarbietungen..)

    <-- EXTREM LAUT UND UNGLAUBLICH NAH
    (weil..: obwohl ich bis gestern noch nichts von der Existenz dieses Films wußte, mich der Trailer sehr angesprochen
    hat und natürlich allein schon mal wegen der Besetzung mit Tom Hanks, Sandra Bullock und John Goodman)


    <-- YOUNG ADULT
    (weil..: mich der Trailer angesprochen hat, ich die bisherigen Jason Reitman-Filme alle geliebt habe und weil Charlize Theron mitspielt)

    <-- SAFE HOUSE
    (weil..: obwohl ich bis gestern noch nichts über die Existenz dieses Films gewußte habe, mich der Trailer im Kino angesprochen hat wie auch die Besetzung)
    Geändert von Wolfe (24.02.2014 um 18:30 Uhr)

  6. #16
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    AW: Onkel Wolfe sitzt vor seinem Viereck auf dem Hollywood-Karussell und ist glücklic

    31.01.2012, meine 13. Kinosichtung 2012, dank des plötzlichen Erscheinens dieses Films in der Kinemathek.


    MEEK'S CUTOFF

    Beweggrund der Sichtung: Will Patton, Bruce Greenwood, Western

    Beeindruckender Film. Im Grunde passiert nicht viel, eigentlich nix. Trotzdem schaut man gebannt 102 Minuten auf diesen beinah als Doku gezeigten Western. Fernab jeglichen Westernmythoses erlebt man hier als Zuschauer eindringlich und plastisch und vor allem glaubwürdig die Beschwernisse und Qualen des gemeinen Siedler-Alltags im wilden Westen hautnah mit. Hier wird nicht viel gesprochen, auf jeden Fall kein Wort zu viel. Hier zählen mehr die ausdrucksstarken Gesichter, die Augen, ja manches Gesicht kann man fast wie die umgebende Landschaft "lesen", hier sieht man jede beschwerliche Situation eingekerbt.

    Vom Ende war ich zunächst etwas enttäuscht, aber dann dachte ich mir, das passt eigentlich zum Film. Wir begleiten diesen Siedlerrtrek nur ein kurzes Stück ihres langen beschwerlichen Weges. Im Grunde ist ihre Geschichte, wie das Leben. Das Leben ist wie ein Fluß und so fließen auch diese Siedler dahin..auf dem Trockenen, verzweifelt auf der Suche nach Wasser.

    Wem kann man vertrauen, wem nicht? Welchen Weg sollte man einschlagen, welchen nicht? Diese existentiellen Fragen stehen auch wie große Lettern über dem Film. Der Weg ist im Grunde das Ziel.

    Hoch anzurechen ist dem Film auch, daß er den Indianer von Anfang an wie einen gaaanz normalen Menschen zeigt, nicht wie "den typischen Indianer". Grade in seinem Gesicht, in seiner Mimik verweilt die im übrigen grandiose Kamera desöfteren und im Grunde erkennen wir: er hat die gleichen fragenden Augen (ob der ihm ungewöhnlichen Handlungen und Dialoge der Weißen) wie wir ihn wahrscheinlich anschauen. Sein Gesicht, seine Mimik, seine Gestik spiegelt die gleiche Menschlichkeit wieder, wie bei den Weißen - etwas was in "gewöhnlichen" Western, selbst einem DER SICH NEN WOLF TANZT nicht allzu präsent schien. Dort schien die "Rothaut" mitunter wie ein im Grunde rot angemalter Weißer. Hier jedoch wirkt der Indianer ungleich authentischer - als Mensch.

    Bruce Greenwood ist bis zur Unkenntlichkeit ja fast zur Karikatur gezeichnet als Zottel, als Zausel, als eitler Pfau. Kann man ihm trauen? Ist er der Fachmann? Oder geprägt von totaler Ahnungslosigkeit, der keinen Dunst hat, wo er den Trek eigentlich hinführt? Der Film bleibt die Antwort schuldig.

    Schauspielerisch durch die Bank weg großartig glaubwürdig gespielt die Figuren, man meint sie hätten nie was anderes gemacht als in diesem Film.

