Manchen ist der Film sicher zu naiv. Superman hat ja auch nicht die innere Zerissenheit anderer Superhelden und ist glatter. Egal - Der Film hat für mich nicht nur einen, sondern 10 Supermänner bzw. Superfrauen.

Nummer 1: Kevin Spacey. Er ist ein phantastisch größenwahnsinniger Erzbösewicht und weniger albern als Gene Hackmann. Dann: Luthers Assistentin Kitty (Parker Posey) ist herrlich komisch. Eva Marie Saint, die Supermans Ziehmutter spielt, habe ich seit Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“ ins Herz geschlossen, und es ist ein Ereignis, sie hier in dieser kleinen, aber tragenden Rolle wieder zu sehen.

Regisseur Bryan Singer hat mit seiner offenkundigen Liebe zu Superman alle gewünschten und vom Publikum sicher erwarteten Elemente in den Film gepackt. Er hat die Comicwelt Supermans stilvoll modernisiert, ist dabei aber dem Klassiker von 1978 treu geblieben. Jedes Bild ist eine Augenweide ist: schon der Vorspann, Lex Luthors Yacht, der finstere Kontinent, der sich aus dem Wasser erhebt. Die Effekte sind atemberaubend, die Dialoge gewitzt, die Gags zünden, die Geschichte ist klug und stimmig. Die neue Flugästhetik Supermans ist enorm berauschend, und wenn dazu noch John Williams bekannte Fanfare ertönt, möchte man am liebsten mit abheben. Innerlich tut man es sowieso.

Das waren 5 Namen. Die restlichen 5, damit es auch die angekündigten 10 werden, übernimmt alle Brandon Routh: Er ist der beste Darsteller, den ich mir für diese Rolle vorstellen kann und der hundertprozentig passende Nachfolger für Christopher Reeve. Dem könnte dieser ganze Film gewidmet sein.

Noch ein kleiner Zusatz:

„Die Welt braucht keinen Superman“ heißt es in dem Film. Mag sein - Aber das Kino braucht ihn auf jeden Fall. Und vielleicht braucht ihn die Welt doch. Denn Bryan Singer hat in einem wunderbar melancholischen Bild seine Erfahrungen mit Superman zusammengefasst:

„Zu einem Zeitpunkt hatte ich eine Szene im Script, die ich dann nicht gedreht habe, die ich womöglich nie gedreht hätte, in der Superman, nachdem er die Nacht herumgeflogen ist und Leute gerettet hat, in der Morgendämmerung am Ground Zero steht. Steht irgendwie da, als wolle er sagen: Wenn ich da gewesen wäre, wäre das nicht passiert...“