Der Film kann zwar die durch die übertriebene Marketing-Kampagne angeheizten Erwartungen weder über- noch untertreffen, sondern entpuppt sich einfach als grimmiger, weitestgehend völlig humorloser Invasionsfilm, der weniger comichaft wie "Independence Day" daherkommt. Wieder einmal wird der aktuell höchstmögliche Stand der Tricktechnik vorgeführt, wobei mich neben den obligatorischen "Legt-die-Stadt-in-Schutt-und-Asche" Szenen noch mehr beeindruckt hat, wie beiläufig Spielberg mal eben einen Flugzeugabsturz (bislang dachte ich, das Absturzszenario in der immer langweiliger werdenden Serie "Lost" sei State of the art - falsch gedacht!) und ein Fährunglück inszeniert.

Noch ein kleiner Hinweis auf inszenatorisches Geschick und technische Aspekte: wenn Cruise mit seinen Kindern aus der Stadt flieht, begleitet die Kamera den Wagen von außen - mit Schwenks um das Auto und Nahaufnahmen bis Halbtotalen - mindestens anderthalb, wenn nicht über zwei Minuten lang die gesamte Strecke über den Highway, der verstopft ist von liegengebliebenen Autos und deren hilflos herumstolpernden Insassen, zwischen denen Cruise sich durchschlängeln muss. Auch wenn die meisten Zuschauer diese eindrucksvolle Bebilderung des Ausmaßes der Katastrophe nur unterschwellig registrieren dürften, verfehlt die für mich am einfallsreichsten choreographierte Szene - da ohne Schnitt - ihre Wirkung sicher nicht.

Neu, im Sinne von so noch nicht gesehen, und recht krass ist die Art und Weise, wie die Aliens die Erdbewohner wörtlichst pulverisieren. Dieser Einfall ist der einzig neue Aspekt, den Spielberg in die Thematik Alieninvasionen eingebracht hat. Ansonsten muss man bei allem Wohlwollen feststellen, dass alles schon mal in irgendeiner abgewandelten, wenn nicht identischen Form dagewesen ist: Wolkenformationen, die die Ankunft der Aliens ankündigen, Blitze, großflächige Städteverschönerungsmaßnahmen, Menschen als Versuchskaninchen, selbst die Ausbreitung der hier roten extraterrestrischen Vegetation - alles schon, wenn oftmals nicht besser, gesehen. Am dreistesten ist das für den durchschnittlichen SF-Seher offenkundige Plagiat der Keller-Sequenz (Verstecken vor dem Aliententakel), die zwar zweifellos zum Nägelkauen anregt, in "Signs" meiner Meinung nach aber viel eindringlicher umgesetzt wurde. Insgesamt passt die gesamte Episode mit einem irren Tim Robbins Gastauftritt nicht wirklich in den Film und nimmt ihm erheblich an Tempo - vielleicht mit Absicht nach dem Effekt-Overkill der ersten Hälfte.
Insgesamt und als bekennender Spielberg-Fan gefiel mir der Film im Kino ausgezeichnet, auch wenn die erneute Spielberg/Cruise-Zusammenarbeit weit entfernt ist vom Meisterstück "Minority Report". Die in diversen Rezensionen bemängelten Logikfehler oder unrealistisch wirkenden Szenarien halte ich - da es sich um einen reinen Popcorn-Science-Fiction-Streifen handelt, der keinen Anspruch erhebt, ein neuer "Soylent Green" zu werden - für vernachlässigenswert.

Fazit: Großes Eventkino mit vielen beeindruckenden Bildern, von denen ein paar in die Filmgeschichte eingehen könnten.