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Thema: Video rein - Alltag raus

  1. #11
    Regisseur Avatar von TheUsualSuspect
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    Re: Video rein - Alltag raus

    Die Brut des Bösen (Roots of Evil)
    (1979)




    Deutschen Musikern in den 70ern reichte es, in komischen Anzügen auf der Bühne zu stehen und schmachtende Chansons zu trällern. Doch es gab einen, der war anders. Christian Anders. Der hatte anscheinend so viel kreativen Output, dass er allein mit Musik unterfordert war. Deshalb machte er auch noch Musicals, schrieb Theaterstücke, verfasste Gedichte und Bücher und machte auch noch Filme. Zum Glück muss man sagen. Denn sonst hätte die Welt nie solche Meisterwerke wie Die Brut des Bösen zu Gesicht bekommen. Multitalent Anders besetzt in seinem Erstlingswerk dabei alle wichtigen Positionen. In Personalunion übernimmt er Regie, Drehbuch, Musik, Stuntkoordination und selbstverständlich auch die Hauptrolle seines Films.
    Der Klappentext von der VHS-Cassette beschreibt die Handlung folgendermaßen:
    "Der größenwahnsinnge Zwerg Van Bullock will der mächtigste Heroin-Händler der Welt werden und sich damit an seinem Schicksal rächen. Sein ihm sklavisch ergebener Zwei-Meter-Leibwächter Komo macht für ihn die Schmutzarbeit. Der Karatemeister Frank (Christian Anders) kommt ihm ins Gehege...
    Hervorragende Kampfszenen in diesem Film von Christian Anders.
    "

    Die Brut des Bösen ist Trash-Spaß vom Allerfeinsten. Dialoge und Drehbuch bieten eine Fülle von unfreiwilliger Komik, so dass der geneigte Zuschauer dabei voll auf seine Kosten kommt. Gangsterboss Van Bullock (gespielt von Deep Roy !!!) in Miniaturgestalt und sein Leibwächter Komo sind dabei ein echtes Dreamteam. Beispielsweise muß Komo seinen Gebieter schon mal auf das Piano heben, damit der ihm eine Standpauke aus Augenhöhe erteilen kann. Auch bei seiner von ihm dargestellten Hauptfigur Frank Mertens hat Anders nichts anbrennen lassen. Dabei sieht er sich offensichtlich sehr von Bruce Lee inspiriert und versteht es blendend seinen nackten Oberkörper in Szene zu setzen. So kann es schon mal passieren, dass er beim Anschleichen an die Villa des Bösewichts an einem Dornstrauch hängen bleibt und ihm leider nichts anderes übrigbleibt als das angerissene Shirt völlig auszuziehen. Hoppla. Szenen dieser und ähnlicher Art gibt es am laufenden Band und macht Die Brut des Bösen zum Filmvergnügen für Groß und Klein. Mit Dunja Rajter!

    Wer auf den Geschmack kommen will, sollte sich unbedingt diesen genialen Trailer ansehen:

    http://www.youtube.com/watch?v=3jvUbZk0CeA

    Lieblingszitat:
    "Van Bullock! Dieses Schwein!!!"

    Ein brillantes Trashvergnügen für Connaisseurs:

    +++

    und

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    "Sometimes, when you bring the thunder, you get lost in the storm."

  2. #12
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    Re: Video rein - Alltag raus

    Matrix: Revolutions
    (2003)




