X-Men 3 – Der letzte Widerstand
Es liegt alles in den Genen…


Die jüngsten Vorfälle beweisen es mal wieder: Auch gut sechzig Jahre nach Terror und Diskriminierung durch das nationalsozialistische Regime leben wir heute, im neuen Jahrtausend, immer noch nicht in einer Welt des gegenseitigen Respekts und des gemeinschaftlichen Zusammenlebens. Menschen, die sich lediglich in der Pigmentierung ihrer Haut von anderen unterscheiden, werden auf offener Straße attackiert und gedemütigt. Und auch wenn diese Art von Vergehen eher zur Ausnahme als zur Regel gehören, sind solche Vorfälle äußerst alarmierend. Der Staat, der sich diesem Problem stellen müsste, verheddert sich dabei nur allzu gerne in Kleinigkeiten und versucht es allen Recht zu machen, wobei es unseren ausländischen Mitbürgen oftmals ungewollt schwer gemacht wird. Zugegeben, ein solches Thema ist heikel und nicht einfach zu handhaben, ein Allzweckmittel ohne jegliche Kompromisse erscheint in einem Vielvölkerstaat wie unserem wie ein Ding der Unmöglichkeit. Doch was wäre wenn nicht? Was wäre, wenn es da etwas gäbe, dass alle Probleme auf den kleinsten möglichen Nenner reduzieren würde, sodass keiner mehr Angst davor haben müsste, von gewissen Menschen ausgegrenzt oder heruntergemacht zu werden? Eine Welt, in der alle gleich wären, keine Unterschiede, die zu Missbilligung, Verachtung und schließlich Gewalt führen würden. Was wäre das für eine Welt? Genau: Eine verdammt Langweilige!

Auch die Filmadaptionen der beliebten Marvel Comic-Reihe „X-Men“ beschäftigen sich mit dem Thema der Ausgrenzung und des Fremdenhasses, auch wenn in leicht abgeschwächter Art und Weise, handelt es sich hier schließlich um einen Actionfilm, nicht um eine sozialkritische Studie. Trotzdem, erst dieses Element gibt den Filmen abgesehen der zahllosen Schauwerte die richtige Würze. Nachdem Bryan Singer („Die üblichen Verdächtigen“), Regisseur der beiden Vorgänger, zu Gunsten von „Superman Returns“ abgesprungen war, übernahm Kollege Brett Ratner („Rush Hour“) das Zepter, blieb der Serie aber dramaturgisch und visuell treu und erschuf einen krönenden, überraschend kompromisslosen und brutalen Abschluss der Trilogie.

Inhalt:
Der kleine Warren hat sich im Badezimmer eingeschlossen. Als der besorgte Vater die Tür eintritt, stellt er entsetzt fest, dass sein verzweifelter Sohn sich mit einem Messer die federnden Flügel auf seinem Rücken heruntergerissen hat. Jahre später: Noch immer sind die Mutanten um Professor Xavier (Patrick Steward) nicht über den Tod Jean Greys (Famke Janssen) hinweg. Besonders ihr Lover Cyclobs (James Maroden) lässt der Verlust nicht los. Er begibt sich nochmals zum Unglücksort…und verschwindet spurlos. Dafür taucht wie aus heiterem Himmel die tot Geglaubte Jean wieder auf, merklich verändert.
Währenddessen zieht eine wissenschaftliche Sensation die Aufmerksamkeit aller Mutanten auf sich. Der Vater des nun erwaschsenen Warren, augrund seiner Flügel auch Angel (Ben Foster) genannt, hat ein Serum entwickelt, welches das X-Gen dauerhaft unterdrückt und „Heilung“ für die Gruppe der genetisch Andersartigen verspricht. Während ein Teil sich endlich Rettung aus ihrem vermeintlichen Dilemma erhofft, versuchen andere unter dem Banner von Übermutant Magneto (Ian McKellen) die weitere Produktion des Serums mit allen Mitteln zu verhindern. Selbst die X-Men (u.a. Halle Berry, Hugh Jackman) sind sich untereinander nicht einig. Doch dies alles ist noch rein gar nichts gegen das, was sie ihn Form der wiedererstarkten Jean alias Dark Phoenix erwartet wird…

Kritik:
Mit „X-Men 3 – Der letzte Widerstand“ ist Brett Ratner ein gelungener Abschluss der Action-Mär geglückt. Denn auch im dritten Teil der Saga stehen neben den grandiosen Special Effekts vor allem die Charaktere und die Geschichte selbst im Mittelpunkt. Dabei sprudelt der Film geradeso über vor neuen Figuren und Ideen, die auch in zwei Filmen noch ausreichend Platz gefunden hätten. Und genau darin liegt das Problem: Durch diese immense Fülle an neuen Elementen kann sich der Film leider nicht mit allen Charakteren ausreichend beschäftigen. So wird der neue Mutant Angel rasch zur Nebenfigur, gleiches gilt auch für andere Helden wie Colossus oder Shadowcat. Doch davon merkt man zum Glück recht wenig, denn die Geschichte lässt einem als Zuschauer kaum Platz zum Luft holen. Dauernd geschieht etwas, werden Figuren eingeführt oder vertieft und Handlungsstränge miteinander verknüpft. Dabei fällt auf, wie kompromisslos der Film mit seinen Helden ins Gericht zieht und sie wahrlich Höllenqualen erleiden lässt. Emotion pur, heißt es da, auch beim Zuschauer. Tricktechnisch ist wie schon erwähnt, alles in bester Ordnung, Defizite sind keine Auszumachen, im Gegenteil. „X-Men 3“ setzt Maßstäbe in der sowieso schon schnelllebigen Hollywoodindustrie und lässt dem ein oder anderen schon mal die Kinnlade nach unten klappen. Ob es einen vierten Teil der Saga geben wird, ist, obwohl einer kleinen Anspielung zum Ende des Films hin, eher unwahrscheinlich. Das Hugh Jackman noch einmal in die Rolle von Wolverine schlüpfen wird hingegen ist bereits beschlossene Sache: Ein Spin-Off ist bereits in Arbeit.

Fazit: Ein gelungener, düsterer Abschluss der Franchise und der bisher beste der so genannten Eventfilme 2006.

Wertung: 4 von 5 Sternen



X-Men 2 – The Last Stand, USA 2006
Genre: Action
Laufzeit: 104 Min.
Regie: Brett Ratner
Darsteller: Hugh Jackman, Halle Berry, Ian McKellen, Famke Janssen, Kelsey Grammer, Patrick Steward, Anna Paquin, James Marsden, Rebecca Romijn, Ben Foster, Vinnie Jones