Ursprünglich hatte ich mich mit ganz niedrigen Erwartungen und der Absicht, der Sommerhitze bei einem anspruchslosen Fastfood-Popcorn-Filmchen zu entfliehen, zu diesem eigentlich als sicheren DVD-Kandidaten gehandelten Film überreden lassen. Dies auch angesichts der Tatsache, dass das Original aus dem Jahr 1965 mit der Top-Besetzung James Stewart, Hardy Krüger und Richard Attenborough bereits ein perfektes Abenteuervehikel war, das bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt hat - bedenkt man, was heute an Special Effects möglich ist und was damals noch live und on camera produziert wurde.
Von Vorteil ist es daher, wenn man das Original nie gesehen hat - aber auch kein Nachteil, denn die Neufassung (von den Amis anstelle von Remake gerne auch als Re-Imagination bezeichnet) besteht als eigenständiger Film jede Sekunde, ist pure Unterhaltung, voller Dramatik und spannender Sequenzen und gekonnt die möglichen pathetischen Fallen umgehend. Die vielen negativen Kritiken im Vorfeld, denen der mehrfach verschobene Filmstart (ursprünglich sollten wir den Film schon im Januar zu sehen bekommen!) noch zusätzliches Gewicht verlieh, sind daher meiner unmaßgeblichen Meinung nach völlig unangebracht. Auch dass die Neuauflage den reinen Männerfilm von einst durch die jetzt eingebaute Quotenfrau Miranda Otto (bekannt aus "Herr der Ringe" und jüngst "Krieg der Welten") verwässert haben sollte, finde ich Quatsch, da die Story so einen etwas anderen, frischen Dreh erhält - und überdies genannte Miranda sympathisch und tough ihre Frau steht. Die Grundstory wurde beibehalten: eine Gruppe Bauarbeiter von etwa 12 Mann (incl. 1 Frau) - nach dem Absturz vorerst nur noch 10 - werden vom Bohrfeld in der Mongolei abgeholt und müssen dank eines Sandsturms - toll getrickst, aber leider so schon in "Die Mumie" gesehen - in der Wüste Gobi notlanden. Dieser Absturz, der zwar höchstens 1 Minute dauern dürfte, aber wie gefühlte 5 abläuft, gehört (Stand heute) zum Spektakulärsten in dieser Kategorie, was man nach den ebenfalls authentisch getricksten Crashs in "Überleben" oder "Castaway" nicht mehr erwartet hätte. Die Soundeffekte schütteln tüchtig durch und der Bassdruck konnte locker unsere Haare föhnen (könnte sorgfältig produziert eine Referenz-DVD werden!).

Nach diesem rasanten Auftakt verliert sich der Film dann nicht - wie bei einem Regisseur, dessen Erstlingsfilm "Behind enemy lines" nicht gerade in die Filmgeschichte eingehen dürfte, zu befürchten gewesen wäre - in öder Wüstenei und langatmigen Kampf-um-die-Wasserreserven oder Wer-ist-hier-der-Boss Sequenzen. Auch hier wird der Originalverlauf weitestgehend beibehalten. Neu hinzu kommen lediglich die marodierenden Nomaden, die zwar entbehrliche Brutalität, aber auch eine pulsschlagtreibende Nacht-Szene einbringen.
Die Konstruktion des neuen Flugzeugs aus den Resten der teils zertrümmerten Transportmaschine - unter Anleitung des Hardy Krüger Lookalikes Giovanni Ribisi (der das Original entweder genau studiert hat, oder der deutschen Synchro ist die Imitation des Krügerschen Tonfalls zu verdanken) wird modern und mit schneller Montage bebildert, unterlegt von Outkasts "Hey yah" - von puristischen Kritikern ebenfalls bemängelt, ich fand die Idee und Umsetzung erfrischend. Wie auch ein anderes modernes Popstück die gerade beschriebene Überfallsequenz der Nomaden brillant untermalt, auf dem Höhepunkt im herzschlagähnlichen Beat abrupt endend (schwer zu beschreiben, muss man gesehen haben). Der übrige Soundtrack - abgesehen von der orchestralen Untermalung Marco Beltramis (Bombast pur) - setzt sich aus jedermann bekannten, eingängigen Rockklassikern zusammen (u.a. in der Title-Sequenz Johhny Cash).

Bevor ich noch den letzten Leser dank meiner weitschweifigen (weil begeisterten) Ausführungen vergraule, noch ein letztes Wort zur Besetzung:
Dennis Quaid in der James Stewart Rolle trägt den gesamten Film in gewohnt sympathischer, lässiger und zum Glück ganz eigener Art, weit entfernt vom schlaksigen Drei-Tage-Bart-Rauhbein Stewart - vielmehr (Ladies aufgepasst!) macht er in diversen Oben-ohne-Einstellungen für sein Alter knapp jenseits der 50er eine prima Figur.
Abgesehen von den bereits erwähnten Miranda und dem blondierten Giovanni (zuletzt im unterschätzten "Sky Captain" wenig aufgefallen) erspare ich euch die weitestgehend unbekannten Nebendarsteller - den nachhaltigsten Eindruck hinterlässt vielleicht der Koch -, die durchweg mehr als solide Leistungen abliefern, leider aber in bewährter 10-Kleine-Negerlein-Manier im Handlungsverlauf in den Sand beißen dürfen (zum Teil recht drastisch).

Fazit also: Wer mal wieder einen guten, altmodischen Abenteuerfilm ohne Romantik und Kitsch sehen will, der die staubige und heiße Atmosphäre der Wüste mit jeder Pore nachempfindbar einfängt, und sein Gehirn ohne Reue für 2 Stunden abschalten möchte, der sollte sich schon allein wegen der eindrucksvollen und druckvollen Akustik diesen Streifen in einem Kino seiner Galaxis reinziehen.