Michael Moore´s Dokumentation über George W. Bush beginnt mit dessen Amtsantritt als Präsident.
Das zweifelhafte Wahlergebnis und die skandalöse Vereidigung des von-Anfang-an unbeliebten Präsidenten (der an scheinend lieber Urlaub macht, als zu regieren) ist nur ein "amüsantes" Warm-up.

Nach dem Vorspann wird´s ernst: für ca. 1 Minute bleibt es dunkel auf der Leinwand.
Aber man hört Originalaufnahmen vom 11. September und dem anschließenden Chaos in New York.
Michael Moore wollte aus Respekt vor den Opfern die Bilder der Terroranschläge nicht kommerziell nutzen.
Sie laufen erst wieder, als das Worldtrade-Center nicht mehr steht. Wir sehen verzweifelte, weinende Menschen. Die noch nicht begreifen können, was passiert ist.
Michael Moore versucht Einiges zu erklären...

Während der Anschläge saß George W. Bush in einer Grundschulklasse und lauschte dem Unterricht. Als ein Regierungsbeamter ihm vor laufender Kamera ins Ohr flüstert: "Mr. President, wir werden angegriffen!", nickt dieser nur mit dem Kopf und bleibt ruhig sitzen.
Moore mutmaßt, dass Bush in diesem Moment nicht wußte, was er tun soll, da ihm Niemand sagte, was er tun soll.
Schonungslos wird in diesem Moment die Hilflosigkeit eines Mannes gezeigt, der sich bewußt ist, dass eine Kamera auf ihn gerichtet ist (die eigentlich für PR-Zwecke gedacht war) und er plötzlich ganz alt aussieht.

Doch Das ist nur der Anfang einer Demontage, die wie ein persönlicher Rachefeldzug gegen George W. Bush daherkommt.
Scheinbar - denn es wird schnell klar, dass er Bush jr. nur als Gallionsfigur einer Regierung betrachtet, die aus reiner Profitgier handelt, Ängste schürt und das eigene Volk betrügt. Er läßt Bush sen. und dessen alte Kumpel Rumsfeld, Cheney und noch Andere nicht außen vor.
Das Er diese Kumpanei bei den Eiern packen und ein wenig zudrücken will, liegt daran, dass er z.B. einige Geschäftspraktiken mit Saudi Arabien sehr dubios und moralisch schwer bedenklich findet.

Den einträglichen Nebentätigkeiten der Bush-Administration ist deshalb auch ein Großteil der Dokumentation gewidmet. Da kommt so mansches Interssante ans Licht und der Zuschauer beginnt sich eine Meinung zu bilden.
Aber auch die Handlungsweisen und Reaktionen auf den 11.9. 2001 hinterfragt er peinlich penetrant für diese Herren.
Der Irakkrieg wird aufgerollt.
Mit nicht unnötig sensationsgeilen, aber einigen derben Bildern vermittelt Michael Moore dann, wie sinn- und nutzlos dieser Krieg war/ist.
Außer für Die, die gut daran verdienen.
Aber auch die amerikanischen Medien bekommen Ohrfeigen verpasst.
Moore beklagt, dass TV-Anstalten und Zeitungen während der Kämpfe wie eine Wand hinter Bush gestanden haben - unbeweglich und gedankenlos.

Man erfährt so Einiges, erkennt Zusammenhänge und bekommt Hintergrundinformationen, die auch für Europäer interessant sind.
Es ist geradezu menschenverachtend, wenn man dabei sein "darf", wie wohlhabende Investoren den Irak schon untereinander aufteilen.
Man bekommt Widerspüchliches gezeigt, wo man sich sagt: "Das darf doch nicht war sein!".
Z.B. , das an der Pazifikküste des US-Bundesstaates Oregon nur ein Polizist Wache hält. Und das auch nur bestimmten Wochentagen. Während an den Flughäfen der USA stets Alarmbereitschaft herrscht.
Im Allgemeinen werden aber nur wenige Dinge ins Lächerliche gezogen, die den Film etwas auflockern.

Aber die Dokumentation hat auch Schwächen:

Die Mutter eines getöteten US-Soldaten wird zu voyeuristisch vorgeführt.
Da wird auf die Tränendüse gedrückt, was bei den Amerikanern zwar Wirkung zeigt, für uns eher Talkshowcharakter hat.

Saddam Hussein wird nur als Sündenbock für den 11.9. dargestellt, der das Pech hatte, "zufällig" den Ölgeschäften der Bushs im Weg zu sein.
Dass der Mann ein Massenmörder am eigenen Volk ist, wird unverständlicherweise von Moore nicht erwähnt.

Leider wird auch der Eindruck vermittelt, das nur der Bush-Clan am ganzen Elend der USA schuld sei und vorher Alles in bester Ordnung war.
Dass diese Leute nur auf den Trampelpfaden ihrer stets kriegsbefürwortenden Vorgänger Roosevelt, Johnson, Nixon und Bush sen. plus deren Geschäftspartner wandeln, hätte nicht unerwähnt bleiben sollen.