weitere Kritik

Gewiß ist das Erwachsenwerden für so manchen ein schwieriger Prozess. Auch wenn sich, laut der Filmkritik, dieser Streifen nicht so recht in das Genre Coming on Age einordnen läßt, so gehört doch gerade dieser kleine Streifen unververmeidlich gerade dieses Genre, der von seinen skurilen Charakteren lebt, welche in Augenblickshandlungen agieren und damit ihre scheinbare Widersinnigkeit und Skurilität zeigen.
Mit Rücksicht auf die Tatsache, daß fast alle Kinofilme den Ursprung im Geschäft, im schnöden Mammon sowie in der Kinoindustrie haben, so kommt Garden State auch nicht ganz aus diesem Pool heraus. Letztlich werden die meisten Filme für eine definierte Verbraucher-Zielgruppe produziert, diese ist zweifellos die Altersgruppe der 16 bis ca. 35-jährigen. Wen wundert es daß diesem, in Personalunion von Zach Braff geschaffenen Streifen, so viel Erfolg zu teil wurde. Handelt der Film doch von Endzwanzigjährigen oder Anfangsdreißigjährigen, die sich, auf Grund des gewählten Themas, mit diesem vielleicht identifizieren, darin leben, sicher aber das Thema bestens irgendwo verstehen können. Der letztlich positive Gesamtplot und das Gewinnen einer holden Maid Sam (Natalie Portmann als Sam), durch den Sympathieträgers und Protagonisten Andrew (gespielt von Z. Braff) und seiner persönliche Neufindung im Plot, fasziniert den Betrachter, wohingegen die Gestalt Andrews doch zunächst als orientierungsloser und als erfolgloser Heimkehrer gezeigt wird. Man sollte daher nicht des Lobes allzu voll sein, denn der Film lebt viel von seiner sehr originellen Idee und, man wird den Gedanken nicht los, von einer autobiografischen Ader, die den gesamten Streifen lebendiger erscheinen läßt als er ist. Sollte Zach Braff ein Teil seines Lebens hier selbst verarbeitet haben? Wahrscheinlich hat irgendeine Episode aus seinem Leben ihn auf die Idee zum Drehbuch gebracht.
Die schauspielerische Leistung der hübschen, jungen Natalie Portman steht außer Zweifel; die Gestalt Andrew wird von Z. Braff ebenso gut und glaubhaft dargestellt. Dem Film mangelt es von dieser Seite her an so gut wie nichts. Auch die vielen Gestalten, denen Andrew wiederbegegnet, werden genügend glaubhaft und charakteristisch dargestellt. Alle Gestalten leben von der skurriler Schilderung ihrer Person und von kleinen, nicht alltäglichen Altagsanekdoten, die den einzelnen Szenen einen markanten Szenenplot verschaffen.
Auffallend ist die geringe Wechselwirkung der Protagonisten-Welt, mit der Welt der tatsächlich Erwachsenen. Einzig die Zwiegespräche Andrews mit seinem Psychatervater (Ian Holm), zeigen wie wenig der Heimkehrer Andrew mit der Welt der Erwachsen kummuniziert. Beide, Vater und Sohn, leben in gegenseitigem Unverständnis und erkennen sich beide eigentlich als Mensch nicht wieder. Die Welt der Erwachsenen ist für die Gestalt des Andrew ein Bereich den er höchstens tangiert aber nicht erreicht hat. So handelt der Film denn weiter vor sich hin und lebt nur von dem Bereich derer, die noch keine richtige Orientierung gefunden haben, sich aber das Leben mit schrägen Jobs und Zeitvertreibungen ausfüllen. Zum einen Teil sind die ehemaligen Freunde Andrews, die er nun erneut kennenlernt, Losertypen, teils auch ungemeine Erfolgstypen. Ein daheimgebliebener Kumpel Andrews, der eine Erfindung verkauft hat, ist nun reich geworden und vertreibt sich fortan das Leben ohne einen richtigen Inhalt zu haben. Dieser reiht sich in die ehemaligen verschrobenen, eigenwilligen Freunde Abdrews ein und kritisiert als Gestalt eigentlich die Gewinner und Erfolgstypen, die in vielen Filmen als erstebenswerte Gewinnergestalten gezeigt werden. Mache das Geschäft deines Lebens und genieße es, wird als Botschaft des Film aber nicht als erstrebenswertes Heil dargestellt, sondern es erhebt sich die Frage, ob Reichtum und eine Orientierung in der Spaß und Freizeitgesellschaft nicht zu einem Dasein führt, das die Menschen wieder dort einordnet wo sie herkamen, zu den anderen Losertypen und den skurrilen Charakteren des Films.
Eine der wenigen Begegnungen der drei Freunde (Andrew, Sam und Mark) mit einer stabilen, kontinuierlichen Erwachsenenwelt, ist das Aufsuchen eines Mannes, der abgeschieden in einem fest auf dem Land stehenden Holz-Schiff, mit seiner Familie lebt. Zuvor wird ein undefinierter Abgrund erwähnt, den alle kennen und der in der Nähe von Garden State liegt. Da der Mann so etwas wie der Wächter des Abgrundes ist und das Schiff auf dem abgesperrten Gelände des Abgrundes liegt, treten die drei Freunde, nach dem Besuch beim Wächter des Abgrundes, aus dem Schiff heraus. Es regnet sehr stark, die drei Freunde sind naß und tragen nun Mülltüten als Regenschutz. Mark (Peter Sassgard), klettert darauf sofort auf ein herumstehendes Schrottfahrzeug und beginnt nach Leibes Kräften in den Abgrund hinunter zu schreien. Sam und Andrew haben seine Aktion sofort durchschaut, stellen sich neben ihn und die drei schreien im Chor in den Abgrund, aus dem kein Echo zurückkommt. Nicht für umsonst wurde diese Szene auch als Filmplakat verwendet. Die Protagonisten, die Freunde stehen am Abgrund, rufen in den Abgrund hinein, sie sind sich deutlich des Abgrundes und seiner Abgründigkeit bewußt, sinnbildlich stehen sie am Abgrund, sie fallen aber nicht in diesen hinein, sondern ergründen diesen durch Hineinrufen. Die gesamten schrägen und drolligen Handlungen des Films, sind letztlich ein Ausloten des Abgrundes, in den die Akteure stürzen könnten, wenn die gesamte Handlung des Heimkehrers nicht zu neuer Orientierung führen würde und zur Gewinnung neuer und alter neuer Freunde gerät, die dem Protagonisten dabei helfen oder katalytisch wirken, um sich neu zu finden.

Man sollte diesen Streifen nicht überbewerten aber auch nicht zu negativ kritisieren. Letztlich täuscht der Film vielen einen besseren Eindruck vor. Man kann sich gerade bei Filmkritiken nicht des subjektiven Erlebnisses erwehren. Viele die von diesen Streifen begeistert waren und ihn in den höchsten Tönen gelobt haben, sollten sich fragen, ob sie nicht mehr von der im Film darstellten Story fasziniert und begeistert sind, da sie sich selbst in der Altersgruppe befinden, die sich im Film mit einem schrägen coming on age abmüht.

Der Film ist eine Empfehlung wert; wer sich diesen nicht ansieht, der verpaßt etwas.