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Thema: Personal Note

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    Personal Note

    The Fountain (2006)
    Regie: Darren Aronofsky

    Seit vor einigen Jahren, ich denke mich erinnern zu können es sei 2003 gewesen im Internet angekündigt wurde Darren Aronofsky arbeite an einem neuen Film, dem Film nach 'Requiem for a dream', diesem schier untopbaren Meisterwerk und 'Pi', diesem faszinierenden halbprofessionellem Erstlingsmonster, war ich gelinde ausgedrückt mehr als gespannt.
    Man las Dinge von 'Liebesgeschichte, die sich über 1000 Jahre erstreckt' und wußte nicht so recht einzuordnen.

    Noch vor dem ersten Trailer kamen die ersten Presseberichte von Schreiberlingen, die Minutenfetzen, Rohschnittfassungen eines halbgaren Produktes in den Kubrickhimmel lobten und als Mittelklassefilmnerd trat man nervös auf der Stelle. Ja, jemand hatte Kubrick erwähnt.

    Der erste Teaser ballerte dem geneigten Zuschauer letztendlich das Hirn raus, ehe dann die Cannes'schen Kritiker 'Buuh' riefen und Aronofsky Esoterik unterstellten. Spätestens jetzt wurde einem klar, dass man den Film auf jeden Fall sehen muss. So kontrovers wurde kein Film mehr besprochen seit 'Die Passion Christi' von Mel Gibson.

    Zum Film dann also:


    Es geht um einen Mann, der seine Frau liebt, ihr dient und die Beschloßenheit der Sterblichkeit als nicht gegeben ansieht. Das wars.

    Klar, man könnte jeden Film auf einen Satz reduzieren, aber bei 'The Fountain' ist die Essenz Programm. Es geht schlicht unergreifend um nichts anderes. Zumindest nicht auf der Oberfläche. Aronofsky nimmt den Aspekt, der den Menschen zum Menschen macht und somit klar vom Tier abgrenzt, nämlich das Bewustsein, insbesondere das Bewustsein der eigennen Mortalität und die damit einhergehenden Emotionen und führt den Zuschauer aus den verschiedensten Blickwinkeln an die Thematik heran ohne jemals, auch nur mit einem Bild, Bestätigung zu suchen.

    Hugh Jackman spielt den Tomas mit einer bewegenden Zielgerichtetheit, der seiner krebskranken Partnerin Izzy (Rachel Weisz) folgt ohne auf sich zu schauen.

    Die, aus dem Trailer wohl bekannten Erzählebenen, 1500, 2000, sowie 2500 bilden lediglich den Rahmen für diese eine Geschichte. Ob Tomas als Ritter den Anschlag des Inquisitors verhindern muss und den Baum des Lebens suchen soll oder als Wissenschaftler im 21. Jahrhundert über Nacht Krebs zu heilen versucht, es spielt keine Rolle: Der Kreislauf, die, auch in den Filmdialogen immer wiederkehrenden Phrasen zeigen Stagnation in der Unendlichkeit auf, verweisen auf die Vergänglichkeit und das Fortbestehen zugleich.



    Die esoterisch anmutenden Elemente, vor Allem die 'Zukunfts'szenen, sowie die Maya-Elemente wurden häufig kritisiert und als lächerlich interpretiert.
    Aronofsky weiß um die Wirkung dieser Bilder, er weiß, wie sie aufgenommen werden können. Nun hat er aber bewußt keinen Film für die Masse gemacht, sondern verwendet schamlos Stilmittel, die dem anspruchsvollen Kinozuschauer teils übel aufstoßen können und werden. Wenn Hugh Jackman im Yoga-Sitz über einem Maya-Wächter schwebt ist das nicht grenzwertig, sondern deutlich darüber. Aber das bewußte Wählen Aronofskys, dieser Kitschelemente spiegelt nur zu deutlich wieder, wie sehr er verstanden hat, dass es gerade diese triefenden Mytholgien sind, die die Menschen seit jeher für die Erklärung des Unerklärlichen verwendeten (ich erinnere an ein reichlich absurdes Phänomen namens 'Gott'). Er arbeitet das Streben des Menschen nach einem Funken Erkentniss auf, den er nur in der Unendlichkeit (sei es im Leben oder im Raum) erreichen kann, da dies der Punkt ist, der sein Bewußtsein übersteigt und somit in absoluter Disharmonie zum Menschsein an sich steht.

    Anti-Fötal, hohlkreuzgebeugt, schwebt Tomas in die Unendlichkeit, sein Nicht-Mensch-Sein. Untermalt von brillanter Musik von Aronofskys Stammkomponist Clint Mansell, eingespielt von den schottischen Post-Rockern Mogwai.

    Die Zeit wird zeigen wie der Film einzuordnen ist.

  2. #2
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    Elementarteilchen (2006)
    Regie: Oskar Roehler

    Ich bin ein Gegner von Kritiken, die sich, bei auf Romanvorlagen basierender Filme, auf einen plumpen Vergleich zwischen den beiden Medien beziehen. Nun werde ich es dennoch tun.