    Nachdem ich den ersten Matrix Film richtig klasse fand und den sogar auf DVD besitze, konnte ich mich mit dem was danach kam nie anfreunden. Trotzdem kam ich heute abend irgendwie darauf mir nochmal Matrix: Revolutions anzusehen. Der Eindruck ist so ziemlich der gleiche, der auch nach dem ersten Ansehen bei mir hängengeblieben ist. Eine Revolution ist der Film keineswegs und eine neue Offenbarung liefert er ebensowenig.
    Matrix setzte seinerzeit Maßstäbe, die das Actionkino der darauffolgenden Jahre mit prägen sollten. Revolutions führt diesen Stil weiter, überschreitet für meinen Geschmack aber schon teilweise die Grenzen bis hin zum Overstyling. Ich will nicht unterschlagen, daß die Optik manchmal auch gute Wirkungen erzielt aber manchmal ist das auch 'Styling over Sense'. Zum Beispiel in der Szene, in der Morpheus, Trinity und Seraph den Laden des Merowingers betreten fand ich das übertrieben. Warum müssen die kopfüber an der Decke rumrennen?
    Zwischen den Actionhaltigen Abschnitten hat Revolutions dazu auch noch einige Längen. Vor allem die ganze Planerei in Zion, das Verabschieden und Vorbereiten zieht sich so dahin. Dort gab es dann aber auch Szenen, die ich stark fand. Der Kampf um Zion ist ein Highlight des Films. Die Kampfroboter gegen die Wächter sind ein optischer Leckerbissen. Das waren aber auch die stärksten Szenen. Die mit philosophischen Bruchstücken zusammengebaute Geschichte ist nämlich nicht die stärkste. Matrix: Revolutions fand ich immerhin etwas besser als den zweiten, dem ich gar nichts abgewinnen kann, bin aber weit davon entfernt den gut zu finden.

    Lieblingsszene:
    Der Kampf in Zion nach dem Durchbruch der Wächter. Die ersten Einstellungen sind ein Fest fürs Auge.

    Ein schwacher Film mit ein paar guten Szenen, deshalb noch:

    +
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  3. #13
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    Re: Video rein - Alltag raus

    Blood Diamond
    (2006)




    Hab Blood Diamond gestern zum ersten Mal auf DVD gesehen und mich dabei richtig geärgert den im Kino verpasst zu haben. Ich wollte den vor einigen Monaten unbedingt sehen aber irgendwie hat es nie gepasst. Ärgerlich, denn im Kino wäre die Atmosphäre bestimmt noch um einiges "größer" gewesen. Regisseur Zwicks Film hat zweifellos einige Schwächen, aber dennoch kann dieser Mix aus Politfilm, Action, Drama und Abenteuerfilm beeindrucken. Die Schauspieler DiCaprio und Hounsou beleben dabei den Film ungemein. Wie auch schon in Gangs of New York oder Departed kommt DiCaprio gut in seine eher zynisch und robuster angelegte Rolle rein. Hounsou ist vor allem in den Szenen in denen er sich aufregt und seine Stimme verzweifelt wie wütend erklingen lässt phantastisch. Apropos Stimmen. Blood Diamond schreit geradezu nach einer Sichtung in OV. Ich liebe Sprachen und diese verschiedenen Dialekte und Akzente sind einfach faszinierend. Eine Synchro kann dabei nur massiv an Atmosphäre verlieren.
    Der (gar nicht so) heimliche Mittelpunkt der Geschichte ist aber Afrika. Ein Kontinent der berührt. Ein Land (hier Sierra Leone), dessen Reichtümer und Menschen zum Spielball von Regierungen, Revolutionären, Geschäftemachern und Glücksrittern werden. Blood Diamond berührt mit vertriebenen Flüchtlingen, den Schicksalen von Kindersoldaten (- Szenen die mir das Herz brechen - "squeeze the trigger" -), zeigt Warlords, die Ausbeutung von Rohstoffen auf Kosten vieler und noch einiges mehr. Exploitation Continent Africa. Die Themen sind gut, leider offenbart Blood Diamond hier aber seine Schwachpunkte. Der Film benennt viele Themen, schafft es aber nicht, sich damit angemessen auseinander zu setzen. Dazu ist er doch zu sehr Hollywood-Film. Das merkt man vor allem auch an dem Wandel den DiCaprios Figur zum Ende hin durchmacht, der wohl eher nur mit Wohlwollen schlüssig nachvollziehbar ist. Das ist im Kino zwar ganz nett gemeint, aber leider gehen solche Geschichten in der Realität wohl nicht so aus. Erleichtert war ich aber, dass es keine unnötige Lovestory gab, in der Hinsicht hielt sich Blood Diamond bis auf wenige Szenen zurück. Zumindest soweit, dass dabei zu viel Kitsch vermieden wurde.

