Auffällig für das Filmjahr 2005 ist, dass es inzwischen als schick gilt, überbordend beworbene, als sicherer Erfolg kalkulierte Eventmovies schlecht zu machen. So geschehen bei Episode III oder Krieg der Welten, die zwar nicht in allen Belangen überzeugen konnten, aber doch weit davon entfernt waren, miserablel oder nicht unterhaltsam zu sein. So nahm ich zuerst auch an, dass genau aus diesem Grund in den meisten Feuilletons HP IV nieder geschrieben wurde. Leider musste ich nach dem Kinobesuch feststellen, dass die harschen Kritiken nicht völlig unberechtigt waren:
1. Erstmals fand ich eine HP-Verfilmung mit diesmal über 150 Minuten deutlich zu lang.
2. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine merkwürdigere Mischung von Genres gesehen zu haben wie hier. Dreiviertel des Films kamen eigentlich recht humorvoll und - bis auf die mir unverständlichen drei Prüfungen, die allein dazu dienten, die sonst auf Hogwarths behüteten Schüler bzw. die auserwählten Champions in unnötige Lebensgefahr zu bringen - menschlich daher. Aber im letzten Viertel dieser Bruch zum lupenreinen Horrorfilm (incl. Verstümmelungen und Folter) wurde meines Erachtens von den meisten Rezensenten zu Recht kritisiert. Mit freudianscher Küchenpsychologie könnte man das Geschehen so interpretieren, dass nach den ersten drei unbeschwerten Schuljahren die Kids nun in die Pubertät kommen, incl. Entdeckung des anderen Geschlechts, und das Leben von nun an düster, gefährlich und tragisch wird.
3. Alles in allem fehlte das Tempo und die erzählerische Eleganz des dritten HP. Anfangs fiel es mir ziemlich schwer, den Zusammenhang bzw. Sinn der willkürlich aneinander gereihten Szenen zu durchschauen (besserte sich mit zunehmender Laufzeit). Hier schlich sich oft der Eindruck ein, dass die Lektüre der Buchvorlage zur Vorbereitung nicht verkehrt gewesen wäre, weil die Kürzungen in diesem Teil der Sage wohl erheblich waren.
4. Aber nun zu mehr Positivem: nachdem der von mir verehrte Snape alias Alan Rickman bis auf winzige Highlights zum Statisten verkommen ist, fand ich den neuen, schrägen Charakter des Mad Eye Moody (Brendan Gleeson) hervorragend. Der so bejubelte Auftritt von Ralph Fiennes konnte jedoch ob der Kürze des Erscheinens für mich keinen erwähnenswerten Glanzpunkt setzen. Zumal mir hier wieder das Bond-Bösewicht-Syndrom sauer aufstieß, wo der Held in der Gewalt des Schurken ist, letzterer aber erst mal stundenlang lamentiert, dass und wie er besagten Helden massakrieren wird. Dass HP natürlich ungeschoren davon kommt – während ein Mitschüler erbarmungslos gemeuchelt wird - , versteht sich von selbst.
Bei den Jungdarstellern, die einen merklichen Wachstumsschub hinter sich haben, kristallisiert sich allmählich das zukunftsweisende Talent heraus: Harry/Daniel spielte nicht sooo schlecht, wie manch übereifriger Schmierfink meinte, obwohl seine Mimik zu oft nur aus mahlendem Unterkiefer bestand. Ron/Rupert ist für mich mit Abstand der grausigste der drei Akteure, da nur aufs Grimassieren und doof Gucken beschränkt. Das offensichtlichste Talent besitzt meiner unmaßgeblichen Ansicht nach Hermine/Emma Watson, die sich nicht nur zur Schönheit entwickelt (siehe Outfit in der Ballsequenz), sondern am glaubwürdigsten eine Palette verschiedenster Emotionen meistert.
Eigentlich könnte ich mich noch viel mehr über das Spektakel für die Sinne, bei dem die Überstunden leistenden Effektspezialisten mal wieder heftig die Muskeln haben spielen lassen, auslassen, bin mir jedoch sicher, dass die eingefleischten Potter-Fans wie auch die Anwärter sich durch eigenen Augenschein ihr Urteil bilden werden. Als eigenständiger Beitrag zum Fantasy-/evtl. sogar Horror-Genre taugt der Streifen allemal – die Diskussion über die FSK 12 Freigabe müssen allerdings Erziehungsberechtigte führen…