Der ewige Gärtner
Schwarze Kaninchen



Der schwarze Mann als Experimentierfeld der weißen Economy, unter dem Denkmantel der Barmherzigkeit. So, oder zumindest so ungefähr, lässt sich der brisante Inhalt von John Le Carrés Besteller The Constant Gardener (Der ewige Gärtner) wohl am schnellsten zusammenfassen. Der Roman erzählt vom scheinbar uneigennützigen sozialen Engament der internationalen Pharmaindustrie auf dem schwarzen Kontinent Afrikas. Um die örtliche, zutiefst verarmte Bevölkerung kostengünstig mit dringend benötigten Medikamenten zu versorgen, verzichtet man im Namen der Menschlichkeit großzügig auf einen Gewinnanteil. Tatsächlich? Da es aber nun einmal in der Natur jedes tüchtigen Geschäftsmannes liegt, irgendeinen Gewinn oder zumindest einen Nutzen aus allem und jedem zu ziehen, ist das mit der Uneigennützigkeit und der Menschlichkeit dann doch wieder schnell ad acta gelegt. Was aber nun genau diese scheinheiligen Samariter bezwecken, wird selbst hinter vorgehaltener Hand nicht ausgesprochen. Zu groß ist die Macht, die die Pharmaindustrie auf die Institution Staat und auch auf jeden einzelnen Menschen dieser Welt ausübt. Denn eines ist sicher: Von keinem Industriezweig ist unser Leben und unsere Gesundheit so abhängig, wie von den allmächtigen Pillenmachern. Diese Tatsache bekommen auch die Protagonisten von Le Carrés Politthriller am eigenen Leib zu spüren, als sie versuchen, Licht hinter das Treiben eines dieser Wirtschaftsgiganten zu bringen. Natürlich ist dies alles rein fiktiv und bar jeglicher Realität, so verlautet es vermutlich aus den Reihen der betroffenen Mogule und Lobbyisten und damit haben sie vermutlich auch durchaus recht: Denn die Wahrheit könnte noch um einiges schlimmer sein.

John Le Carré, der vor allem wegen seiner Spionagebücher rund um den kalten Krieg (siehe Das Russlandhaus) bekannt geworden ist, wagte sich im Jahre 2000 auf ein anderes, neues Terrain vor, nämlich das der Pharmaindustrie und dessen Verantwortung für die eigenen Methoden. Dabei spricht Carré in seinem Roman das aus, was viele denken, aber nicht auszusprechen zu wagen.
Wie schon einige seiner Bücher zuvor, kam in diesem Jahr auch sein jüngstes Werk zu filmischen Ehren. Die Regie für das Projekt übernahm City of God –Schöpfer Fernando Meirelles, die beiden Hauptrollen wurden mit den Briten Ralph Fiennes (Der englische Patient) und Rachel Weisz (Die Mumie) besetzt. Letztere erhielt bei der diesjährigen Oscarverleihung verdientermaßen den Oscar für die beste weibliche Nebenrolle(!). Aber auch Fiennes spielt seine Rolle äußerst überzeugend und hätte ebenfalls eine Goldstatuette verdient.

Inhalt:
Das Diplomatenehepaar Justin und Tessa Quayle (Ralph Fiennes, Rachel Weisz) lebt aus beruflichen Gründen im afrikanischen Staat Kenia. Während Justin neben seinem Job vor allem Augen für sein blühendes Biotop hinter seinem Haus hat, engagiert sich seine Frau aufopferungsvoll um die Menschen dieses von Kriegen und Armut gebeutelten Landes. Dieser Einsatz soll für die überzeugte Humanistin jedoch ein tragisches Ende nehmen. Der Ehemann, der bis zu diesem Zeitpunkt in seiner eigenen kleinen Welt gelebt hat, erfährt vom Tod seiner Frau, der ihrem Begleiter, dem schwarzen Arzt Arnold Bluhm (Hubert Koundé) angehängt wird. Doch Bluhm ist verschwunden und auch ansonsten scheint sich jeder nur sehr oberflächlich mit der Auflösung des Falles zu beschäftigen. Justin beginnt auf eigene Faust zu recherchieren, kommt den dunklen Geheimnissen eines Pharmakonzerns auf die Schliche und bemerkt allmählich, wie wenig er seine Frau in Wirklichkeit doch gekannt hat.


Kritik:
Dieser Film ist in allen Belangen einfach ganz groß! Regisseur Meirelles, der schon bei City of God sein Talent für außergewöhnliche Kameraeinstellungen bewies, zeigt auch bei Der ewige Gärtner ein Gespür für kraftvolle Bilder, die oftmals mehr aussagen, als so manche Worte. Dabei wechselt er gekonnt zwischen wunderschönen Landschaftsaufnahmen und kontrastiert diese Bilder mit dokumentarisch anmutenden Aufnahmen der armen Bevölkerungsschicht Kenias. In Verbindung mit den atmosphärischen, afrikanischen Klängen als Untermahlung ergibt sich ein fantastisches Gesamterlebnis. Die Schauspieler, vor allem Fiennes und Weisz, spielen dabei so grandios weil natürlich, dass jede einzelne Emotion und Gefühlsregung glaubhaft vermittelt wird. Der Plot an sich ist spannend erzählt und hochkomplex, genauestens recherchiert, was auf John Le Carrès Vorarbeit zurückzuführen ist und zu keinem Zeitpunkt ermüdend. Allerdings sollte man schon ganz genau aufpassen, um im Namengewirr der beteiligten Personen nicht den Überblick zu verlieren. Auch die ungewohnte Erzählweise, in Rückblicken erfährt man mehr über Tessa und Justins Verhältnis und ihr soziales Engament, könnte am Anfang leicht irritieren, jedoch hat man diese Struktur schon nach kurzer Zeit verinnerlicht. Lobenswert ist ebenfalls, dass die Geschichte, trotz einigen Schwierigkeiten, überwiegend an Originalschauplätzen des Buches gedreht wurde, sodass die Authentizität gewährleistet wird.
Mit Der ewige Gärtner hat man einen Film geschaffen, der auf der Spannungsebene vorzüglich unterhält, auf der anderen Seite aber auch zum Nachdenken anregt. Denn die Erkenntnis, dass es in unserer Welt so viel Ungerechtigkeit gibt, die selbst vom investigativen Journalismus totgeschwiegen wird und der Staat selbst nichts unternimmt, weil er abhängig ist von Konzernen und deren Geldern, lässt einem an unserem modernen Industriezeithalter doch arg zweifeln.

Fazit: Ein mitreißender Politthriller mit brisantem Thema, der unterhält, schockiert und zum Nachdenken anregt.

Wertung: 5 von 5 Sterne


The Constant Gardener, USA 2005Genre: Thriller/Drama
Laufzeit: 123 Min.
Regie: Fernando Meirelles
Darsteller: Ralph Fiennes, Rachel Weisz, Hubert Koundé, Danny Huston, Bill Nighy, Pete Postlethwaite