Der Film war eines meiner großartigsten Kinoerlebnisse überhaupt, wenn nicht gar mit Aliens - Die Rückkehr und Terminator II das Größte überhaupt. Wenn man sich damit anfreundet, dass der Film recht frei nach der Ilias konstruiert wurde, und warum sollte man das nicht können, ist er bis auf kleine Schwächen (die Sterbeszene von Achilles, ein Bodybuilderkämpfer, Odysseus wirkt etwas blass, die gleichen Götter bei beiden Völkern), ein wahres Meisterwerk, insbesondere wenn man ohnehin ein Fan antiker Geschichte ist.

Brad Pitt spielt Achilles als abgebrühten, fatalistschen Meisterkämpfer, den im Anbetracht der Unzulänglichkeiten des menschlichen Daseins nur die Unsterblichkeit durch Ruhm wirklich interessiert, mit einer Coolness, dass man fast versucht ist ins andere Lager überzuwechseln. Aber keine Sorge, da ist ja noch eine in manchen Einstellungen atemberaubend schöne Helena, die einem mit ihrem zuckersüßen Flüstern einfacher Worte den Kopf tunlichst wieder geraderückt und der Legendarität der Schönheit ihres historischen Vorbildes absolut gerecht wird.

Peter o'Toole verkörpert einen weisen, wenn auch nicht fehlerfreien Herrscher, dem nichts mehr am Herzen liegt als das Wohlergehen seines Staates, und sein Blick auf die brennende Stadt spiegelt das grenzenlose Entsetzen über das Auslöschen der Existenz seines ganzen Volkes in der Geschichte überzeugend wieder. Agamemmnon hingegen ist so unverhohlen machtgeil und verschlagen, dass man diese Gewissenslosigkeit fast schon bewundernd anerkennen muss.

Überhaupt ist jeder Charakter sowohl einfach als auch tief gezeichnet, wie man sich die Menschen jener Zeit auch vorstellt. Die Dialoge sind so klar und unumwunden, dass es einem in Anbetracht des medien- und pädagogikverseuchten allgegenwärtigen Geschwätzes unserer Zeit fast die Tränen in die Augen treibt. Dies glaubhaft rüberzubringen ist wohl der größte Verdienst des Films und die Grundlage für das Nachempfinden für eine der ältesten schicksalhaften Tragödien der Menschheit. Wohltuend auch die Rolle der Götter, deren völlige Zurückhaltung bereits erste atheistische Zweifel ins Leben ruft, wie es dann auch erst Jahrtausende später im Dreißigjährigen Krieg der Fall war.

Herausragend sind freilich auch die Massenschlachten, die in der kargen Landschaft und vor der imposanten Kulisse Trojas besonders zur Geltung kommen, verbunden mit der Vorstellung, dass es sich so wirklich zugetragen haben könnte. Ein weiterer Höhepunkt ist sicher die Landung der Myrmidonen, getrieben vom Ehrgeiz nicht in der Bedeutungslosigkeit der Geschichte zu versinken, an der der Begriff des Heldentums einen neuen Inhalt erhält, vor allem in Anbetracht der Begebenheit, dass jetzt, mehr als 3000 Jahre später, tatsächlich ihre Geschichte wiedererzählt wird.

Und last but most: der Zweikampf des Achilles gegen Hektor, als Achilles diesen blind vor Wut und Rachlust herausfordert, zum Kampf Mann gegen Mann, auf Leben und Tod. Hier wird auch die ansonsten eher durchwachsene Filmmusik bestens in Szene gesetzt. Für mich der beste Zweikampf der Filmgeschichte, mehr kann ich dazu nicht sagen.