Achtung, Fertig, Charlie!
Komödie CH 2003

Regie:
Mike Eschmann

Darsteller:
Michael Koch
Melanie Winiger
Marco Rima
Myriam Aegerter
Martin Rapold

Handlung:
Der Italo-Schweizer Antonio Carrera (Michael Koch) wird vom Altar weg in die RS gezerrt. Der Bund fürs Leben, welchen er mit der hübschen Laura (Mia Aegerter) hätte schliessen sollen, wird wegen des «Urlaubs in Grün» in die Warteschleife gesetzt. Der Clou der Geschichte liegt nun darin, dass Antonio alles daran setzt, sich aus der RS werfen zu lassen, um die Hochzeit doch noch zu Stande zu bringen - selbst wenn er dafür seine Mitrekrutin Bluntschi (Melanie Winiger), die uneheliche Tochter seines Vorgesetzten (Marco Rima), verführen muss. Eine Vielzahl von unvorhergesehenen Ereignissen verhindert dies jedoch stets wieder von neuem.

Kritik:
Da dieser Film eventuell auch in Deutschland laufen wird, habe ich hier nun mal die Gelegenheit, als Erster über einen Film zu berichten...also los:

Als ich vor einem viertel Jahr zum ersten mal den Trailer zu diesem schweizer Film sah, dachte ich "Sieht stark nach American Pie im Militär aus!"
So weit so gut.
Was ich daher erwartete, war eine in den Militär-Alltag verpackte Teenie-Lovestory, in welcher die Realität überspitzt und lustig dargestellt wird. Ich kann jetzt schon sagen, dass nichts dergleichen geboten wurde...doch eins nach dem anderen...

Im Übrigen: RS steht in der Schweiz für die obligatorische 15- bis 18-wöchige Rekrutenschule, welche die militärische Grundausbildung darstellt. Danach gibt es jährlich einen sogenannten WK (= Wiederholungskurs) der 2 bis 3 Wochen dauert. Diesen darf man dann solange besuchen, bis man seine 360+ (je nach Rang) Diensttage geleistet hat...

Schon am Anfang des Films merkt man, dass es nicht sehr realitätsnah zu und her geht: Antonio Carrera wird von der Militärpolizei (komischerweise ein Mann und eine Frau, obwohl Frauen nur als Fahrerinnen oder Füsiliere eingesetzt werden) kurz vor dem "Ja-Wort" vom Traualtar weggezerrt! Die italienische "Familie" der Braut ist natürlich ob der geplatzten Hochzeit nicht sehr erfreut, und Antonio muss so schnell wie möglich wieder aus der RS verschwinden und die Trauung vollziehen, wenn er sich nicht mit der Exil-Mafia anlegen will.
Nach ein paar gescheiterten Versuchen mit den Vorgesetzten zu reden, gibt es für Antonio nur noch eine Möglichkeit: die uneheliche Tochter des Hauptmanns (die sich auch als Füsilierin versucht und dabei am motiviertesten von allen ist) - Rekrutin Bluntschi - flachlegen, und dann dafür rausfliegen.
Dazu muss aber zuerst einmal Kontakt zur Zielperson aufgenommen werden, was sich als schwieriger erweist, als man es sich gedacht hatte. Dennoch schafft es Rekrut Carrera natürlich die Aufmerksamkeit der hübschen ex-Miss Schweiz auf sich zu ziehen, und die Geschichte nimmt Ihren vorhersehbaren Gang.

Positiv waren hier einzelne, kleinere Anspielungen auf alltägliche Diskussionsthemen, wie Religionen und Drogen: es wurde nicht zu sehr übertrieben, und die Problematik konnte man bei allem Humor immer noch erkennen. Die Handlung wird zügig voran getrieben, und es gibt selten Längen (anders als in Komiker mit Beat Schlatter, der ansonsten aber durchaus gelungen war). Sogar ein paar sehr gute, zündende Gags sind zu finden...sozusagen richtige Schenkelklopfer. Alles in allem behalten die amerikanischen Vorbilder in punkto Derbheit aber immer noch die Nase vorn, was im Grunde genommen jedoch auch positiv zu werten ist.

