The Reckoning
Tod und Teufel…


…sind zwei Begriffe, allgegenwärtig in der dunklen Epoche des Mittelalters. Eine Epoche, geprägt von Seuchen, Gewalt und der Religion. Aus ihr erhoffte sich ein jeder Erlösung aus seinem zumeist erbärmlichen Leben in den widrigsten Umständen, nahe dem Hungertod. Überhaupt, das Leben in dieser Welt, die sich dem Dreiklassengesetz des Adels, der Geistlichkeit und des Pöbels hingab, zählte kaum etwas, lag doch der Sinn des Seins allein in der Erwartung auf den sicheren Tod. Nicht im hier und jetzt, sondern im Jenseits war das Seelenheil zu finden, ein Ort, der für jeden eine Entschädigung für seine im Diesseits erlittenen Qualen versprach. Doch Gott vergibt seine freien Plätze im Paradies nicht einfach an irgendwen. Man musste es sich verdienen, den Platz an seiner Seite, indem man der von Geburt an gegebenen Verdorbenheit abschwor und ein Leben der Buße und der Keuschheit führte. Der Teufel, ein feuriger Typ mit spitzen Hörnern und Hufen statt Füßen, war dabei stets ein beliebtes Mittel gewesen, um den Menschen, kaum gebildet und unwissend, an die Folgen für ihre Lasterhaftigkeit zu erinnern. Luzifer also als Sinnbild für ein Jenseits ohne Harfenklang und Schäfchenwolken.
Um den ewigen Qualen des Fegefeuers, einem Instrument zum Herhausbrennen jeglicher Sünden, zu entgehen, musste man den Lakaien Gottes, die als Priester oder Pfarrer in jedem Dorf der mittelalterischen Welt von ihrer Kanzel predigten, aufmerksam lauschen und das eigene Leben nach den Dogmen der Bibel auslegen. Dabei waren die Paffen selbst auch nicht frei von Sünde, insbesondere dann, wenn sie die Bibel für sich selbst allzu großzügig auslegten…

In der Literatur ist das Mittelalter seither eine ergiebige Quelle für spannenden Lesestoff. Dabei nutzen viele Autoren die historisch verbürgten Hintergründe als Grundlage, um eine fiktive Geschichte zu erzählen. Ein Meilenstein dieser Gattung ist Der Name der Rose des Italieners Umberto Eco, der 1986 mit Sean Connery in der Hauptrolle zu filmischen Ehren kam. Doch obwohl der Markt für Mittelalter-Krimis auch heute noch boomt, man schaue sich nur einmal die hiesigen Bestsellerlisten an, ist die filmische Adaption eines solchen Stoffes überraschend gering. Noch viel merkwürdiger ist die Tatsache, dass der sehr gute The Reckoning, der in den USA floppte, bei uns erst gar nicht in die Lichtspielhäuser kam. Und das obwohl er in Deutschland wohl einige Besucher mehr ins Kino gelockt hätte.

Inhalt:
Der junge Priester Nicholas (Paul Bettany, Sakrileg) liegt des Nachts bei der Frau eines anderen Mannes und muss fliehen. Auf seiner Irrreise durch das karge, winterliche England des 14. Jahrhunderts trifft der verstoßende Priester auf eine Gruppe fahrender Schauspieler unter der Führung des charismatischen Martin (Willem Dafoe). Nicholas schließt sich der Truppe an und reist mit ihnen in die nächste Stadt. Dort stößt ihre Aufführung der Sündenfallgeschichte bei der Bevölkerung auf nur geringe Gegenliebe. Um die Weiterreise trotzdem finanzieren zu können, hat Martin eine Idee: Er möchte den Mord an einem kleinen Jungen, der erst vor kurzem in der Stadt geschah, mimisch darstellen. Doch während der Aufführung kommt es zu Tumulten und es stellt sich heraus, dass die zum Tode verurteilte Heilerin vielleicht doch nicht die Mörderin des Knaben ist. Besonders Nicholas interessiert der Fall und er beginnt mit Nachforschungen. Die Gefährten der Schauspieltruppe ahnen hingegen nichts von dem Geheimnis, welches Nicholas selbst mit sich herumträgt…

Kritik:
The Reckoning, was übersetzt so viel wie Abrechnung (oder jüngster Tag) bedeutet, ist ein atmosphärischer Mittelalter-Krimi im Stile von Jean-Jacques Annauds Der Name der Rose. In kalten, schmutzig braunen Farbtönen erzählt er vom Wechselspiel zwischen Kirche und Staat, die ihre Schäfchen, das Volk, wie einen Spielball hin und her werfen. Es ist auch ein Film über den Glauben und seine Macht, Menschen dieses Zeitalters zu beeinflussen. Die Schauspieler leisten dabei gute Performances ab, die zeitweise in theatralische übergehen. Der Plot an sich ist ausgeklügelt und originell, vor allem die Detailverliebtheit, wie sie bei den Aufführungen der Schauspieltruppe zu sehen sind, sorgt für viel Atmosphäre. Zwar ist die Auflösung der Geschichte rechtfrüh zu erkennen, doch trotzdem bleibt der Spannungsbogen bis zum Schluss auf recht hohem Niveau. Außerdem ist das Szenario, zumindest in der Filmwelt, noch reichlich unausgetreten und bietet somit eine erfrischende Abwechslung.

Fazit: Ein spannender, atmosphärischer Historienkrimi mit guten Darstellern und origineller Geschichte.

Wertung: 4 von 5 Sternen


The Reckoning, USA 2003
Genre: Historienkrimi
Laufzeit: 105 Min.
Regie:
Paul McGuigan
Darsteller: Paul Bettany, Willem Dafoe, Brian Cox, Vincent Cassel, Matthew Macfadyen