Haute Tension
Horror, Thriller - Frankreich 2003

Regie:
Alexandre Aja (Furia)

Darsteller:
Cécile De France / Marie
Maïwenn Le Besco / Alex
Philippe Nahon / Killer

Je ne laisserai plus jamais personne se mettre entre nous! Marie

Handlung:
Ein isoliertes Haus.
Zwei unzertrennliche Freundinnen.
Eine vereinte Familie.
Ein blutrünstiger Mörder, der in der Gegend herumschleicht.
Als die Nacht hereinbricht, gibt es nur noch ein Ziel:
ÜBERLEBEN...!!!



Kritik:
Marie und Alex sind zwei Studentinen und dicke Freundinnen. So kommt es, dass beide zusammen während den Semesterferien zu Alex' Familie fahren, die sich irgendwo in der Provinz ein altes Bauernhaus gekauft haben, und dort mit dem kleinen Bruder von Alex leben.
Kaum angekommen und im Bett gemütlich gemacht, klingelt's an der Türe, und ein alter, hässlicher Kerl schlägt zur Begrüssung direkt mit seinem Rasiermesser auf den Vater ein...!
Was folgt ist ein gut 70-minütiger Albtraum aus Spannung, Verfolgungen, Spanung und extrem blutigen Morden: viel Spass bei Haute Tension!

Als erstes muss ich erwähnen, dass ich den Film in der Originalfassung gesehen habe: auf Französisch. Bisher habe ich nirgends eine deutsche Version finden können...wer weiss? Eventuell kommt der ja auch noch ins Kino...? In den USA wird Lion's Gate den Film jedenfalls voraussichtlich diesen Herbst in die Kinos bringen...

Zuerst einmal eine WARNUNG:
Dieser Film ist definitiv nichts für schwache Nerven!!!
Es sind zwar relativ wenig blutige Szenen, aber diese haben es in sich (ähnlich, wie die Feuerlöscher-Szene in Irréversible...man merkt, dass der Drehbuchautor dieses Filmes bei Haute Tension Co-Autor war)!

Die Handlung ist zwar denkbar simpel und einfach gehalten, aber so effektiv in Szene gesetzt habe ich so etwas noch nicht sehen dürfen! In jeder Szene ist die Spanung zum zerreissen, und man muss beim Zuschauen regelrecht aufpassen, dass man das Atmen nicht vergisst.
Wo in vielen Filmen die Handlung nur dazu da ist, um eine Action-Szene an die nächste zu Reihen, so ist es hier (fast) das Gleiche in Sachen "spannende Szenen": der Film ist an sich eine einzige solche Szene und man kommt nie dazu sich gemütlich zurückzulehnen!

Dies mag jetzt alles nach einer 0815-Handlung klingen, aber dem ist nicht so:
am Ende kommt ein brutaler Handlungsschnitt, der den Film zwar einerseits aus seinem Gefüge zu werfem droht, aber andererseits dem ganzen mehr Tiefe verleiht. Mich hat diese Wendung an einen anderen Film erinnert (den ich hier nicht erwähne, da ansonsten viele den Twist vorhersehen würden) und das ist der einzige Abzug, den ich bei diesem Werk machen kann!
Allerdings hat es für mich trotzdem funtkionniert, und ruft man sich den Anfang des Films nochmals ins Gedächtnis, so fällt einem auf, dass er plötzlich viel logischer geworden ist...

Die Darstellerischen Leistungen sind allesamt in klasse (auch, wenn es bei einzelnen Rollen aufgrund Ihrer Überlebenschancen nicht viel zu tun gab).
Besonders hervorzuheben sei hier Cécile De France, die jeder Szene eine immense Intensität auferlegt: man fühlt richtig mit und weiss wie Sie sich innerlich fühlen muss. Alleine mit der Mimik schafft Sie es, dass wir vollkommen in den Film hinein gezogen werden: genial!
Aber auch Maïwenn Le Besco bringt Ihre hysterische Rolle glaubhaft und ohne Übertreibungen realistisch auf die Leinwand: châpeau!
Zu guter letzt wäre da noch Philippe Nahon als Mörder zu erwähnen:
er muss nicht viel machen, aber das macht er perfekt! Schon alleine das Geräusch seines Atems, welches durch die Raucherlungen zischt, und sein Alkoholiker-Schmatzen zerren unbeirrbar an den Nerven, und man will ihm keinesfalls begegnen...schon gar nicht Nachts!



Von der "T&A"- und "Gore"-Seite, gibt es "gute" Neuigkeiten:
Maïwenn zeigt sich gleich zu Anfang in einer Duschszene, und Cécile macht einen à la Naomi Watts in Mulholland Drive...für die Damen gibt es diesbezüglich nichts zu sehen...(man sieht auch hier, dass alle Regeln des Genres genauestens befolgt werden!)
Blutig wird's bei allen Morden! Wir sehen eine sehr ausgefallene Enthauptung, ein Kreissägenmassaker, eine riesige Scherbe in der Ferse (AUTSCH!), eine Axt im Brustkorb und viele, viele Messerstische...It's getting really messy!!!

Vom visuellen Standpunkt her, bekommen wir auch alles geboten:
Schräge Winkel (oft wird mit der Perspektive auch bewusst gespielt), verwinkelte Einstellungen (ähnlich, wie in Evil Dead), rasend-schnelle Kamerafahrten und im Gegenzug auch wieder Zeitlupenaufnahmen. Der ganze Film wird ziemlich dunkel gehalten (spielt ja auch Nachts) und die Kamera hat einen sehr grossen Anteil an der Beklemmtheit, die der Zuschauer zwangsläufig verspürt!

Was diesem Gefühl des Unwohlseins noch das i-Tüpfelchen verpasst, ist der Score:
Häufig wird mit dem Titel "New Born" von Muse gearbeitet, und diese Rechnung geht schon einmal perfekt auf! Ansonsten bekommt man ein Halloween-mässigen, monotonen Score auf die Ohren, oder zwischenzeitlich ganz einfach STILLE.
Was mich aber am meisten begeistert hat, war folgendes:
Jeder kennt bestimmt das Gefühl, wenn man Nachts alleine in einer unbekannten Umgebung unterwegs ist. Man konzentriert sich auf Geräusche, die auf eine andere Person hindeuten könnten. Diese Konzentration fürht aber meistens zu erhöhter Sensibilität der Gehörgänge, welche dann vom Geräusch unseres Blutes und des Pulses überflutet werden...schon mal aufgefallen? Mir schon!
Und genau damit wird hier gespielt:
Bei den spannendsten Szenen, werden Geräusche (ein Pfeiffen, ein Surren, geladene Statik, etc...) auf den Zuschauer losgelassen, die mal lauter, mal leiser oder auch einfach unregelmässig aus den Lautsprechern dröhnen. Dies hat einen enormen Anteil daran, dass man die Augen nicht mehr von der Leinwand abwenden kann und wird hier grandios eingesetzt!

Fazit:
Haute Tension ist ein Film, der seinem Titel alle Ehre macht! Dieser Film ist Hochspannung pur vom Anfang bis zum verstörendem Schluss! Klar wird der Film nicht allen gefallen, denn dafür ist er vielleicht etwas zu graphisch, aber für mich ist es der Film, auf den ich seit Jahren gewartet habe!!!
Ein dickes "Dankeschön" nach Frankreich, wo mit solchen Filmen noch Mut bewiesen wird!
Hier wird das Publikum noch wirklich unterhalten/gefordert/geschockt; und nicht für blöd verkauft...danke, danke, danke!!!

Wertung:
99%