Serenity
Cowboys im Weltraum


Spätestens seitdem Agenten wie Jack Bauer, Sidney Bristow und eine Gruppe gestrandeter Flugzeuginsassen auch die deutschen Fernsehzuschauer begeistern, ist klar: die besten TV-Serien kommen aus Amerika. Jährlich werden dort riesige Mengen an neuen Shows produziert, die das Herz jedes TV-Junkies höher schlagen lassen. Ob Action („24“, „Alias“), Mystery („Lost“) Comedy oder Science-Fiction („Stargate“), von allem wird etwas geboten, für jeden ist etwas dabei. Dabei brauchen viele Produktionen den Vergleich mit großen Kino-Blockbustern hinsichtlich des technischen Aufwandes nicht scheuen. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass erfolgreiche Fernsehstoffe immer öfters den Weg auf die Schreibtische von Filmproduzenten finden, die aus ihnen große Leinwandabenteuer basteln wollen.
Einen etwas anderen Weg ging dabei eine Science-Fiction Serie mit dem klangvollen Namen „Firefly“. Dieser war nämlich nicht der Erfolg gegönnt, den die oben genannten Serien einheimsen konnten. Kurzerhand wurde der vermeidliche Flop, der von „Buffy“ - Erfinder Joss Whedon entwickelt wurde, nach nur wenigen Folgen aus dem Programm gekickt. Traurig, aber im Verhältnis zu der Masse an Ware auch verständlich. Doch was dann geschah, konnte keiner vorausahnen. Anscheinend hatte der verantwortliche Sender Fox die Fans der Serie übersehen, die heftig gegen die Einstellung ihres heißgeliebten Evangeliums protestierte und somit etwas möglich machte, was es seit der ersten Enterpise-Serie (die bekanntlich mehrere Serien-und Kinoableger hervorbrachte) nicht mehr gegeben hatte: Die Chance auf ein Weiterleben Der rauen Weltraumhelden, nicht als Serie, sondern als vollwertiger Kinoableger. Ein Angebot, dass sich Whedon nicht zweimal sagen ließ und einen Film machte, der sich wohltuend vom alteingesessenen Star Wars Universum abhebt.

Inhalt:
Captain Mal (Nathan Fillion) und seine zusammengewürfelte Crew aus ehemaligen Soldaten, einer Mechanikern und einem Piloten verdingen sich als Weltraumschmuggler und Auftragsbanditen und werden dabei beharrlich von den Bluthunden der Allianz, einer galaxieübergreifenden Regierungsformation, gejagt. Grund dafür sind allerdings nicht primär die kriminellen Aktionen der Allpiraten, sondern im speziellen ein bestimmtes Mitglied der Gemeinschaft: Das junge Medium River (Summer Glau), das von ihrem älteren Bruder auf sie Serenetiy (so der Name des Schiffes) gebracht wurde, verbirgt ein dunkles Geheimnis. Dieses würde dem Ansehen der Allianz einen erheblichen Schaden bereiten, was natürlich mit allen aufbringbaren Mitteln verhindert werden muss. Mal, der zunächst nur auf sein eigenes Wohl bedacht scheint, lehnt das Auslieferungsangebot der Gegenseite ab und hat dadurch mit drastischen Konsequenzen für sich und sein Umfeld zu kämpfen…

Kritik:
Serenity vermischt Science-Fiction mit Elementen des Westerns. Die Helden dieser Geschichte sind rau und schmutzig, es fehlt der Glanz eines strahlenden Helden. Es wird zuerst geschossen, dann gefragt, jeder ist sich selbst der nächste. Trotzdem wachsen einem diese Charaktere schnell ans Herz, was vor allem dem Drehbuch zu verdanken ist, das viel Raum für die Entwicklung und die Psyche der einzelnen Figuren lässt und sie obwohl ihrer Fehler oder gerade wegen dieser sympathisch und menschlich erscheinen lässt. Ein besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Dialoge gelegt, die um einiges ausgereifter und humorvoller rüber kommen, als die unfreiwillig komisch wirkenden Dialog-Gehversuche der letzten Star Wars Filme. Überhaupt ähnelt Serenity in seiner Art mehr dem klassischen Krieg der Sterne, wo noch Haudegen wie Han Solo (der sich in der Serenity pudelwohl gefühlt hätte) für Stimmung sorgten. Auch in technischer Hinsicht gibt sich Whedons Vision keine Blöße, obwohl nur ein recht geringes Budget zur Verfügung stand. Doch trotz der obligatorischen Weltraumschlacht ist die beindruckendste Szene die, in der River eine ganze Horde Weltraumschurken verdrischt und das alles ohne schnelle Schnitte oder verwackelter Kamera, wie es in den letzten Filmen nur allzu oft gehandhabt wurde.

Fazit: Ein wohltuend anderer Science-Fiction Film mit ausgereiften Charakteren und guter, wenn auch weniger Actionsequenzen. Lediglich die Eingewöhnung für Nichtkenner der Serie ist ein wenig beschwerlich.

Wertung: 4 von 5 Sternen


Serenity, USA 2005
Genre: Science-Fiction
Laufzeit: 119 Min.
Regisseur: Joss Whedon
Darsteller: Nathan Fillion, Summer Glau, Gina Torres, Alan Tudyk, Adam Baldwin, Morena Baccrin, Jewel Staite, David Krumholtz