Von Trailer und Regisseur Richard Donner (LETHAL WEAPON 1-4, SUPERMAN) ausgehend hatte ich offen gestanden mehr erwartet. Darum teilt sich mein Urteil auf in

POSITIVES: Bruce Willis ist immer sehenswert, auch wenn er diesmal recht unansehnlich mit Zetsche-Schnauzbart und Wampe daherkommt sowie der Rolle gemäß (mutmaßlich aufgeschminkter) Säufernase und rotädrigen Wangen. In den ersten Szenen sieht man ihn während des Dienstes bzw. den Tätigkeiten, die seine Kollegen ihm, dem ausrangierten Wrack, noch zutrauen, sich ungeniert aus dem Flachmann bedienen. Dass sich hinter dem äußerlich so harmlos, unfit und fast Mitleid erregenden Loser noch immer ein Energiepaket mit scharfen Sinnen und schnellen Reflexen verbirgt, wird in der ersten, recht unvermittelt kommenden und einfallsreich bebilderten Actionsequenz und der darauf folgenden Hatz durch New York City deutlich.
David Morse als Gegenspieler und Willis' Ex-Partner verkörpert den korrupten Bullen hervorragend und mit jeder Faser Unbehagen erzeugend. Leider fürchte ich, dass er wie in seinen bisherigen stets bemerkenswerten und seine Wandlungsfähigkeit beweisenden Nebenrollen (CONTACT, THE GREEN MILE, VERHANDLUNGSSACHE) auch diesmal nicht im kollektiven Zuschauerbewusstsein haften bleiben wird, sondern beim nächsten Mal erneut dieses Déja-vù-Gefühl beim Publikum hervorrufen wird.
Der Film läuft in Echtzeit ab, d.h. Brucie-Baby hat 90 Minuten Zeit, den auf die Todesliste geratenen Kronzeugen über die Distanz besagter 16 Blocks ins Gericht zu bringen. Diese Vorgabe erzeugt eine wirklich gelungene, dichte Atmosphäre, die problemlos das Mitfiebern mit den stets außer Atem geratenden, schwitzenden und blutenden Protagonisten ermöglicht.

Kommen wir zu den NEGATIVEN Aspekten: für das erwartete Actiongewitter wird an ebendieser Action leider zu wenig geboten. Die Handvoll Schusswechsel werden dem arglosen Zuseher zwar teils plötzlich und mit markerschütternden Soundeffekten um die Ohren gehauen, können auf Dauer jedoch ermüden. Die Busjagd durch überfüllte Straßen und enge Häuserschluchten ist zwar solide inszeniert, hat man aber schon spektakulärer gesehen (siehe RED HEAT und natürlich SPEED).
Der ein oder andere Leser wird sich eventuell wundern, weshalb noch kein Wort zu Mos Def, der armen Zielscheibe an Bruce' Seite, verloren wurde. Der Grund ist ganz einfach der, dass es Drehbuchautor und Regisseur dem - zweifelsfrei überzeugend aufspielenden - Rapper unglaublich schwer machen, Sympathiepunkte zu sammeln. Ohne die Zeit mitgestoppt zu haben behaupte ich einfach, dass Eddie Bunker (Def) doppelt soviel Text hat wie alle übrigen Sprechrollen zusammengenommen. Der Typ quasselt ununterbrochen und lässt den ohnehin wortkargen, behäbig nuschelnden Mosley (Willis) des öfteren ausflippen. Zwar sorgt er für ein Filmende, das den weniger Hartgesottenen ein Tränchen ins Auge drücken dürfte, bis dahin wünscht man allerdings einmal zu oft, eine verirrte Kugel möge ihn treffen. Dankbar sein darf man dafür, dass die deutsche Synchro darauf verzichtet hat, den Dampfplauderer auch noch mit der Eddie Murphy und oftmals ähnlichen afroamerikanischen Akteuren angetanen Quäkstimme zu versehen.

Fazit: die Story und ihre Wendungen wird dem Vielseher unweigerlich mehr als ein Dutzend ähnlich gestrickter Actionthriller ins Gedächtnis rufen (die Klammer um diesen Film hält aufgrund des offensichtlich kopierten Storyaufbaus Clint Eastwoods DER MANN DER NIEMALS AUFGIBT) und für wenig Überraschungen sorgen. Als Charakterstudie und One-Man-Show des in die Jahre kommenden ehemaligen Actionstars Bruce Willis kann man sich die routiniert heruntergedrehte Verfolgungsjagd als Appetithappen vor der Materialschlacht eines bspw. MISSION: IMPOSSIBLE III durchaus ansehen. Bleibenden Eindruck hinterlässt der Streifen mangels erzählerischer Innovationen und visueller Schmankerl jedoch nicht.