Johoho,…
Fluch der Karibik 2
…und ne’ Buddel voll Rum!



„Piratenfilme sind out!“ Diese Aussage wird Produzent Jerry Bruckheimer wohl des Öfteren von Branchenkennern und Kollegen vernommen haben, als er sich vornahm, dieses längst tot geklaubte Genre im neuen Jahrtausend zu einem ruhmreichen Comeback zu verhelfen. Bruckheimer ließ sich nicht von den Skeptikern und Nörglern von seinem Vorhaben abbringen und so entstand letztendlich eine der erfolgreichsten Hollywoodproduktionen der letzten Jahre.
Der Seeräuberfilm, ein Subgenre des Abenteuer- bzw. Mantel- und Degenfilms, hat seine Wurzeln bereits in der Stummfilmzeit der zwanziger Jahre, wo u.a. Douglas Fairbanks als Der schwarze Pirat (1926) die sieben Weltmeere unsicher machte. In den folgenden Jahrzehnten gewann das Genre immer mehr an Popularität, Hollywoodheronen wie Errol Flynn oder Tyrone Power eroberten säbelrasselnd die Herzen der Zuschauer (und vieler weiblicher Fans) und es entstanden unvergessliche Klassiker wie Der Herr der sieben Meere (1940), Unter schwarzer Flagge (1945) und natürlich Der rote Korsar (1952). Doch jede Filmgattung hat bekanntermaßen so seine Zeit und so verschwand der Piratenfilm irgendwann Ende der 50er Jahre fast gänzlich aus den Lichtspielhäusern der Welt. Genauso schnell wie Filmgattungen von der Bildfläche verschwinden, können sie jedoch auch wieder erscheinen. Denn der Filmgeschmack befindet sich in einem immer wiederkehrenden Zyklus, sodass jede Art von Film irgendwann wieder für eine gewisse Zeit zum Vorschein kommt. Die Frage ist eben nur, wann.
Probieren geht über Studieren. Das dachten sich wohl auch einige Filmschaffende im Laufe der Jahre und versuchten dem Piratenfilm wieder aus seinem (nassen) Grab zu verhelfen. Doch sowohl Roman Polanski (Piraten, 1986) als auch Renny Harlin (Die Piratenbraut, 1995) scheiterten an den Kinokassen. Letzterer sogar so sehr, dass Harlin die Produktionsfirma Carolco in den Ruin trieb. Keine gute Ausgangssituation also für Bruckheimer, denn an eine erfolgreiche Wiedergeburt des gebeutelten Piratenfilms glaubte kaum jemand. Mit Ausnahme von Bruckheimer selbst natürlich. Ihm ist es dann auch zu verdanken, dass wir uns nun nicht nur an einem erstklassigen Abenteuer erfreuen dürfen, das nebenbei auch noch eine gehörige Summe eingespielt hat, wir verdanken ihm auch die wohl coolste Tunte der Filmgeschichte: Kapitän Jack Sparrow!

Und was geschieht im Allgemeinen mit Filmen, die so erfolgreich sind wie dieser? Richtig, es wird eine Fortsetzung gedreht. Aber heutzutage ist eine Fortsetzung nicht mehr genug, denn die beliebte Zahl drei ist in Hollywood nicht schon seit dem Herrn der Ringe eine magische. So wurden die Episoden zwei und drei des Seemanngarns kurzerhand in einem Rutsch abgedreht und kommen nun mit einem Jahr Abstand in unsere Kinos. Das erinnert stark an die Matrix-Methodik. Hoffen wir nur nicht, dass das ganze auch genauso enden wird.