    Die Kamera, ganz großes (kleinformatiges!) Kino. Beinah hypnotisch-medidative Bilder der grandiosen Schönheit der Landschaft und des Himmels, ebenso hypnotisch-medidativ im interessanten Ton/Musik-Design umgesetzt. Hier starrt man gerne stundenlang in die Landschaft und auf die Siedler, hier lauscht man gerne auf jedes Quietschen der mitgenommenen Wagenräder, auf die Geräusche des Viehs, auf die Stille der Landschaft.

    Im Grunde kommt mir MEEK'S CUTOFF wie eine interessante Kreuzung zwischen THE ARTIST und DRIVE vor. Ähnlich hypnotisch-medidative Bild/KLangcollagen -und montagen wie bei DRIVE mit mitunter langem Verweilen der Kamera und des Schnitts unterlegt von sphärischen Klängen - und dann wie bei THE ARTIST bedarf es weniger bis keiner gesprochener Worte in MEEK'S CUTOFF und man kann trotzdem den Gesichtern Bände ablesen.

    Eigentlich passiert eine ganze Menge in MEEK'S CUTOFF.

    9/10
    Geändert von Wolfe (24.02.2014 um 18:31 Uhr)

  7. #17
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    AW: Onkel Wolfe sitzt vor seinem Viereck auf dem Hollywood-Karussell und ist glücklic

    Ich schließe nun meinen Kinomonat Januar 2012 ab mit folgendem Ergebnis.

    Habe im Januar 2012 insgesamt 13 Kinosichtungen gehabt bei 9 Erst-Kinosichtungen.

    Hier meine aktuelle

    Beste Filme Erst-Kinosichtungen 2012


    01. --> <--THE HELP 10/10

    02. --------><--THE ARTIST 10/10

    03. --------------><-- THE DESCENDANTS 10/10

    04. -------------------><-- DRIVE 10/10

    05. -----------------------><-- EIN RISKANTER PLAN 9/10

    06. ------------------------------><-- ZIEMLICH BESTE FREUNDE 9/10

    07. -----------------------------------><-- MEEK'S CUTOFF 9/10

    08. -------------------------------------------><-- REALITY XL 9/10

    09. ------------------------------------------------------><-- VERBLENDUNG 7/10
    Geändert von Wolfe (24.02.2014 um 18:36 Uhr)

  8. #18
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    AW: Onkel Wolfe sitzt vor seinem Viereck auf dem Hollywood-Karussell und ist glücklic

    02.02.2012, meine 14. und 15. Kinosichtung 2012, Erstsichtung Numero 10 und 11:


    ZETTL

    Beweggrund der Sichtung: Bully Herbig, Ulrich Tukur, Harald Schmidt, Götz George, Senta Berger, Satire/Kabarett/Komödie

    Mit Helmut Dietl ist es so eine Sache, entweder man mag ihn oder man kann nichts mit ihm anfangen. Nun, mit seinem ROSSINI konnte ich üüüüberhaupt nichts anfangen, fand des tödlichst langweilig. Seinen VOM SUCHEN UND FINDEN DER LIEBE fand ich jedoch sehr gut, angefangen bei der narrativen märchenhaften Erzählung mit Off-Erzähler (dort: Elmar Wepper).
    ZETTL beginnt ähnlich im Narrativen mit Erzähler aus dem Off (diesmal:Martin Umbach) sowie putzig-possierlicher Animation. Hierin wird der zeitliche Zwischenraum, der zwischen der Fernsehserie KIR ROYAL und jetzt ZETTL mit den Filmfiguren passiert, erzählt. Da schon hatte mich der Film ZETTL, sowas liebe ich einfach, so einen narrativ-Erzähler-aus-dem-off-Einstieg (siehe auch VOM SUCHEN UND FINDEN DER LIEBE oder DER STERNWANDERER).

    Bully Herbig ist eine Wucht in seiner Rolle, ja sie scheint seinem Schauspiel auf den Leib geschrieben. Der absolute Knaller aber sind Harald Schmidt als schwäbischer Ministerpräsident von Meck-Pom und vor allem Ulrich Tukur als schweizerischer Milliardär. Beeindruckend auch Götz George als depressiver Bundeskanzler und der "quer"-Moderator aus dem Bayerischen Fernsehen, Christoph Süß, der hier auch schauspielerisch top drauf ist.