    Lieblingszitat:
    "That's red earth. It's in our skin.
    The Shona say the color comes from all the blood that's been spilled fighting over the land.
    This is home.
    You'll never leave Africa."

    Einige Schwächen sind nicht von der Hand zu weisen. Aber trotzdem ist Blood Diamond ein packender und atmosphärischer Film, der mich in seinen Bann zog. Ganz vornweg durch exzellente Schauspieler. Dafür:

    +++
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  4. #14
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    Re: Video rein - Alltag raus

    Fluch der Karibik - Am Ende der Welt
    (Pirates of the Caribbean - At World's End)

    (2007)




    Wäre Pirates ein Cocktail, hätte er gute Zutaten: griffige Charaktere, gute Schauplätze, Objekte der Begierde... Doch beim Cocktail mixen kommt es nicht bloß auf die Zutaten an, der passende Mix ist entscheidend. Trotz guter Zutaten verliert Pirates spätestens im Nachgeschmack den größten Teil seines Flavours.
    Die Aufhänger der Geschichte stimmen. Will Turner und Elizabeth Swann reisen zusammen mit Barbossa los, um Jack Sparrow aus dem Reich der Toten zu befreien. Desweiteren entbrennt zwischen der East India Trading Company und einer Allianz der neun Piratenfürsten ein Kampf um die Herrschaft über die Weltmeere. Das bietet reichlich Stoff für eine epische Abenteuergeschichte, aber dieses Gefühl an einem großartigen Filmerlebnis teilzuhaben mag sich einfach nicht einstellen. Woran liegt das? Sind es zu viele Parteien, die miteinander im Clinch liegen? Sind die Storyelemente zu konfus miteinander verknüpft? Gibt es zu viele Handlungsstränge? Sind die Charaktere einfach ausgereizt? Ich weiß nicht, vielleicht ist es von allem ein wenig. Bei Pirates gibt es viel zu sehen aber nichts bleibt besonders beeindruckend in meinem Gedächtnis zurück. Es bleibt einfach bei einem manchmal netten Film mit vielen Versatzstücken.

    Einige Eindrücke:
    + Jack Sparrow's Aufenthalt in Davy Jones' Reich - schön skuril.
    + Käptn Barbossa wieder einzuführen hat erstaunlich gut funktioniert. Seine Rivalitäten mit Jack Sparrow waren erfrischend.
    + Der kleine Affe hatte bessere schauspielerische Leistungen als das komische Piratenduo in allen gemeinsamen Auftritten.
    + Schöne Aufnahmen und Bilder

    - Orlando Bloom ist ein Poser
    - Keira Knightley fehlt es an Ausstrahlung in dem Film
    - Chow Yun Fat verschwindet schon wieder so schnell - hätte eine besser ausgebaute Rolle verdient.
    - Konnte storymäßig nur oberflächlich folgen (müsste den dazu nochmal sehen).

    Lieblingszitat:
    (Barbossa) - "So eine Zusammenkunft hat es in unserer Lebzeit noch nicht gegeben."
    (Jack Sparrow) - "Und ich schulde ihnen allen Geld."

    Themenpark-Film (wie passend dieses Wort), dessen Attraktionen größtenteils wirkungslos bleiben. Wegen einiger Charaktere und mancher unterhaltsamen Ideenansätzen:

    +
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  5. #15
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    Re: Video rein - Alltag raus

    Zodiac
    (2007)




