„Boah! Schon wieder ein Film über Nationalsozialismus!“ So jedenfalls dürfte sich manche Reaktion auf diesen Film angehört haben. Und auch ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass die Filmindustrie im Nazireich ein neue potentielle Goldgrube gefunden hat, die es filmisch auszuschlachten gilt. Eben noch „Der Untergang“, jetzt „Napola – Elite für den Führer“ und demnächst steht auch schon „Sophie Scholl“ - das nächste thematisch passende Werk - an. Ja, man könnte sich fast angeödet fühlen, oder aber man bringt, wie es sich als Cineast gehört, die „Mühe“ auf, sich wiederum der Thematik zu stellen und selbst ein Urteil zu fällen - so bei mir mit „Napola“ geschehen.

Die Geschichte, die ein für dieses Thema überraschend frisches und noch unverbrauchtes Kapitel des 3. Reiches behandelt, setzt im Berlin, des Sommers 1942 ein. Friedrich (Max Riemelt), ein junger Boxer, gerade mit der Schule fertig geworden, wird in seinem Verein von einem Lehrer der Napola Einstein angeworben. In solch einer Nationalpolitischen Erziehungsanstalt, daher das Kürzel „Napola“, werden die künftigen „Herrenmenschen“ auf ihre späteren Funktionen als Gauleiter, Offiziere und andere hochrangige Funktionäre des NS-Regimes gedrillt und vorbereitet. Die Ausstattung einer solchen staatlich privilegierten Schule ist natürlich weitaus attraktiver und auch Friedrich kann der Versuchung nicht widerstehen. Ist er doch nach Abschluss der Ausbildung ein gemachter Mann, dem alle Möglichkeiten offen stehen. Doch seine anfängliche Begeisterung erfährt alsbald einige Dämpfer, was nicht zuletzt an der neu enstehenden Freundschaft mit dem Sohn des Gauleiters (Tom Schilling) liegt, der ihm die Grenzen aufzeigt...

Was den Film so interessant macht, ist nicht etwa eine völlig neue Art der Erzählweise oder eine innovative Stilistik. Nein, es ist die Grundidee an sich, den Zuschauer gemeinsam mit der Hauptfigur mit den Verlockungen des Nationalsozialismus oder besser gesagt der NS-Elite-Schulen zu konfrontieren. Das Identifikationsgefühl ist, zumindest für die etwas jüngeren männlichen Kinobesucher, äußerst hoch. Durch alle Freuden und Leiden geht der Zuschauer mit und muss sich dabei stets fragen, wie er damals gehandelt hätte? Einen gewissen Grundintellekt setzt dieser Film beim Besucher vorraus, sonst könnte er nicht funktionieren, da ihn gerade die relativ neutrale Sichtweise immer wieder zum Nach- und neu Überdenken anregt. Dass das auch bei 12jährigen klappen soll, für die der Film ebenfalls bereits freigegeben ist, sei dahin gestellt, doch bewegt er grundsätzlich ohne in Rührseligkeit zu verfallen, was vor allem dem überzeugendem Spiel des Protagonisten zu verdanken ist. Mit einer Mischung aus Abenteuerlust und einer Prise Naivität erreicht er eine Glaubwürdigkeit, die uns zielsicher in den Bann zieht und uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge zusehen lässt. Doch verbleibt im Hintergrund stets eine düstere Grundstimmung, die von Anfang an auf das Unheil hindeutet, dem man sich als Hitlers Elite-Schüler ausgesetzt hat und die dem weinenden Auge so die Überhand sichert.