    Ein jeder der Akteure spricht in einem deutschen Dialekt. Am besten gelingt dies (neben den "nativen" Herbig und Süß (bayerisch), Schmidt (schwäbisch) Ulrich Tukur mit seinem für mich perfekt wirkenden Deutsch mit schweizer Akzent. Auch die anderen Dialektsprecher schaffen ihren Dialekt-Part unfallfrei, was sicher auch dem Perfektionisten Dietl zu verdanken ist, der sie vom Regiestuhl aus angespornt haben dürfte.

    Alle Figuren in ZETTL sind im Grunde unschlagbar charakterlos und absolute Hochstapler auf ihrem Gebiet. Die Figuren und ihre Handlungen sind stark überzeichnet und übertrieben. Schwer zu sagen auf wen sich Dietl und sein Co-Autor von Stuckrad-Barre konkret bei der ein oder anderen Figur oder Begebenheit beziehen bei ihrem Stoff, schließlich lauschten sie ja lange in den Berliner Promi-Lokalen den ihnen zugetragegen Geschichten. Berlin-politics-Insider haben sicher da ihren "Spaß" wenn sie Jemanden wiedererkennen oder eben nicht, sollten sie sich selbst wiedergespiegelt sehen.

    In jedem Fall ist das Ganze ungemein sympathisch und amüsant erzählt und geschauspielert.

    8/10






    DAME KÖNIG ASS SPION

    Beweggrund der Sichtung: Colin Firth, Gary Oldman, Besetzung, Liebe zu zu den Genres Kalter Krieg, Thriller, Spionage


    Wie inszeniert man einen Spionage-Thriller möglichst spannungsarm? Fragen Sie Tomas Alfredson.

    DAME KÖNIG ASS SPION ist komplex und mit reichlich zu merkenden Figuren, Hintergründen, Nebenhandlungen, Verwicklungen gespickt. Der Film kommt im Look und Stil der 70er Jahre Spionagefilme daher, was an sich kein Fehler ist. Jedoch wird das Ganze sehr dröge und spannungsarm präsentiert. Auch schauspielerisch war mehr zu erwarten. Im Grunde fast sämtliche Schauspieler agieren stoisch wie unter Schlaftabletteneinnahme. Gary Oldman trägt mit dem immergleichen Gesichtsausdruck seine dicke Hornbrille spazieren, Colin Firth bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten. Einzig und allein Benedict Cumberbatch, der jüngst in der Fernsehneuverfilmung SHERLOCK als arroganter Holmes brillierte, sticht schauspielerisch aus dem Ensemble heraus.

    Spannung oder gar so etwas wie schwelende Spannung des "etwas liegt nervenzerrend in der Luft" findet eigentlich während der ganzen zwei Stunden nicht statt. Man sieht eigentlich häufig nur Oldman von A nach B spazieren, sinnieren, kombinieren, quasi fast wie eine Doku. Doch die Erkenntnisse, die seine Figur dabei gewinnt, werden dem Zuschauer nicht erzählt und so bleibt es dabei in der Hauptsache Oldman beim Ausspazieren seiner Hornbrille zu beobachten. Sowas wie "Gefahr" oder "Bedrohung" für Wen auch immer, eine der Figuren oder gar für Großbritannien und den Westen kommt zu keiner Zeit auf. So schwach und uninteressant hab ich Oldman noch nicht gesehen.

    Vielleicht gibt auch die - mir unbekannte - Vorlage von John le Carré nicht mehr her.

    Dagegen war der Film DAS RUSSLAND-HAUS sowohl inszenatorisch wie auch schauspielerisch von ganz anderem Kaliber, ungemein spannend, witzig-ironisch in den Dialogen und dazu noch hoffnungslos traurig-romantisch mit der brillant gespielten Liebesromanze Sean Conner<-Michelle Pfeiffer->Klaus Maria Brandauer gaaanz großes brillantes Meisterkino, ebenfalls aus der Feder von John le Carré.

    DAME KÖNIG ASS SPION ist trotzdem nicht wirklich langweilig, denn natürlich ist man als Zuschauer daran interessiert zu erfahren wer denn nun letztendlich der Maulwurf ist und ja, das Ganze ist trotz allem als Drama (nicht als Spionagefilm oder gar "Thriller") solide inszeniert und fotografiert, nur eben nicht der zu erwartende Mega-Bringer.

    Gut, aber nicht sehr gut!

