Punch-Drunk Love
Komödie, Romanze, Drama USA 2002

Regie:
Paul Thomas Anderson (Magnolia, Boogie Nights)

Darsteller:
Adam Sandler (Waterboy, Happy Gilmore, Little Nicky, The Wedding Singer)
Emily Watson (Equilibrium, Hilary & Jackie)
Philip Seymour Hoffman (Boogie Nights, The Big Lebowski, Almost Famous)

Handlung:
Etwas muss sich ändern im unausgefüllten Leben von Barry Eagan (ADAM SANDLER). Bevormundet und herumkommandiert von seinen sieben Schwestern, genervt von seinem neu gegründeten Kleinunternehmen im San Fernando Valley und zu unkontrollierten Aggressionsausbrüchen neigend, sammelt Barry in seiner Freizeit Gutscheine auf Puddingbechern, die ihm zahllose Bonusmeilen einbringen sollen. Sein Leben wird noch komplizierter, als er um seiner Einsamkeit zu entkommen, bei einer Telefonsex-Nummer anruft: Die Phone Sex Sister Latisha versucht - zusammen mit ihrem brutalen Boss (PHILIP SEYMOUR HOFFMAN) - Barry zu erpressen. Doch seit die geheimnisvolle Lena (EMILY WATSON) in sein Leben getreten ist, wird alles noch komplizierter...

Kritik:
Womit soll ich nur anfangen?!?
Mit der bizarr-skurrilen Handlung?
Mit den klasse Darstellern?
Mit den irrsinnigen, durchlebten Situationen?
Mit der subtlien und bedachten Darstellung?
Mit dem innovativen und schrägen Score?
Oder mit dem durch so viele Eindrücke entstandenen Gesamteindruck?!?
So viel Erwähnenswertes in diesem Film, und so wenig genügend kräftige Adjektive um es zu beschreiben!
Dennoch muss ich irgendwo anfangen...

Der Film fängt so an, wie er weiter geht, und schlussendlich auch aufhört: ruhig mit vereinzelten Knall-Bonbons. Diese haben es bei mir sogar hin und wieder geschafft, dass ich für einen kurzen Moment stärker erschrocken bin, als in den meisten Horrorfilmen zusammen genommen (was jetzt nicht heissen soll, dass dieser Film irgendwelche Horror-Elemente hätte)!

Wir lernen Barry Eagan kennen, und merken sofort, dass wir es mit einem etwas verschrobenen Zeitgenossen zu tun haben: er sitzt in einem fast leeren, hohen Raum und telefoniert mit einer Lebensmittelfirma, welche zusammen mit einer Fluggesellschaft eine Gratismeilen-Aktion ins Leben gerufen hat. Wer von uns hat denn schon einmel irgendwo angerufen und gefragt: "Meinen Sie nicht, dass die Kosten für die Prämien in dieser Aktion die Einnahmen übersteigen werden?!?"
Bald jedoch stellt man auch wiederum fest, dass gar nicht alles was Barry tut immer so sinnlos ist, wie er selbst immer sagt.

In diesen ersten minuten des Films, wird auch gleich der Hinweis geliefert, warum er denn so ein seltsamer Zeitgenosse ist: eine nach der anderen seiner SIEBEN Schwestern (ich wage es gar nicht, mir so etwas vorzustellen!) ruft Ihn bei der Arbeit an, oder besucht Ihn sogar...und wofür? Alle aus ein und demselben Grund: "Denkst Du an die Party? Du kommst auch sicher? Aber nicht kneifen!"
Nach solchen "Bombardements" in der Form von verbaler Befehlshaberei kann ein jeder nachvollziehen, warum gewisse Menschen sehr introvertiert sind. Diese Eigenschaft wiederum führt bei unserem tragischen Helden wiederum dazu, dass er zu unkontrollierbaren Wut- und Gewaltausbrüchen neigt...dies jedoch immer nur gegenüber Objekten und nicht Mitmenschen...
Ausserdem kommt dadurch noch dazu, dass er grosse Mühe hat mit Menschen zu Kommunizieren, weshalb er oft einsam und traurig ist. Das alles ändert sich, nachdem er:
1. eine Sex-Hotline anruft um gegen seine Einsamkeit anzukämpfen.
2. die Bekanntschaft von Lena macht, die ihn von der ersten Sekunde an anzieht.

