Den Auftakt des - völlig verdient als solches titulierten - Spektakels bildet (wie aus den Bond-Filmen vertraut als Pre-Title-Sequenz angelegt) das vorweg genommene Ende des Films, der in einer eindringlichen, mit schockierendem Höhepunkt abbrechenden Szene die Hauptcharaktere einführt: Ethan Hunt (Cruise), bereits sichtlich malträtiert und verzweifelt angesichts seiner gefesselten Frau Julia (die süße Michelle Monaghan, die jeden Liv Tyler Lookalike-Contest gewinnen würde - bislang aufgefallen in KISS KISS BANG BANG) und dem abgrundtief ekligen Bösewicht und Hassobjekt Owen Davian (Philip Seymour Hoffmann, oscargeadelt durch CAPOTE). Sobald die brennende Zündschnur auf der Leinwand bzw. hier dem Bildschirm erscheint und das treibende Titelstück einsetzt, ist man bereits in bester Agentenfilmstimmung. Als Erbsenzähler und weniger begeisterungsfähiger Filmenthusisast als ich es bin könnte man zwar mosern, dass die Story eine Melange aus M:I-1 und M:I-2 ist - aber hey, seit wann erwartet man von der zweiten Neuauflage eines Erfolgsfranchise neue Ideen? Diese Ideen finden zum Ausgleich in den durchweg pulsschlagerhöhenden, die Sinne betäubenden Actionsequenzen statt, die sich durch folgende Weltstädte ziehen:
BERLIN - da der Dreh im Reichstag verwehrt wurde, musste ein Industriegelände herhalten, auf dem der erste Einsatz der Crew um Hunt stattfindet (wieder dabei Ving Rhames als bulliger Buddy nebst zwei neuen Rekruten, die jedoch während der Laufzeit wenig eigenes Profil entwickeln können). Die Helikopterjagd zwischen rotierenden Windrädern bereitet den Zuschauer dabei auf die noch folgenden, sich jeweils übertreffenden Schauwerte vor.
ROM - auch bei genauestem Hinsehen ist nicht erkennbar, ob der Einbruch in den Vatikan nur genial getrickst oder tatsächlich vor Ort gedreht wurde. Auf jeden Fall voller Einfallsreichtum und spannend gefilmt und der längste Auftritt des viel zu selten in Erscheinung tretenden Hoffmann.
KEY WEST - leicht an TRUE LIES erinnernd wurde auf dem Overseas Highway die im Trailer bereits für Staunen sorgende aufwändigste Actionpassage inszeniert. Die bloße Nennung der teilnehmenden Fortbewegungsmittel - Panzerwagen, Helikopter und Jagdflugzeug -, die im Verlauf fachgerecht in ihre präfließbandperiodischen Einzelteile zerlegt werden, lassen dem krawalllüsternen Gourmet das Wasser im Mund zusammenlaufen.
SHANGHAI präsentiert sich nahezu futuristisch für den, der noch nie vor Ort war, insbesondere aufgrund des ausgiebig ins Bild gerückten Oriental Pearl Tower. Eine halsbrecherische Einbruchsaktion nebst anschließender Materialschlacht durch die nächtlichen Straßenfluchten ließen bereits den Showdown vermuten, der dann jedoch unspektakulärer, aber nichtsdestotrotz recht emotional Bad Guy und Hero in Wiederholung des eingangs geschilderten Szenarios aufeinander treffen ließ. Weniger romantikaffine, vorwiegend männliche Zuschauer stöhnen zwar auf wegen der etwas konstruiert wirkenden Dramatik am Ende, doch deswegen dem Film seinen zweifelsfrei hohen Unterhaltungswert abzusprechen fände ich arg kleinlich.

Fazit: Bond muss sich erneut warm anziehen, um nicht demnächst von Hunt, Ethan Hunt in den verdienten (oder unfreiwilligen) Vorruhestand versetzt zu werden.