Equilibrium
Action / Sci-Fi USA 2002


Regie:
Kurt Wimmer

Darsteller:
Christian Bale
Sean Bean
William Fichtner
Taye Diggs
Emily Watson


Handlung:
Nach dem dritten Weltkrieg ist der Menschheit klar, dass man einen vierten kaum überleben wird, und so beschliesst "Vater", der Diktator der Zukunft, die Eliminierung jeglicher Gefühle. Jeder Bürger muss jeden Tag den Emotionsunterdrücker Prozium schlucken, Kunst oder Vergnügen sind verboten. Wer dagegen verstösst, wird von sogenannten Klerikern mitleidlos eliminiert. Als Oberkleriker John Preston eines Tages selbst das Prozium absetzt, kommt der bislang so eiskalte Killer ins Grübeln...


Kritik:
Gut, ja...die Ähnlichkeiten zu Matrix oder Minortity Report sind nicht von der Hand zu weisen. Und dass die Handlung an Klassiker wie Fahrenheit 451 erinnert, bestreitet auch niemand. Trotzdem ist Equilibrium ein wahrer Leckerbissen (ohne darauf rumreiten zu müssen, dass dieses Drehbuch VOR Matrix entstand)!
Schon in der Anfangsszene wird einem klar, dass man hier etwas Besonderes sieht: der "Gammaton Kleriker" John Preston (grandios - wie immer - gespielt von Christian Bale...bekannt aus American Psycho oder Reign Of Fire) nimmt an einer Reinigungsaktion gegen einen Rebellen-Unterschlupf teil. Gerade vorher - in einem kurzen, erzählten Intro - hat man erfahren, dass nach einem 3. Weltkrieg der globale Diktator "Vater" auf die grandiose Idee gekommen ist, jegliche Gefühle (und somit auch alles, was diese auslöst, wie Bilder, etc...) zu verbieten. Um das zu erreichen müssen sich alle Menschen die Droge PROZIUM spritzen, welche Gefühle zu unterdrücken vermag.
Während dieser ersten Szene erhalten wir einen ersten, kleinen Eindruck davon, was diese Kleriker für Fähigkeiten haben: John erledigt den Kern des Unterschlupfs im Alleingang (schliesslich ist er auch der beste aller Kleriker)! Dies können Kleriker aber nur aufgrund einer neuen Kampfsportart genannt GUNKATA, bei welcher Pistolen als Verlängerungen der Arme fungieren. Die Kämpfer stellen sich immer in Positionen, welche es Ihnen ermöglichen den statistisch wahrscheinlichsten Flugbahnen der gegnerischen Kugeln auszuweichen, und gleichzeitig selbst mit den eigenen Waffen einen geometrisch grösst-möglichen Raum abzudecken. Und das, so jedenfalls meine Meinung, ist eine der berauschendsten Kampftechniken, die ich je gesehen habe!

Nach diesem furiosen Opening, tauchen wir in eine Zukunft ein, die nicht düsterer sein könnte: alle Menschen laufen wie Ameisen umher und machen Ihre Arbeit. Es gibt keinerlei Unterhaltungen, und sowieso gibt es nur einen einzigen, nichtssagenden Gesichtsausdruck: den der völligen, seelischen leere (vor allem glaubwürdig dargestellt von Christian Bale).
Wer sich dem neuen System wiedersetzt, wird wegen "Gefühlsverbrechen" verurteilt, gejagd, aufgespürt und exekutiert...gnadenlos!
Sogar Kinder müssen PROZIUM einnehmen, und man lernt John's Sohn als sehr kühlen und pflichterfüllten Jungen kennen, der einem einen kalten Schauder über den Rücken kriechen lässt.
In der Stadt laufen ständig Ton- und/oder Videobotschaften vom übermächtigen "Vater", welche stets den selben, monotonen Inhlat haben: "Wir haben ein System geschaffen ohne Kriege. Wir sind die perfekte Gesellschaft!"...blablabla...
Allein schon diese ewigen monologe aus den Lautsprechen, würden mich zum ausrasten bringen, und so gibt es natürlich auch in dieser Vision immer wieder Menschen, die versuchen sich dem Ganzen zu wiedersetzen. So auch John's Partner, der sein PROZIUM heimlich abgesetzt hat, und sich der Literatur hingibt. Daraufhin wird John damit beauftragt seinen Partner seiner "gerechten" Strafe zuzuführen.

