MAY - Schneiderin Des Todes
Horror/Drama USA 2002

Regie:
Lucky McKee

Darsteller:
Angela Bettis
Jeremy Sisto
Anna Farris
Kevin Gage
James Duval

Handlung:
Der Horror hat einen neuen Namen! MAY Die junge May Canady ist das, was man ein stilles Wasser nennt. Von dunklen Kindheitstagen an ohne Kontakt zu anderen Menschen aufgewachsen, diente ihr eine unheimliche Puppe als einzig wahrer Freund in Jugendtagen. Nun, zur jungen Frau und OP-Helferin in einer Tierklinik heran gereift, beginnt sie das andere Geschlecht zu faszinieren. Besonders der attraktive Adam hat es dem scheuen Mauerblümchen angetan. Jetzt muss sie nur noch heraus finden, wie man so einen Knaben rumkriegt und was man dann mit ihm tut. Ihre Puppe ist dabei keine grosse Hilfe, und auch die nette Kollegin ahnt nicht wirklich, wie fremd May selbst die einfachsten zwischenmenschlichen Dinge sind. Als Adam nach anfänglichen Erfolgen ihre Annäherungsversuche brüsk zurück weist, zieht das stille Mädchen andere Saiten auf. Schliesslich hat sie nicht umsonst Schneiden und Nähen gelernt!

Kritik:
Ein ganzes Jahr musste ich warten, nachdem ich damals die äusserst positive Kritik von http://www.arrowinthehead.com gelesen hatte, um endlich diesen Film zu sehen. Dank dem DVD-Release am 22.09.2003 war es nun endlich soweit: ich habe es mir gemütlich gemacht, um diesem Streifen meine vollste Aufmerksamkeit schenken zu können!
Der Film fängt mit der Kindhait von May Canady an und man erfährt in sehr kurzen Ausschnitten, dass sie Aufgrund einer Augenklappe (diese musste Sie tragen, weil eines Ihrer Augen sich nicht so recht mitbewegen wollte --> "She's got a lazy eye") in der Schule keine Akzeptanz - und somit auch keinerlei Freunde - finden konnte.
Aus Mitleid, schenkt Ihre Mutter Ihr zum Geburtstag eine geheimnisvolle, selbstgemachte Puppe mit Namen "Soozy", welche in einer Box aus Holz und Glas eingesperrt ist. Diese Puppe stellt während May's gesamter Kindheit und Jugend den einzigen Freund dar, den Sie hat. Ähnlich, wie in Stephen King's Carrie, fehlen Ihr dadurch später jegliche Kenntnisse über soziales Verhalten...

Als erwachsene Frau, arbeitet May dann in einer Tierarztpraxis als Arzthelferin, und man merkt bald, dass Ihr das Schneiden und Nähen an Körpern gut zu gefallen scheint. Immer wieder träumt Sie davon den perfekten Freund zu finden, doch gefallen Ihr an allen Menschen nur einzelne "Teile", wie die Hände, der Hals oder die Beine.
Als Sie sich in den hübschen Adam verliebt, beginnt das grosse Gefühlschaos: Sie will sich ihm hingeben, weiss aber nicht wie.
Nach anfänglichen Erfolgen, übertreibt es May jedoch etwas mit Ihrem "schrägen" Verhalten, und Adam nimmt verängstigt und verunsichert reisaus. In der Folge merkt May, dass alle Ihre Freunde (alle beide!) Sie nicht verstehen können, aber auch nicht wollen. Gleichzeitig geht dann in einer wirklich fast schockierenden Szenen Ihre geliebte Puppe zu bruch, womit Sie nun in Ihrer Welt ganz alleine ist.
m54.ch
Doch wie sagte schon Ihre Mutter?
"Wenn Du keinen richtigen Freund findest, musst Du Dir halt einen machen"
Und so kommt es, dass May zu Nadel und Faden greift...und zum Skalpell...und zum Beil...und zur Schere...

Alles in Allem hat mir der Film sehr gut gefallen! Er ist am Anfang vielleicht etwas schnell in der Erzählung des Hintergrundes, aber von zu wenig ausgeprägter Charaktertiefe kann ich trotzdem nicht sprechen. Viel merh hätte es mich gestört, wenn die Macher diesem teil zu viel Aufmerksamkeit gewidmet hätten, da dies den Film unnötig langatmig gemacht hätte. In diesem Horror-Drama bekommt man so ziemlich alles geboten: Spannung, eine sehr interessante Hauptfigur, brutale Bilder (für die Blutrünstigen unter uns) und sogar etwas Humor! Dies alles verpackt in einer nicht-alltäglichen Love-Story.

Man kann die Geschichte problemlos nachvollziehen, und wartet gespannt auf alles, was da noch kommen wird.
Einzig die letzte Szene liess mich ein bisschen verwundert zurück: was will der Regisseur mir damit sagen?!?
Ob ich es herausgefunden habe, spielt keine olle: dazu kann sich jeder seine Eigenen Gedanken machen...

Bei den Darstellern fallen vor allem Angela Bettis und Anna Farris (bekannt aus Scary Movie) auf:
Ana Farris, weil Sie hier doch eine recht überzeugende Leistung als Lesbe abgibt, und Angela Bettis, weil Sie es schafft den Film ganz alleine zu tragen! Man sieht Ihr bei jeder Einstellung Ihre Gefühle und Gedanken an, und trotz aller erschreckenden Vorkommnisse, baut man doch eine gewisse Sympathie ihr gegenüber auf: klasse!!!

Die Filmmusik fällt nicht weiter auf, tut aber das Nötige, um dem Film noch etwas an Spannung zu verleihen.
Der Regisseur hat auch bei ein paar Einstellungen klasse Arbeit geleistet, und schafft es immer wieder einen Sog des Surreellen zu erzeugen, der einen in die Abgründe der Seele von May hinunter zieht.

Fazit:
May ist ein subtiler Horror-Film mit mehreren Drama-Elementen und einem überraschenden, blutigen Ende.
Ideal geeignet für einen gemütlichen Abend zu zweit...

Wertung:
75%