Inhalt:
Die Hochzeitspläne des ehemaligen Waffenschmiedes William Turner (Orlando Bloom) und seiner Verlobten Elisabeth Swann (Keira Knightley) werden empfindlich gestört, als beide ihre Haftbefehle erhalten. Die Anklage lautet Hochverrat, haben beide doch dem Seeräuber Kapitän (!) Jack Sparrow (Johnny Depp) zur Flucht verholfen und ihm somit vom Galgen bewahrt. Selbiger erwartet aber nun sie, es sei denn, Will stimmt zu, seinem einstigen Weggefährten Jack einen auf den ersten Blick wertlosen Kompass abzuluchsen. Aus Angst um sein Leben und das seiner Freundin, begibt sich Will widerwillig auf die Suche nach Sparrow. Der hat indes ein ganz anderes Problem: Vor über dreizehn Jahren hat dieser mit dem untoten Piratenkapitän Davey Jones (Bill Nighy) einen Pakt geschlossen: Seele gegen Schiff. Und nun ist es an der Zeit, diese Blutschuld einzulösen. Um dem Schicksal zu entgehen, als blanktonbewucherter Zombie für alle Zeiten auf Jones Schiff der Flying Dutchman zu verbringen, hat es Jack auf eine gewisse Totenmanns Kiste abgesehen, die ihm all das Ersparen würde. Für ihn beginnt ein Wettlauf mit der Zeit…

Kritik:
Und ab da an wird es kompliziert. Denn aus dem geradlinigen Vorgänger wurde in der Fortsetzung ein komplexes Epos gestrickt, das ständig zwischen den einzelnen Charakteren hin und her springt, hier und dort Harken schlägt und den Zuschauer mit immer neuen Situationen konfrontiert, und dies alles innerhalb stolzer 150 Minuten! Einiges Sitzfleisch wird einem da abverlangt und leider kann der Film auch nicht die gesamte Laufzeit hin fesseln. Das liegt daran, dass sich das Abenteuer vor allem in der ersten Hälfte mit allzu viel unnötigem Nonsens aufhält, bevor die Geschichte erst richtig starten kann. So ist Jacks Ausflug auf ein Eiland voller Kannibalen zwar ganz witzig, aber zum einen viel zu lang und zum zweiten für den Plot einfach völlig unwichtig. Erst nach der erfolgreichen Flucht von der Insel wird es storytechnisch interessanter, auch wenn die Geschichte zwischenzeitlich immer mal wieder einen leichten Hänger aufzuweisen hat.
Kernstück des Films ist wie auch schon beim Vorgänger Johnny Depps Darstellung des leicht tuntigen, beschwipsten und vor allem völlig verrücktem Jack Sparrow. Ohne ihn wäre der Film nicht mal halb so gut, auch wenn er im Vergleich zum Vorgänger nicht sonderlich viel anders macht. Bei den restlichen Schauspielern überzeugen vor allem Bill Nighy als Bösewicht Davey Jones, der trotz seiner CGI- Maske schauspielerisches Können offenbart, und Keira Knightley, die ihrem Filmpartner Orlando Bloom locker an die Kajütenwand spielt. Dieser verkörpert den heldenhaften Errol Fynn- Verschnitt ohne merkliche Leistungsverbesserung zum Vorgänger.
In visueller Hinsicht hat man einiges auf die Beine gestellt, auch wenn der optische Overkill bereits nach kurzer Zeit überschritten wird. Vor allem zum Ende hin wäre weniger vielleicht mehr gewesen.
Doch trotz aller Kritik: In seinen besten Momenten macht Pirates of the Carrabiean: Fluch der Karibik 2 einfach einen Heidenpass, auch wenn der Film mehr eine klamaukige Komödie als ein handfester Abenteuerfilm ist. Und den abschließenden Cliff-Hanger zum dritten Teil kann man nur als grandios bezeichnen. Bleibt zu hoffen, dass der Abschluss der Trilogie (Start: Mai 2007!) nicht noch weiter absackt, wie es bei den Matrix Filmen zu beobachten war, sondern der Geschichte eine würdiges Ende bereit wird.

Fazit: Überlanger Abenteuerklamauk mit einigen dramaturgischen Macken, der trotz alledem gut unterhält. Leider schwächer als das Original!

Wertung: 3 von 5 Punkten

Pirates of the Carrabean: Dead Man’s Chest, USA 2006
Genre: Abeneteuerkomödie
Laufzeit: 150 Min.
Regie: Gore Verbinski
Darsteller: Johnny Depp, Orlando Bloom, Keira Knightley, Bill Nighy, Stellan Skarsgard, Jack Davenport, Kevin R. McKelly, Jonathan Price