Diesen soliden, angenehm unpatriotischen Streifen kann ich uneingeschränkt empfehlen. Voraussetzung ist allerdings, dass einem ähnlich gestrickte Streifen wie FULL METAL JACKET oder HEARTBREAK RIDGE auch zugesagt haben und man als Zuschauer bei einem "Verfi…t nochmal!" nicht gleich aus dem Anzug hüpft. Denn so derbe, wie in genannten Vorbildern, ist die Sprache auch in JARHEAD. Die Altersfreigabe ab 12 ist ganz sicher nur darauf zurückzuführen, dass der Film alles andere als einen Werbefilm für das Marine Corps abgibt, sondern in abschreckenden und dreckigen Bildern die Hässlichkeit des Soldatenlebens zeigt.

Nach Ansicht meinte ich zwar zunächst, dass der Film nicht viel Neues zum Thema beigetragen hat:
So wird ein Drittel mit dem Drill der Frischlinge nebst obligatorischer Schikanen und dem letalen Ende einer Übung verbracht (Klasse: Jamie Foxx als Drill-Sergeant), siehe auch FULL METAL JACKET.
Der lange Mittelteil bebildert das Warten auf den Einsatz, incl. absurdester Zeitvertreibe, siehe auch (obgleich actionreicher erzählt) PLATOON.
Der letzte Akt schließlich zeigt unsere Helden Jake Gyllenhaal und Peter Sarsgaard beim ersehnten Einsatz, mit atemberaubenden Bildern der Wüste und brennenden Ölquellen (dass diese Szenarien allesamt bei ILM entstanden sind, vermutet man keine Sekunde).

Lässt man das Geschehen allerdings sacken, entdeckt man tatsächlich die erzählerische Brillianz und einfallsreiche visuelle Umsetzung der überwiegenden, quälenden Langeweile im unwirtlichen Gebiet und das Warten auf Feindberührung (grandiose Szene des ersten Gefechts, allein getragen von Gyllenhaal in Großaufnahme). Noch niemals wurde die Stupidität und Ressourcenverschwendung der Weltpolizei USA bei sich anbahnenden Krisen, die vielleicht gerade wegen des Auffahrens gigantischer Menschen- und Materialmassen in Kriegshandlungen ausarten, derart plastisch geschildert. Die heiß gedrillten Rekruten verlassen im Film das Flugzeug mit der weit gefehlten Annahme, dass ihr Einsatz nur 12 Stunden währt - Zitat Swofford/Gyllenhaal: "Wir werden nicht Mal Zeit haben, die Nüsse auszuscheißen..." (gemeint ist der gerade genossene Snack auf dem Flug in die Wüste). Am Ende des Einsatzes stellt der zum Scharfschützen ausgebildete Swofford dann fassungslos fest, dass er keinen einzigen Schuss abgegeben hat. Die bitterböse Komik der dieser Erkenntnis vorausgegangenen Szene muss man gesehen haben. Ob Gyllenhaal und Sarsgaard, wie bereits mehrfach gelesen, für diesen Film tatsächlich den Oscar verdient haben, bezweifle ich - ohne ihre Leistung schmälern zu wollen! - eher. Dafür war das ganze Ensemble auf gleich hohem Niveau, jeder einzelne Charakter hatte Raum für kleine, Glanzlichter setzende Auftritte. Die größten Akzente hat meiner Meinung sogar Jamie Foxx als menschliche Kampfsau gesetzt - ein weiterer, entbehrlicher Beweis, dass sein Oscar für RAY kein Zufallstreffer war.

Fazit: gute, zum Nachdenken anregende Unterhaltung, die trotz der kontinuierlich präsenten Vulgärsprache (halt Männer unter ihresgleichen...) den Intellekt nicht beleidigt und manch existierende Vorurteile bezüglich der Cowboymentalität der US-Streitkräfte bestätigt. Wird bedenkenlos Einzug in die Top 5 meiner favorisierten Militärfilme halten.