Was nun folgt ist die wohl mit Abstand schrägste ud absurdeste Liebesgeschichte, die ich je sehen durfte. Der ganze Film strotzt nur so von komischen und unerwarteten Situationen, wie es nur selten zu sehen ist! Wie oft kommt es denn auch schon vor, dass jemand in einer unüberlegten Sekunde das komplette Badezimmer eines Restaurants auseinandernimmt, nur um im nächsten Moment völlig überzeugend das Unschuldslamm zu spielen?!?

Es ist für mich sehr schwer diesen Film zu beschreiben, ohne etwas vorweg zu nehmen...deshalb höre ich an dieser Stelle mit den Angaben zum Inhalt auf. Nur eines noch dazu: es ist alles so sehr irrelevant, dass man den Eindruck erhält, alles sei wichtig. Und wenn man sich am nde des Films den Titel wieder ins Gedächtnis ruft, merkt man: es war wirklich alles sehr wichtig! Wer Freude an Filmen, wie Ghost World, Rushmore oder The Royal Tennenbaums hatte, wird hier sicher richtig liegen!
Leider kann ich keinen Vergleich zu P.T. Anderson's anderen Filmen machen (Magnolia und Boogie Nights), da ich beide nicht gesehen habe...was nicht heisst, dass ich das niemals nachholen werde, nach diesem Erlebnis! ;o)

Die darsteller - allen voran Adam Sandler - wissen vollends zu überzeugen, und spielen Ihre Rollen mit viel Enthusiasmus und vor allem auch mit Können!
Ich persönlcih war nicht wirklich "überrascht" von Adam sandler, da ich sowieso der Meinung bin, dass Komiker die besseren Schauspieler sind...Und so haben wir nach Jim Carrey (Truman Show, Man On The Moon, The Majestic) schon den Zweiten modernen Leinwandkasper, der es schafft auf gefühlvoller Ebene zu überzeugen...mal schauen, wer noch folgen wird...Seann William Scott?
Auch Emily Watson verkörpert Ihre Rolle auf bewundernswerte Art, und als Zuschauer hat man einfach oft das Gefühl hier ein absolut perfekt zusammenpassendes Paar zu erleben: einfach genial!
Philip Seymour Hoffman hat nur wenig Spielzeit, in welcher aber auch er auf der ganzen Linie zu überzeugen weiss: frei nach dem Motto "Wenn ich schon eine kleine Rolle habe, dann muss Sie umso grösser gespielt werden!" (ich liebte das Telefon-Gespräch zwischen Ihm und Sandler!)

Der Anfangs erwähnte Score ist ein Darsteller für sich: oft wusste ich nicht ob die Geräusche jetzt vom Film waren, oder von Draussen, oder einfach eine Illusion in meinem Kopf! Ich meine...es wurde mit so vielen Geräusch-Effekten gearbeitet, die in jeder Szene die Intensität erhöhten, dass man am liebsten alles in zeitlupe angesehen hätte, um auch ja nichts von diesen auditiven, visuellen und audio-visuellen Elementen zu verpassen.
Der Score ist also an sich schon ein Highlight, und somit auch schon Grund genug diesen Film zu sehen (was von den Kinobetreibern in der Schweiz mal wieder vollkommen übergangen wurde)...

Zuletzt noch zu Herrn P.T. Anderson. Dies war mein erster Kontakt zu seiner Arbeit, und ich bin vollkommen begeistert! Selten schafft es ein Regisseur mit einfachsten Mitteln (diese 80er-mässigen Frabstreifen z.B.) eine solche Tiefe und Spannung zu erzeugen, dass einem bei der kleinsten Unregelmässigkeit fast das Herz stehen bleibt. Er schafft es konstant den Film in eienr ruhigen Atmosphäre zu halten, und dabei doch den Zuschauer dazu zu animieren, sich zu fragen, wie es denn nun weiter geht / was denn hier noch alles passiert. Klasse auch, wie er mit Licht und Schatten spielt (vor allem das Wiedersehen von Barry und Lena war sehr eindrücklich), und wie er genau weiss, wann er wo und wie lange "drauf halten" muss.
In das ganze Gefüge reiht sich dann schlussendlich auch noch der Schnitt nahtlos mit ein: auch hier ist die Qualität überdurchschnittlich...mir fehlen wohl langsam wirklich die Worte...deshalb war's das.

Fazit:
Punch-Druck Love ist eine mitunter kritische Liebesgeschichte, die in einer alltäglichen Umgebung alles andere als alltäglich ist: sie ist wunderschön! Wer sich einen schönen, gemütlichen und romantischen Abend machen will, ist mit diesem witzigen, skurrilen, bizarren und schrägen Meisterwerk bestens bedient!

Wertung:
95%