Natürlich kann es sich bei diesem abgedroschenen Rubrum nur um die Reimagination des Klassikers KING KONG vom durch die Herr der Ringe Trilogie geadelten Regisseur Peter Jackson handeln, der spätestens jetzt als größter Konkurrent des bislang bekanntesten und erfolgreichsten Regie-Talents Spielberg gelten dürfte.

Wer bei der Nachricht von einem weiteren Remake des Klassikers von 1933 geunkt hatte: weiße Frau, auf unbekanntem Eiland von Eingeborenen einem XXL-Menschenaffen zur Zwischenmahlzeit angeboten, der sein Ende auf der Spitze des damals höchsten Bauwerks der Welt findet - langweilig, kennt man doch, wieso sollte man sich das auf 3 Stunden aufgeblasen nochmal antun? Dem kann ich nur sagen: ansehen und nach drei - gefühlten zwei - Stunden erschöpft und erschlagen, aber grandios unterhalten feststellen, nicht weniger als DEM Meisterwerk des vergangenen Kinojahres und außerdem einem der sinnvollsten und gelungensten Remakes aus der Schwemme kreativitätsloser Zelluloidverschwendungen der zurückliegenden Jahrzehnte ansichtig geworden zu sein. Denn größere und einfallsreichere Schauwerte, darüber hinaus einen 100% computeranimierten Hauptdarsteller, wegen dem man am Ende sogar ein paar Tränen vergießt, weil man ihn bis dahin als atmendes und leidendes Lebewesen kennengelernt zu haben glaubt, wird man so bald - in diesem Genre - nicht mehr erleben. Aber der Reihe nach...

Gut ein Drittel des Films nimmt die Vorstellung der Hauptcharaktere ein (darunter auch die atemberaubend animierte Kulisse des New Yorks der 30er Jahre):
Naomi Watts: in gewissen Momenten wie eine weniger zerbrechlich erscheinende Nicole Kidman wirkend, hat meiner Meinung nach den Oscar für ihre Performance verdient. Nicht nur die physischen Aspekte ihrer Rolle, die neben ständigem Davonlaufen insbesondere das heftige Durchschütteln durch Kong und ausgiebiges Kreischen beinhalteten, nötigen Respekt ab. Vor allem ihr ist es zu verdanken, dass sie in den zahlreichen zweisamen Momenten mit dem Riesenprimaten und der so perfekt noch nie gesehenen Interaktion mit einem CGI-Wesen (allenfalls fällt einem Gollum ein) die glaubhafte Illusion vermittelt, mit einem lebenden, am Set livehaftig anwesenden Darsteller zu kommunizieren. Hut ab und ewige Bewunderung meinerseits.
Jack Black: zu ihm muss man nicht viel sagen, sympathisch und verlässlich schlitzohrig wie man ihn liebt, selbst den leicht diabolischen (Jack Nicholson lässt grüßen...) Wesenszug zum Ende hin verzeiht man ihm gern.
Adrien Brody: für mich eine der bemerkenswertesten männlichen Neuentdeckungen dieses Jahr (NEU deshalb, weil mir bislang nur in DER PIANIST aufgefallen). Obwohl bzw. gerade weil er nicht der blendend aussehende Held vom Kaliber eines Pitt oder Cruise ist, versprüht er einen warmherzigen und intellektuellen Charme, der meine weibliche Mitseherin zu neidvoll geduldeten Begeisterungsstürmen hinriss.
Und die Liste ließe sich noch endlos fortsetzen, da selbst die zahlreich ihr Leben lassenden Nebendarsteller (allein 17 an der Zahl auf Skull Island) mit hohem Wiedererkennungswert um ihr Leben spielen.

Die Überfahrt zur gerade erwähnten geheimnisvollen Insel (die Namensherkunft muss man sich selbst anschauen) ist humorvoll und rasant inszeniert, bis der erste Actionhöhepunkt in Form der Beinahe-Havarie des Frachters an der Felsküste von Skull Island naht. Nach dieser Sequenz wirkt die Kollision der Titanic mit dem Eisberg wie die putzigen Tricks der 30er King Kong Version im Vergleich zum heutigen Standard.
Mit Erreichen der Insel wird der nächste, sehr lange Akt - unerwarteter Weise - purer Horror. Die Beschreibung der wörtlich Schlag auf Schlag folgenden Action, die an Einfallsreichtum für drei durchschnittliche Filme dieser Art gereicht hätte, würde den Raum sprengen. Ähnlich pulsschlagtreibende Szenen mit Horden von aggressiven und durchdrehenden Sauriern habe ich zuletzt in Jurassic Park gesehen, wobei - sorry wegen des plumpen Vergleichs - die Stampede in Jurassic Park 2 gegen die in KK erlebte reiner Kindergeburtstag war! Und dann ist immer noch nicht der Kampf zwischen Kong und 3 (in Worten: drei!) T-Rex-Klonen erwähnt, den unser haariger Freund in bester Wrestler-Manier meistert.
Sehr garstig und auf die Anfänge Jacksons im Splatter-Genre verweisend ist die schaurig und für weibliche Geschmäcker sicher zu genüsslich und lange inszenierte Begegnung der schon leicht dezimierten Abenteurer-Crew mit etwas übergroßen Insekten, die einen von da an Kakerlaken, Spinnen und Tausendfüßler etwas respektvoller betrachten lassen...

Wie bereits eingangs festgestellt, ist das Publikum eigentlich schon nach dem Insel-Akt der Erschöpfung nahe. Aber Peter wäre nicht Jackson, wenn er für das Finale in New York nicht noch eine Schippe drauflegen könnte. Die im Trailer angedeuteten Szenen von Kong, der Oldtimer wie Spielzeugautos durch die Luft wirft und Doppeldecker vom Himmel rupft, bereiten einen nur minimalst auf das vor, was einen an inszenatorischer Genialität und Fantasie tatsächlich erwartet und - da verrate ich nur das wohlbekannte Ende - zum Schluss gemeinsam mit Ann/Naomi um den liebenswertesten Affen seit Cheetah trauern lässt.

Der total abgegriffene und (zu) oft gebrauchte Spruch: "Für diesen Film wurde das Kino erfunden!" - nie war er zutreffender als für KING KONG (2005).