    6/10

    Als erschwerender Begleitumstand der (überraschend üppig besuchten 16:45 Uhr-) Sichtung) trugen noch- pardon my french, please - zwei "dumme Schnepfen" bei, die 20 Minuten nach Filmbeginn mit einer Wochenration Popcorn, Nachos und Knistertürenfutter in den Saal platzten, lange Zeit den Essensvorrat vernehmlich mapften, dann das Geschluckte mehrmals nachhusteten und dann dazu übergingen sich gemeinsam leise (aber laut genug vernehmbar) tuschelnd die Figurennamen und Handlungen gegenseitig zu erzählen ("der hier heißt glaub George und ist glaub ein Spion" .. "nee, der dort ist glaube ich ein Spion") und dann letztlich bei jedem Erscheinen von Gary Oldman in Großaufnahme oder Benedict Cumberbatch in Großaufnahme (etwa als er
     
    seinem Lover
    Adieu sagt) wiederum nicht wirklich laut aber vernehmlich im Tuschelton sich jedes Mal minutenlang todzukichern, daß sie Schnappatmung bekamen und sich erst wieder einkriegen mußten - bis zur nächsten Großaufnahme von Oldman und/oder Cumberbatch), wo das schnappatmende Kichern erneut begann .. and so on..and so on.. .
    Geändert von Wolfe (24.02.2014 um 18:37 Uhr)

  9. #19
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    05.02.2012, meine 12. Kinoerstsichtung 2012 bei insgesamt 16 Kinosichtungen 2012


    IN TIME

    Beweggrund der Sichtung: 11:30-Uhr-Vorstellung, Trailer, Matt Bomer (den ich seit "White Collar" sehr mag)

    (Lebens-)Zeit als Währung? Eine interessante Idee.

    Der Film funktioniert vierfach prächtig. Als astreiner, rassiger Action-Thriller, als Gesellschafts-Fiktion und als Parabel auf den heutigen Raubtierkapitalismus mit all den "Heuschrecken", Hedgefonds (was immer das genau ist), Rating-Agenturen, Agrarsubventionen (Europa/USA<->Afrika) usw. usf.

    Zuvorderst ist der Film ein ungemein gut inszenierter und spannender fiktionaler Action-Thriller, der jede Menge Überraschungen parat hat und irre spannend bis zum Schluß bleibt. Eine moderne Robin Hood-Geschichte mit einem wunderbaren Cillian Murphy (mag den Typen an sich sonst nicht) und zwei wunderbar kleinen Rollen von Matt Bomer und Olivia Wilde und jeder Menge denkwürdiger, kluger Aussprüche und Dialoge, die teils auch auf den heutigen Raubtierkapitalismus passend sein könnten.
    Wohingegen Timberlake und Seyfried eher blaß blieben.

    (Lebenszeit-)Zeit als Währung. Famos tricktechnisch umgesetzt mit diesen schicken grünen Haut"gravuren" und der Art und Weise, wie diese erdacht und umgesetzt wurden. Weniger famos tricktechnisch umgesetzt war der Crash der Edelkarre den Abhang hinunter mit Überschlag, das sah nach billigem Modellauto-Stop-Motion aus. Ansonsten aber durchweg gut durchgehalten das Konzept und die technische Umsetzung der grünen Zeitgravur in die Haut.

    Die Zeitwährungs-Idee wurde stringent den Film durch durchgesetzt und in allen Facetten ausgereizt und umgesetzt. Die futuristischen Polizeiauotdesigns und Lichtdesigns der Autos insgesamt waren klasse, wie auch der kontrastierende Look von einerseits Vorstadtghetto und andererseits Skyscraper-City der Reichen. Die Timekeeper rund um Cillian Murphy erinnerten mich ein wenig an die Sandmänner, die Michael York bei seiner FLUCHT INS 23.JAHRHUNDERT jagten.

    Der Film ist letztlich vollends überzeugend und dabei ungemein spannend und teils gar witzig-amüsant-cool, etwa wie Timerlake bei seinem "Armdrücken"-Wettbewerb sich elegant-cool seiner gesamten Gefahr entledigt.

    Ich sprach eingangs davon, daß der Film auf vierfache Weise prächtig funktioniert und hab die ersten drei bereits geschildert.

