Nach 20-Jahren ist mir im Regal eines Kaufhauses die DVD eines Weihnachtsvierteilers aufgefallen, die ich mir dann auch sofort gekauft habe. Die DVD enthält die vier Fernsehfilm-Teile einer Goldrauschsaga, aus den 90-iger Jahren des 19. Jhd. .
Teil 1 Das Klondike-Fieber Erstsendung 21.12.75
Teil 2 Die weiße Rinne Erstsendung 23.12.75
Teil 3 Der wilde Mann vom Yukon Erstsendung 27.12.75
Teil 4 Vierauge Erstsendung 30.12.75

Lockruf des Goldes,
Fernsehfilm in vier Teilen nach Jack London und Dokumenten der Zeit.
Wolfgang Staudtes legendärer Fernseh-Vierteiler.




(Erster und zweiter Teil) Amerika 1897: Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht, dass am Klondike angeblich zentnerweise Gold gefunden wird. Nicht nur in Amerika geraten viele Menschen in Aufbruch, aus aller Welt zieht es so manchen an den Klondike. Dieser Goldrausch zieht zahlenmäßig die meisten Menschen an.
In San Francisco soll der Junge Anwalt Elam Harnish (Rüdiger Bahr) die Entmündigung des alten Abenteurers und gestandenen Altgoldgräbers Tarwater (Ferdy Mayne) einleiten, der in Alaska sein Glück suchen will. Die Nachricht von neuen Goldfunden am Klondike River weckt Harnishs Neugier.

Nach dem Kontakt mit dem alten Tarwater

wird auch der junge Anwalt Elam Harnish mit Goldfieber befallen. Er plant zunächst nur zum Klondike, nach Dawson zu ziehen, um so etwas wie Abenteuerurlaub durchzuführen. Es kommt aber anders, Elam Harnisch wird Jahre im hohen Norden zubringen: Auf der strapaziösen Expedition trifft er einen alten Bekannten: den alten Farmer Tarwater. Nach der mörderischen Bewährungsprobe am vereisten Chilkoot-Paß erreicht die Vierergruppe, zu der Harnisch gehört, Dawson City. Letztlich erreichen nur die zähesten Dawson City. Die Einstellungen der endlos scheinenden, menschlichen Schlangenkarawahne, die sich lastentragend, über den ChilKoot-Paß quält, ist absolut sehenswert.

Im dritten Teil bringt Elam Harnisch es zu großem Reichtum indem er einen der wenigen großen, zufälligen Goldfunde macht. Zufällig will er Lachse fangen und zieht mit dem Kanu den Fluß hinauf, er entscheidet sich willkürlich für einen Nebenarm, in dem er beim Aufstellen der Netze, einen großen Goldfund macht. Er erweist sich weiterhin als äußerst gewiefter Spekulant und Geschäftemacher.

Dieser Ruf beunruhigt sogar die Geld-Aristokratie von San Francisco. Elam wird schließlich durch Mittelsmänner zu riskanten Börsenspekulationen verleitet. Letztlich verliert er die gewonnenen Millionen an die Spekulanten und muß mit einem geringen Almosen nach Alaska zurückkehren. Die letzten 300000 $ werden ihm durch unachtsamen Zufall in San Francisco geklaut.

Vierter Teil: Nach seinen Abenteuern in San Francisco kehrt Elam zurück nach Alaska. Dort gilt es für ihn, noch größere Abenteuer zu bestehen. Sein neuer Partner der schwächlich, nicht belastungsfähigen und der Buchhalter ist, behindert ihn eigentlich mehr als das dieser ihm nützt. Die Irrfahrten der beiden, durch schier undurchdringliche Wälder, führen sie schließlich in ein Indianerlager. Hier sitzen sie fest, da jeder Fluchtversuch zum Scheitern verurteilt ist. Doch da verliebt sich Labiskwee (Chritine Kaufmann), die sanfte, weißhäutige Tochter von Häuptling Snass, in den seltsamen Fremden Elam Harnisch. Sie ist bereit, für Elam jedes Opfer auf sich zu nehmen. Beide flüchten unter großem Druck und unter Verfolgung von einer Gruppe Indianern, die sie lange jagt.

Vollkommen entkräftet verliert Elam seine Partnerin unter unendlicher Entkräftung in der Wildnis, in dem sie im Kanu davontreibt und der Protagonist Elam, es nicht mehr schaft ins Kanu zu klettern. Zurückgekehrt nach Dawson muß Elam erkennen dass Dawson nun eine Geisterstadt geworden ist, der Ruf von neuen Goldfunden bei Circle-City hat alle Abenteurer, Glückritter und Träumer dorthin verschlagen.

Diese sehr gelungene Fernsehproduktion aus den 70-igern ist nun schon einige Monate als DVD erhältlich und bietet für ehem. 19,90 Eur 370 Minuten spannende Unterhaltung, die nichts vom falschen Kinopathos hat. Die Produktion ist vom kühlen, harten Realismus geprägt, der die Vorlagen der Jack London Erzählungen verrät. Der Vierteiler beschönigt nichts, läßt aber an manchen Stellen etwas Ausstattung und Budget vermissen. Eine teure Hollywood-Produktion, vielleicht dreistündig, hätte wohl einen zweistelligen Millionenbetrag verschlungen.

Während der Filmteile hat man immer das Gefühl der unmittelbaren Nähe einer Erzählung, die dem Zuschauer das harte Leben der Goldsucher vermittelt. Der junge Anwalt Elam Harnisch wird auf seinem Weg begleitet und in seiner Wandlungs- und Entwicklungsfähigkeit dargestellt. Die Stimme des Erzählers ( Walter Ulbrich) begleitet durch die gesamten vier Filmteile. Regie führte Wolfgang Staudte (1906-1986), den man auch von der Verfilmung des Heinrich Mann Romans, der Untertan kennt.

Wer den Realismus mag und den Stil der Jack London Bücher und Erzählungen angetan ist, wird in dieser etwas älteren Fersehproduktion fündig werden. Der Film schaft es die Gemüter der Trapper und Goldsucher aufs eindringlichste zu schildern. Die Gestalten werden in ihrer charakterlichen Unterschiedlichkeit geschildert und wie sie mit dieser, die rauhe Umgebung des Nordens meistern.
Der Produktion ist es gelungen die Unnachgiebigkeit der Wildnis und das Gesetz des Lebens in der Wildnis, des hohen Nordens, zu schildern. In der Härte des geschilderten Lebens in der arktischen Winternacht, in der Brutalität der Gerechtigkeit des Lebens in der Wildnis, zeigt sich die Kunst dieser langatmigen, filmischen Erzählung, auch wenn es dieser an einigen Stellen an Ausarbeitung und Budget fehlte.
Realismus: 9 von 10
Abenteuer: 10 von 10
Humor: 4 von 10
Unterhaltungswert, Preis/Leistung DVD: 10 von 10
Ausstattung für eine Fernsehproduktion:10 von 10
Ausstattung im Vergleich zu einer Kinoproduktion: 6 von 10

Fazit: wer Abenteuerfilme liebt, kommt an diesem Vierteiler nicht vorbei!
Wer Jack London liebt und schätzt, für den ist diese Produktion filmische Pflichtlektüre.[/img]