Düster, spektakulär und mit langsam steigendem Tempo. Mit etwas bösem Willen kann man zwar einige Szenen und vor allem Handlungsstränge bemängeln, die ähnlich bereits im 89er Batman behandelt wurden - Mord an den Eltern, Vergiftung von Gotham -, dennoch kommt der neue Fledermausmann noch ernsthafter und grimmiger daher. Anfangs fehlte mir sogar etwas der Humor. Dieser Part wurde allerdings schnell von den durchweg superben Nebendarstellern übernommen: Michael Caine, solide und sympathisch wie immer als Butler Alfred, teilt sich die besten One-Liner mit Morgan Freeman (fast zu wenig Auftritte, aber dann stets eindrucksvolle Präsenz), von einigen Möchtegernkritikern als Gegenstück zu Bonds Q tituliert. Gary Oldman (mit dickem Kassengestell und Schnurrbart kaum zu erkennen) als junge Ausgabe des Polizeichefs Gordon darf endlich mal den Guten geben. Liam Neeson beeindruckt diesmal als Fiesling und wiederholt als Mentor beinahe seinen Qui-Gon-Part aus Episode 1. Am meisten habe ich mich allerdings über das Wiedersehen mit dem in den 80ern von mir so verehrten und in den Niederungen des C-Films verschwundenen Rutger Hauer ("Blade Runner" und "Hitcher") gefreut. Sichtlich gealtert und aufgedunsen versprüht er immer noch genug Charisma, um die wenigen Szenen an sich zu reißen.
Genug von den Nebendarstellern: Christian Bale wird mit jedem seiner seltenen, dafür aber immer feinen Streifen besser. Ihn wird man sicher noch lange sehen dürfen. Einziges Manko - wobei das wohl nicht an der Synchro liegt, sondern von der NY Times auch schon im Original gerügt wurde - finde ich, dass er in seiner Batman-Maske stets mit verfremdeter, grollender Stimme spricht. Die von den Kritikern zu Unrecht gerügte Katie Holmes als Leading Lady ist auch nett anzusehen, obwohl man sich in der Rolle der toughen Staatsanwältin ohne Mühe andere und reifere Schauspielerinnen hätte vorstellen können.
Ohne zu viel von der - zugegeben die Intelligenz des Durchschnittszuschauers nicht überfordernden, aber dieselbe auch nicht beleidigenden - Handlung zu verraten, komme ich jetzt nur noch zum Schwachpunkt des 140Minüters: die Action-Szenen sind teilweise bombastisch (gegen das neue Batmobil sieht die Burton-Version wie ein Go-Cart aus), manchmal ermüdend langweilig (einfallslose Ballereien), am anstrengendsten aber sind die Mann-gegen-Mann-Fights: allmählich finde ich diese Actionfilme mit Stakkatoschnitten und sekundenlangen Einstellungen nur noch furchtbar. Wenn die Kamera dann aber auch noch so nah am (düsteren) Geschehen ist, dass man weder Freund noch Feind, weder Darsteller noch Stuntman auseinander halten kann, zeugt das für mich nicht von großer Regisseurs-Kunst (schlag nach/nimm Nachhilfe bei Tarantino).

Fazit: Wer die ersten beiden Burton-Batmans mochte, wird auch diese Auflage gefallen. Selbst wenn man viele Abstriche bei den wirren Actionsequenzen machen muss, reißen dies die durch die Bank sehenswerten Nebendarsteller und häufig aufblitzenden intelligenten Dialoge wieder raus. Von der Perfektion (in allen Aspekten) eines "Spiderman" oder "X-Men" ist "Batman begins" meiner Meinung nach nicht sehr weit (zumindest vor dem "Hulk" liegend) entfernt. Mehr davon!