    Kommen wir zur vierten Weise, auf die der Film funktioniert:

    (Lebens-)Zeit als Währung? Nun, ist sie das, philosophisch betrachtet (und jetzt nicht Kaptalsystembezogen) nicht jetzt schon? Nicht lange schon? Funktionieren wir nicht Alle mehr oder minder durch die Zeit. Sind wir nicht immer der Zeit hinterher, an der jeweils gültigen Zeit orientiert? Vom Fernsehprogramm über Arbeitsbeginn und Ende, Fußballspiel, Verabredungen, Vereinbarungen - nichts funktioniert ohne zeitlichen Bezug, ohne zeitliche Orientierung. Schauen wir nicht selbst ständig auf die Uhr, ob wir noch pünktlich sind oder nicht? Als ich noch berufstätig war, tat ich das ständig, dutzende Male pro Stunde, auch in der Freizeit, auf die Armbanduhr zu sehen (nicht, daß mit dem ständigen Schauen, vor allem in der Freizeit, irgendein Erkenntnisgewinn einher gegangen wäre (eben grad war es noch 15:00 und jetzt war es 15:04 Uhr)) wie spät es grade war, ob man zu spät, zu früh dran war, ob man was verpasst hat. Sind wir nicht Sklave der Zeit, unserer eigenen Zeit? Ich zumindest wars damals. Das erste was ich tat, nachdem ich nciht mehr arbeitete, war meine Armbanduhr abzulegen und hab sie seither nie wieder angelegt. Anfangs war das eine große "Entzugserscheinung", ständig ertappte ich mich dabei, den linken Arm in Gesichtsrichtung zu drehen, um auf die - nicht vorhandene - Armbanduhr zu schauen, wie spät es grade war. Doch mit der Zeit legte sich das und mittlerweile ist es ein Luxus die Zeit Zeit sein zu lassen - bis zu einem gewissen Grad. Es reicht wenn man mal auf die PC-Uhr schaut oder auf die des DVD-recorders oder, wenn man auf die Straßenbahn muß daheim noch auf die Wanduhr - ansonsten aber bin ich "die Zeit" gut losgeworden.

    Zeit als Währung? Die Zeit ist so furchtbar vergänglich, man kann ihr beim Verrinnen zuschauen .. oder es sein lassen, um nicht (an der eigenen Vergänglichkeit) zu verzweifeln. Was, schon wieder Sonntag? Schon wieder eine ganze Woche vergangen? Was - die drei Wochen Urlaub sind schon wieder vorbei? Was, die Zeit ist schon um und der Stoß Prüfungsarbeiten noch nicht abgearbeitet? Was, von hier nach da bei dem kurzen Fußmarsch, der gefühlte drei Minuten gedauert hat, war man tatsächlich eine Viertelstunde unterwegs? ..Die Zeit ist schon ein pöser Deubel und Anlaß für reichlich Spekulation und Philosophiererei darüber.

    Und dazu bot und bietet noch immer IN TIME reichlich Stoff.

    9/10
    Geändert von Wolfe (24.02.2014 um 18:37 Uhr)

  10. #20
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    AW: Onkel Wolfe sitzt vor seinem Viereck auf dem Hollywood-Karussell und ist glücklic

    09.02.2012 meine 13. Kinoerstsichtung 2012 bei insgesamt 17 Kinosichtungen 2012


    HUGO CABRET

    Beweggrund der Sichtung: das in Farbgebung, Schrift und Motiv wunderbare, pure Kinomagie versprechende deutsche Kinoplakat mit dem an dem Uhrzeiger baumelnden Hugo Cabret.

    Auf dem wunderbar magischen deutschen Kinoplakat zu HUGO CABRET heißt es zuoberst:
    "Einer der legendärsten Regisseure unserer Zeit nimmt Euch mit auf eine außergewöhnliche Reise"

    Und was soll ich sagen? Zwei wundervoll magische Kinostunden, einen vegetarischen Burrito im Kinodiner anschließend und eine Straßenbahnheimfahrt später und befinde ich mich immer noch auf genau derselben "außergewöhnlichen Reise", ja Ich hab noch nicht mal den Mantel ausgezogen, nicht mal den Reisekoffer ausgepackt, geschweige denn die Schuhe ausgezogen, halte meinen magic boarding pass dieser außergewöhnlichen Reise immer noch in meiner Hand. Und genieße diese außergewöhnliche Reise mit jedem Atemzug. Halte mich jetzt grade kurz an der Reiling auf um eben kurz mal meinen sprudelnden Gedanken einigermaßen Sinn und Ordnung zu geben während meine Phantasie ob des Filmes nach wie vor Achterbahn fährt und ich meine frischen Eindrücke hier wiedergebe bevor ich mich wieder voll und ganz meiner Reise hingebe.

