The Da Vinci Code-Sakrileg
Der Fluch der Adaption




„Blasphemie!“ Das werden wohl viele katholische Geistliche gesagt, mit Sicherheit aber gedacht haben, also ein gewisser amerikanischer Thriller-Autor namens Dan Brown im Jahr 2004 den Roman „Sakrileg“ (im Original: „The Da Vinci Code“) veröffentlichte. Das Buch, welches schon länger existierende Verschwörungstheorien über den angeblich wahren Jesus Christus zu einem spannenden Krimiplot verwob, entwickelte sich kurze Zeit später zu einem stattlichen Phänomen. Begeisterte Leser auf der ganzen Welt verfielen dem Charme dieser mitreißenden Geschichte um einen Symbologen, der mit Hilfe von Gemälden Leonardo Da Vincis auf die Spur einer jahrhunderte lang währenden Vertuschungsaktion der katholischen Kirche stößt, deren Enthüllung das Weltbild der gesamten christlichen Glaubensgemeinschaft in Wanken bringen könnte. Die Kirche war entsetzt, wollte das Werk aus den Buchläden verbannen und wetterte gegen die Ansichten, die im Buch vertreten wurden. Dem Autor kam diese unfreiwillige und zudem kostenlose Reklame gerade recht, denn auch Lesemuffel verspürten nun den unabdingbaren Drang, in das verbotene Mysterium einzutauchen.

Wo Erfolg, da bekanntlich Menschen, die daran teilhaben wollen. Eine Übertragung des vermeintlich brisanten Stoffes in die Filmwelt war somit nicht mal eine Frage der Zeit. Doch zunächst sollte Dan Browns Geschichte nicht originalgetreu verfilmt werden, sondern lediglich als Plot für eine neue „24“-Staffel erhalten. Doch dann entschied man sich dagegen, ein Kinoblockbuster musste her. Die passende Mannschaft für ein solches Projekt wurde bald gefunden: Unter der Regie von Hollywood-Liebling Ron Howard („Apollo 13“) begaben sich solch illustere Darsteller wie Tom Hanks (als Symbologe Robert Langdon), Audrey Tautou (als Sophie Neveu), Jean Reno (Capitaine Fache) und Ian McKellen (Sir Leigh Teabing) auf Gralssuche, mit der Hoffnung auf ein zünftiges Box-Office. Doch wie so oft bei Projekten, die im Vorfeld einer regelrechten Massenhysterie ausgesetzt sind, kann auch diese Adaption den hochgesteckten Erwartungen von Fans und Kritikern nicht ganz gerecht werden.

Inhalt:
Im Pariser Louvre geschieht ein Mord. Das Opfer: der Museumsdirektor höchstpersönlich, der kurz vor seinem Tod merkwürdige Symbole auf der eigenen Haut hinterlässt. Aus diesem Grund wird der amerikanische Symbologe Robert Langdon (Hanks) gerufen. Er soll die versteckten Hinweise entschlüsseln. Doch das ganze Vorhaben entpuppt sich rasch als Falle des französischen Polizisten Fache (wer sonst: Jean Reno), der glaubt, in Langdon den Täter gefunden zu haben. Mithilfe von Sophie Neveu („Amelie“-Star Audrey Tautou), Enkelin des Ermordeten, gelingt ihm die Flucht. Durch Spuren in und an den Gemälden Leonardo Da Vincis kommen die beiden einem Geheimnis auf die Schliche, für das manche töten würden…

Kritik:Leider ist „The Da Vinci Code-Sakrileg“ nicht der erhoffte Knaller geworden, wie viele gehofft haben. Zwar ist der Film durchaus spannend und unterhaltsam, doch trüben einige Makel das Sehvergnügen erheblich. Allen voran die mäßigen schauspielerischen Leistungen der beiden Hauptdarsteller Hanks und Tautou machen dem Streifen zu schaffen. Vor allem Hanks spielt so unmotiviert und in seiner Rolle unentschlossen, dass es wahrlich keine Freude ist. Auch die anfänglich leicht holprige Inszenierung und die allzu bemüht wirkenden Dialoge geben ihren Teil dazu. Ein Lichtblick ist da „Gandalf“-Darsteller Ian McKellen als alter, verschrobener Mythologieanhänger, der mit spitzbübigem Charme und Spiellaune überzeugt. Im Großen und Ganzen ist der Film aber recht unterhaltsam geworden, auch wenn es Nicht- Kenner der Buchvorlage ein weinig schwerer haben werden als „Sakrileg“-Experten, da eine so komplexe Geschichte natürlich nicht ohne Abstriche für die Leinwand realisierbar ist. Den größten Nachteil bezieht die Verfilmung allerdings aus dem einfachen Grund, dass man den Plot und die Charaktere nie so darstellen kann, dass auch wirklich jeder damit zufrieden ist. Denn jeder Leser erschafft sich eine eigene Welt und Ansichten in seinem Kopf, sodass eine Buchverfilmung sowieso nur selten die Last der Erwartungshaltung vieler standhalten kann (Ausnahmen bestätigen die Regel) und die Frage aufwirft, ob man unbedingt jeden Bestseller verfilmen sollte.

Fazit: Ein solider Spannungsfilm mit Schwächen in der Inszenierung und der Darstellerleistung, aber besser als von der Presse proklamiert.

Wertung: Drei von Fünf Sternen


The Da Vinci Code-Sakrileg, USA 2006
Genre: Krimi/Thriller
Laufzeit: 152 Min.
Regie: Ron Howard
Darsteller: Tom Hanks, Audrey Tautou, Jean Reno, Ian McKellen, Paul Bettany, Alfred Molina, Jürgen Prochnow