Garden State
Stadt der Loser



Erwachsenwerden ist für so manch einen ein schwieriger Prozess: Die Schullaufbahn ist beendet, Freunde gehen verloren, das elterliche Zuhause ist nicht mehr das was es früher einmal war. Es ist eine Zeit der Veränderung. Der Ernst des Lebens beginnt, denn spätestens jetzt sollte man in der Lage sein, auf eigenen Beinen zu stehen und Verantwortung für sein Leben zu tragen. Dieser Vorgang kann schnell vonstatten gehen, aber auch auf schleichende Art und weise. Einige erreichen den Status eines vollausgebildeten Erwachsenen vielleicht nie. Doch was geschieht, wenn man diesen für jeden jungen Menschen wichtigen Lebensabschnitt verpasst? Wenn sich alles um einen herum schneller dreht, nur man selbst kommt nicht hinterher? Wenn man plötzlich aufwacht und bemerkt, dass man mitten im Leben steht und nicht die geringste Ahnung davon hat? Fragen über Fragen, auf die auch Zach Braffs („Scrubs-Die Anfänger“) Regiedebüt „Garden State“ keine hundertprozentige Antwort findet, muss es aber auch nicht. Denn Braffs skurriler kleiner Independent-Streifen versteht sich nicht als Allheilmittel für alle Lebenslagen, sondern zeigt auf humorvoll tragische Weise, wie ein Leben zerbricht, nur damit man an anderer Stelle gestärkt wieder von vorne beginnen kann. Willkommen in Garden State.

Inhalt:
Der erfolglose Schauspieler Andrew (Regisseur, Autor und Darsteller in Personalunion: Zach Braff) kehrt nach neun Jahren zurück in seine alte Heimat New Jersey, genannt Garden State. Die Umstände für seinen Besuch sind alles andere als erfreulich: Andrews querschnittsgelähmte Mutter ist in der Badewanne ertrunken und nun steht der lethargische junge Mann bei der Beerdigung das erste Mal seit langer Zeit wieder seinem Vater (Ian Holm) gegenüber. Zu sagen haben sich beide nicht viel, überhaupt scheint Andrew zu keiner Gefühlsregung fähig, nicht einmal vor dem Grab seiner Mutter. Dort trifft er auch seinen alten Kumpel Mark (Peter Sarsgaard) wieder, der sich als Totengräber verdingt und auch sonst keine Perspektiven besitzt, abgesehen vom Kiffen und Sammeln von Desert Storm-Sammelkarten. Wegen seiner stechenden Kopfschmerzen besucht Andrew kurz darauf einen Arzt, der erstaunt feststellt, dass Andrew seit gut zehn Jahren diverse Tabletten gegen Depression und zur Beruhigung schluckt, verschrieben vom eigenen Psychiatervater. In der Praxis lernt er auch die aufgedrehte Sam kennen (hinreißend: Natalie Portman), die an Ellipse leidet und sich als notorische Lügnerin entpuppt. In ihr findet Andrew erstmalig einen Ankerhaken in seinem Leben, einen Bezugspunkt um sein Dasein neu zu hinterfragen und zu definieren und einen neuen Weg einzuschlagen. Und langsam erwachen auch wieder die Gefühle in ihm und bringen viel Schmerz mit sich…

Kritik:
„Garden State“ ist ein Film mit absurdem Humor und skurrilen Losertypen, die nichts mit ihrem Leben anzufangen wissen oder einfach nicht weiterkommen. Man lacht nicht, schmunzelt aber über die vielen Absurditäten, die den Helden in dieser tristen Welt begegnen, während sie auf der Suche sind nach ein wenig Glück. Und in der Tat finden sie es, oder zumindest einen kleinen Teil davon, denn Zach Braffs Film handelt auch von Hoffnung und die Chance auf ein kleines Stück heile Welt. Wir befinden uns nicht in einem fiktiven Universum, sondern an einem realen Ort und wie Andrew nach der Absetzung seiner Medikamente selbst zu spüren bekommt, ist diese manchmal schmerzvoll. Aber nach einem reinigenden Gewitter kommt auch immer wieder Sonnenschein und sie Chance darauf, alles besser zu machen.

Fazit: Ein kleiner, feiner Film mit einer bezaubernden Natalie Portman und viel Emotion, ohne jedoch in Gefühlsduselei zu versinken. Ein Streifen für anspruchvolle Filmfans.

Wertung: 5 von 5 Sternen



Garden State, USA 2004Genre: Tragikomödie
Laufzeit: 109 Min.
Regie: Zach Braff
Darsteller: Zach Braff, Natalie Portman, Peter Sarsgaard, Ian Holm, Alex Burns, Method Man, Jean Smart, Armando Riesco