    Das was Steven Spielberg mit HOOK versuchte, es aber nur zu Anfang im verschneiten London mit dem verbittert-traurig dreinblickenden erwachsenen Peter Pan gelang, das gelingt Martin Scorsese durchgehend mit HUGO CABRET - purste, reinste Kinomagie entstehen und fließen zu lassen, der Kinonostalgie und der Macht der Bilder und der Träume freien Lauf zu lassen. Ein Film wie ein Traum.

    HUGO CABRET ist nicht nur ein Meisterwerk, sondern ein Wunderwerk, hat es doch auch noch das Wunder vollbracht, mir die Augen und das Herz zu öffnen.

    Scorsese sagte sinngemäß bei der Golden-Globes-Verleihung, seine Frau habe ihn angehalten mal einen Film zu drehen, den ihre gemeinsame 10jährige Tochter auch mal tatsächlich vom Papa anschauen könne.

    Nun, den längst verschollen geglaubten 10jährigen in mir hat Scorsese jedenfalls angesprochen, ihn quasi neu erwachen lassen, ihn wachgeküßt!

    Mit einem Male, bei einer Schlüsselszene des Filmes, erinnerte ich mich wieder daran, wie viel Vergnügen der 10jährige Onkel Wolfe dereinst mit "Dick und Doof", mit Charlie Chaplin, mit Buster Keaton und vor allem mit Harold Lloyd hatte. Und mit einem Male erkannte -durch die heutige Erweckung des 10jährigen in mir - wie viel Anteil an der Entstehung selbst der heutigen Kinomagie und der Filmhistorie diese Pioniere, zu denen zweifellos vor allem auch Georges Méliès mit u.a.a seinem Mann im Mond gehörte, doch haben.

    Das waren wahre Künstler und Kreative, die mit Kreativität Mangel an technischen Möglichkeiten wettmachten, jedoch auch die Technik entscheidend vorantrieben und weiterentwickelten. Film ist Kunst, das ist mir jetzt mit diesem Film und dieser außergewöhnlichen heutigen Reise, die ich in/mit diesem Film gemacht habe, erstmals richtig bewußt geworden, obwohl ich schon seit jeher Filme liebe. Auch die von mir so oft geringschhätzig betrachteten schwarz-weißen King Kongs oder später Ray Harryhausens waren letztlich Pioniere und Künstler ihres Fachs, die heutiges Kino und Kinospektakel erst möglich machten durch ihren Mut und ihre Entschlossenheit.

    Nun frage ich mich ob your average movie maker vom Schlage etwa eines Denis Dugan/Adam Sandler oder Eddie Murphy mit ihren austauschbaren Fett- und Furzfilmchen wenn sie diese Filme machen und betrachten (vom Publikum davon davon ganz zu schweigen) überhaupt bewußt sind, welches Geschenk sie einem Georges Méliès oder Charles Chaplin oder Harold Lloyd zu verdanken haben und welchen gedankenlosen Frevel sie doch an deren Pionierarbeit womöglich begehen.


    3D gerät, ja verkommt, oftmals zur reinen Jahrmarktattraktion, zum reinen Kintopp des "schaut her was wir Alles dolles technisch können, daaa die Schlange, daaa die Schwertklinge direkt in Euer Gesicht da unten im Publikum reinhaltend" aber Martin Scorsese versteht es mit HUGO CABRET 3D wirklich einen Sinn zu geben, den 3D-Raum sinnvoll zu nutzen und die Ausgestaltung der 3D-Technik meisterlich zu gestalten. da stimmt wirklich jedes Bild, jede Einstellung.

    Ob mit grandiosem Kameraflug über Paris oder noch mehr mit der Wanderung der 3D-Kamera mittendurch überlebensgroßer (Uhren-)Zahnrädern im Inneren der Bahnhofsstanduhr. Oder -meisterliche Szene- den um Hugo Cabret herum umherwirbelnden Zeichnungen, die in diesem Wirbelsog eine Art plastischen "Daumenkino"-Effekt erzeugen.

    Auch inhaltlich weiß HUGO CABRET zu überzeugen, erzählt er doch nicht einfach nur die Geschichte des Jungen Hugo Cabret, sondern auch eine Geschichte über Träume, über Phantasie, über Kino-Nostalie, Filmhistorie. Und auch die Figuren sind unglaublich vielschichtig angelegt.