Aufgrund dieses Dramas (und der Dinge, die sein Partner ihm vor dessen Tod gesagt hat), und der Erinnerung an seine ebenfalls verurteilte und exektuierte Frau, setzt John nun selbst seinen Gefühlsunterdrücker ab. Dass dies nicht unentdeckt bleiben wird, ist spätestens dann klar, wenn man John's neuen, karrieregeilen Partner kennenlernt...
Von nun an beginnt John also seine Entdeckungsreise durch eine für Ihn völlig neue Welt der Gefühle, wobei er immer wieder brüsk in die harte Realität zurück geholt wird, in welcher er den gefühlslosen und knallharten Kleriker spielen muss.
Gleichzeitig muss er sich vor allen Menschen schützen, die Ihn verraten könnten...einschliesslich seiner beiden Kinder!

Irgendwann, lernt John die Führer der Untergrundbewegung kennen, welche in Ihm DIE Chance sehen, das System zu stürzen.
Was folgt, ist ein zwar ein altbekanntes "Einer-Gegen-Alle"-Schema, jedoch wird es hier in einer derart dichten Atmosphäre serviert und mit visuellen Leckerbissen bestückt, dass es eine wahre Freude ist! Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten, denn das muss man einfach gesehen haben!
Einzig und allein die Logik der verschiedenen Wendungen ist nicht immer ganz einfach nachzuvollziehen...aber vielleicht bin auch nur ich das...und was hab' ich da schon zu meckern?!?

Auf darstellerischer Ebene handelt es sich hier um eine One-Man-Show, welche Christian Bale mit seiner Darbietung des Ober-Klerikers problemlos zu meistern vermag! Langsam verliebe ich mich in diesen Kerl und seinem karismatischen äusseren: er hat mich bisher in jeder Rolle überzeugen können, und ich freue mich auf mehr von ihm...
Alle anderen Darsteller liefern auch eine gute bis sehr gute Leistung ab, aber ich muss zugeben, dass ich meine volle Aufmerksamkeit John Preston gewidmet habe, und somit gar keine allzu grosse Kritik an den anderen Schauspielern üben darf.

Die Filmmusik ist auch hervorragend eingesetzt, und vor allem die Action-Szenen sind peppig untermalt worden. Ansonsten wird hierdurch eine ähnliche Stimmung, wie in Minority Report ausgestrahlt, was natürlich auch passt.

An alle, die kein Blut sehen können, noch diese Warnung: der Film trieft zwar keinesfalls vor Blut, aber auf ein paar optische, rote Überraschungen sollte man schon gefasst sein...

Kurt Wimmer hat hier eine solide und - für mich - umwerfende Leistung abgeliefert: er spielt mit Schnitten, Beleuchtungen und Winkeln, dass es eine wahre Freude ist! Vor allem gefiel mir, dass Szenen mit schnellen Schnitten nicht die Logik zerstört haben, denn das hat z.B. bei Blade II ein grösseres Problem dargestellt.
Ich bin gespannt, was noch von Ihm kommen wird...


Fazit:
Equilibrium ist ein tolles Action-Sci-Fi-Martial-Arts-Spektakel, dass sich keinesfalls hinter Blockbustern, wie The Matrix zu verstecken braucht! Es wird einem alles geboten: von der soliden Handlung, bis zur "Mit offenem Mund da sitzen"-Action.
1a-Film mit 1a-Darstellern der eigentlich in keiner DVD-Samlung fehlen darf.

Wertung: 95%