Eines vorweg: diesen Film sollte man nicht nach einem stressigen Arbeitstag, sondern ausgeruht an einem regnerischen Sonntag Nachmittag anschauen. Grund dafür ist das atemberaubende Schneckentempo, in dem sich die Story entfaltet. Nicht falsch verstehen - die richtige Stimmung vorausgesetzt, ist dies keineswegs langweilig gemeint. Als bewusstes Stilmittel eingesetzt kann man als Zuschauer so nämlich den Strudel nachempfinden, in den der Talentierte-Mr.-Ripley-Klon allmählich gesogen wird.

Und da folgt gleich die kurze Kritik an der Krimihandlung, die meiner Meinung nach nebenbei und schludrig abgehandelt wird, so als ob Woody Allen eigentlich keine Lust gehabt hatte, einen Krimi abzuliefern (vielleicht sind meine Sehgewohnheiten aber auch zu vorbelastet durch CSI, durch deren Ermittler anhand der offensichtlichen Spuren der mit mehr Glück als Rafinesse gesegnete Hauptprotagonist Chris in Nullkommanix überführt worden wäre). Unverzeihlich und den Intellekt des Zuschauers etwas beleidigend ist das lasche Vorgehen der ermittelnden (mutwillig trotteligen?) Inspektoren, die beipsielsweise nicht einmal dem Hinweis des Verdächtigen selbst - siehe Schrotflinte - nachgehen, und die fast unbeeindruckt von den frechen Lügen bleiben, derer sie ihn beinahe anhand des Tagebuch-Funds überführen. Großes Kopfschütteln! Auch die Schlusswendung kann der gewiefte Krimiseher meilenweit im Voraus kommen sehen. Und die letzte Hoffnung auf eine handfeste Schockszene während der Traumsequenz - deren Sinn sich mir nicht so recht erschlossen hat: Sympathie für den Mörder erzeugen, der sich reuig zeigt und auf Enttarnung hofft? – wird ebenfalls schnell zunichte gemacht.

So bleibt der Streifen unterm Strich eher eine Studie, wie schneller Reichtum und Vitamin B einen aus kleinen Verhältnissen kommenden Möchtegern verändern können. Schön, stylish, aber unspektakulär bebildert, getragen von durchweg sehr guten Darstellern. Obwohl meine geliebte Scarlett etwas unterfordert bleibt - abgesehen vom heftigen, aber trotzdem nicht abstoßend hysterisch wirkenden Gefühlsausbruch vor Chris' Büro.

Fazit: nette Fingerübung von Woody, dessen Komödien (besonders aus den 70ern) ich trotzdem lieber mag. Wer seine weniger thrillergestählten Nerven allerdings mit einer trotz weniger Abstriche intelligenten Charakterstudie trainieren mag, der ist mit diesem Werk bestens bedient. Drei verdiente Sterne, der vierte bleibt lediglich wegen des unbefriedigenden Krimianteils verwehrt.