    Mit Zodiac liefert David Fincher einen Serienkiller-Film, der in einiger Hinsicht anders ist als man es von einem Vertreter dieses Genres erwarten könnte. Abgedrehte Psychospielchen werden vermieden. Die Konfrontation mit dem Täter bleibt aus, der Zodiac bleibt ein unbekanntes Gesicht. Der Film ist im Verlauf eher faktisch und nüchtern aufgezogen, trotzdem ist das nicht unspannend. Die Auseinandersetzung mit dem Serienkiller betrifft viele: Polizei, Medien, die Opfer, deren Familien, Neugierige, die Öffentlichkeit, einzelne Menschen. All das fängt der Film gut ein, bemüht sich um eine realistische Wiedergabe dieses Themas und ist damit eher Kriminal-/Sozial-Thriller als Psychothriller. Das spiegelt auch die Kameraführung wieder. Fincher verzichtet auf besondere Effekte oder verschnörkelte Kamerafahrten, die Kamera ist auch hier nüchtern aber treffend.

    Lieblingsszene:
    -

    Ein guter und spannender Film zum Thema Serienkiller:

    ++
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  6. #16
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    Re: Video rein - Alltag raus

    Die Nacht des Jägers (The Night of the Hunter)
    (1955)




    Gestern war seit langem mal wieder was klassisches dran. Ein Wunschfilm, der eigentlich schon seit Jahren auf meiner Must-see-Liste steht. Nun, ich war nicht enttäuscht. Die Nacht des Jägers ist ein Psychothriller der Extraklasse.

    Storyline:
    Ben Harper raubt 10.000$. Bevor er gefasst wird, versteckt er die Beute. Nur seine beiden Kinder wissen von dem Versteck, die ihm aber schwören müssen niemandem davon zu erzählen. Im Gefängnis versucht der Wanderprediger Harry Powell (Robert Mitchum) ihm das Geheimnis zu entlocken - vergeblich. Nach seiner Hinrichtung kommt der Prediger frei und heiratet die verbliebene Witwe in der Absicht an die Beute zu kommen. Doch die beiden Kinder stehen zu ihrem Wort...

    Obwohl Regisseur Charles Laughton mit diesem Film sein einziges Werk abliefert, ist ihm damit ein Klassiker gelungen. Es ist die Geschichte um den Wolf im Schafspelz, der sich unerkannt unter die ahnungslose Herde mischt. In diesem Fall versteckt unter dem Anzug eines Predigers mit einem Messer in der Tasche. Robert Mitchum als irrer Wanderprediger setzt dabei einen Meilenstein in der Filmgeschichte der Bösewichte. Der Mann, der auf der einen Hand LOVE und auf der anderen HATE tätowiert hat, der naive Leute mit frommen Reden ködert, um dann sein Unwesen zu treiben, treibt einem manchen Schauer über den Rücken.

    Lieblingszitat:
    A good tree cannot bring forth evil fruit. Neither can a corrupt tree bring forth good fruit. Wherefore by their fruits, ye shall know them.

    Klassisch. Unheimlich. Gut.

    +++
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  7. #17
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    Re: Video rein - Alltag raus

    The God of Cookery (Sik san)
    (1996)




    Seitdem ich Shaolin Soccer und Kung Fu Hustle gesehen habe, steh ich ja voll auf Stephen Chow. Logisch dass ich neugierig bin was er sonst noch für Filme gemacht hat. The God of Cookery ist der fünfte Film von Stephen Chow den ich jetzt gesehen habe.

    Chow spielt den 'God of Cookery', einen TV-Koch der durch seine Arroganz und einen Konkurrenten seinen Erfolg und seinen Platz verliert. Auf der Straße überlebt er nur, weil sich die Imbissverkäuferin Turkey für ihn einsetzt. Zusammen entwickeln sie die Spezialität namens 'Pissing Beef Balls' mit denen sie sich gegen ihre Konkurrenz durchsetzen. Natürlich nimmt diese das nicht so einfach hin und so tritt Stephen Chow am Ende in einem dramatischen Kochwettbewerb an, in dem es um alles oder nichts geht.