Leider war's das dann aber auch schon mit den guten Nachrichten...
Am meisten störte mich, dass ich das Gefühl hatte, die Macher hätten noch nie eine Kaserne von Innen gesehen: eine Kompanie besteht aus 30 Füsilieren (statt 120); das Kader besteht lediglich aus 2 Korporälen und einem Hauptmann (Leutnant?!? Oberleutnant?!? Fourrier?!? Feldweibel?!? --> alles Fehlanzeige); beim Sturmgewehr muss nach JEDEM Schuss nachgeladen werden (wohl, weil Platzpatronen benutzt wurden; trotzdem wäre es realistischer gegangen, aber naja...) und was die Piranha-Panzer und die acht Grenadiere in einer Füsilier-RS zu suchen hatten, weiss ich auch nicht. Das wäre aber eigentlich alles nicht so tragisch gewesen, wenn die Witze nicht auf diese völlig abstrusen Begebenheiten aufgebaut gewesen wären. Aufgrund dieser Tatsache wirken viele Gags einfach nur noch flach oder an den Haaren herbei gezogen; und vor allem ist DAS schade, da die Mittel wohl vorhanden gewesen wären, aber nur halbherzig eingesetzt wurden. So wirkt der ganze Film einfach wie aus einer Fantasiewelt, in der dem Zuschauer extreme Beschränktheit unterstellt wird, und deshalb möglichst viel weggelassen wird um niemanden zu überfordern. Was soll das?!?
Wie am Anfang gesagt, wäre mir eine überspitzte Darstellung der Realität viel lieber gewesen, und ich bin fest überzeugt, dass dann die Gags auch besser zünden würden. Da hätte man sich die amerikanische Militär-Satire Buffalo Soldiers - Army Go Home als Beispiel nehmen können. Leider, leider versagen die Produzenten in diesem Punkt auf der ganzen Linie...

Die Darsteller waren ein gemischtes Ensemble: von "sehr gut" über "naja" bis "grottenschlecht":
Marco Rima bildet hier den Höhepunkt. Man sieht im den Spass, den er bei den Dreharbeiten hatte in jeder Szene an, und spielt den verschrobenen Hauptman und Schulkommandant den Umständen entsprechend glaubwürdig. Auch Hauptdarsteller Michael Koch ist ein sympatischer Newcomer, der seinen Job zufriedenstellend zu erledigen vermag. Überraschend gut war auch Melanie Winiger, die mehr macht als einfach nur gut auszusehen (auch wenn sie das perfekt macht)! Martin Rapold macht, was er tun muss...nicht mehr...nicht weniger. Am meisten genervt hat jedoch Myriam Aegerter, die in Deutschland vor allem wegen der RTL-Serie Gute Zeiten, Schlechte Zeiten bekannt ist..und genau das merkt man Ihr an. Es mag auch an Ihrer Rolle liegen (die zickige Braut, die alles macht um Ihre Ziele zu erreichen), aber spätestens am Schluss - als Sie unbedingt noch ein Liedlein für den Abspann trällern muss - geht Sie einem dermassen auf den Senkel, dass man den Abspann gar nicht mehr sehen möchte.

Der Soundtrack ist ein guter Mix aus gängigen Rock- und Pop-Songs (u.A. von den Lovebugs) die dem Teen-Movie-Status entsprechen. Schade ist allerdings, dass man oft einen Score vermisst, der die ruhigeren Szenen etwas interessanter und packender hätte gestalten können.

Regietechnisch gibt es eigentlich gar nichts zu sagen, ausser dass am Ende scheinbar das Geld gefehlt hat, um den Panzerfaustschuss realistisch und nachvollziehbar zu zeigen: macht den Eindruck ein B-Movie zu sehen...Ansonsten aber durchaus ansehnlich...nix Besonderes, aber auch nicht schlecht.

Fazit:
Diese schweizer RS-Komödie hat durchaus Ihre guten Momente, aber leider zu wenig davon. Der Film gehört in die Sparte "Kann man sich ansehen, muss es aber sicherlich nicht". Einige gute Ansätze sind zu erkennen, die Hoffnung auf zukünftige CH-Produktionen machen. Dennoch bleibt der Film gesamthaft weit hinter den Erwartungen, und will es einfach nicht schaffen den Zuschauer mitzureissen. Wer sich aber einen lockeren Abend mit ein paar Lachern und ein bisschen Satire machen will, der kann getrost zugreifen: ein paar mal wird hier jeder zum Lachen gebracht...egal warum.

Wertung:
42%