    Die Figuren des Jungen Hugo, des alten Spielzeugstand-Besitzers Georges und des Bahnhofsvorstehers - sie alle könnten unterschiedlicher nicht sein in ihren Verhaltensweisen und doch sind sie auch irgendwo Spiegelbilder voneinander. Denn sie Alle sind erstarrt, überdeutlichst in ihrer Mimik des Gesichts und der desillusionierten Augen zu erkennen, in ihrer eigenen Traurigkeit und Mutlosigkeit, sie Alle verdrängen ihre Vergangenheit, ja teils verleugnen ihre Vergangenheit und tragen tiefe innere Narben.
    Und sie Alle verbieten sich das Träumen und die Phantasie, reagieren einzig indivduell verbissen auf die aktuelle Wirklichkeit die sie umgibt. Nur ein Wunder kann sie aus ihrer Lethargie reißen.

    Und ein Wunder fürwahr ist auch der Film HUGO CABRET, der mit mir bzw. in mir genau das auslöste und bewirkte. Waren THE ARTIST und DRIVE schon irgendwo wegbereitend, noch unterstützt durch MEEK'S CUTOFF, so gab mir HUGO CABRET nun wahrlich quasi "den Rest".
    "Kino ist Kunst", das muß ich mir nun fortan immer sagen, und nicht nur Zeitvertreib, Escape to the Movies, Zerstreuung.

    Kino, zumal wenn es so intelligent, nostalgisch, kunstvoll und meisterlich wie HUGO CABRET gemacht ist, ist ein Zufluchtsort für unsere Träume, für unsere Phantasie, das im besten Falle einen Mehrwert hat, der uns nicht mehr losläßt.

    Ja, dies ist eine einzige Lobhudelei ohnegleichen, aber ich kann mir nicht helfen, wenn mir ein Film ohnegleichen derart gut gefällt, daß er nicht den geringsten Makel hat, sondern mich rundherum begeistert, dann ist er eben ein Meisterwerk mit meiner höchsten oder zweithöchsten Noten-Bewertung , ungeachtet dessen ob der eine Film vielliecht solch ein intelligentes Werk wie HUGO CABRET ist oder ein -auf seine Art- mich ebenso vollends überzeugender und begeisternder Film wie ARTHUR WEIHNACHTSMANN oder INDIANA JONES oder DRIVE.

    Und ja, ich hab schon den Verdienst und die Qualität des in etwa ähnlich filmhistorisch-nostalgisch gemachten THE ARTIST lobgepriesen, wie auch den vor allem inhaltlich und von der Relevanz her starken THE HELP, und obschon ich mir sicher bin, daß
    THE ARTIST bei der diesjährigen Oscar-Verleihung groß abräumt und den "Bester Film" und womöglich "Beste Regie"-Preis bekommen wird, so muß ich nun sagen, daß Martin Scorse irgendwo der größere Verdienst (und der größere Dienst am Kino und seiner Entstehungsgeschichte) eingeräumt werden müßte, ist sein HUGO CABRET doch ein noch viel vielschichtigerer Film geworden als die anderen Beiden.

    Und wenn ich bei DRIVE nicht aus dem Schwärmen über die Bild/Ton-Collagen und die Kompostition einzelner Szenen kam, so muß ich nun deutlich HUGO CABRET präferieren, denn hier sind nicht nur einzelne Szenen bis ins Detail meisterlich durchkomponiert, sondern eigentlich jede einzelne Einstellung bis ins kleinste Detail.

    An der Schlußeinstellung fehlt eigentlich nur, daß die Figur unsmit einem Auge zuzwinkert, Spielberg hätte das womöglich gemacht. Marty Scorsese nicht.

    HUGO CABRET - ein Fest für die Augen, den Verstand und das Herz, durchzogen von einer unglaublich traurigen Schönheit, wie sie vor allem in der -brillant von Ben Kingsley gespielten- Person des Georges ihren Ausdruck findet.


    Hab keine Angst. Hab keine Angst zu versuchen über Deinen Schatten zu springen. Hab keine Angst zu versuchen Deine Verkrustung lösen
    Hab keine Angst zu träumen.

    Danke Georges Méliès. Und vor allem Danke Marty !

    10/10
    Geändert von Wolfe (24.02.2014 um 18:38 Uhr)

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