    In The God of Cookery übernimmt Stephen Chow wieder einmal Regie, Drehbuch und Hauptrolle. Dementsprechend lässt sich auch in diesem Film von 1996 schon der Stephen-Chow-Touch wiederfinden und es tauchen für ihn ganz typische Themen auf. Beispielsweise die arrogante Hauptfigur, die im Verlauf der Geschehnisse geläutert wird. Selbstfindung war auch in Shaolin Soccer und Kung Fu Hustle beherrschendes Thema. Wiederum sieht man sein Faible für Frauen mit Handicap. Und letztendlich taucht auch hier wieder ein deutlicher Kung-Fu-Einschlag auf, wenn auch nicht so ausgeprägt wie in seinen letzten Filmen. Diese und andere Elemente bekommt er aber noch nicht so fokussiert und zündend in den Griff wie in seinen letzten beiden Filmen.

    Der Humor ist vorherrschend asiatischer Slapstick und kommt dementsprechend oft naiv daher. Teilweise entwickelt Chow einen etwas derben Spaß, so lässt er z.B. einen Bewerber für seine Show erst mal vor versammelter Mannschaft vor einem Lift kacken. Ausserdem ist da noch Turkey's hässliches Gesicht, mit dem er anscheinend gerne die Sehnerven der Zuschauer strapaziert. Ist vielleicht nicht jedermanns Sache.
    Die Idee Kochen und Kung Fu zu verbinden ist auch nicht neu. Das konnte man schon ein Jahr vorher in Tsui Harks Das Bankett des Kaisers (Jin yu man tang) sehen. Der im Vergleich übrigens besser abschneidet. Der trieft zwar von dem berüchtigten chinesischen Humor den man ertragen muß, aber die Kochszenen sind absolut sehenswert. Die Szenen bei The God of Cookery sind dagegen einfacher inszeniert.


    Lieblingsszene:
    Die 18 Bronzemänner Szenen.

    Einige gute Ansätze lassen sich wiederfinden, dabei ist der Film aber noch weit von dem Niveau der neuesten Stephen-Chow-Filme entfernt. Noch:

    +
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  8. #18
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    Re: Video rein - Alltag raus

    Erbarmungslos (Unforgiven)
    (1992)




    In der Stadt Big Whiskey zerschneidet ein Cowboy einer naiven Hure das Gesicht. Sheriff Little Bill (Gene Hackman) legt das Urteil über die beiden Übeltäter nach eigenem Ermessen aus und verweigert so den Huren ihre Rache. Daraufhin setzen diese eine Belohnung für die Ermordung der beiden Cowboys aus. Will Munny (Clint Eastwood), ein von seinem alten Lebensweg bekehrter Gunman, nimmt diesen Auftrag zusammen mit dem jungen Heißsporn 'Scofield Kid' und seinem alten Partner Ned widerstrebend an...

    Mit Unforgiven gelingt Clint Eastwood ein Ausnahmewestern. Ein Western ohne Mythen, ohne strahlende Helden oder glorreiche Halunken. Ihm gelingt das Kunststück sich den romantischen Vorstellungen des amerikanischen Westerns zu entziehen, aber genauso verweigert er sich der Glorifizierung eines Anti-Helden wie es im Italo-Western meist der Fall ist. Stereotypen werden dabei konsequent gebrochen. Der Sheriff ist ein Despot, die Huren haben kein Herz aus Gold und der Gunman ist eigentlich ein gemeiner Mörder. Der Originaltitel könnte treffender nicht sein. Jeder versucht mit seinen gegebenen Mitteln den eigenen Weg durchzusetzen, um aber am Ende doch einen Preis dafür zu zahlen.


    Lieblingszitat:
    (Will Munny) "It's a hell of a thing, killing a man. Take away all he's got and all he's ever gonna have."
    (The Schofield Kid) "Yeah, well, I guess he had it coming."
    (Will Munny) "We all got it coming, kid."

