Jedes Jahr erscheinen einige Filme, von denen so mancher Kritiker behauptet, sie seien eine Wonne für das Auge. Man könne sich kaum satt sehen und die Bildsprache käme einem visuellen Rausch gleich. Ich muss, zugeben, dass ich nach solch großmundigen Ankündigungen oft ernüchtert aus dem Kinosaal herauskam, da die Erwartungen letzten Endes doch zu groß waren. Umso mehr fragte ich mich selbst, woran man den das Prädikat „visuell berauschend“ festmachen könne und ich wartete sehnsüchtig auf den Film, von dem ich ohne Übertreibung und vollkommen unvoreingenommen behaupten könne, dass er genau diesen Eindruck bei mir hinterlassen hätte.
Ich denke, jetzt habe ich ihn gefunden! Was Zhang Yimou mit diesem Film vollbrachte, übertrifft sogar noch seinen Vorgänger „Hero“. Wer nun ein noch opulenteres und noch epochaleres Meisterwerk erwartet, wird sicherlich enttäuscht sein, denn „House Of Flying Daggers“ glänzt durch Zurückhaltung. Alles ist ein bisschen kleiner. Bei diesem Film gibt es keine gewaltigen Massenszenen, keine gewaltigen Schlachten und auch keine riesigen Kullissen. Und trotzdem, oder gerade deswegen, entfaltet er eine viel intensivere und eindringlichere Wirkung, denn, bei aller Reduzierung, die Handschrift des Regiesseurs bleibt natürlich erhalten. Auch „House Of Flying Daggers“ spielt in einer eigenen Welt, mit der sich unsere Naturgesetze nicht immer vertragen und in der Symbolik und Ästhetik eine wichtigere Bedeutung haben als Realismus und Glaubwürdigkeit.

Zur Story nur soviel: Im mitelalterlichen China, kurz vor Ende der Tang-Dynastie, werden Leo (Andy Lau) und Jin (Takeshi Kaneshiro), zwei Miliz-Soldaten, damit beauftragt, die Rebellenorganisation der „fliegenden Messer“ (daher der Filmtitel) mit Hilfe eines attraktiven Mitglieds dieser Gruppe, Mei (Zhang Ziyi), das sie zuvor entlarvt haben, ausfindig zu machen. Dabei wird Jin auserkoren, sich Mei’s Vertrauen zu erschleichen, um sich so von ihr zu den Rebellen führen zu lassen. Dabei entstehen, entgegen seines Befehls, gewisse Gefühle zwischen ihnen, was Komplikationen mit sich bringt...

An Hand der Zusammenfassung lässt sich unweigerlich das Hauptaugenmerk des Regiesseurs ablesen. Diesmal steht ein Liebespaar im Mittelpunkt, was den Film zu einer historischen Martial-Arts-Love-Story werden lässt. Es wird nicht pausenlos gekämpft und getötet und es reiht sich auch nicht Duell an Duell, wobei der Gewaltheitsgrad dafür sogar etwas höher anmutet, als in „Hero“ – hier sieht man auch schonmal Blut. Und dabei wären wir bei einem weiteren wichtigen Aspekt, der von mir weiter oben angesprochen Zurückhaltung, denn trotz aller Ästhetik, hält sich diesmal auch die Choreografie erstaunlich „bodenständig“. Szenen, in denen die Protagonisten 10 Meter über der Erde ihre Kämpfe ausfichten, sucht man vergebens - die Schwerkraft wurde weitestgehend (nicht immer! berücksichtigt. Auch das sicherlich ein Grund dafür, weshalb diese Geschichte unserem Horizont nicht ganz so entrückt und uns dafür umso berührender erscheint.
Damit die Distanz jedoch nicht zu gering wird und der Film immer noch seine magische Wirkung beibehält, besteht das Werk aus einer Aneinanderreihung von höchst beeindruckenden Bildern. Jedes Bild und jede Einstellung sind sorgfältig zusammengesetzte Kunstwerke, bei denen sowohl alle Farben, als auch die Haltung einer jeden Person mit Bedacht gewählt wurde.
Das alles, unterlegt mit gefühlvoller folklorischer Musik, schafft das, wonach ein jeder Cineast ständig sucht – Ein visuell berauschendes Meisterwerk! Reingehen und genießen!