    Michel Houllebecq ist mit 'Elementarteilchen' vor ein paar wenigen Jahren wohl einer der interessantesten und vielleicht wichtigsten literarischen Werke der letzten Jahrzente gelungen, der letzten Jahre sowieso (diesen Titel macht ihm höchstens sein eigenes Erstlingswerk 'Ausweitung der Kampfzone' streitig). Er zerlegt in einem perfidem Abgesang auf den derzeitigen Stand der Evolution die Affenähnlichkeit des Menschen, der eigentlich noch in einem Pre-Mensch-Sein steckt. Unsterblichkeit, Sexualität, Jugend. Diese Dinge, die man als wertvoll erachtet, die Depression und Leid, aufgrund eines bewußten körperlichen Verfalls auslösen werden nüchtern in Szene gesetzt, als die neue Bibel deklariert und anschließend in der Luft zerfetzt. Houllebecq hat allen, die sich ihm öffnen können einen Sprengsatz in das Gehirn gelegt und läßt ihn hochgehen: irgendwann.

    Oskar Roehler nun, seineszeichen recht solider deutscher Regisseur, hat sich also daran gemacht dieses Monster in einen Film zu packen.

    Zur Geschichte:

    Es geht um zwei Halbbrüder, Bruno (Moritz Bleibtreu) und Michael (Christian Ulmen). Beide sind aufgrund einer Art verstärktem Bewußstsein, nennen wir es 'Intelligenz' anders, als der Rest. Daher stehen beide eher etwas belämmert da, wenn Mädels sie zum tanzen auffordern oder sonst jemand soziale Kontakte knüpfen will. Die beiden getrennt aufwachsenden Brüder (teils in Psychater-Gesprächs-Rückblenden dargestellt) entwickeln sich also in unterschiedlicher Form zu absoluten Aussenseitern. Beide jedoch, sind von ihrem eigenen Verfall terrorisiert, der ihnen den Verstand kostet.

    Der eine (Bruno) versucht sich mit Ende 30 durch Hippie-Kommunen zu bumsen um dem Jugendwahn zu entkommen, der andere (Michael) ist Wissenschaftler und sucht (und findet) einen Weg um jede organische Lebensform adäquat durch eine Replikation zu ersetzen, deren Zellen sich ewig erweitern, sprich nicht altert.



    Der Film (und daher vergleiche ich ihn mit dem Buch) möchte angestrengt komplex sein, dem Roman ebenbürtig, was bei dem oben angesprochenen Thema schwierig ist. Houellebecqs Buch erinnert daran wie wichtig es ist eine Romanvorlage gründlich zu überarbeiten um sie in eine für den Film stimmige Version zu transferieren. Die absolut trockene Nüchternheit, sowie die unfassbar depressive Grundhaltung des Buchs legt Oskar Roehler leider viel zu oft als Ironie aus und provoziert Lacher wo gar keine sein sollten. Die beschriebenen Passagen aus der Jugend der Protagonisten wirken farblich total überdreht, als wolle Roehler absichtlich nicht zum tausendsten Mal eine 70er Jahre Rotstich Polaroid Atmosphäre schaffen um diese Zeit zu zeigen: Doch hier wäre es vielleicht besser gewesen.

    Das deutsche Starensemble um Moritz Bleibtreu, Christian Ulmen, Franka Potente, Tom Schilling, Martina Gedeck, Corinna Harfouch, Herbert Knaup, Uwe Ochsenknecht (man hat eh den Eindruck der Film wurde von der gesamten deutschen Filmindustrie erstellt nur Daniel Brühl und August Diehl hatten Urlaub) und und und, wirkt leider enorm überfordert, die emotionale Kälte der Vorlage auch nur ansatzweise umzusetzen, zu vermitteln.

    Die besten Momente des Films sind die, in denen Roehler eigene Ideen einbringt, Wendungen zeigt, die so literarisch nicht funktioniert hätten, sondern platt und lächerlich gewesen wären. Dann erreicht er (voraussichtlich aber leider nur für den, der das Buch und somit die Wucht kennt) eine enorme, kurz aufblitzende, emotionale Dichte und erinnert daran wie toll das Ganze hätte werden können. Roehler jedoch bleibt zu nah am Buch und zwingt einen dazu von Unverfilmbarkeit zu sprechen. Irgendwie zeigt dieses Werk sehr schön auf, welche Kraft das gelesene Wort hat, welch enorme Eigendynamik Literatur hat und wie lächerlich sie häufig, kanalisiert durch die plumpe Vorstellung eines einzelnen, auf der Leinwand wirkt.

    Es gibt selten Filme, welche die Wucht auslösen können, die ein literarisches Werk vermag zu transportieren und Oskar Roehlers 'Elementarteilchen' zeigt dies nur allzu deutlich. Insofern eine interessante Erinnerung an grundsätzliche Werte, wenn man etwas zu tief ins Cineastentum abgetaucht ist.

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