    Clint Eastwood seziert das Westerngenre. Erbarmungslos und ohne Gnade. Dafür:

    +++

    und

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  9. #19
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    Re: Video rein - Alltag raus

    Rashomon
    (1950)




    In einem japanischen Wäldchen geschieht ein schreckliches Verbrechen. Die Beteiligten, ein Bandit, eine Frau und ihr toter Mann (der über ein Medium aus dem Jenseits spricht), sowie ein Holzfäller machen ihre Aussagen über das Geschehen, was in vier Rückblenden gezeigt wird. Ich hatte erwartet, dass jede Aussage mehr enthüllt, was sich zugetragen hat, jedoch bin ich am Ende so schlau wie am Anfang. Bis auf die Fakten, dass der Mann ermordet und die Frau vergewaltigt wurde, schildert jede Aussage die Ereignisse in ganz unterschiedlicher Art und Weise. Wer erzählt jetzt die Wahrheit? Rashomon zeigt die Wahrheit sehr subjektiv und eine absolute Auflösung gibt es auch am Ende nicht. Jede Version der Ereignisse ist bestimmt von den Empfindungen und Vorstellungen des Berichtenden. Rashomon offenbart dabei menschliche Wesenszüge wie Schuldhaftigkeit, Habsucht, Eifersucht und Egoismus. Weil Menschen schwach sind, belügen sie sich selbst, heißt es einmal.

    Ich muß zugeben, Rashomon ist sehr intelligent gemacht. Eigentlich war ich schon dabei den Film, nachdem ich ihn gesehen hatte, gedanklich schnell abzuhaken. Ich mußte schon etwas Geduld beim Sehen aufbringen, weil ich manchmal Probleme mit der Art von älteren Filmen habe. Dann habe ich aber festgestellt, daß die philosophische Natur Rashomon's mich gedanklich doch noch sehr beschäftigte, was natürlich für den Film spricht. Ansonsten erinnert mich die Inszenierung teilweise an Theater. Die Einteilung in verschiedene Akte und auch die Schauspieler, die sehr mit Gestiken und Mimik arbeiten. Daran musste ich mich schon gewöhnen.


    Lieblingszitat:
    - "So sind Menschen, sie lügen ständig. Sogar zu sich selbst sind sie nicht ehrlich."
    - "Das stimmt vielleicht, aber... Menschen sind schwache Wesen. Und weil sie schwach sind, täuschen sie sich manchmal."

    Konnte mich erst nicht so auf die Inszenierung einlassen, aber Rashomon ist sehr intelligent gemacht und gedankenvoll. Doch ein Film mit Nachwirkung. Ich gebe:

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  10. #20
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    Re: Video rein - Alltag raus

    Die Reifeprüfung (The Graduate)
    (1967)




    Mein erstes Mal ... habe ich Die Reifeprüfung gesehen. Mein Eindruck? Obwohl er von 1967 ist, wirkt er auf mich ganz schön aktuell. Protagonist Benjamin (Dustin Hoffman) kam mir sehr bekannt vor. In ihm fand ich ein vertrautes Lebensgefühl wieder, eins das sicher schon viele kennengelernt haben. Ben steht dazwischen. Zwischen seinem Collegeabschluß und der ungeschriebenen Zukunft. Zwischen den Erwartungen seiner Eltern und seinen eigenen (undefinierten) Vorstellungen. Er steht zwischen Alt und Jung, zwischen Konvention und Liberation. Ein Zitat:
    (Mr. Braddock) "Ben, what are you doing?"
    (Benjamin) "Well, I would say that I'm just drifting. Here in the pool."
    (Mr. Braddock) "Why?"
    (Benjamin) "Well, it's very comfortable just to drift here."

    Das beschreibt Ben sehr gut. Mit einem gefeierten Abschluß, ansonsten aber unerfahren und naiv kommt er mir so überfordert vor. Identitätslos. Willenlos. Zukunftslos. Nach und nach muß er einige Lektionen des Lebens lernen, verliert seine Unschuld und gewinnt doch schließlich an Charakter.

    Lieblingszitat:
    - "Mrs. Robinson, if you don't mind me saying so, this conversation is getting a little strange."

    Super Umsetzung des ewigen Generationenthemas:

    ++
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