„K i n s e y“

Die Amis lernen nicht aus ihrer Vergangenheit. Das zeigt sich wieder einmal wenn man den Film über das Leben und Arbeiten von Alfred Kinsey anschaut. Er ist zwar heute fast vergessen, aber seinen Forschungsergebnissen ist es mit zu verdanken, dass die sexuelle Revolution überhaupt stattfand. In allen Teilen der Welt, nur nicht im puritanischen und heuchlerischen Amerika.

Oscargewinner Bill Condon – richtig - hinten mit „n“ nicht mit „m“, begleitet 60 Jahre seines Lebens und Schaffens. Alfred Charles Kinsey geboren am 23. Juni 1894 in Hoboken New Jersey, gestorben im August 1956.

In einem Klima der Furcht wächst Alfred auf. Als Teenager unterdrückt er sexuelle Empfindungen mit Gebeten oder quält sich mit Selbstvorwürfen, wenn er ihnen nachgibt. Wie es sein Vater (John Lithgow) anordnet, beginnt er ein Ingenieurstudium, bricht es aber ab und überwirft sich mit dem verbitterten Mann. Mit einem Stipendium studiert Kinsey (Liam Neeson) Biologie und Psychologie, erwirbt den Doktortitel in Harvard.

An der Universität von Indiana lernt er seine Frau Clara Bracken McMillen (Laura Linney) kennen. Sie heiraten und bekommen drei Kinder, obwohl sie zu Beginn ihrer Ehe enorme sexuelle Schwierigkeiten hatten. Als ein junges Ehepaar Rat bei ihnen sucht, merkt Kinsey wie wenig die Allgemeinheit und die Wissenschaft über die Sexualität weiß. Er entwickelt einen Fragebogen, stellt mehrere Mitarbeiter ein und befragt 18 000 Amerikaner zu ihrem Umgang mit dem Sex.

Als er 1948 sein erstes Buch „Das sexuelle Verhalten des Mannes“ veröffentlich, schlägt es ein wie eine Bombe. Ermutigt von seinem Erfolg geht er in seiner Forschung weiter und bricht so manches gesellschaftliches Tabu. Das bringt ihm die Feindschaft vieler Amerikaner ein. Kinseys Karriere zeigt erste Brüche, als der Zoll verdächtige Sexmaterialien beschlagnahmt und damit einen Rechtsstreit auslöst, der Kinsey über die Jahre fast völlig ruiniert. Auch privat gerät das Leben aus den Fugen und Kinsey erfährt die Grenzen, die menschliche Emotionen seinem Plädoyer für freien Umgang mit Sexualität setzen.

Ein offenes, leidenschaftliches, sensibles und humorvolles Porträt zeigt Bill Condon über diesen Wegbereiter der sexuellen Revolution. Dabei kann der für sein Drehbuch zu GODS AND MONSTERS (1998) mit dem Oscar ausgezeichnete Autor und Regisseur auf eine herausragende Besetzung bauen. In den Hauptrollen glänzen Liam Neeson und Laura Linney unterstützt von Shooting-Star Peter Sarsgaard und Timothy Hutton. In Nebenrollen gibt sich amerikanische Bühnenprominenz wie Chris O`Donnell, Tim Curry, Oliver Platt und Dylan Baker die Ehre.


118 Minuten, eine Biografie über einen Mann der unser aller Leben entscheidend beeinflusst hat.

Ab 24. März 2005 im KINO.

A.G.Wells