Hellboy

Es fing vor ein paar Jahren klein an und entwickelte sich dann langsam aber sicher zu einem wahren Lauffeuer. Nachdem die „X-Men“ auf der Leinwand reaktiviert wurden und sich zu einem wahren Superhit aufschwangen, folgten eine Menge Wiederbelebungen von populären Comics. Manche von ihnen waren sehr gut gelungen, so zum Beispiel der meisterhafte „Spider-Man“ vom Horrorguru Sam Raimi oder „The Punisher“. Leider gab es aber auch ziemlich viel Schrott. Man erinnere sich nur an Machwerke wie „Hulk“, an dem sich Ang Lee böse verhob oder die neuere „Catwoman“, in der sich Halle Berry blamierte. Doch trotzdem brach die Welle der Comic-Verfilmungen nicht ab und so folgt nun einer der beliebtesten Undergroundklassiker: „Hellboy“.
Es war schon immer ein Traumprojekt von Regisseur Guillermo del Toro, den roten Teufel adäquat auf Zelluloid zu bannen. Nachdem er mit dem mittelmäßigem „Mimic“ Ende der 90er bewies, das er ein gewisses Gespür für dunkle Stoffe besaß, überraschte er mit der um Längen besseren Fortsetzung von „Blade“. Eine der Hauptfiguren in „Blade II“ wurde von Ron Perlman gespielt, den del Toro schon lange vor Drehbeginn als Hellboy ausersehen hatte. Durch den kommerziellen Erfolg von der Vampir-Fortsetzung, konnte del Toro über sein nächstes Projekt entscheiden: Entweder „Blade: Trinity“ oder „Hellboy“. Diese Frage beantwortete sich für den Menschen del Toro schon von selbst, aber würde er es tatsächlich schaffen, auch das Publikum zu überzeugen? Die Vorlage von Mike Mignola ist ein ziemlich dunkler Stoff, der mit einer sarkastischen Hauptfigur aufwartet, die ein großes Publikum möglicherweise abschreckt. Doch Gott sei Dank wusste del Toro, wie er den Höllenjungen an den Hörnern packen musste und das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Bei einer okkulten Zeremonie im Jahre 1944 öffnet der verrückte Russe Rasputin mithilfe der Nazis ein Portal zu einem Paralleluniversum. Die Alliierten platzen in diese Kulisse und zerstören das Dimensionstor. Durch Zufall ist ein Babyteufel in die uns bekannte Welt durchgedrungen, der daraufhin von dem zerzausten Professor Broom aufgezogen wird. 60 Jahre später kämpft der mittlerweile erwachsene Hellboy für eine Untergrundorganisation des FBI. Doch Rasputin kehrt zurück, um mithilfe von Hellboy seinen Plan, die Welt zu zerstören, doch noch in die Tat umzusetzen.
Zugegebenermaßen, die Story gewinnt auf der Originalitätsskala keinen Blumentopf, aber die spritzigen Dialoge und die interessanten Charaktere reißen’s raus. Denn es ist nicht nur Hellboy, der gegen Rasputin kämpft, sondern auch noch der hellseherische Fischmensch Abe und die pyromanisch veranlagte Liz, für die Hellboy in Liebe entflammt ist. So ist es dann auch eine der witzigsten Szenen des Films, als Hellboy eifersüchtig Liz beobachtet, wie sie mit einem FBI-Agenten spazieren geht. Auch die Bösewichter sind nicht ohne Reiz. Zwar bleibt Hauptschurke Rasputin aufgrund mangelhafter Charakterzeichnung recht blass, dafür sorgen aber das vielfache Monster Sammael und ein maskierter Nazi-Cyborg für wohlige Gänseschauer. Hauptdarsteller Ron Perlman meistert seine Rolle als teuflischer Kämpfer für das Gute mit Bravour und verleiht dem Streifen den Hauch Ironie, der bei einer solchen Story unbedingt vonnöten ist. Die restlichen Darsteller, vor allem John Hurt als Hellboys väterlicher Mentor und Selma Blair als lebende Fackel sind zumeist unterfordert und kriegen selten die Chance, mehr aus ihren Rollen zu machen. Dies ist ein Makel des Films, der gleichzeitig auch seine größte Stärke ist. Wo „Hellboy“ drauf steht, da ist auch (nur) Hellboy drin. So muss jeder selbst entscheiden, ob er sich mit einer Comicverfilmung auf diesem Gebiet etwas anfangen kann. Allen Fantasy- und Science Fictionfreunden sei Hellboy trotzdem wärmstens ans Herz zu legen. Die drei von fünf roten Teufelshörner hat er sich redlich verdient.