Die Geisha
Im goldenen Käfig


Geisha, dass bedeutet Künstlerin, jemand der seine Fähigkeiten darbietet, nicht seinen Körper. Sie sind keine Konkubinen, sondern Gesellschafterinnen für reiche japanische Männer, die sich nur allzu gerne mit ihnen umgeben. Anschauen, nicht anfassen ist dabei stets die Devise. Der amerikanische Schriftsteller Arthur Golden nahm sich dem Leben dieser ungewöhnlichen Frauen an, die wie in einem goldenen Käfig lebten, dazu bestimmt Zuneigung zu geben, aber selbst keine zu erhalten. Sein Roman „Memories of a Geisha“, der auf wahren Begebenheiten beruht, wurde zum ganz großen Coup für den Autor und alsbald rissen sich Hollywood Größen wie Steven Spielberg um die Rechte an diesem Stoff. Spielberg war es dann auch, der den Zuschlag bekam, dann jedoch wieder absprang und den Weg für andere Regisseure freimachte. Trotzdem dauerte es einige Zeit, bis man schließlich in Rob Marshall („Chicago“) den vermeintlich richtigen für das Projekt gefunden hatte. Die Hauptrollen wurden mit drei der zurzeit größten und (zumindest im Westen) bekanntesten Schauspielerinnen besetzt: Gong Li („Die rote Laterne“) als intrigante Edel-Geisha, Michelle Yeoh („Der Morgen stirbt nie“) als weise Mentorin und schließlich Zhang Ziyi („Tiger and Dragon“) als aufstrebende Geisha. Keine der Damen war jedoch Japanerin, was für viele Bewohner der viergliedrigen Inselkette einem Anfront glich. Machte aber nichts, handelte es ja bekanntlich um eine amerikanische Produktion, Hollywood im Kimono also, sodass man die Nörgler höflich ignorierte und mit der Arbeit begann. Herausgekommen ist ein Liebesschmachtfetzen, der jedes westliche Klischee über die asiatische Welt zu einem bildgewaltigen Epos aufbläst.

Inhalt:
Japan, in den 30er Jahren: Ein armer Fischer verkauft seine beiden Töchter an Geishahäuser in Kyoto. Die Schwestern werden getrennt und die jüngere der beiden, Chiyo, landet im Haus der brutalen und selbstverliebten Geisha Hatsumomo (Gong Li). Unter ihren Fitischen soll Chiyo zur Schule gehen und die Künste einer Geisha erlernen. Doch die Kleine hängt noch zu sehr an ihrem alten Leben und verspielt sich durch einen Fluchtversuch zunächst jegliche Chancen darauf, etwas Höheres zu werden als eine einfache Dienstmagd. Jahre später wird sie von Mameha (Michelle Yeoh), ärgste Konkurrentin Hatsumomos und selbst hochangesehne Geisha, aufgenommen und zur Gesellschafterin reicher Japaner ausgebildet. Aus Chiyo wird Sayuri (Zhang Ziyi), doch anstatt ihren wachsenden Ruhm zu genießen, verzerrt sie sich mehr und mehr nach einem Mann, der unerreichbar für sie scheint, da es Geishas nicht gestattet ist zu lieben. Während Sayuri also in ihrer Welt gefangen ist, nimmt der Krieg für Japan und dessen Kultur ungeahnte Ausmaße an…

Kritik:
„Die Geisha“ ist ein atemberaubender Bilderrausch mit großartigen Darstellern, das kein Klischee auslässt: Bunte Farben, sphärische Klänge, Weisheiten und Kirschblüten, die mit großer Verschwendung durch das Geschehen wehen. Alles dies verbindet sich zu der Vorstellung, die der Westen gemeinhin von diesem Kulturkreis hat. Dabei findet der Film jedoch keinen wirklichen Höhepunkt innerhalb des Plots, die Geschichte plätschert so vor sich hin und findet nur beschwerlich zu einem Ende. Denn anstatt die Story mit dem Einmarsch der Amerikaner und dem kulturellen Umbruch Japans in die moderne Zeit ausklingen zu lassen, lässt Regisseur Marshall die magische Welt der Geishas zum Ende hin nochmals aufleben, um mit einem Rosamunde Pilcher typischen Finale (Sayuri bekommt doch noch ihren Traumprinzen) abzuschließen. So bleibt schließlich ein visuell beeindruckendes Klischee ohne die Würze, die dem Film über das gehobene Mittelmaß herausgeholfen hätte.

Fazit: Ein optisch wunderschöner Film für Fans romantischer Dramen, der jedoch zu keinem Zeitpunkt zur erwarteten Topform aufläuft.

Wertung: 3 von 5 Sternen


Memories of a Geisha, USA 2005
Genre: Drama
Laufzeit: 144 Min.
Regie: Rob Marshall
Darsteller: Zhang Ziyi, Michelle Yeoh, Gong Li, Ken Watanabe, Ted Levine, Youki Kudoh, Cary-Hiroyuki Tagawa, Samantha Futerman