Ich habe nun alle vier Filme über die NS-Zeit gesehen, die im letzten halben Jahr im Kino liefen: Der Untergang, Der 9. Tag, Napola und Sophie Scholl. Alle vier haben mir sehr gut gefallen, am besten allerdings Sophie Scholl. Interessant finde ich, dass das Thema Widerstand gleich zwei mal vorkommt: in "Sophie Scholl" und in "Der 9. Tag". In beide Filmen berufen sich die Widerstands"kämpfer" auf ihr Gewissen, auf Gott und auf ihre christlichen Werte.

Was mich sehr beeindruckt hat an "Sophie Scholl" sind die letzten Stunden vor der Hinrichtung: die Gelassenheit, mit der Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst ihre letzte gemeinsame Zigarette rauchen und sich dann umarmen und Sophies letzte Begegnung mit ihren Eltern. Letztere Szene wirkte auf mich etwas künstlich, fast aufgesetzt. Um so überraschter war ich, als ich im Internet auf ein Zitat aus dem Buch von Sophies Schwester Inge Scholl gestoßen bin, in der diese Szene exakt so beschrieben wird:
Zitat:
„Meinen Eltern war es wie durch ein Wunder gelungen, ihre Kinder noch einmal zu besuchen. Eine solche Erlaubnis war sonst unmöglich zu erhalten. Zwischen 16 und 17 Uhr eilten Sie zum Gefängnis. Sie wussten noch nicht, dass es endgültig die letzte Stunde ihrer Kinder war.
Zuerst trafen sie Hans … darauf wurde Sophie von einer Beamtin hereingeführt. Sie trug ihre eigenen Kleider und ging sehr langsam und gelassen und sehr aufrecht … Sie lächelte immer, als schaue sie in die Sonne. Bereitwillig und heiter nahm sie die Süßigkeiten, die Hans abgelehnt hatte: »Ach ja gerne, ich habe ja noch gar nicht zu Mittag gegessen.« Es war eine unheimliche Lebensbejahung bis zum letzten Augenblick.
»Nun wirst du also gar nicht mehr zu Tür hereinkommen«, sagte die Mutter.
»Ach, die paar Jährchen, Mutter«, gab sie zur Antwort.
Das war in diesen Tagen ihr großer Kummer gewesen, ob die Mutter den Tod gleich zweier Kinder ertragen würde. Aber nun, da sie so tapfer und gut bei ihr stand, war Sophie wie erlöst. Noch einmal sagte die Mutter, um irgendeinen Halt anzudeuten: »Gelt, Sophie: Jesus.«
Ernst, fest und fast befehlend gab Sophie zurück: »Ja, aber du auch.«
Dann ging sie – frei, furchtlos, gelassen. Mit einem unaufhörlichen Lächeln im Gesicht.“

Wenn das der einzige Hinweis auf Gott in diesem Film gewesen wäre, fände ich diese Szene tatsächlich etwas aufgesetzt. Aber Sophie bezieht auch an einigen anderen Stellen im Film ihre Kraft bei Gott. In ihrer Zelle betet sie mehrmals und man merkt, dass ihr Glaube echt ist und hält trotz Verzweiflung und Angst. Insofern passt dieser kurze Wortwechsel mit ihrer Mutter!

Auch die andere Mitglieder der weißen Rose fürchteten sich nicht vor dem Tod. Hans Scholl ruft laut kurz bevor das Fallbeil fällt: "Es lebe die Freiheit!" Keine Angst, die Leinwand ist zu diesem Zeitpunkt schon dunkel. Trotzdem nimmt diese Szene sehr mit. Ich habe im Internet auch den Abschiedsbrief von Willi Graf an seine Eltern gefunden, der ebenfalls zeigt, das er keine Angst hatte vor dem Tod (nachzulesen auf der Seite ganz unten: http://www.wgg.musin.de/WilliGraf/willi_graf.htm).

Das Motiv des Himmels als Symbol der Hoffnung, zu dem Sophie immer wieder hoffnungsvoll aufschaut, zieht sich durch den ganzen Film. Ganz am Anfang des Films blickt sie in den Himmel, wenn sie an jenem schicksalsreichen Tag aus dem Haus gehen, um die Flugblätter in der Uni zu verteilen. Immer wieder taucht dieses Motiv auf bis zuletzt auf dem Weg zum Raum der Hinrichtung, wenn sie noch einmal in den strahlenden Himmel schaut. Sie war fest davon überzeugt, dass Gott auch in der Stunde des Todes mit ihr war. Ich habe gelesen, dass der Scharfrichter sagte, so habe er noch niemanden sterben sehen.

Weil die drei Mitglieder der weißen Rose so eine Ruhe und einen Frieden ausstrahlen vor ihrer Hinrichtung finde ich das Ende des Filmes erträglich und keinesfalls deprimierend. Hans Scholls Aussage, bevor er den Gerichtssaal verlässt, klingt wie ein Triumphruf: "In einigen Monaten werden Sie hier stehen, wo wir jetzt standen!" Er meint damit den Präsidenten des Volksgerichtshofs Roland Freisler, der nach dem Krieg sicher mit dem Tode bestraft worden wäre, wäre er nicht vorher von einer Bombe getroffen worden.

Meiner Meinung nach ist "Sophie Scholl" ein gelungener Film, der diese beeindruckende Person in ihren letzten Tagen realistisch und gut darstellt. Sie ist mir durch den Film zu einem noch größeren Vorbild geworden.